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		<title>DIE LINKE.</title>
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			<title>Wieder Nazi-Aufmarsch in Dresden stoppen!</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/wieder-nazi-aufmarsch-in-dresden-stoppen/</link>
			<description>Dr. Hans Erxleben, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Berliner Landesparteitag im November hat einstimmig einen Antrag des Bezirksverbandes Neukölln beschlossen, dass sich der Landesverband wieder aktiv an der Mobilisierung für die Demonstration gegen den Neonazi-Aufmarsch in Dresden im Februar beteiligt. Mit dieser Gegenmobilisierung soll an die Erfolge der letzten zwei Jahre in Dresden angeknüpft werden. Gerade angesichts der Aufdeckung von terroristischen Strukturen im NPD-Umfeld ist es nun noch dringlicher, dem jährlichen Nazi-Spuk in Dresden Einhalt zu gebieten.
Da der 13. Februar 2012 auf einen Montag fällt, wird es der 18. Februar sein, zu dem das Bündnis &quot;Dresden stellt sich quer!&quot; zu vielfältigen Gegenaktionen aufruft. Ziel ist es, zum dritten Mal in Folge den Aufzug der Neonazis mit Blockaden zu verhindern. Aller guten Dinge sind drei! 2010 waren wir 12.000, 2011 dann 20.000 und 2012 sollten es nicht weniger sein.
Nicht vergessen ist, dass das breite antifaschistische Engagement in Sachsen von der dortigen Polizei und Justiz in den Vorjahren massiv kriminalisiert und delegitimiert wurde. Wenige Wochen vor der ersten erfolgreichen Blockade kam es im Januar 2010 zu bundesweiten Razzien gegen TeilnehmerInnen des Bündnisses &quot;Dresden nazifrei&quot;, bei denen Mobi-Material beschlagnahmt wurde, mit der fadenscheinigen Begründung, es werde zu Straftaten aufgerufen. Die Repressionsspirale wurde im Februar 2011 noch weiter hoch gedreht, als das Pressebüro des Dresdner Bündnisses von einem SEK gestürmt und Tausende Handydaten in der Dresdner Südvorstadt rechtswidrig abgefragt und gespeichert wurden, von den Wasserwerfereinsätzen bei Minusgraden ganz zu schweigen. 500 politisch motivierte Strafverfahren gegen AntifaschstInnen wurden eingeleitet, wobei die Vorwürfe – auch gegen einige Berliner – bis hin zur &quot;Bildung einer kriminellen Vereinigung&quot; reichen.
Was uns in den zwei vergangenen Jahren in Dresden gelungen ist, sollte 2012 wieder gelingen – mit Massenblockaden einen Marsch der Nazis zu verhindern. Wir sind dazu entschlossen. Von uns wird keine Eskalation ausgehen. Wir sind solidarisch mit allen, die mit uns dieses Ziel teilen. Unsere Stärke ist die Vielfalt und die Breite des Bündnisses. Um es nochmal zu betonen – gewaltfreie Blockaden sind legitim, ziviler Ungehorsam ist nicht strafbar. Keiner soll sich abhalten lassen, nach Dresden zu fahren. Wir lassen uns nicht spalten und nicht einschüchtern. Dresden geht uns alle an, denn wir protestieren dort auch gegen staatliche Aushöhlung des Demonstrationsrechts und einen Schnüffel-Staat, siehe massenhafte Funkzellenabfragen und Immunitätsaufhebungen von Landtagsabgeordneten der Linken. Es kann und darf nicht sein, dass Nazigewalt bagatellisiert und AntifaschistInnen kriminalisiert werden.
Keinen Fußbreit der Dresdner Straßen für die Nazis – blockieren wir sie mit allen friedlichen Mitteln und Möglichkeiten, bunt, laut, kreativ und entschlossen! Gerade die Entschlossenheit gewaltfreier Aktionen war eins der Erfolgskriterien bei den jüngsten Castor-Protesten, von denen wir lernen können. Wir wollen Dresdens Straßen und Plätze nicht schottern, sondern sicherer machen vor der Nazi-Gefahr. Das gelingt aber nur, wenn wir viele sind. Übrigens – die Linke hält rote Gummikissen für die Sitzblockaden bereit. Die passen in jeden Rucksack. Wie Blockaden funktionieren, wird vorher auch in Berlin trainiert, achtet auf Termine zum öffentlichen Probesitzen in den Medien.
