Diese Website verwendet Cookies. Warum wir Cookies einsetzen und wie Sie diese deaktivieren können, erfahren Sie unter Datenschutz
Skip to main content

DISPUT

Che

Vor 50 Jahren, am 9. Oktober 1967, wurde der lateinamerikanische Revolutionär Ernesto Che Guevara in Bolivien ermordet

Von Ronald Friedmann

Er hatte die Angewohnheit, in jeden Satz, den er sprach, ein ebenso klangvolles wie nichtssagendes Füllwort einzufügen. Eine Eigenart der spanischen Sprache, wie sie in seinem Geburtsland Argentinien gesprochen wurde. Dieses kleine Wort wurde zu einem Teil seines Namens und durch ihn in der ganzen Welt berühmt: Che.

 Ernesto Guevara, genannt Che, wurde am 14. Juni 1928 in der Provinz Rosario in einer großbürgerlichen, aber linksliberalen Familie geboren. Eine Reise auf dem Motorrad durch Mittel- und Südamerika wurde für ihn zur prägenden Erfahrung. Er sah die Reichtümer seiner lateinamerikanischen Heimat, und er sah die entsetzliche Armut, die das Leben von Millionen Menschen bestimmte.

In Mexiko lernte er Fidel Castro und dessen Kampfgefährten kennen. Deren erster Versuch im Juli 1953, mit dem berühmten Sturm auf die Moncada-Kaserne einen Aufstand gegen den Diktator Batista auszulösen, war gescheitert. Nun, drei Jahre später, wurde ein neuer Anlauf unternommen. Che Guevara schloss sich der kleinen Gruppe an, die auf einem winzigen Boot, der »Granma«, in tagelanger Irrfahrt den Golf von Mexiko durchquerte und schließlich im Südosten Kubas an Land ging. Diese Gruppe bildete den Kern der legendären Rebellenarmee, die am 1. Januar 1959 siegreich in die Hauptstadt Havanna einzog. Che Guevara, inzwischen Comandante und Teil des engsten Führungszirkels um Fidel Castro, übernahm zunächst die Leitung der kubanischen Nationalbank, später wurde er Industrieminister.

Im Februar 1965 trat Che Guevara überraschend von alle Funktionen in der kubanischen Führung zurück und verschwand aus der Öffentlichkeit. Vorangegangen war eine schrittweise politische Entfremdung von Fidel Castro, der zunehmend pragmatische Positionen bezogen hatte, die auch das offizielle Verhältnis Kubas zur Sowjetunion bestimmten. So fiel unter dem maßgeblichen Einfluss der Moskauer Führung unter anderem die Entscheidung, die angestrebte (und von Che Guevara als notwendig erachtete) Industrialisierung Kubas »vorläufi g« aufzugeben und die gesamte Wirtschaft wieder auf die Zuckerproduktion auszurichten.

Che Guevara verband mit der Revolution, wie er sie verstand, mehr als politischen und ökonomischen Pragmatismus. In seinem Essay »Der Sozialismus und der Mensch in Kuba « schrieb er im März 1965: »Dem Hirngespinst nachjagend, man könne den Sozialismus mit den morschen Waffen verwirklichen, welche der Kapitalismus uns vererbt (die Ware als ökonomische Zelle, die Rentabilität, das individuelle materielle Interesse als Hebelkraft usw.), kann man sich leicht in einer Sackgasse verfangen. [...] Um den Kommunismus aufzubauen, müssen wir mit der materiellen Basis zugleich den neuen Menschen schaffen.«

Bereits im Jahr zuvor hatte er als offi zieller Repräsentant Kubas vor der UN-Vollversammlung in New York revolutionäre Gewalt als ein legitimes Instrument der internationalen Politik bezeichnet und von der Notwendigkeit gesprochen, die kubanische Revolution auf andere Länder zu übertragen.

Mythos

Che Guevara verließ Kuba und ging in den Kongo, der seit Jahren Schauplatz eines Stellvertreterkriegs der USA, der Sowjetunion und Chinas war. Doch sein Plan, auf dem afrikanischen Kontinent eine revolutionäre Volksbewegung nach kubanischem Vorbild anzustoßen, scheiterte aus vielen Gründen.

Che Guevara war nicht bereit, diese Gründe zur akzeptieren. Er war und blieb überzeugt, dass eine kleine, aber entschlossene Schar von Kämpfern, so wie in Kuba, in der Lage sein würde, eine Revolution zu beginnen und die Massen zu mobilisieren. Es war ein tödlicher Irrtum.+++ Mit etwa 40 kubanischen Mitkämpfern begann Che Guevara Anfang 1967 den bewaffneten Kampf in den Bergen Boliviens. Doch die kleine Gruppe fand keinen Kontakt zur einheimischen Bevölkerung, die den Fremden mit großem Misstrauen begegnete, wie Che Guevara selbst in seinem »Bolivianischen Tagebuch« festhielt. In kürzester Zeit wurde die Gruppe von Regierungstruppen aufgerieben. Am 8. Oktober 1967 geriet auch Che Guevara in der Nähe der Ortschaft La Higuera in Gefangenschaft. Am 9. Oktober 1967 um 13.10 Uhr wurde Che Guevara auf Befehl des bolivianischen Präsidenten erschossen.

Che Guevara wurde zur Legende, zum Mythos. Millionen Menschen in aller Welt tragen sein Bild auf T-Shirts, Plakaten und Transparenten – als Symbol des Widerstandes und der Rebellion. Doch die wenigstens wissen, wer er wirklich war.

Zurück zur Übersicht