9. August 2010

Hammer, Sichel, heiß – die 5. Sommeruniversität in der Republik Moldawien

Die Partei der Kommunisten der Republik Moldawien (PKRM), in Kooperation mit der Europäische Linken und der parteinahen Stiftung „transform!“ hatten vom 14.-18. Juli zur inzwischen 5. Sommeruniversität eingeladen. Insgesamt waren mehr als 100 Teilnehmerinnen aus insgesamt 16 Ländern anwesend, wobei nach den Moldawiern, unsere deutsche Delegation die größte Gruppe mit insgesamt 14 Personen anreiste.

Moldawien, wo liegt das überhaupt? War das nicht diese ehemalige Sowjetrepublik? Warum finde ich im Buchhandel keinen Reiseführer, gibt es etwa tatsächlich keinen? 

Um nach Moldawien, bzw. in die Hauptstadt Chişinău zu gelangen, ist zu wählen zwischen einer sehr langen Zug- und Busfahrtfahrt über Ungarn/Rumänien, oder mit dem Flugzeug von München als einzige Direktverbindung aus Deutschland. Das Flugzeug des Direktfluges hatte die gefühlte Größe eines Reisebusses. Im Flugzeug selbst kam es zu den ersten Begegnungen mit weiteren TeilnehmerInnen aus anderen teilnehmenden Ländern, und es blieben erstaunlicherweise trotzdem noch Sitzplätze frei. Als wir dann auch noch feststellten, dass Chişinău nur eine Landebahn besitzt war endgültig klar, dass uns keine touristische Hochburg erwarten wird.

Moldawien mit der Hauptstadt Chişinău hat etwa die Fläche von Nordrhein-Westfalen, mit 4,38 Mio. Einwohnern und gilt als eines der ärmsten Länder Europas. Chişinău liegt relativ großzügig verteilt auf sieben Hügeln und wirkt, nicht nur durch die vielen Parks und Grünanlagen, insgesamt sehr grün. Das Stadtbild selbst besitzt einen eher spröden Charme, ist überwiegend durch Neubaublocks geprägt. Vom allgemeinen Eindruck her, wirken Straßen und Häuser, als wären in den letzten 20 Jahren ausschließlich nicht vermeidbare Renovierungsmaßnahmen durchgeführt worden. Die öffentlichen Verkehrsmittel der Stadt, sind die mit Oberleitung betriebenen Trolleybuslinien und die, als verschiedene Linien gekennzeichnete, Kleintransporter, in denen so manches Mal noch die Werbung eines ehemaligen deutschen Inhabers zu erkennen ist.

Auf dem Flughafen gab es einen herzlichen Empfang durch die GenossInnen der PKRM. Die Unterbringung erfolgte in einem sehr modern ausgestatteten Hotel in der Nähe des Messegeländes, auf dem sich auch der Tagungssaal der Sommeruniversität befand. Das Messegelände war eine Parkähnliche Anlage, auf dem sich mehrere Ausstellungs- und Konferenzgebäude befanden. Bemerkenswert an der Parkanlage waren die vielen monumentalen Statuen und Büsten von z.B. Lenin, Marx und anderen, was zu einem deutlichen Anstieg diverser Bildaufnahmen unter den TeilnehmerInnen führte.

Der Tagungssaal selbst überraschte durch ein, für westeuropäische Maßstäbe eher ungewöhnliches Design. Alles wirkte sehr prunkvoll und glitzernd und damit eher palastähnlich. Die Ausstattung entsprach jedoch den modernsten Standards mit W-Lan, Möglichkeiten der Videoprojektion etc..

Ein grundsätzliches Anliegen der Sommeruniversität ist es, eine Identität herauszubilden, in der sich die einzelnen Mitglieder nicht nur als Teil ihrer regionalen politischen Landschaft zu betrachten, sondern Teil einer großen Gemeinschaft, der Europäischen Linken zu sein, und dies erfahrbar zu machen und zu stärken.

Dazu wird im Rahmen des offiziellen Programms die Möglichkeit geboten, zu unterschiedlicher Themenschwerpunkten, gerade vor dem Hintergrund der Sichtweisen aufgrund der unterschiedlichen regionalen Herkunft, inhaltlich zu diskutieren und Erfahrungen auszutauschen und globale Zusammenhänge zu erfassen. Die angebotenen inhaltlichen Themen in diesem Jahr waren sehr vielfältig. So umspannten sie Themen wie die globale Krise, Europäische Sicherheitspolitik/das Verhältnis der Linken zur Nato, Linke in Regierungsbeteiligung, politische Entwicklungen in Lateinamerika. Des Weiteren luden verschiedene Gruppen, zu verschiedenen Themenschwerpunkten wie das Frauennetzwerk der EL, Jugendarbeit und Umweltpolitik ein.

Aufgrund des sehr breit gefächerten Themenansatzes, war es leider nicht immer möglich vertiefend in spezifische Bereiche zu diskutieren. So manches Mal wurde bei länger andauernden Redebeiträgen die Möglichkeit der Diskussion vermisst. Die sehr an den Frontalunterricht erinnernde Form der Vermittlung von Inhalten, stieß bei vielen TeilnehmerInnen auf Ablehnung.

Ein wichtiger und sehr positiver Ansatz der Sommeruniversität ist es, die Möglichkeit der Schaffung und Vertiefung von Netzwerken. So wurden insbesondere auch in den Gesprächen außerhalb des offiziellen Programms viel über Politik, gemeinsame Aktionen und deren Durchführbarkeit und über Gleichnisse und Ungleichnisse in den jeweiligen Ländern gesprochen. Dabei gab es viel Neues und Erfahrens wertes. Wünschenswert wäre es gewesen, wenn durch die Veranstalter zum Beginn kurz die TeilnehmerInnen aus den einzelnen Ländern vorgestellt würden, da nur schwer war einen Überblick zu erhalten.

Für die Abende wurden sehr abwechslungsreiche Veranstaltungen organisiert, z.B. zu einer Weinverkostung des guten moldawischen Weines in den berühmten Weinkeller von Cricova, der sich mit einer Gesamtlänge von ca. 60 km unterirdisch gelegenen Straßen verzweigt. Einen Besuch des Ethnografischen und Naturhistorischen Nationalmuseums, sowie ein längere Ausflug außerhalb der Stadt zu dem Museumskomplex „Orheiul Vechi“ mit seinen Höhlenklostern und Ruinen von drei Städten aus unterschiedlichen Zeitepochen. Wer sich nach diesen Ausflügen noch immer nicht ausgelastet fühlte, hatte die Möglichkeit, bei lauter Musik und weiteren einheimischen Getränken, den Austausch gewichtiger Gedanken fortzusetzen.

Ein Ergebnis der Sommeruniversität ist, neben den vielen gewonnenen Eindrücken und Erfahrungen, das Vorhaben den Erfahrungsaustausch zwischen den moldawischen und den deutschen GenossInnen zu stärken. So soll einE moldawische GenossIn ein Praktikum in Deutschland absolvieren, um die Arbeit der Partei DIE LINKE besser kennenzulernen und neue Impulse in die eigene Partei tragen zu können.

Insgesamt ein wirklich dickes Lob an die moldawischen GenossInnen für die großartige Organisation und die besonders herzliche Gastfreundschaft. Gern wäre ich noch ein paar Tage im Land geblieben um mehr von Land und Leuten zu erfahren. Die nächste Sommeruni kommt bestimmt! Gab es da nicht den Vorschlag der italienischen GenossInnen für das nächste Jahr GastgeberIn zu sein?

Katrin Voß und Lars Kleba

erschienen im DISPUT, August 2010