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DISPUT

4,3 Millionen Mal Hoffnung

Kolumne von Matthias Höhn

9,2 Prozent und ein Plus von 541.063 Stimmen: Das ist mehr als stabil, das ist für uns alle ein toller Erfolg. Die Mühen der letzten Wochen haben sich gelohnt: Es ist das zweitbeste Ergebnis in der Geschichte der LINKEN, und dies unter denkbar schwierigen Bedingungen. Ich danke nochmals unseren Wählerkämpferinnen und Wahlkämpfern und unseren 4.296.762 Wählerinnen und Wählern. Diese Bundestagswahl ist mit den historischen Verlusten der Parteien der Großen Koalition und mit dem Einzug einer Fraktion mit Nazis und Rassisten in den Bundestag eine Zäsur in der bundesdeutschen Parteiengeschichte. Trotzdem sollten wir zunächst auf unsere Resultate schauen.

Wir haben keinen Grund, mit dem Gesamtergebnis unzufrieden zu sein. Dass wir im Westen flächendeckend zulegen konnten, mit herausragenden regionalen Einzelergebnissen, macht Mut und ist Lohn für harte Jahre mühsamen Parteiaufbaus.

Selbstverständlich werden wir die Bundestagswahl akribisch auswerten und die Partei sollte eine ausführliche Debatte führen, welche Schlussfolgerungen zu ziehen sind. Herausforderungen gibt es einige: Mit unseren Verlusten in den ostdeutschen Bundesländern werden wir uns nicht abfinden. Unser Anspruch muss bleiben, im Osten auf Augenhöhe mit den anderen demokratischen Volksparteien zu sein. Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass wir bei allen strategischen Problemen im Osten nach wie vor mehr als doppelt so stark sind wie im Westen. Trotzdem brauchen wir eine Debatte darüber, welche Probleme politisch und parteistrukturell auf uns im Osten zukommen und wie wir sie meistern können.

Es hat sich gezeigt, dass es richtig war, im Wahlkampf in der Ansprache möglichst Brücken zu schlagen zwischen städtischen Milieus und dem ländlichen Raum. Unsere Ergebnisse klaffen auseinander, aber im Vergleich zu mancher Landtagswahl ist die Kluft bei weitem nicht so tief. Ähnlich wie beim Osten wird es eine Herausforderung der nächsten Jahre sein, DIE LINKE jenseits der urbanen, akademischen, jungen und städtischen Milieus zu stabilisieren und zu stärken. So erfreulich unser beträchtlicher Zuwachs in den Großstädten ist, es hat sich wieder gezeigt: Dort wird in Summe eine Bundestagswahl nicht entschieden. Bei Erwerbslosen, Arbeitern und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau haben wir verloren. Das ist eine weitere Baustelle der nächsten Jahre. Mit dieser Entwicklung können wir uns aus demoskopischen, aber vor allem auch aus demokratischen Gründen nicht abfinden. Wir als LINKE haben eine Verantwortung, weiterhin und wieder stärker die demokratische Adresse für diese Menschen zu sein: Dort, wo Frust und Enttäuschung tief sitzen, muss die Hoffnung auf Veränderung zurück, sonst driftet das Land immer weiter nach rechts.

Wir haben 400.000 Wähler an die AfD verloren. Wer die AfD bekämpfen will, muss auch einen Teil ihrer Wähler ansprechen, sonst wird es nichts. Jene, die uns bei der Bundestagswahl 2013 gewählt haben, sind für uns möglicherweise 2021 wieder erreichbar. Diese Wähler wollen wir mit glaubwürdiger Oppositionspolitik für soziale Gerechtigkeit und Frieden in den nächsten vier Jahren wieder auf unsere Seite ziehen - ohne dass wir unsere Grundsätze aufgeben. Aber auch ohne dass wir die AfD zum Hauptbezugspunkt der Politik machen. Das war ein Fehler von vielen in Parteien und Medien im Wahlkampf: Alle sprachen nur über die AfD, das hat sie über den Sommer erst wieder so stark gemacht. Die AfD hat mit uns ihre entschiedenste Gegnerin. Dabei muss und wird es bleiben!

4.296.762 Wählerinnen und Wählern haben uns am vergangen Sonntag ihr Vertrauen geschenkt und setzen ihre Hoffnung in uns. Ich möchte, dass diese Menschen in den nächsten Jahren das Gefühl bekommen, dass diese Entscheidung die richtige war. Wenn wir das schaffen, werden diese 4.296.762 Millionen Wähler auch ihren Mitmenschen erzählen, dass sich ihre Entscheidung damals am 24. September 2017 gelohnt habe und sie ihrer Nachbarin nur empfehlen können, auch DIE LINKE zu wählen. Unsere Wähler als Botschafter unserer Politik: Eine bessere Werbung, ein besseres Wahlkampfmittel gibt es nicht. Der nächste Bundeswahlkampfleiter würde sich freuen.

Matthias Höhn ist Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter. 

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