Wenn ich noch einen Wunsch frei hätte für den Februar (außer dem nach frostfreiem Wetter) – ich würde mich sehr freuen, wenn an den Stadteingangsschildern an allen Zufahrtsstraßen in Dresden am 18.&nbsp;Februar ein Hinweis wie dieser zu finden wäre: &quot;Die Stadtverwaltung behält sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechtsextremen Parteien oder Organisationen angehören, den Zutritt zur Stadt zu verwehren.&quot; Diese Ausschlussklausel könnte dann dort gleich für immer hängen bleiben.
Siempre antifascista. No pasarán – sie kommen nicht durch.
<i>Hans Erxleben ist Mitglied der LAG Antifaschismus Die Linke Berlin</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 23:57:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Es gilt das Erfurter Programm von 2011</title>
			<link>http://www.die-linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/dokumente/esgiltdaserfurterprogrammvon2011/</link>
			<description>Fünf Überlegungen des KPF-Bundessprecherrates zur Erklärung von 
Dietmar Bartsch vom 30. November...</description>
			<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 22:59:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Wir wollen solidarische Systeme vor der Zerschlagung retten</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/wir-wollen-solidarische-systeme-vor-der-zerschlagung-retten/</link>
			<description>Gesine Lötzsch, Vorsitzende der Partei DIE LINKE</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>In der &quot;Elgersburger Runde&quot;, der Beratung des geschäftsführenden Vorstandes der Linken sowie der Partei- und Fraktionsvorsitzenden der Länder über die Aufgaben im kommenden Jahr, trug Gesine Lötzsch am 9. Dezember 2011 ein 10-Punkte-Papier vor, aus dem wir die Punkte 4 bis 7 hier dokumentieren:</i>
<b>Wie wollen wir die Eigentumsfrage beantworten?</b>
Ein zentraler Punkt in unserem Programm ist die Eigentumsfrage. Ist das eine Frage, deren Lösung wir der nächsten Generation überlassen wollen, oder wollen wir diese Frage schon heute beantworten? Wir müssen sie heute beantworten. Die aktuelle Krise, die gern von Neoliberalen als Staatsschuldenkrise bezeichnet wird, ist eine Verteilungs- und Eigentumskrise. Die herrschenden Eigentumsverhältnisse führen zu einer ungerechten Verteilung des Reichtums in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt. Immer häufiger stoßen Menschen in ihrem Alltag auf die Eigentumsfrage. Warum ist der Strom so teuer? Warum steigen die Mieten in den großen Städten so stark an? Warum wird so viel Geld für den Krieg in Afghanistan ausgegeben und nicht für die Sanierung von Schulen und Universitäten? Nun werden wir nicht morgen die Stromkonzerne enteignen, eigene Wohnungen bauen und Kriege und den Export von Rüstungsgütern verbieten können. Aber wir können über solidarische Eigentumsformen nachdenken. Wir können Genossenschaften gründen, in denen die Genossen über ihre Miete selbst entscheiden. Dazu müssen wir aber unser Selbstverständnis ändern. Ein Mandat in einer Genossenschaft kann für unsere Partei genauso wichtig sein wie ein Mandat im Bundestag. Wir müssen unsere außerparlamentarische Arbeit wieder stärken und ihr größere Wertschätzung entgegenbringen. Sie ist nicht eine Ergänzung der parlamentarischen Arbeit, sondern eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung unseres Programms.
<b>5. Wie können wir gemeinsam den sozial-ökologischen Umbau organisieren?</b>
Die Landesverbände sind wahre Schatzkammern. Dort gibt es einen Schatz an Erfahrungen, den wir für die Umsetzung des Programms unbedingt heben müssen. Ich schlage vor, dass jeder Landesverband ein Referenzprojekt zur Umsetzung des Parteiprogramms entwickelt. Es könnte Referenzprojekte für Mindestlohn, gegen die Privatisierung von Krankenhäusern, Wohnungen, Theatern und kommunalen Betrieben geben. Es könnte Referenzprojekte im Kampf gegen Neofaschismus geben oder für europäische Partnerschaften beim Umweltschutz, Energienetzen oder der politischen Bildung. Da sind den Ideen keine Grenzen gesetzt. Ich stelle mir einen Bundesparteitag vor, wo 16 funktionierende Referenzprojekte von 16 selbstbewussten Landesverbänden vorgestellt werden. Dann können wir beispielhaft zeigen, dass wir die Gesellschaft verändert haben ohne einen Tag im Kanzleramt regiert zu haben. Das würde vielen Menschen Mut machen, diese Projekte zu übernehmen und selbst eigene Ideen auszuprobieren.
