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DISPUT

Gute Arbeit

Von Lia Becker

Über 150 Interessierte aus Partei, Wissenschaft und Gewerkschaften waren nach Berlin gekommen, um an der ersten, von der Rosa-Luxemburg-Stiftung organisierten, bundesweiten Konferenz einer politischen Initiative für ein Neues Normalarbeitsverhältnis teilzunehmen. Erfreulich: Neben Hans-Jürgen Urban vom Vorstand der IG Metall und DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach waren auch zahlreiche, vor allem jüngere Gewerkschafter/innen und betrieblich Aktive aus unterschiedlichen Bereichen anwesend. Ein besonderer Höhepunkt war der Besuch einer Delegation von Streikenden der Vivantes Servicegesellschaft, die gegen Niedriglöhne, Tarifflucht durch Auslagerung und für eine Anbindung an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes streiken. Die Kolleg/innen wurden mit großem Beifall empfangen.

Bei der von Bernd Riexinger angestoßenen Idee einer politischen Initiative für ein Neues Normalarbeitsverhältnis geht es um eine grundlegende Veränderung der Arbeitswelt im Interesse der Beschäftigten: sichere, planbare und unbefristete, tarifl ich bezahlte, sozial abgesicherte, selbstbestimmtere und demokratisch mitgestaltete Arbeit. Ein Neues Normalarbeitsverhältnis soll für alle gelten – egal ob sie mit Laptop oder Wischmopp, im Pflegekittel oder Blaumann arbeiten. Es ist auch ein Vorschlag für neue Solidarität in einer immer mehr gespaltenen Arbeitswelt.

Bei der politischen Initiative geht es darum, eine Mehrheit der Beschäftigten für konkrete Vorschläge zu gewinnen und gemeinsam politischen Druck aufzubauen. In Arbeitsgruppen wurde daher über konkrete Schritte für die Stärkung von Tarifverträgen, betriebliche und politische Initiativen gegen prekäre Arbeit und über eine neue Initiative zur Arbeitszeitverkürzung diskutiert. Um politischen Druck aufzubauen ist es notwendig, sich auf gemeinsame Schwerpunkte zu einigen, die sich für Bündnisse mit Gewerkschaften, Sozialverbänden und Bewegungsinitiativen eignen. In der gemeinsamen Diskussion zeichnete sich ab, dass der Kampf für Tarifverträge für alle und für einen existenzsichernden, höheren Mindestlohn ein solcher Schwerpunkt sein könnte. Der zweite Schwerpunkt sollte eine Kampagne gegen Dauerstress und für Arbeitszeiten, die zum Leben passen, sein. Die Direktorin des Göttinger Arbeitsforschungsinstitutes »Sofi«, Nicole Mayer-Ahuja, betonte, dass Dauerstress längst zu einem Problem für die Mehrheit der Beschäftigten geworden ist. Sie und weitere Wissenschaftler/innen unterstützen daher den Vorschlag eines Neuen Normalarbeitsverhältnisses. Dieser lässt sich trotz eines sperrigen Begriffs auch kampagnentauglich auf den Punkt bringen: Arbeitszeiten, die zum Leben passen mit 28 bis 35 Stunden pro Woche und Löhnen, die für ein gutes Leben reichen.

Auf dem Weg dahin sollen dieses Jahr bundesweit zahlreiche Diskussionsveranstaltungen in Betrieben, gemeinsam mit der BAG Betrieb und Gewerkschaft oder Bündnispartnern stattfi nden und Unterstützer/innen gewonnen werden.

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