Fabian Lambeck

Das kleine Blabla

Die kleine Spachrkritik widmet sich diesmal der Phrase »auf gutem Weg«

Was tun, wenn das angestrebte Ziel noch in weiter Ferne liegt? Etwa der Öffentlichkeit reinen Wein einschenken? Zugeben, dass die im Wahlkampf leichtfertig versprochenen Wohltaten einfach nicht zu machen sind? Nein, so funktioniert politische Kommunikation nicht. Wenn das Ziel unerreichbar ist, dann befindet man sich »auf gutem Weg«. Dass dieser Weg schnell zum Ziel werden kann, stellen die politisch Verantwortlichen und leitenden Manager des Berliner Desaster-Flughafens BER seit Jahren eindrucksvoll unter Beweis. Erst kürzlich bediente sich der Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft wieder der Leerformel vom »guten Weg«. Auch beim Klimaschutz war Deutschland lange »auf gutem Weg«, wie der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) beteuerte. Im Sommer dann musste die Bundesregierung einräumen, dass man die Klimaziele für 2020 deutlich verfehlen werde. Scheint so, als sei da ein ganzes Land vom (guten) Weg abgekommen.

Dass die Phrase keineswegs auf den Bereich des Politischen beschränkt ist, zeigt diese bunte Auswahl aktueller Schlagzeilen aus der ganzen Republik: »Grün-Weiß Arnsberg ist auf gutem Weg zum Kunstrasenplatz«, »Stadt sieht sich bei Tourismus auf gutem Weg« oder »Trotz Niederlage auf gutem Weg«. Die interessierten Leserinnen und Leser müssen sich schon die Mühe machen und den dazugehörigen Artikel lesen, um zu erfahren, dass die eigentliche Botschaft lautet: So schnell wird das nichts. Egal ob Politik, Wirtschaft oder Sport: Wer seine Partei, seine Firma oder seinen Verein auf gutem Weg sieht, der will Zeit schinden.

Im schlimmsten Fall wollen die Verantwortlichen über die katastrophale Lage hinwegtäuschen. So wähnte sich »Air Berlin« noch im Juni 2017 »auf einem guten Weg«. Nur zwei Monate später führte dieser Weg direkt ins Insolvenzverfahren.

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