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DISPUT

Eine schallende Ohrfeige

Von Daniel Bartsch

Der Kaffee ist heiß, das Radio läuft: Musik, dann Nachrichten, ich höre: »Eine schallende Ohrfeige für die Ministerin ...«

Aua, aua - Frau Ministerin mit rot-glühenden Wangen, und das nicht zum ersten Mal. Backpfeifen für die Orgelpfeifen in der Regierung. Au Backe, möchte man sagen.

Und es reicht ja auch keine einfache Ohrfeige - möglichst schallend muss sie sein. Schallend wie mein Gelächter, wenn ich höre oder lese, dass das Scheitern eines politischen Projektes, eine Niederlage vor Gericht, den Siegern immer fünf Finger im Gesicht des Besiegten wert sind. Fünf sind Trümpf - und mag der Sieg in einer noch so nichtigen Sache erfochten worden sein.

Dabei sind rohe (Sprach)-Gewalt und Brutalität aus der Politik ja weitgehend verschwunden. Niemand sagt mehr Sätze wie: »Da möchte man dazwischenschießen!« Die Empörung wäre riesig, und das völlig zu Recht.

Eine »schallende Ohrfeige« hingegen geht erstaunlicher Weise immer. Als würde es den Tag gegen Gewalt gegen Frauen nicht geben, werden hier Maulschellen verteilt - links und rechts, von links und rechts - und mit Vorliebe an Frauen. Mit Vorliebe von Frauen. Aber auch Ohrfeigen für Institutionen sind möglich, dabei haben die oft nicht einmal ein Gesicht.

Apropos: Ähnlich ins Kontor gehauen wird bei der Formulierung: »Schlag ins Gesicht«. Mit Vorliebe im Zusammenhang mit Millionen Menschen (Beitragszahler werden gern genommen). Wer in der Masse keine Gesichter mehr erkennt, der verdient eine Ohrfeige, aber eine schallende, wenn möglich. Obwohl: Ohrfeigen sind kein sehr schlagendes Argument.

Ein Schlag auf den Hinterkopf erhöht dafür das Denkvermögen. Vielleicht.

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