<b>6. Wie wollen wir Solidarität leben?</b>
Che Guevaras Satz &quot;Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker&quot; kommt mir in den Sinn, wenn ich an die aktuelle Europa-Krise denke. DIE LINKE in Deutschland ist die stärkste linke Partei in Europa. Linke aus ganz Europa schauen auf Deutschland und sind entsetzt. Nach dem Willen der Kanzlerin soll Europa deutscher werden. Mich fragen unsere Freunde in Europa: Was tut ihr dagegen? Tun wir zu wenig? Ja, wir tun etwas, aber nicht genug. Wir verfassen Papiere, starten Kampagnen, führen Konferenzen durch, aber wir fragen zu selten, welche Folgen diese Papiere, diese Kampagnen und diese Konferenzen haben. Wir müssen unsere eigenen Beschlüsse ernster nehmen. Eine Solidaritätserklärung ist schnell geschrieben. Doch folgt der Erklärung dann auch gelebte Solidarität? Wie können wir den Menschen in Griechenland, Portugal, Irland und Italien helfen, die unter dem Kürzungs-Diktat der deutschen Kanzlerin leiden? Wir müssen über Che Guevaras Satz neu nachdenken, wenn wir ein solidarisches Europa wollen.
<b>7. Warum steigt die Zustimmung zu unserer Partei in der Krise nicht?</b>
Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Vorschläge zur Bewältigung der Krise richtig sind. Trotzdem legen wir in Umfragen nicht zu. Die Krise brummt! Die Herrschenden haben die Chancen der Krise genutzt, um Europa neoliberal umzubauen. Die Agenda 2010 wird exportiert, egal ob es die anderen europäischen Völker wollen oder nicht. Eine solche reaktionäre Revolution der europäischen Verhältnisse wäre ohne Krise undenkbar gewesen. Die Krise wird zur Sternstunde der Marktradikalen, das ist ein Treppenwitz der Geschichte. Warum gibt es dagegen in Deutschland kaum Widerstand? Es wird immer zur Entschuldigung gesagt, dass die Menschen in der Krise den Regierenden vertrauen und keine linken Experimente wollen. Genau da liegt unser Problem: Die Regierenden starten ein hoch riskantes Experiment nach dem anderen. Der Umbau der Sozialsysteme ist ein unglaubliches Experiment mit sehr ungewissem Ausgang. Der Euro-Rettungsschirm ist ein Zwei-Billionen-Experiment, bei dem selbst die größten Experten nicht sagen können, wie es ausgeht. DIE LINKE will diese riskanten Experimente beenden! Die angeblich so altmodische Rentenversicherung hat sich als robuster und renditestärker erwiesen als die Riester-Rente. Wir sind die, die funktionierende solidarische Systeme vor der Zerschlagung retten wollen. Solidarische Systeme sind nicht nur gerechter, sondern auch sicherer als neoliberale Experimente. DIE LINKE ist die Partei, die die Sicherungssysteme vor Marktradikalen schützt, diese Botschaft müssen wir aussenden. Wenn davon gesprochen wird, dass jede Partei eine eigene Erzählung braucht, dann können wir sie für die LINKE in einem Satz zusammenfassen: Eine solidarische Gesellschaft ist für alle besser! Diese Erzählung hat nicht erst heute begonnen, sie wurde schon weit vor der Kreuzigung Jesu Christi erzählt und gelebt.]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 21:01:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Wer Spardiktate sät, wird eine Rezession ernten</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/wer-spardiktate-saet-wird-eine-rezession-ernten/</link>
			<description>Sahra Wagenknecht, Erste Stellvertretende Vorsitzende der Fraktion DIE LINKE</description>
			<content:encoded><![CDATA[&quot;Ohne Maßnahmen zur Stärkung der Nachfrage werden wir 2012 in eine Rezession abrutschen. Schlimmer noch: Die ganz Europa verordneten Spardiktate und Kürzungsprogramme werden vermutlich eine lange wirtschaftliche Depression zur Folge haben&quot;, kommentiert Sahra Wagenknecht aktuelle Prognosen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).
Nach Einschätzung des DIW befinden wir uns bereits in einer Rezession, da die Nachfrage schwächelt und sowohl Unternehmen als auch Verbraucher sich mit Investitionen zurückhalten. Wie lang und tief die Rezession wird, hängt davon ab, wie schnell die Eurokrise überwunden wird.
