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DISPUT

Kuh vom Eis

Das kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

Die Winterzeit beschwört immer wieder heimelige Bilder aus Kindertagen herauf: Vierschanzentournee mit Jens Weißfl og (der Name war Programm) und Eiskunstlauf mit dem »schönsten Gesicht des Sozialismus « Katarina Witt. Draußen schneit es und dank moderner Technik läuft Katis Kür über den Beamer wohnzimmerwandgroß – zum Frühstück gibt es Kakao und Plätzchen, im Radio die Nachrichten und ich höre: »…nachts um 2 Uhr hatten wir dann die Kuh vom Eis!« Unsicher schaue ich zur Wohnzimmerwand …

»Die Kuh vom Eis haben« ist eine Redewendung von weit vor Erfindung der Rinderoffenställe und meint, dass man eine schwierige Lage entschärft, einen Kompromiss gefunden hat, der – im Gegensatz zum Eis – tragfähig ist. In der Politik gern genutzt, wenn sich nach stundenlangen Verhandlungen ein Weg offenbart, der für alle gangbar ist.

Darüber hinaus impliziert die Formulierung die Schwere der Verhandlung, den harten Weg zur Lösung. Denn eine Kuh ist schwer – es wird behauptet, man könne Kühe nicht mal umschubsen – und wenn eine Kuh steht, dann steht sie. Und steht. Und steht. Wenn eine Kuh bei Massentierhaltung (eine Kuh macht Muh, viele Kühe machen Mühe) auf den zugefrorenen Weiher läuft, kann man sagen, man wartet auf den Frühling – dann löst sich das schon. War aber in früh-bäuerlicher Zeit die Kuh gleich DIE EINE Kuh, dann hatte man ein ernstes Problem, weil vielleicht das Überleben davon abhing.

 Ich mag dieses Bild, auch weil es so simpel und irgendwie friedlich daher kommt. Klar kann man Situationen auch »entschärfen« – aber da schwingt potentiell Gewalt mit. Da ist die Dorfgemeinschaft, die kollektiv versucht, mit einem dicken Strick die Gescheckte vom Eis zu bekommen, sehr viel stimmiger – und stimmungsvoller. Und damit: Eine besinnliche Zeit »zwischen den Jahren«.

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