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DISPUT

Abenteuer auf hoher See

Von Jens Jansen

Die Mannschaft, die mit schwarz-gelb-grünen Wimpeln zur Suche eines Seeweges nach Jamaika aufbrach, wurde kurz vor dem Ziel gestoppt. Nicht, weil ein Felsenriff im Weg stand. Nein, weil der Leiter der gelben Reisegruppe plötzlich auf die Kommandobrücke sprang, eine Admiralsmütze aufsetzte und rief: »Mal herhören, Leute! Die Fahrt ist beendet. Wir kehren um!«

 Das löste unter den schwarzen und grünen Mannschaftsteilen zunächst einen Schock und dann laute Empörung aus: »Wie kommt der gelbe Wackel-Dackel dazu, unser Schiff zu stoppen? Wer gab dem die Admiralsmütze?« Worauf der Mann rief: »Diese Mütze haben mir unsere Wähler verliehen. Wir sind doch die Einzigen, die hier mit einem Wahlsieg an Bord kamen!«

»Na schön«, rief man ihm zu, »dann hätten sie den Kahn ja auch geradeaus weitersteuern können. Oder waren ihnen die Grünen zu grün?« »Unsinn!«, sagte der Bremsklotz. »Die schwarzen Brüder steuerten doch genauso blind in die falsche Richtung.«

»Soso! Und wer sagt, dass wir alle den falschen Kurs steuern?« »Ich sage das – in Übereinstimmung mit unseren amerikanischen Freunden, deren U-Boote uns übrigens seit Guantanamo in Tauchfahrt begleiten! Vor einer Stunde bekam ich deren Warnung in meine Kabine.«

Nun fragte eine grüne Lady entsetzt: »Steht der Kerl unter Drogen?« Worauf der selbsternannte Admiral seinen Ego-Trip wie folgt begründete: »Wie wir alle spüren, sind wir von Herbststürmen umzingelt: Bankenkrisen, Handelsschlachten, schlimme Energie- und Klimaprognosen, Terrorakte, Kriege und 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Dazu immer mehr Großfrachter aus China, soziale Revolten an allen Ufern und falsche Zugeständnisse in allen Zeitungen. Aber hier an Bord spielen wir mit Windrädern, versenken wir Dieselautos, hören wir Märchen aus vergangenen Zeiten, und unsere Steuerfrau singt uns ihr Schlaflied vom ›Weiterso‹! Das geht nicht! Davon profitiert doch das Linksbündnis, das uns im Nacken sitzt! Der Kurs muss geändert werden, sonst siegen die Braunen als Retter der Nation!«

 Da fragten die anderen ratlos: »Kurswechsel – wohin denn und mit wem?« »Na nach rechts, wo unsere Freunde stehen! Aber erst mal Ballast abwerfen:

Die Reichensteuer muss von Bord! Der ›Soli‹ gleich hinterher. Keine Schulden für Sozialausgaben! Keine Haftung für die Kredite lahmer EU-Staaten! Keinen Tempo-Ausstieg aus Atom- und Kohlestrom. Keinen übereilten Klimaschutz mit Prämien für Elektro-Karren. Ich sage: Besser nicht als falsch regieren!« Zwischenruf: »Haben Sie das im Weißen Haus bei Herrn Trump abgeschrieben oder beim Siemens- Vorstand und der Auto-Mafia, die uns Knüppel zwischen die Beine werfen?« Worauf der Admiral seine Mütze gerade rückte und rief: »Ich sage ihnen, was ich im Weißen Haus gehört habe: ›Wir brauchen keine linken Utopien aus Europa, sondern eigene Garantien, dass die Globalisierung unsere nationalen Interessen bedient. Dafür die klügsten Köpfe, schnellsten IT-Netze und stärksten Waffen. Sonst müssen wir alle eines Tages chinesisch lernen!‹ So hört sich das in Washington an. Drum sage ich: Ohne mich! Gute Heimfahrt. Mein Hubschrauber bringt mich gleich nach Florida!«

Nun mussten sich einige Passagiere an der Reling übergeben. Aber das kam wohl aus dem Vorgefühl künftiger Debatten zur Großen Koalition, die ja doch immer wie eine Beisetzung der Demokratie wirkt

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