Im Gegensatz zum DIW sehe ich hier allerdings schwarz. Die drastischen Kürzungsprogramme in vielen EU-Staaten werden Nachfrage und Wachstum abwürgen. Die ungelöste Bankenkrise wird zu einer Kreditklemme führen, die Arbeitslosigkeit wird steigen und die Staatsschulden werden aufgrund der Rezession und der fortgesetzten Bankenrettung weiter anschwellen. Ohne einen politischen Kurswechsel droht Europa ein verlorenes Jahrzehnt.
Zur Stärkung der Binnennachfrage in Deutschland müssten ein Mindestlohn in Höhe von mindestens zehn Euro eingeführt und Renten und Sozialleistungen deutlich angehoben werden. Die Kreditversorgung der Staaten müsste von den Finanzmärkten unabhängig gemacht, der gesamte Finanzsektor in öffentliche Hand überführt und strikt reguliert werden. Schließlich müssten die Profiteure des Finanzkasinos zur Kasse gebeten, ein intelligenter Schuldenschnitt durchgeführt und ein europaweites Investitionsprogramm auf den Weg gebracht werden.
<i>Pressemitteilung vom 21. Dezember 2011</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 20:03:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Neonazis und Verfassungsschutz</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/neonazis-und-verfassungsschutz/</link>
			<description>Klaus Eichner, Lentzke</description>
			<content:encoded><![CDATA[Quer durch alle Parteien ertönt der Ruf, dass der Verfassungsschutz seine V-Leute aus der rechten Szene abziehen oder stilllegen soll, um ein erneutes Verbotsverfahren vor dem Bundesverfassungsgericht abzusichern.
Wozu eigentlich wäre das unbedingt notwendig? Laut Potsdamer Abkommen sind Nazi-Organisationen und -strukturen zu verbieten – mit oder ohne V-Leute. Zur Praxis in der BRD: Während also die einen für das Abschalten der V-Leute votieren, plädieren andere Politiker für die weitere Arbeit mit V-Leuten und fordern den Verzicht auf ein Verbotsverfahren.
V-Leute sind entsprechend ihrer Begriffsbestimmung &quot;Vertrauenspersonen&quot; eines Geheimdienstes. In der Regel stammen sie aus dem Milieu, das aufzuklären/zu kontrollieren ist oder wurden in dieses Milieu eingeschleust. Ein Credo, nach dem seit 1968 ganze Generationen von Verfassungsschützern ausgebildet wurden, lautet:
<i>&quot;Die Mittel des geheimen Mitarbeiters sind Täuschung und Vertrauensbruch, … Es ist müßig, ethische Betrachtungen anzustellen, da die Zielstellung sicherlich höher zu bewerten ist als der interne Verstoß gegen bestimmte Moralvorstellungen. Die Führung der V-Leute erfolgt nicht nur nach dem Prinzip der laufenden Erkenntnisgewinnung aus dem Objekt, sondern kann vorübergehend zu einem aktiven Einsatz führen, um durch die Stimme oder Meinung des V-Mannes die Beschlüsse eines verfassungsfeindlichen Gremiums in einem von dem Auftraggeber gewünschten Sinne zu beeinflussen.&quot;</i> (Die Verfassungsschützer Schwagerl/Walther in ihrem Lehrbuch &quot;Der Schutz der Verfassung – ein Handbuch für Theorie und Praxis&quot;, 1968)
Das Scheitern des Verbotsverfahrens gegen die NPD vor dem BVerfG im Jahre 2003 war im Grunde nicht der Existenz von V-Leuten in den Führungsspitzen der NPD geschuldet, sondern der absolut unprofessionellen Arbeitsweise des Verfassungsschutzes mit V-Leuten.
Das betraf zum einen die Führung der V-Leute, die häufig als agent provocateur zur Anstiftung und Begehung von Straftaten und/oder als Empfänger größerer Summen von Steuergeldern zur Finanzierung der Aktionen der Neonaziszene agierten.
Andererseits gab es eine unqualifizierte analytische Verarbeitung der Arbeitsergebnisse des Verfassungsschutzes und anderer Sicherheitsbehörden auf diesem Gebiet. Wenn aus allen dem BVerfG vorgelegten Informationen über die Verfassungsfeindlichkeit der NPD die Handschrift der V-Leute des Verfassungsschutzes herausschaut, dann muss man sich fragen – war das Dummheit oder gewollt? Unter diesen Bedingungen konnten/sollten die Richter in Karlsruhe nicht anders entscheiden als das Verfahren abzulehnen.
