Thies Gleiss

»Neue Linke Mehrheiten«?

Aber gerne doch, sofort, hier und heute und mit Schmackes.

Aber mit wem? Mit der real existierenden SPD? Die noch vom selben Personal wie zur Agenda 2010 angeführt wird? Bei der 60 Prozent der Mitglieder erst mit und nach der Agenda 2010 eingetreten sind? Never – oder genauer: erst dann, wenn eine breite außerparlamentarische Bewegung das alte Personal und die alte bürokratische Lahmarschigkeit hinweggefegt hat. Daran könnte die LINKE ja mal arbeiten.

Mit den real existierenden Grünen? Die sich gerade erfolgreich als die Partei inszenieren, die den Kapitalismus mehr als alles andere liebt? Die sich als letzte Hoffnung auf eine bürgerliche, breiter legitimierte Regierungspartei des Kapitals fühlen und vom Letzteren auch immer mehr mit Beifall und Spenden in seine Gemeinschaft integriert werden? Never, noch nicht mal nach einer großen außerparlamentarischen Bewegung, an der die LINKE trotzdem mal arbeiten sollte.

Was bleibt für die LINKE? Erstens das Missverhältnis zwischen radikalem, sogar etwas großmäuligem Programm und hasenherziger, mehr auf die eigene Karriere als auf Prinzipientreue bedachter, Praxis bereinigen. Nicht durch Verharmlosung des Programms, sondern durch mehr Lust, Leidenschaft und Radikalität in der Praxis.

Und zweitens: Mehr Politik in der ersten Person machen, nicht nur schauen, was machen die anderen. Die eigene Betroffenheit in den Mittelpunkt stellen. Gesellschaftliche Gegenmacht aufbauen. Sich im wirklichen Leben organisieren, nicht nur im Parlament und in Talkshows.

Thies Gleiss ist Sprecher der Antikapitalistischen Linken.