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DISPUT

Ick bin stink-sauer!

Von Jens Jansen

Als ick in unser Vereinsblatt »Neues Deutschland« jelesen hab, det bei die Bundestagsfraktion der LINKEN »... der pure Hass herrscht«, da bin ick ausjerastet. Wenn ick inne Sitzung von Parteivorstand und de Fraktion jesessen hätte, denn hätte ick wohl – wie der Schreihals Hasskerl inne ZDF-Satire-Schau – losjelegt:

»Mal herhören, verehrte Mandatsträger und -rinnen! Ick hab euch nich mit meine Beiträje bezahlt und in meinem Kiez für euch die Wähler ranjeholt, damit ihr euch jejenseitig inne Waden beißt! Ihr sollt ne andere Politik durchsetzen. Det jelingt aber nur, wenn wa alle an eenen Strang ziehen. Wie ick ausse Presse erfahre, zieht ihr aber an janz verschiedene Stränge: Der Parteivorstand is sauer uff die Fraktion. Umjekehrt jenau so. Die ›Reformer‹ nörgeln über die ›Bewahrer‹, die ›Brückenbauer‹ über die ›Dogmatiker‹, die ›Revoluzzer‹ über die ›Transformierer‹, die ›Sammler-Bewegung‹ spaltet sich in ›Katjuschas‹ und ›Sarah-fi sten«, die ›Altbundis‹ mobben die ›Neufünfl änder‹, die ›Feministinnen‹ wehren sich jejen ›Machos‹, die ›Jungen Wilden‹ gegen die alten ›Bedenkenträger‹. Det is doch keene Partei! So lässt sich doch nüscht bewejen: Keen Weltfrieden und keene Sozialmiete, keene Linkswende und keene Barrikade jejen die Rechten.«

Det Verrückte is, det die alle eenen demokratischen Sozialismus ansteuern wollen. Bloß, wat dabei rauskommt, det wirkt extrem anti-sozialistisch. Aber so dicke ham wir's nich mit unsere Prozente! Die AfD steht bei 12, die FDP kommt uff 10, die LINKE liejt bei 9. Die SPD jeht ooch langsam an sich zugrunde. Die Jrünen wurden zum Bettvorlejer bei die Herrschenden. Und det passiert, während Trump den Erdball zum Fußball macht, wo überall kleene Diktatoren große Pläne schmieden und 22 Krieje veranstaltet werden. Det is nich die Zeit für Spinnereien! Und nach eenen Systemwechsel riecht det ooch nich. Mehr nach Friedhof.

Wir müssen uff unsern Parteitag eenen jut überlejten Fahrplan vorlejen. Da müssen die Weichen und die Schranken richtij plajiert werden. Det Uff- und Abspringen während der Fahrt is tödlich. Ja klar: Die Verhältnisse sind unjemütlicher und undurchsichtijer. Det verlangt kluge, besonnene Steuerleute und -tinnen. Für Mandatsträger jilt det Wahlprogramm und det Parteiprogramm. Wer da für DIE LINKE sitzt, der muss ooch linke Politik machen. Damit wir im Parlament nich unterjebuttert werden, müssen wa die Spielrejeln beherrschen. Wer da ans Pult jeht, darf nich wackeln, wenn die Advokaten der Superreichen Sperrfeuer schießen. Wir sind die Anwälte der Betrojenen! Wir müssen den Betrüjern Feuer unter'm Hintern machen. Det verlangt Fakten und Haltung. Halstuch oder Kostümjacke reicht nich. Proletkult aber ooch nich. Zickenkrieg und Platzhirschjehabe erst recht nich. Iss ja ooch nich der Kern. Dahinter stehn ja strategische Konzepte. Aber doch nich jeder mit'n eijenen Plan, sondern alle zum jemeinsamen Ziel! Und wehe uns jeht een Kopp dabei verloren! Wir brauchen Jede und Jeden. Ooch und jerade die Querdenker. Bloß keenen Jahrmarkt der Eitelkeiten. Det is Jift für Linke. Wer vom hohen Sockel seiner Diäten uff die Schlangen anne Suppenküche oder Wohnungsmärkte kiekt, der riskiert 'ne Sehschwäche! Die Kernfrage is hier und heute nich: »Wo bleibt die Weltrevolution?«, sondern: »Wann kriejen wir endlich den Weltfrieden, det Weltklima und die soziale Jerechtijkeit jesichert?« Derzeit stiftet Deutschland mehr Schaden als Nutzen dabei. Amerika hat sich abjekoppelt. England ooch. Frankreich pendelt. Die Ostpolitik von Willy Brandt hat Frau Merkel jeschreddert.

Ohne und jejen Russland und China ha'm wa aber keene Zukunft. Et jibt also viel zu tun. Darüber lasst uns sachlich und gründlich streiten.

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