Das Beispiel der Terrorgruppe &quot;Thüringer Heimatschutz&quot; zeigt eindeutig, dass die Aufklärung und Überwachung der rechten Szene weit über die NPD hinausgehen und insbesondere öffentliche und verdeckte Strukturen, z.B. der sogenannten &quot;freien Kameradschaften&quot; mit erfassen muss.
Die zweite Ebene ist die qualifizierte Verarbeitung aller vorliegenden Informationen über die Verfassungsfeindlichkeit dieser Aktivisten und ihrer Strukturen aus allen Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder für die Einleitung eines Verbotsverfahrens.
Wenn die zuständigen Behörden des Bundes und der Länder in Bezug auf die rechte Terrorszene so schnell und offensiv reagiert hätten wie mit der Bildung des Gemeinsamen Terrorabwehrzentrums, reduziert auf den sogenannten islamistischen Terror, dann hätten viele Pannen der Vergangenheit vermieden werden können. Diese Entscheidung wird jetzt in aller Hektik nachgeholt.
Man muss sich aber auch fragen, warum die zuständigen Behörden ihre früheren Entscheidungen und Pläne nicht konsequent durchgesetzt haben. So teilte Innenminister Kanther am 14. April 1994 bei der Vorstellung des Verfassungsschutzberichtes 1993 mit:
<i>&quot;Weil es wichtig ist, dass Verfassungsschutz, Polizei und Staatsanwaltschaften nahtlos zusammenarbeiten, ist auf Anregung des Bundesinnenministers eine Bund/Länder-Informationsgruppe zur Beobachtung und Bekämpfung rechtsextremistischer/terroristischer (insbesondere fremdenfeindlicher) Gewaltakte eingerichtet worden. In dieser IGR werden übergreifende Maßnahmen zur Bekämpfung rechtsextremistischer Gewalt erörtert und Erkenntnisse zwischen Verfassungsschutz, Polizei und Justiz ausgetauscht.&quot;</i>
Konnten sie oder wollten sie nicht?
Wenn der Verfassungsschutz überhaupt einen Sinn haben soll, dann zur Aufklärung und Kontrolle der legalen und verdeckten Strukturen und Aktivitäten der gesamten rechten Szene, weit über das Spektrum der NPD hinaus.
Ein Verbotsverfahren hätte entscheidende verfassungsrechtliche Auswirkungen. Dann brauchte sich die Öffentlichkeit nicht durch juristische (und scheinjuristische) Diskussionen, ob Demonstrationen/Blockaden gegen Naziaufmärsche &quot;rechtsstaatlich&quot; sind, von der entscheidenden Frage, dass sie unbedingt notwendig sind, ablenken zu lassen. Viele Politiker und Medienvertreter wären unter diesen Bedingungen gezwungen, präziser Farbe zu bekennen, auf welchem Auge sie wirklich blind sind. Unsere Steuergelder würden dann nicht mehr direkt (über die Parteienfinanzierung) oder indirekt (über den Verfassungsschutz) in den Aufbau neonazistischer Strukturen und ihre Aktivitäten fließen.]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 19:05:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>&quot;Unser Amerika&quot; und DIE LINKE</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/unser-amerika-und-die-linke-1/</link>
			<description>Jörg Rückmann, AG Cuba Sí</description>
			<content:encoded><![CDATA[Lateinamerika verstört die neoliberale Welt. Seit dem Wahlsieg von Hugo Chávez 1998 in Venezuela spricht man von einem &quot;Linksruck&quot; in dieser Region – aber es ist mehr als das: Die politischen Entwicklungen in Lateinamerika haben etwas von dem, was José Martí 1891 als &quot;Unser Amerika&quot; (Nuestra América) bezeichnete. Er rief die Völker Lateinamerikas auf, sich der eigenen Kultur zu besinnen, gemeinsam für ihre Interessen zu kämpfen und Streitigkeiten untereinander beizulegen.
Anfang Dezember 2011 schaute die Welt nach Caracas zum Gründungskongress der &quot;Gemeinschaft Lateinamerikanischer und Karibischer Staaten&quot; (CELAC). Der CELAC – formell Nachfolgerin der Rio-Gruppe – gehören 33 Staaten mit unterschiedlicher politischer Ausrichtung an. Kuba ist gleichberechtigtes Mitglied. Die CELAC ist ein lateinamerikanisches Bündnis ohne die USA und Kanada, das sich die regionale Kooperation und Integration sowie die Solidarität auf seine Fahnen geschrieben hat.
