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DISPUT

Der Ausgleicher

Jörg Schindler wurde beim Parteitag zum neuen Bundesgeschäftsführer gewählt

Von Lia Petridou

Es gibt wohl kaum ein Amt in der Partei, das so stark nach diplomatischem Geschick verlangt, wie das des Bundesgeschäftsführers. Insbesondere jetzt, wo sich DIE LINKE im Umbruch befindet. Es gilt, eine Brücke zu schlagen, zwischen dem Altbewährten und dem Neuen. »Partei in Bewegung« bedeutet auch, nach vorne zu schauen, behutsam zu erneuern, ohne dabei irgendjemanden zurückzulassen. Dessen scheint sich Jörg Schindler, neu gewählter Bundesgeschäftsführer, bewusst zu sein.

In einer Stichwahl gewann der Vize-Parteichef von Sachsen-Anhalt die Wahl mit nur drei Stimmen Vorsprung und 48,4 Prozent. Sein Gegenkandidat, der frühere Bundestagsabgeordnete Frank Tempel, erhielt 47,8 Prozent der Stimmen.

»Es war mir klar, dass jederzeit noch jemand anderes antreten kann. Aber das gehört zum demokratischen Prozess dazu, und ist auch in der Situation, in der sich die Partei befindet, angemessen.«, erklärt Schindler. Der strahlt in den meisten Situationen eine positive Betriebsamkeit aus, so als habe der Tag auf keinen Fall genügend Stunden, um all die Ideen umzusetzen, die es den Menschen ermöglichen, ein besseres Leben zu führen.

Politik bestimmt Schindlers Leben seit frühester Jugend. In einem Interview erklärte er neulich: »Es war 1989 in jener Umbruchzeit. Ich war in der 11. Klasse der EOS. Da habe ich in meiner Heimatstadt Borna eine linke Jugendgruppe gegründet. Das Ziel war, die alte verknöcherte DDR abzuschaffen, aber dennoch einen sozialistischen, demokratischen Weg einzuschlagen.«

Dem jugendlichen Wunsch nach gesellschaftlicher Erneuerung folgten der Grundwehrdienst in der NVA und der Bundeswehr, dann das Jurastudium. Von 1991 bis 1996 studierte er in Erlangen und schloss mit dem Ersten Staatsexamen ab, das Zweite erhielt er am Amtsgericht Duisburg. Bei Opel stand er einige Monate am Band, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. »Ein harter Job«, sagt Schindler. 2005 tritt er der damaligen PDS bei, um den demokratischen Sozialismus auf den Weg zu bringen. »Solidarität « schreibt er groß und bemerkt schnell, dass das wiedervereinte Land eine Partei benötigt, die sich um die Schwächsten kümmert und das mit der Solidarität ernst meint – für alle in diesem Land Lebenden.

Schindler ist ein Zuhörer und verfügt damit über eine essenzielle Gabe, die Brückenbauer ausmachen. Er ist mit sich selbst im Reinen, aber kein Großkopferter. Bescheidenheit ist nicht nur sympathisch, sie scheint in der Politik auch eher selten.

»Ich glaube, es ist wichtig, dass die Parteimitglieder mit viel Erfahrung denen mit weniger nicht die Welt erklären, sondern sie in ihren Vorhaben, politischen Aktivitäten und letztendlich auch in ihrer politischen Sozialisation, so gut es geht, unterstützen. Es ist wichtig, sich gegenseitig ernst zu nehmen, denn wir brauchen alle Mitglieder in dieser Partei«, sagt Schindler.

Wie sehr sich der neue Bundesgeschäftsführer auch im alltäglichen Leben um Integration bemüht, lässt die Tatsache erkennen, in wie vielen grundverschiedenen sozialen Zusammenhängen er, scheinbar ohne Berührungsängste, Rechtsbeistand leistet.

In Wittenberg unterstützt er die, die oftmals gern als »Wendeverlierer« von den Behörden und der Öffentlichkeit abgeschrieben werden. In Berlin-Neukölln widmet er sich Migranten und Geflüchteten, auch sie von den Behörden abgeschrieben. Was sie alle verbindet, sie sind Menschen in Not, und Schindler widmet sich ihren Lebensgeschichtenn so gut er kann.

Die ersten großen Herausforderungen im Amt des Bundesgeschäftsführers stehen ebenfalls an. »Wir müssen bei den anstehenden Wahlen stark abschneiden, denn sie sind alle auf ihre Art zukunftsweisend für DIE LINKE. Die Europawahlen werden der Lackmustest für Stärke und Einigkeit der Partei. Die Landtagswahlen in Hessen und Bayern stellen die Stärke der Partei im Westen erneut auf den Prüfstand. Die Kommunalwahlen werden die Stärke in der Fläche belegen.«

Die »Partei im Umbruch« liegt ihm sehr am Herzen. »Die Debatten, die wir führen, sind Teil eines gesamtgesellschaftlichen Umbruchs, und wie wichtig da jede einzelne Stimme ist, hat der letzte Parteitag gezeigt. Selbstbewusst eine Debatte einfordern, bedeutet immer einen Gewinn für beide Seiten.«

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