Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Skip to main content

Sarah Nagel

Kaffee, Kuchen, Widerstand

So viel ist selten los auf dem Lipschitzplatz in der Berliner Gropiusstadt. Die meisten Menschen überqueren ihn nur, wenn sie von der U-Bahn kommen. Nur wenige sitzen auf Bänken oder draußen im Café »Happiness«. Am 29. September war das anders. 150 Anwohner kamen zu einer Kundgebung gegen die steigenden Mieten, von denen hier fast alle betroffen sind. Entweder weil ihre Miete bereits stark angehoben wurde, oder weil sie befürchten, dass es bald so weit sein könnte. Denn die Vermieter lassen hier ein Haus nach dem anderen energetisch sanieren. Elf Prozent der Kosten dürfen sie dann auf die Miete draufschlagen – für die Immobilienkonzerne ist das lukrativ. Im Löwensteinring 23/25 bedeutet das für die meisten Mieter eine Steigerung von rund 170 Euro im Monat. In ihren Briefkästen lag die Ankündigung im Spätherbst 2017. Einige von ihnen haben daraufhin eine Mieterinitiative gegründet, gemeinsam mit Aktiven der LINKEN Neukölln. Als Initiative haben wir zur Kundgebung eingeladen unter dem Motto: »Mietenwahnsinn stoppen – Für ein gutes Leben in Gropiusstadt«. Denn für viele bedeuten die steigenden Mieten, dass sie sich andere Dinge

nicht mehr leisten können oder im schlimmsten Fall ihre Wohnung verlassen müssen. Ein Mieter erzählt auf der Kundgebung davon, wie er 1967 mit seiner Familie nach Gropiusstadt kam und sofort eine Sozialwohnung fand. Eigentlich bräuchte er jetzt eine kleinere, bezahlbare Wohnung, aber die findet er nicht. Er möchte hier wohnen bleiben – »ein unglaublich schöner Wohnbereich« – und will sich weiter dafür einsetzen, dass die Mietsteigerungen ausgesetzt werden und die Infrastruktur erhalten bleibt. Ähnlich dürfte es auch anderen gehen. Bei der Kundgebung sprechen Mieter, aber auch Vertreter von Initiativen wie der Bürgerhilfe und der Stadtteilmütter, die die Folgen der Mietexplosion in ihrer täglichen Arbeit erleben. Noch im Oktober ist ein weiteres Treffen geplant, um zu überlegen, wie es weitergeht. Viele sagen, dass sie kommen wollen.

Auch die Aktiven der LINKEN werden weiter am Ball bleiben. Anders als im nördlichen Neukölln hat DIE LINKE hier keine Rekordergebnisse, überhaupt erinnert in der Hochaussiedlung wenig an das Neukölln einige U-Bahnstationen weiter mit seinen Altbauten und Cafés an jeder Ecke. Genau deshalb will die Gruppe hier gemeinsam mit den Anwohnern etwas auf die Beine stellen. Sie ist Teil der Modellprojekte für LINKE Organisierung in sogenannten sozialen Brennpunkten, die der Parteivorstand 2016 beschlossen hat.

Das bedeutet auch, ein paar Dinge anders zu machen als sonst. Persönliche Gespräche spielen eine große Rolle – und da zu sein, wo sich das Leben eben abspielt. Mobilisiert wurde für die Kundgebung unter anderem mit einem Infostand bei der Gropiusstädter Kaffeetafel im September und auf dem Trödelmarkt, dazu gab es ganz klassisch Plakate und Flugblätter. Das Thema traf einen Nerv, auch in vielen Geschäften durfte das Plakat aufgehängt werden. Die Kundgebung ist ein weiterer Schritt, um die Mietsteigerungen gemeinsam anzugehen. 

Sarah Nagel arbeitet im Bereich Strategie und Grundsatzfragen der Bundesgeschäftsstelle und ist aktiv in der LINKEN Neukölln

Zurück zur Übersicht