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DISPUT

Epochenbruch 1914–1923

Von Anja Krüger

Immer wieder versicherten sich die europäischen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten bei Konferenzen und in Beschlüssen, im Falle eines Krieges ganz sicher nicht gegeneinander zu kämpfen – doch als der Erste Weltkrieg 1914 ausbrach, riefen sie nicht wie versprochen den Generalstreik aus. Abgesehen von den Genossen in Serbien und Italien stimmten alle für den Krieg.

Die deutsche Sozialdemokratie spaltete sich an der Kriegsfrage im Jahr 1917 in die USPD und die sogenannte Mehrheits-SPD. »Die Kriegsfrage ist bis heute in der Linken die Gretchenfrage«, sagte das LINKE Parteivorstandsmitglied Janis Ehling bei der Tagung »Epochenbruch 1914 bis 1923. Krieg, Frieden, Soziale Revolution «. Die Tagung Ende Februar in Berlin wurde gemeinsam vom Parteivorstand und der Historischen Kommission der LINKEN veranstaltet. Es war die erste derartige Konferenz der LINKEN, eine vergleichbare Veranstaltung der PDS hatte zuletzt 1995 stattgefunden. Der Historischen Kommission gehören 28 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an, die vom Parteivorstand berufen wurden.

Sichtbar sind die Folgen von 1917 bis heute, sagte Ehling, der bis vor kurzem Geschäftsführer der Studierendenorganisation Die Linke.SDS war. Daran erinnern unter anderem Parteidie Namen der Stiftungen von LINKEN und SPD – Rosa Luxemburg und Friedrich Ebert –, zwei Personen mit enormer Wirkmächtigkeit, nicht nur zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

»Wenn wir es schaffen, unbefangen mit der Geschichte umzugehen, können wir aus der Geschichte lernen «, sagte der LINKEN-Vorsitzende Bernd Riexinger in seiner Begrüßung. Auf der Konferenz traten bei vier Themenblöcken insgesamt zehn Referenten und eine Referentin auf, darunter der sozialdemokratische Historiker Peter Brandt, Sohn von Willy Brandt und Mitglied der Historischen Kommission der SPD. Im November 1918 gelang es der Führung der Mehrheits-SPD, den Aufstand zu adoptieren, sagte Brandt. Das war nur möglich, weil die Masse der Arbeiter und Teile der USPD das mittrugen. »Was die Bewegung an Radikalität gewann, büßte sie an Breite ein«, erklärte Brandt.

Der Epochenbruch 1914 bis 1923 begann mit dem Ersten Weltkrieg und endete mit dem Krisenjahr 1923, in dem Deutschland unter der Hyperinflation litt. Im August 1923 stufte die in Moskau ansässige Kommunistische Internationale die Lage in Deutschland als revolutionäre Situation ein – eine fatale Fehleinschätzung. Die KPD begann mit Vorbereitungen für einen Aufstand. In Sachsen und Thüringen ging sie in die Regierung. Von hier sollte die deutsche Oktoberrevolution ausgehen. Doch der sozialdemokratische Reichspräsident Friedrich Ebert schickte die Reichswehr und ließ den Aufstand niederschlagen, bevor er begann. Obwohl sich die KPD gegen weitere Aktionen entschied, kam es in Hamburg zum Aufstand – der schnell zusammenbrach. »Die Ereignisse in Deutschland im Oktober 1923 waren der bislang letzte Versuch einer Revolution in einem industrialisierten Land überhaupt«, so die Feststellung von Bernhard Bayerlein vom Institut für soziale Bewegungen der Ruhr- Universität Bochum.

Auch in Lateinamerika organisierten sich Anhänger der Sowjetbewegung. Dort gründeten sich nach 1917 fünf Kommunistische Parteien. »Eine Führungsrolle hat die KP Argentiniens übernommen«, berichtete der Berliner Historiker Ronald Friedmann. Sie baute Strukturen auf wie das La-Plata-Büro, das die Arbeit in den Ländern koordinierte. Nachdem die Kommunistische Internationale 1925 ein Sekretariat für Südamerika eingerichtet hatte, entwickelte sich allerdings ein Konkurrenzverhältnis zwischen ihrem Vertreter und der argentinischen KP. Die

Beiträge der Konferenz finden Interessierte unter www.die-linke.de

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