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DISPUT

Der Kampf geht weiter

DIE LINKE ehrt die Gießener Ärztin Kristina Hänel und die yezidischen Frauenräte TAJÊ mit dem Clara-Zetkin-Preis 2018

Von Anja Krüger

Der Jubel ist groß, als die Ärztin Kristina Hänel auf die Bühne im Südblock in Berlin-Kreuzberg tritt. Gerade hat die stellvertretende Parteivorsitzende Caren Lay verkündet, dass die Jury des Clara- Zetkin-Frauenpreises der Gynäkologin die diesjährige Auszeichnung verliehen hat. »Ich freue mich total«, sagt Kristina Hänel und strahlt.

DIE LINKE hat in diesem Jahr zum achten Mal den Clara-Zetkin-Frauenpreis vergeben. Damit werden Persönlichkeiten oder Projekte geehrt, die sich besonders gegen Diskriminierung und für die Selbstbestimmung von Frauen verdient machen. Die Preisverleihung findet jährlich um den 8. März statt, dieses Mal am Wochenende vor dem Internationalen Frauentag. »Wir wollen mit dem Preis Frauen sichtbar machen«, sagt Caren Lay, die auch stellvertretende Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag ist. »Noch immer ist die Arbeit von Frauen unsichtbar.« Das gelte auch noch 100 Jahre nach Einführung des Frauenwahlrechts. »Wir werden weiterkämpfen, die Abschaffung von Patriarchat, Sexismus und Homophobie bleibt unser Ziel«, verspricht sie.

Protest angekurbelt Im November hat das Amtsgericht Gießen die Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro verurteilt. Ihr Vergehen: Sie hat auf der Homepage ihrer Praxis über Abtreibung informiert. Deshalb war die 61-Jährige wegen Verstoßes gegen den Paragrafen 219a angezeigt worden, der Werbung für Abtreibung unter Strafe stellt. Im Gegensatz zu anderen angezeigten Medizinerinnen und Medizinern hat Kristina Hänel die Strafe nicht schweigend gezahlt, sondern ist in die Öffentlichkeit gegangen. Sie hat eine Petition gegen den Paragrafen 219a initiiert.

»Kristina Hänel hat mit ihrem Widerstand und ihrer Petition erreicht, dass eine Protestwelle für die Selbstbestimmung von Frauen in Gang gesetzt wurde«, so die frauenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag Cornelia Möhring in ihrer Laudatio. »Eine Protestwelle, die inzwischen auch den Bundestag erreicht hat und die noch nicht vorbei ist. Die erreicht hat, das hierzulande endlich wieder über das Thema Schwangerschaftsabbruch diskutiert wird.« DIE LINKE, aber auch Grüne und FDP haben im Bundestag einen Antrag zur Abschaffung oder Entschärfung des Paragrafen 219a eingebracht. Die SPD setzt sich dafür ein, dass die Abstimmung als Gewissensfrage eingestuft und der Fraktionszwang aufgehoben wird. Dann gäbe es eine Mehrheit für eine Gesetzesänderung.

Sieben nominierte Frauenprojekte stellen an diesem Abend ihre Arbeit vor. Eines ist das Containerprojekt für obdachlose Frauen in Hamburg, das die Caritas Hamburg in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule HAW ins Leben gerufen hat. Studierende helfen den Frauen, die nach einigen Tagen wieder aufbrechen oder sogar Jahre in den Minihäusern auf dem Campus bleiben. »Fünf Plätze stehen explizit für Transfrauen zur Verfügung«, berichtet Andrea Hniopek, Dozentin an der HAW. Wohnungslose Transfrauen haben es besonders schwer, Hilfe zu finden. »Einrichtungen richten sich nicht an Menschen, sondern an Frauen oder Männer.«

Die Kontaktstelle »Frauen für Frauen« in Cottbus gibt es seit 1991. Hilfe bei Ämtergängen und Deutschkurse für Frauen und Kinder mit Migrationshintergrund sind nur einige Angebote. Das Projekt Rosalinde in Leipzig ist Anlaufstelle für queere Geflüchtete. Viele von ihnen haben auf der Flucht und schon in ihren Herkunftsländern Gewalt erfahren. Die Mitarbeitenden von Rosalinde weisen Wege zur medizinischen oder psychotherapeutischen Behandlung.

Auch Vertreterinnen des ver.di- Bezirksfrauenrats München, der einen politischen Frauentreff organisiert und eine monatliche Radiosendung auf die Beine stellt, sind nominiert. Ebenso das Frauenorchesterprojekt: Unter Leitung der Dirigentin und Leiterin des Frankfurter Archivs Frau und Musik Mary Ellen Kitchens spielen die Musikerinnen Werke in Vergessenheit geratener Komponistinnen. Ebenso wie die drei Pflegekräfte von CareSlam (siehe Kasten) werden die Projekte vom Publikum gefeiert.

Gewonnen hat den diesjährigen Projektpreis TAJÊ, die 2016 gegründeten Frauenräte der Yezidinnen. Tajê hat den Hauptsitz in Sinjar im Irak. Die neun Frauenräte setzen sich für den demokratischen Wandel der yezidischen Gesellschaft ein und kämpfen gegen Frauenmorde. In Flüchtlingslagern in Syrien, im Irak und der Türkei organisieren sie Bildungsseminare und bieten Traumatherapien an. TAJÊ unterstützt Frauen, die aus der IS-Gefangenschaft befreit wurden. Für diese Frauen ist die Rückkehr aufgrund des patriarchalen Ehrenkodex sehr schwer.

»Sie helfen den Frauen nicht nur ihre Leiden zu verarbeiten, sondern ermöglichen der yezidischen Frau, in die Gesellschaft zu treten«, sagt LINKEN- Vorsitzende Katja Kipping in ihrer Laudatio. »Die yezidischen Frauen von TAJÊ beweisen, dass Sklavinnen zu freien Frauen werden können. Und freie Frauen können beginnen, eine ganze Gesellschaft umzuwerfen.«

Pflege auf der Bühne Esma Özdemir, Sabrina Maar und Yvonne Falkner von »CareSlam« sprechen über ihren Alltag 

Es wurde ganz still bei der Clara- Zetkin-Preisverleihung im Südblock in Berlin-Kreuzberg, als Sabrina Maar etwas aus ihrem Programm vortrug: »Es gab da diese Frau, die wollte gerne reden. Sie wollte immer reden, aber wir hatten keine Zeit. Sie war der erste Mensch, den ich habe sterben sehen.« Sabrina Maar arbeitet in der Pflege. Manchmal träumt sie von einer Stelle in einem anderen Land mit besseren Bedingungen in der Pflege. Aber eigentlich will sie nicht weggehen. Sie will, dass es hier besser wird. Deshalb steht sie auf der Bühne. Sabrina Maar gehört zu CareSlam. Dieses Projekt hat ihre Kollegin Yvonne Falckner 2015 gegründet – eine Mischung aus Poetry Slam und ScienceSlam. Beim ersten wird Poesie vorgetragen, beim zweiten Wissenschaft für Laien aufbereitet. CareSlam verbindet beides und klärt über die Verhältnisse in der Pflege auf. »Es ist wichtig, etwas zu verändern«, sagt CareSlamerin Esma Özdemir

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