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DISPUT

Angebot zum Mitmachen

Über das Netzwerk linksaktiv.de erfahren Interessierte von Aktionen der LINKEN und wie sie sich selbst einbringen können

Von Josephine Schulz

Bevor er die Klingel drückt, atmet Felix kurz durch. Dann tritt er einen Schritt zurück und wartet. Eine Mutter mit Baby auf dem Arm öffnet die Tür. Felix erzählt, er sei von der Linkspartei und wolle sich im Kiez erkundigen, wo bei den Bewohnern der Schuh drückt und was sie sich wünschen. Der Vater kommt dazu, gemeinsam erzählen die Eltern, dass oft in das Haus eingebrochen würde und dass sie wegen ihres kleinen Kindes Verkehrsunfälle fürchten. Dass sie sich einen Zebrastreifen wünschen, eine Tempo-30-Zone und dass ihnen die Verdrängung durch hohe Mieten Sorgen macht. Die jungen Eltern freuen sich sichtlich über Felix‘ Interesse. »Es ist das erste Mal, dass ich jemanden von einer Partei im Kiez sehe, der solche Fragen stellt«, sagt der Vater.

20.000 sind registriert

Für Felix ist es ein gutes Gespräch. Wieder auf dem Bürgersteig trägt er in ein Protokoll die Hinweise des Paares ein. Aus den Nachbarhäusern kommen weitere Menschen mit Linkspartei-Flyern und Klemmbrett. Für diesen Samstagvormittag haben sie sich verabredet, um im Weddinger Sprengelkiez Haustürwahlkampf zu machen. Mehr als zehn Mal sind sie schon losgezogen, systematisch arbeiten sie Straßenzug für Straßenzug ab.

Die acht Männer und Frauen sind jung und zum ersten Mal im Wahlkampf aktiv. Sie hoffen, dass nun, wenige Wochen vor der Bundestagswahl, noch weitere Engagierte dazu stoßen. Felix hat über den Verteiler »linksaktiv« eine E-Mail an alle im Bezirk registrierten Sympathisantinnen und Sympathisanten geschickt. Knapp über 200 sind es. Zwei haben sich bei ihm gemeldet und gesagt, dass sie auch gern Haustürwahlkampf machen würden, berichtet er. »Nächste Woche werde ich nochmal eine E-Mail mit allen unseren Wahlkampfaktionen an die linksaktiv-Mitglieder rausschicken, und ich hoffe, dass viele dann Lust bekommen, mitzumachen.«

Linksaktiv.de ist ein bundesweites Mitmachangebot der LINKEN, für das sich Sympathisantinnen und Sympathisanten und Mitglieder eintragen, die über Aktivitäten informiert werden möchten. Im Internet oder bei Unterschriftensammlungen können sich Interessierte melden. Sie können angeben, welche Themen sie interessieren, ob sie sich im Wahlkampf engagieren möchten und bei welchen Aktionen sie mitmachen würden. Deutschlandweit sind rund 20.000 Menschen in dem Netzwerk registriert. Etwa ein Viertel der Eingetragenen ist bereits Parteimitglied.

Die Idee hinter linksaktiv.de ist, Sympathisierende und Mitglieder auf unterschiedlichen Ebenen zusammen zu bringen. Bundesweit können so Informationen versendet werden, die zugeschnitten sind auf die jeweiligen Interessenschwerpunkte. Auf lokaler Ebene sollen Kreisverbände die Datenbank dazu nutzen, neue Aktive für ihre Aktionen zu gewinnen. Christoph Kröpl, der sich auf Bundesebene um linksaktiv.de kümmert, sieht in der lokalen Vernetzung die größte Herausforderung. „Wir können aus Berlin natürlich unterstützen und eine Versorgung mit Informationen und vor allem digitalen Mitmachaktionen zu unserem Wahlkampf und unseren Kampagnen anbieten. Die eigentliche Organisierung muss aber vor Ort passieren«, erklärt er. »Unser Anspruch ist, gemeinsam mit Menschen Politik zu machen und gemeinsam die Gesellschaft zu verändern. Das geht nur, wenn man sich persönlich kennt und vertraut.« Politik muss konkret sein, ist Christoph Kröpl überzeugt. »Nur eine Stimme aus Berlin – sozusagen aus dem Off – die Vorschläge macht, bleibt abstrakt und wird auf Dauer nicht funktionieren«, sagt er. »Deswegen ist die lokale Vernetzung bei linksaktiv.de so wichtig.«