Schon seit 1998 beschreiten mehrere lateinamerikanische Länder neue politische Wege, um der neoliberalen Umklammerung und den Schocktherapien von IWF und Weltbank zu entkommen. Gleichzeitig wollen diese Länder ihre gemeinsamen Interessen gegenüber dem reichen Norden vertreten. Im Dezember 2004 unterzeichneten Venezuela und Kuba eine Erklärung zur Gründung der &quot;Bolivarischen Allianz für die Völker Unseres Amerika&quot; (ALBA). ALBA stellt einen Gegenentwurf zur Idee der gesamtamerikanischen Freihandelszone ALCA dar und basiert auf den Prinzipien der Zusammenarbeit und Solidarität. Neben Kuba und Venezuela gehören heute Bolivien, Nicaragua und Ecuador, Dominica, Antigua und Barbuda sowie San Vincente und die Grenadinen diesem Bündnis an.
Im Oktober 2009 beschlossen die ALBA-Länder den Aufbau einer neuen regionalen Finanzarchitektur – das &quot;Einheitliche System für den regionalen Zahlungsaustausch&quot; (SUCRE). Der SUCRE soll neben den ALBA-Mitgliedern allen Ländern Lateinamerikas und der Karibik offen stehen. Er fungiert derzeit als Verrechnungswährung und soll – ähnlich wie beim Euro – später als Bargeld ausgegeben werden. Mit dem SUCRE soll der Außenhandel der Länder Lateinamerikas vom US-Dollar abgekoppelt und die Region vor globalen Finanzschocks bewahrt werden.
Er soll helfen, Devisen einzusparen und lokale Wirtschaftskreisläufe zu stärken. In der ersten Hälfte des laufenden Jahres haben Kuba, Venezuela und Ecuador bereits Waren im Wert von rund 144 Mio. US-Dollar über den SUCRE gehandelt.
Mehrere Länder der Region haben sich aus dem IWF verabschiedet.
Venezuela nimmt seit 2000 keine Kredite mehr bei der Weltbank auf und trat 2007 aus IWF und Weltbank aus. Brasilien verzichtet seit 2004 auf IWF-Kredite, Argentinien und Uruguay seit 2005, Bolivien, Ecuador und Peru seit 2006.
Die Präsidenten Venezuelas und Argentiniens verständigten sich 2006 auf die Gründung einer Entwicklungsbank, der &quot;Bank des Südens&quot; (Banco del Sur). 2007 wurden Ecuador und Brasilien Mitglied, später auch Bolivien, Paraguay und Uruguay. Unabhängig von seiner Größe und seiner Geldeinlage wird jedes Land das gleiche Stimmrecht haben, und es besteht ein Konsensprinzip für Geschäftsentscheidungen. Die &quot;Bank des Südens&quot; wird noch in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen.
Mehrere Länder Lateinamerikas haben große Industrien vergesellschaftet oder mit ausländischen Konzernen neue Verträge ausgehandelt. Die Einnahmen z. B. aus dem Abbau von Rohstoffen bleiben nun zum großen Teil im Land und können für Infrastrukturprojekte und Sozialprogramme verwendet werden. Eine enge wirtschaftliche Zusammenarbeit existiert auch im Rahmen des PETROCARIBE-Abkommens von 2005. Venezuela liefert 15 Staaten der Region Erdöl zu Vorzugspreisen. Ein weiteres Beispiel für die lateinamerikanische Integration ist die Gründung der &quot;Union Südamerikanischer Nationen&quot; (UNASUR) im Jahr 2008. UNASUR spielte eine wichtige Rolle bei der Beilegung des Konflikts zwischen Venezuela und Kolumbien im Juli 2010.
Lateinamerika entwickelt ein neues Selbstbewusstsein. Es tritt als souveräner Handelspartner auf, schafft neuartige Wirtschaftskooperationen und wird von den aufstrebenden Industriestaaten wegen seines Rohstoffreichtums regelrecht umworben.
Die Linksentwicklungen in Lateinamerika tragen dazu bei, das ökonomische System der Welt neu zu justieren. Halten Europa und die USA an ihren &quot;Freihandels&quot;-Ideen fest, könnte dies zu einem ökonomischen Nachteil für sie werden.
&quot;Lateinamerika ist derzeit die Region der Erde&quot;, schreibt Ignacio Ramonet (Le Monde diplomatique), &quot;in der die meisten Erfahrungen linker Politik gesammelt werden. Wenn wir den sozialen Fortschritt in anderen Teilen der Erde voranbringen wollen, müssen wir uns über dieses Geschehen informieren&quot;.
