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DISPUT

Handschrift

Das kleine Blabla

Noch übler als das Schreiben von Urlaubskarten mit Kirchturm, Berggipfel oder Strand ist das Erhalten von Urlaubskarten – schön, was für Reisen sich die lieben Freunde leisten können: Essen lecker, Wetter gut, Mutti doof. Egal – ich sitze und schreibe an die Oma, nebenbei läuft das Radio, die Nachrichten und ich höre: »…das Programm trägt eindeutig unsere Handschrift!« Meine wutzitternde Hand stanzt mit dem Kuli kleine Löcher in Kirchturm, Berggipfel oder Strand – diese Karte wird wohl nicht geschrieben.

Nur der Laie fragt sich, wie man bei Arial 12 Punkt überhaupt eine Handschrift erkennen kann. Es ist natürlich im übertragenen Sinne gemeint, wie so vieles nur im Übertragenen ertragen werden kann. Gemeint ist natürlich: Unsere Positionen sind erkennbar! Das ist unser! Wir haben es erfunden! Oder ganz blöd: Wir finden uns wieder.

Der Haken: Wenn es um ein Papier einer homogenen Gruppe geht, dann wäre es schön, wenn sich die Gedanken der Gruppe in ihren eigenen Gedankenspielen auch wiederfänden. Sind jedoch mehr als eine Interessengruppe in den Papierentstehungsprozess verwickelt, bekommt das Beharren auf der eigenen Handschrift immer so was von Klassenstreber. Oder Häme. Oder von Ankündigung zur Aufkündigung eines verabredeten Kompromisses.

Da hilft es, wenn man vorher festlegt, wer die Federführung hat – also wer quasi den Stift führt, Schreiber ist. Denn der Schreiber hat früher am Ende entschieden, was wie formuliert und letztlich festgehalten wird. Er war federführend und damit traf er die Entscheidung. Und – ha – seine Handschrift war definitiv erkennbar.

Handschrift und Federführung – so herrlich analog, so herrlich Vor-Buchdruck, so herrlich klar und präzise, dass ich schon deshalb nicht mehr nörgeln möchte. I like! 

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