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DISPUT

»Er spielt doch nur!«

Feuilleton

Von Jens Jansen

Auch wenn DIE LINKE sich – trotz Selbstverletzungen – mit dem Leipziger Parteitag und jungem Mitgliederzuwachs im Aufwind fühlt, so bringen doch andere Winde aus Übersee und Europa auch andere Kräfte in neue Höhen. Da melden sich neue Wortführer mit alten Parolen. Die spenden Beifall, wenn die Axt zum bevorzugten Werkzeug der Diplomatie wird. Die feiern als »historisches Ereignis «, wenn zwei Raketen-Fans als Täubchen am Himmel erscheinen. Man weiß nur nicht, wie lange das geht. Vielleicht war der Akku in Trumps Handy leer, so dass er auf dem Rückflug von Singapur nicht – wie nach dem G7-Gipfel – durchsagen konnte: »Meine Unterschrift gilt nicht!« Doch auch so sind die Vereinbarungen zwischen Trump und Kim ziemlich vage. Der Teufel steckt im Detail! Kim versprach, den roten Knopf für seine geschätzt 20 Atomraketen zu demontieren. Aber Trump hatte vordem den Vätern seiner 800 Atomraketen den Auftrag gegeben, kleinere Kernwaffen für kleinere Gemetzel mit kleinerer Hemmschwelle zu bauen.

Der unberechenbare Milliardär Donald Trump, der die ganze Welt wie seinen Konzern lenken möchte, wurde mit Spenden und entsichertem Colt ins Weiße Haus getragen, um allen sozialen Ideen und Reformen aus Europa und Asien, Afrika und Lateinamerika den Kampf anzusagen. Er spielt abwechselnd das Monster oder den Kobold und feuert alle aus seinem Team, die nicht mitspielen. Und wenn es bei seinem Katz-und-Maus-Spiel mit den G-7-Partnern, mit Nordkorea, dem Iran oder den Klima-Wächtern zum weltweiten Protest kommt, dann grinst er in die Kamera und sagt: »Wir spielen doch alle gern!« Doch wen beruhigt solch Zuruf, wenn man von einem Kampfhund ohne Leine und Maulkorb angekläfft wird? Wenn Trump jeden Monat eine internationale Vereinbarung zerreißt, dann ist das ein Alarmruf für unsere zerbrechliche Welt! Weil er gleichzeitig die Aufrüstung verdoppelt, neue Waffen erprobt und mit ökonomischen Daumenschrauben selbst die Verbündeten in die Knie zwingt.

In Berlin applaudiert besonders laut der Oppositionsführer im Bundestag, Herr Gauland. Originalton: »Der macht, was er sagt. Der ist eben kein Clown. Der hat mehr geschafft als alle Präsidenten vor ihm!«

Brauchen wir noch mehr solche »Führer« außer dem Dutzend, das bereits im NATO-Bereich zum Sammeln bläst? Kim Jong Un begründet seine Atomrüstung mit den Manövern der USA vor seiner Haustür. Die sind nun erst mal abgesagt. Die Sanktionen gegen Nordkorea aber nicht. Kim kann sich dennoch als Sieger fühlen, weil er auf den groben Klotz einen groben Keil gesetzt und das Gespräch gesucht hat. Trump hat eingewilligt, weil ihn der Friedensnobelpreis juckt. Er spielt auf allen Klavieren, doch es klingt immer nach Marschmusik. Er schickt schnelle Eingreiftruppen an die russische Grenze, seine israelische Botschaft nach Jerusalem und er droht dem Iran mit harten Schlägen.

Die geschredderte Europäische Union könnte rasch zur »Knautschzone « in der multipolaren Welt werden! Frau Merkel riet, die Fühler nach Japan auszustrecken. Ist der Weg nach Moskau nicht kürzer und lohnender? Dann sollten Außenminister Maas und die einäugigen Ostberichterstatter aufhören, »Reifentöter« auf den Weg zu streuen!

Trump lässt sich feiern. Die NATO-Staaten geloben Bündnistreue, trotz seiner Fußtritte. So kann er munter aus der Hüfte ballern. Die wirkliche Weltmacht Nr. 1 in Peking reagiert mit buddhistischer Gelassenheit auf seine Tobsucht. Die Europäische Linke kann sich das angesichts ihrer Zersplitterung nicht leisten. Und die deutsche Abteilung müsste endlich begreifen, dass der Hauptfeind nicht unter den eigenen Sprechern sitzt.

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