Zu diesem Geschehen gehört ein wichtiger Fakt: Die lateinamerikanische Integration, so wie wir sie gegenwärtig erleben, wäre nicht denkbar ohne Kuba. Der Inselstaat symbolisiert für die Länder der Region – aber auch für alle Länder des globalen Südens –  die erfolgreiche Verteidigung des Rechtes der Völker, ihren Entwicklungsweg selbst zu bestimmen. Dieser Zusammenhang wird von einigen LINKEN gelegentlich übersehen.
Seit der Revolution im Jahr 1959 stellt Kuba seine Souveränität, die soziale Entwicklung und die Nutzung der natürlichen Reichtümer des Landes in den Mittelpunkt seiner Politik. Heute gestalten mehrere Länder Lateinamerikas in diesem Sinne tiefgehende Transformationsprozesse und schließen sich zusammen. Und sie geraten – so wie Kuba seit über 50 Jahren – ins Fadenkreuz des Westens.
Erinnert sei hier an den Putsch in Venezuela (2002), die Aktionen gegen die Einheit Boliviens (2008), die Putsche in Honduras (2009) und Ecuador (2010). Gegenwärtig müssen wir einen militärischen Aufmarsch um Kuba und die ALBA-Staaten beobachten: Im Juli 2008 reaktivierten die USA ihre 4. Flotte für Mittel- und Südamerika sowie für die Karibik. 2009 begannen sie, sieben Militärstützpunkte in Kolumbien auszubauen. Die Niederlande erlauben den USA, ihre Militärbasen auf Aruba und Curaçao zu nutzen. Seit dem Erdbeben in Haiti 2010 befinden sich 20.000 US-Soldaten in dem zerstörten Land, und Costa Rica gestattet den USA die Stationierung von 7.000 Soldaten, die über U-Boote, Flugzeuge und Kriegsschiffe verfügen.
DIE LINKE beschreibt sich in ihrem neuen Programm als &quot;internationalistische Friedenspartei&quot; und strebt &quot;eine solidarische Weltwirtschaftsordnung&quot; an, &quot;die nachhaltige Entwicklungsperspektiven für die ärmeren Länder schafft, globale und soziale, ökologische und demokratische Rechte durchsetzt, statt die Konkurrenz um Anteile an weltweiten Exportmärkten voranzutreiben&quot;.
Lateinamerika bricht mehr und mehr mit dem neoliberalen Wirtschaftssystem; CELAC, UNASUR und ALBA demonstrieren, wie eine friedliche, gleichberechtigte und solidarische Zusammenarbeit auf unserem Planeten funktionieren kann. Für die Mitglieder der LINKEN bedeutet das: Solidarität mit dem Linksprozess in Lateinamerika, Solidarität mit Kuba – Solidarität mit &quot;Unserem Amerika&quot;!
<b>Informationen zur AG Cuba Sí in der Partei DIE LINKE</b>
Seit 20 Jahren unterstützt die AG Cuba Sí das sozialistische Kuba mit der Kampagne &quot;Milch für Kubas Kinder&quot;. Elf Landwirtschaftsprojekte haben wir bereits erfolgreich abgeschlossen, vier Projekte realisieren wir derzeit. Für die Arbeiter/-innen der Projekte, für ihre Familien und die Menschen in der Region bedeutet diese Solidaritätsarbeit konkret: eine breite und bessere Versorgung mit Nahrungsmitteln, gute Arbeits- und Lebensbedingungen sowie den Ausbau der lokalen Infrastruktur.
Mit unserer Kampagne &quot;Kuba muss überleben&quot; helfen wir Kuba außerdem im Gesundheitswesen sowie in den Bereichen Bildung und Kultur. Jährlich schicken wir mehrere Schiffscontainer mit dringend benötigten Hilfsgütern auf die sozialistische Insel.
Die politische und materielle Solidarität mit Kuba ist Grundanliegen der AG Cuba Sí. Wir kämpfen für das Ende der menschenverachtenden US-Blockade, für die Freilassung der Cuban Five und für die Abschaffung des &quot;Gemeinsamen Standpunktes&quot; der EU gegen Kuba.
Unterstützt den Gedanken der Solidarität! Bitte spendet für unsere Solidaritätskampagnen &quot;Milch für Kubas Kinder&quot; und &quot;Kuba muss überleben!&quot; (auch mit Dauerauftrag).
