Ates Gürpinar

Druck der Bewegungen

Der Anfang der LINKEN war für linke Parteien unüblich: Neben PDS-Struktur und der in die WASG mündenden Bewegung gegen Agenda 2010 waren es prominente Köpfe, die DIE LINKE möglich machten. Sie schafften ein Zeitfenster großer Aufmerksamkeit. Es entstand links der Sozialdemokratie eine wahrnehmbare Partei im Herzen des Kapitals. Die Zeit war aber zu kurz, um eine große Basis an Aktiven zu schaffen. Viele Aktive und damit einhergehend eine Massenbewegung, die die verschiedenen Kämpfe verbindet und die Stimmung des Landes langfristig nach links rückt, ist jedoch entscheidend.
Die berühmte Debatte »Regieren vs. Nichtregieren« würde sich anders stellen. Der Druck wäre so groß, dass man gar nicht mehr gegen »die da unten«, also gegen uns regieren könnte. Wirklich linke Mehrheiten im Parlament sind Folge des Drucks von Bewegungen und Kämpfen in den Betrieben. In Berlin wird mit Mieten- und Enteignungsfrage vorgemacht, wie Partei und Bewegungen gemeinsam Druck aufbauen können. Wir müssen das überall versuchen. Der Zeitpunkt ist günstig, denn es gibt Bewegungen, und wir sind Teil dieser. Wir stellen uns im Gegensatz zu anderen Parteien nicht nur für die nächste Wahl an ihre Seite. Sie nutzen unsere Strukturen, um sich – mit uns – äußern zu können. Wir geben ihnen eine Stimme im Parlament, wir besuchen sie in ihren Vierteln: Über mehr Menschen, die ihre Interessen als gemeinsame verstehen, sich im Klassenkampf verbinden und sich nicht gegeneinander ausspielen lassen, bekommt DIE LINKE die notwendige Relevanz. Es ist ein weiter Weg, aber es ist der einzige.

Ates Gürpinar ist Landessprecher in Bayern.