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DISPUT

Kopfstand hilft kapieren

Feuilleton

Von Jens Jansen

Immer wenn ich die neuesten Nachrichten höre oder lese, bekomme ich stechende Kopfschmerzen. Darum fragte ich die Yoga-Lehrerin unserer Selbsthilfegruppe, welche Übung dagegen helfen könnte. Sie riet: »Legen Sie ein Kissen auf den Fußboden, dann den Kopf darauf, die Arme anwinkeln, die Füße an die Wand strecken, und schon fördert der Kopfstand die Durchblutung des Gehirns! So können Sie alle Ereignisse besser verdauen.« Ich habe das probiert und – es hat geholfen!

Dieses Leiden hat mich vor einem Jahr ergriffen. Genauer gesagt, seit das Rumpelstilzchen Donald Trump sich als Weltgendarm in Washington postierte und rief: »Jeder ist sich selbst der Nächste!« Seitdem bricht diese Welt, die viele Risse hat, aus allen Fugen. Was ja logisch ist, weil es auf diesem Planeten kein ICH ohne das WIR gibt. Aber wie kann ein Kerl, der das nicht kapiert, zur Nummer EINS in der Welt werden? Das habe ich beim Kopfstand begriffen: Mister Trump begann seinen Weg als rabiater Geschäftemacher mit Immobilien. Nun will er die USA und die Welt mit der gleichen Befehlsgewalt lenken. Die Vollmacht hat ihm die Mehrzahl der amerikanischen Wähler gegeben. Doch diese Mehrzahl war ja nur eine Minderheit, weil die Hälfte der Wähler Nichtwähler sind, und die andere Hälfte sich in zwei Hälften um die zwei Parteien der USA gruppiert. So hat ihm ein Viertel der Erwachsenen gereicht. Die konnte er mit seinem Geld und dem Schwur: »Ich mache Amerika groß und glücklich!« narkotisieren.

Seither unterschreibt er mit dickem Filzstift jede Woche wuchtige Dekrete: Doppeltes Geld für die Aufrüstung. Hohe Mauern für die Aussperrung der Einwanderer. 25 Prozent Strafzoll für Importe aus China und Russland. Knallharte Rechnungen an die Verbündeten in Europa. Schluss mit der Diplomatie durch die Ausweisung vieler Diplomaten. Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Wohltaten für Kiew und Fußtritte nach Moskau. Androhung der Auslöschung Nordkoreas bei weiteren Drohungen von dort … und so weiter.

Da kann der Papst zur Mäßigung mahnen. Da können Dutzende in Trumps Stab den Kopf schütteln und den Hut nehmen. Da fühlen sich die zweifelhaftesten Gestalten in Europa und der Welt zu nationalistischen Klimmzügen ermuntert, die geradeaus in neue Massengräber führen können. 22 Kriegsschauplätze hat unser Globus – da geht doch noch was!

Muss man nicht am Verstand der Regenten verzweifeln? Aber die verschwenden viel Grips auf die Verblödung ihrer Völker. Und das Räderwerk des Kapitals funktioniert, solange die Bäuche voll und die Köpfe leer sind. Das braucht Zeitungsmacher, Lehrbuchmacher, Gesetzesmacher und Stimmungsmacher, Politologen und Theologen, Abgeordnete und Lobbyisten, Golfclubs und Stammtische. Und gegen diese Armee von Meinungsmachern wird der einzelne Bürger zum Wurm, der nie erkennt, warum die Reichen immer reicher und die Armen immer mehr werden. Weil eben das ganze Ausbeutersystem auf dem Kopf steht!

Was ich aber auch im Kopfstand nicht begreife, ist: Wann kapiert eine Merkel-Regierung, dass Deutschland dieses Wettrennen um die größte Macht mit dem kleinsten Hirn nicht mitmachen darf. Wir sind doch oft genug im eigenen Blut fast ertrunken! Aber wir produzieren Kampfpanzer statt E-Autos. Wir drosseln Windkraft statt Giftschleudern. Wir beschließen Kitas und haben keine Pädagogen. Wir gründen Cyber-Kriegs-Stäbe und beherrschen nicht mal die Taschenrechner, um bezahlbare Wohnungen zu bauen. Kommt doch endlich mal vom Größenwahn 'runter auf den Teppich!

Macht Frieden mit dem Osten, sonst rettet ihr niemals das fieberkranke Europa und die taumelnde Welt!

 

 

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