Vielerorts nutzen LINKE-Kreisverbände das Format linksaktiv.de für den Wahlkampf. Werner Schuhmann betreut die Datenbank für München. »Momentan bin ich dabei, die ganzen Daten zu sortieren«, erzählt er. »Und langsam bekomme ich ein Gefühl dafür, was man damit alles machen kann.« Rund 400 Interessierte haben sich in Bayerns Landeshauptstadt bei linksaktiv.de eingetragen. Viele davon bei Aktionen im Rahmen der Kampagne »das muss drin sein«. Die sortiert Werner nun nach ihrem Wohnort und auch danach, ob sie im Wahlkampf aktiv werden oder vor allem Informationen von der Partei haben möchten. »Ungefähr 20 bis 30 Prozent haben angegeben, dass sie im Wahlkampf auch mitmachen wollen«, erzählt Werner. Für die Ortsverbände könne man mit den Daten eine gute Basis schaffen. Er räumt aber auch ein: „Bisher sind die Ortsverbände da noch etwas zögerlich, weil sie alle schon eigene Verteiler angelegt haben.«

Politik mit Spaß

In Nordrhein-Westfalen klappt die Einbindung vor Ort schon seit Längerem gut. In Essen findet jeden Donnerstag ein linksaktiv-Treffen statt. »Das ist ein Anlaufpunkt für alle, die Lust haben, sich zu engagieren und über Politik zu diskutieren«, erzählt Marion Wegscheider von der NRW-LINKEN. Rund 30 Menschen kommen in lockerer Atmosphäre zusammen. Man wolle dort explizit keine bürokratische Gremienarbeit machen, erklärt Marion. Am Anfang werde meist debattiert – über Zeitungsartikel, über Fragen, die die Partei betreffen oder allgemeine politische Themen. Danach wird es konkret: Transparente malen, Flyer-Aktionen planen, Argumentationshilfen erstellen. Jeder kann sich aktiv einbringen, wo es für ihn passt – ob Haustürwahlkampf, Kneipentouren oder Flyerdesign, sagt Marion Wegscheider. »Für manche Menschen ist vielleicht der Schritt, in eine Partei einzutreten, eine höhere Hürde als für die Themen dieser Partei zu kämpfen.«

Der 24-jährige Marvin ist einer von denen, die wöchentlich zum linksaktiv-Treffen kommen. Für ihn war allerdings der Eintritt in die Partei keine Hürde. »Ich habe vor allem im Zuge der Flüchtlingsproblematik angefangen, mich stärker mit Politik und Parteien auseinanderzusetzen.« Über Facebook hat er im Februar von einer Veranstaltung der LINKEN in Bochum erfahren. Sahra Wagenknecht, Christoph Butterwegge und andere sprachen dort über Umverteilung. »Das waren wirklich gute Reden, die haben mich inhaltlich total angesprochen«, sagt er. »Auch, weil ich mich schon lange intensiv mit Kapitalismuskritik auseinandersetze und diese riesige Ungleichheit in der Gesellschaft einfach unerträglich finde. Hinterher habe ich dann gleich das Mitgliedsformular ausgefüllt.«

In der linksaktiv-Gruppe fühlt Marvin sich gut aufgenommen. »Wir sind immer viele junge Leute. Und ehrlich gesagt, hätte ich gar nicht so viel Spaß erwartet.« Früher habe er mit Parteien wenig am Hut gehabt, erzählt der Student. »Und hätte ich da jetzt als Neumitglied irgendeine langweilige Sitzung vorgefunden, keine Ahnung, ob ich dann so aktiv drangeblieben wäre.«

Zurück in Berlin, dieses Mal im Bezirk Wilmersdorf. Hier sind an einem Donnerstagabend eine Reihe von neuen Mitgliedern in der Fußgängerzone vor einem Shoppingcenter unterwegs. Katja, Robert und Julian sind erst seit wenigen Monaten dabei. »Wir wurden direkt ins kalte Wasser geworfen«, erzählt Katja lachend, während sie den Passanten Wahlprogramme und den Kindern rote Windräder in die Hand drückt. »Jetzt bin ich jede Woche bei einer Aktion.« Am Anfang sei es schon eine Überwindung, sich auf die Straße oder an die Haustüren zu stellen, sagt die Chemiestudentin.

Über linksaktiv.de ist allerdings niemand von den dreien zur Partei gekommen. »Für die Koordination der Wahlkampfaktionen nutzen wir meistens Whats-App-Gruppen«, sagt Katja. Die Wilmersdorfer Gruppe versteht linksaktiv.de eher als Informationsverteiler. Julian berichtet: »Vor allem beim Haustürwahlkampf oder auf der Straße haben wir schon eine Reihe von Kontakten für linksaktiv.de gesammelt und festgestellt, dass viele Leute gern Informationen von der Partei haben möchten.« 

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