Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Skip to main content

DISPUT

Der Sammler

Tobias Bank hat eine ungewöhnliche Passion: Er organisiert Ausstellungen mit Dingen aus der DDR und macht so neugierig auf ein untergegangenes Land

Von Anja Krüger

Als er seine erste Ausstellung organisiert hat, hatte er gerade die Grundschule hinter sich. Seit 20 Jahren trägt Tobias Bank Gebrauchsgegenstände, Plakate, Orden und Abzeichen zusammen, die er regelmäßig der Öffentlichkeit präsentiert: Der 32-Jährige sammelt mit großer Leidenschaft Dinge aus der DDR.

Geweckt wurde diese Passion, als in seiner Ost-Berliner Grundschule große Lineale, Malfarben und etliche andere Lehrmaterialien auf die Flure gestellt wurden. »Die Lehrer haben alles aussortiert, was nach DDR aussah«, erinnert er sich. Die Sachen sollten weggeworfen werden, obwohl sie noch brauchbar waren. Tobias Bank entdeckte in den Bergen eine große Rolle mit dem Text des »Pioniermarschs«, einem Kinderlied mit der Anfangszeile »Wir tragen die blaue Fahne «. Er fragte den Hausmeister, ob er die Rolle mitnehmen durfte. Der verwies ihn an den Schuldirektor. »Ich durfte die Rolle mitnehmen, aber es niemandem sagen«, berichtet Tobias Bank. Versteckt unter seiner Jacke brachte er die Rolle nach Hause.

In den frühen 90-er Jahren stand viel Inventar aus Wohnungen, Einrichtungen und Betrieben der Deutschen Demokratischen Republik auf den Straßen Ost-Berlins, das niemand mehr haben wollte. Tobias Bank fand dort etliches, was er viel zu schade zum Wegwerfen fand. Dann begann er, auf Trödelmärkte zu gehen. Auch dort fand er Orden, Gebrauchsgegenstände, Fahnen, Medaillen, Vasen oder Wimpel. Seine erste Ausstellung, die in einem privaten Raum bei seiner Großmutter in Storkow stattfand, kreiste um das Thema deutsch-sowjetische Freundschaft und zeigte vor allem Auszeichnungen. »Das ist gut angekommen, und das hat mich ermuntert, weiter zu sammeln«, sagt er.

2006 organisierte er eine erste öffentliche Ausstellung. Sie fand im Museum in Ketzin im Havelland statt. 1999 war er von Berlin nach Brandenburg gezogen, wo er noch immer lebt. Weitere Ausstellungen folgten, ein bis zwei im Jahr organisiert er mittlerweile. Sie drehen sich stets um ein Thema oder einen Werkstoff wie Porzellan, das für Medaillen oder Vasen verwendet wurden, die etwa für Jubiläen wie »Fünf Jahre deutsch-sowjetische Freundschaft« an Betriebe oder Arbeitskollektive vergeben wurden. Heute sucht er auch im Internet. Mitunter bekommt er auch Spenden von Genossinnen und Genossen, die ihre liebgewonnenen DDR-Produkte nicht wegwerfen möchten. »Oft wissen sie nicht, wohin mit ihren alten Schätzen«, sagt er. Sie freuen sich, jemanden gefunden zu haben, der die Dinge zu würdigen weiß.

»Es geht nicht um Nostalgie«, betont er. »Die Besucherinnen und Besucher der Ausstellungen kommen aus Neugier auf ein untergegangenes Land, das ständig Gegenstand von Diskussion ist.« Ihm geht es darum, die Auseinandersetzung mit Themen anzuregen. Themenausstellungen hat er unter anderem zu politischen Plakaten (»Landwirtschaft – 20 Jahre Bodenreform «), Spielzeug, Orden, Medaillen und zum Arbeitsschutz in der DDR zusammengestellt. Die TU Dresden hat sich die Schau zum Arbeitsschutz ausgeliehen und in eine große Ausstellung über die ostdeutsche Arbeitsgesellschaft integriert. Sehr erfolgreich, gemessen an der Zahl der BesucherInnen, war auch sein Projekt zu Plastik-Tüten aus der DDR.

Um eine Ausstellung auf die Beine zu stellen, braucht er etwa neun Monate. Plakate müssen gerahmt, Gegenstände angeordnet und beschriftet werden. Er bereitet auch Führungen und Vorträge vor. Tobias Bank hat in Potsdam Geschichte sowie Politik- und Verwaltungswissenschaften studiert. Schon während des Studiums hat er angefangen, in der Bundestagsfraktion der LINKEN zu arbeiten. Heute ist er dort Referent für Kommunalpolitik. Er ist auch selbst kommunalpolitisch aktiv. Seit fast zehn Jahren ist er in der Wustermarker Gemeindevertretung aktiv, mittlerweile ist er dort Vorsitzender der Linksfraktion. Außerdem ist er ein sehr aktiver Vertreter der LINKEN im Kreistag Havelland. Zu seinen kommunalpolitischen Forderungen gehören die nach Aufforstung, mehr Grün und sozialem Wohnungsbau im Gemeindegebiet. Das passt gut zu dem Ausstellungsprojekt, an dem er zurzeit arbeitet: Landwirtschaft und Naturschutz in der DDR.

 Ein Objekt hat es Tobias Bank besonders angetan. Gregor Gysi hat ihm zu einer Ausstellungseröffnung eine 30 Zentimeter Marx-Engels-Figur aus Porzellan mitgebracht.

Kontakt zu Tobias Bank: ddr.exposition@gmail.com

Zurück zur Übersicht