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DISPUT

Kämpfe

Von Jürgen Kiontke 

  ▀ The Florida Project

Her mit dem schönen Leben, und zwar jetzt, schallt es vom Supermarkt- Parkplatz. Die sechsjährige Moonee hat eine sehr laute Stimme, wie sie da mit ihren Freundinnen und Freunden à la »Die kleinen Strolche« über das zugepfl asterte Areal tobt.

Sie gehören zu jenen Entwurzelten, die am Stadtrand oder in Gewerbegebieten in Pensionen hausen. Für die Miete verticken Moonee und ihre bedröhnte Mutter Halley, gerade mal 22, Billigparfüm. Gute Geschäftsideen sehen anders aus. Gute Verkäuferinnen auch.

Regisseur Sean Baker leuchtet den »White Trash«, das verlorene weiße Subproletariat, im »Florida Project« plastiktütenfarben aus. Die wenigen Klamotten, die es in der Hitze braucht, sind knallig, wie auch die missratenen Tattoos. Schule, Ausbildung, Studium, geregelte Arbeit – alles kein Thema. Alltag im »Magic Castle Motel«, nur ein paar Meter von Disneyworld entfernt.

Allem Unbill zum Trotz schlagen sich die große wie die kleine Protagonistin beachtlich. Moonee und Halley sind Punks, die Meinung anderer Leute geht ins Ohr der einen rein und zu dem der anderen wieder raus. Die beiden sind Meisterinnen des rabiaten Nachbarschaftsstreits, sie haben eine richtig große Klappe, sie leben vom Klauen, von der Energie ihrer Aggressionen, von Rückschlägen. Alltag im Hinterhof von Disneyland. Bei allen Härten, die dieses Durcheinander enthält: Der Film ist auch ein hoffnungsfrohes Panorama, das von der überbordenden Energie seiner Darstellerinnen lebt.

> Kinostart: 15. März 2018

 

 ▀ Der Tod Stalins

 »Death of Stalin« von Armando Iannucci dürfte einer der umstrittensten Filme des Jahres sein. Der Komödienregisseur — und mit ihm ein Produzententeam, das Filme wie »Ziemlich beste Freunde« verantwortet — rückt in dieser britisch-französischen Produktion den Ereignissen rund um den Tod des Staatschefs der Sowjetunion im Jahr 1953 mit einer Menge flauer Witze auf die Pelle.

Ein satirisch überzeichneter Parteisekretär Nikita Chruschtschow macht sich ebenso Hoffnung auf das Amt wie der brutale Geheimdienstchef Lawrenti Berija. Ein Kampf auf Leben und Tod beginnt. Viele Menschen werden im Gefängnis landen oder beim Erschießungskommando.

Diese Ereignisse wären ein sehr guter Stoff für einen guten Film gewesen; gern mit Rückblick auf den Zweiten Weltkrieg und die Wahrnehmung der Blockkonfrontation aus Sicht der Sowjetunion. Eine große Chance wurde vertan. »Death of Stalin« ist ein bunter, ein opulenter Film, aber wegen seiner Albernheiten nur schwer erträglich. In Russland wurde die Lizenz zur Aufführung kurzerhand entzogen. Der Film verbreite Extremismus. Das dürfte dann auch wieder zu viel der Ehre sein. Fazit: Der kalte Krieg ist nicht zu Ende.

> Kinostart: 29. März 2018

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