<i>Sonderspendenkonto beim Parteivorstand DIE LINKE/Cuba Sí: Nummer 13 2222 10, Berliner Sparkasse, BLZ 100 500 00, Verwendungszweck bitte immer angeben!</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 18:08:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Neues vom Rechtsstaat</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/neues-vom-rechtsstaat/</link>
			<description>Jürgen Herold, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[Am 22. Dezember 2011 hat Bundespräsident Christian Wulff die Novelle des Gesetzes &quot;über die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (Stasi-Unterlagen-Gesetz – StUG)&quot; unterzeichnet. Somit ist das Gesetz am 1. Januar 2012 in Kraft getreten. Dieses seit dem 20. Dezember 1991 geltende, am 18. Februar 2007 neugefasste und am 5. Februar 2009 geänderte Gesetz war von Anfang an nicht unumstritten. Namhafte Juristen bezweifelten seine Verfassungskonformität und/oder die damit möglichen bedenklichen Eingriffe in Rechtsverhältnisse wie z.B. das Arbeitsrecht oder den Datenschutz.
Eigentlich sollte gemäß §20 Absatz 3 dieses Gesetzes die Verwendung der erfassten Daten für die Überprüfung bestimmter Personenkreise insbesondere im öffentlichen Dienst nach dem 31. Dezember 2011 unzulässig sein. Mit anderen Worten: Die Überprüfungen sollten ab diesem Zeitpunkt eingestellt werden! Jetzt sollen die Stasi-Überprüfungen bis zum Jahr 2019, dem 30. Jahr des Mauerfalls möglich sein.
Der Gesetzgeber hat aber nicht nur die Geltungsdauer dieses Gesetzes verlängert, sondern eine Verschärfung der Überprüfungsmöglichkeiten vorgenommen, die selbst Teilen der Opposition zu weit gingen: So sollen 45 ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit nicht mehr in der Bundesbehörde für die Stasi-Unterlagen arbeiten dürfen, obwohl ihre frühere Tätigkeit im MfS bei ihrer Übernahme 1991 bekannt gewesen war. Des Weiteren wurde der mögliche zu überprüfende Personenkreis ausgeweitet.
Selbst der Beiratsvorsitzende der Stasi-Unterlagenbehörde, Richard Schröder, zweifelt an dem Sinn dieses Gesetzes, nicht nur weil die Betroffenen in eventuellen Klageverfahren gute Erfolgschancen hätten, sondern auch, weil es rechtsstaatlichen Grundsätzen widerspreche.
Der Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse sagte in der kontroversen Bundestagsdebatte am 30. September für die SPD, dass das latente Misstrauen gegen Ostdeutsche nicht festgeschrieben werden dürfe. Die SPD sei gegen einen Schlussstrich unter die Stasi-Aufarbeitung, doch eine Ausweitung der Überprüfungen ohne Verdacht sei mehr als 20 Jahre nach der Einheit &quot;unverhältnismäßig&quot;. SPD und Grüne enthielten sich in der Schlussabstimmung, die Linken votierten gegen das Gesetz.
Erhebliche Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit der Novellierung des Stasi-Unterlagengesetzes äußerten auch der Staatsrechtler Ulrich Battis (&quot;Dieses Gesetz ist rechtsstaatswidrig, ... Es ist ein einmaliger Vorgang in der Bundesrepublik, jemanden rückwirkend per Gesetz zu maßregeln für eine Tatsache, die bei seiner Einstellung bekannt war. Das Gesetz ist unverhältnismäßig, es verstößt gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes&quot;.) und der Bremer Rechtswissenschaftler Wolfgang Däubler (&quot;Das Gesetz verletzt Artikel 33 Grundgesetz, wonach jeder nach seiner Eignung, Befähigung und fachlicher Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amt hat&quot;). [Der Spiegel, 50/2011, S. 21: &quot;Erhebliche Zweifel&quot;]
Der Freiburger Rechtsanwalt Dr. Michael Kleine-Cosack, der vom Bundestag zur Stasi-Unterlagen-Novelle angehört wurde, erklärte in der FAZ vom 21.11.2011  unter dem Titel &quot;Geschichtsblind und inhuman – eine deutsche Reinigung&quot; sinngemäß, dass die gebilligte Neuregelung des Stasi-Unterlagen-Gesetzes den letzten Höhepunkt des an Absurditäten nicht zu überbietenden Umgangs mit der Vergangenheit des &quot;DDR-Regimes&quot; bilde. Sie stelle alles in den Schatten, was in den vergangenen 20 Jahren an verfassungswidrigen Normen von den gesetzgebenden Körperschaften in Deutschland zur Vergangenheitsbewältigung beschlossen wurde.
Der &quot;Unrechtsstaat&quot; DDR kannte das Institut der Verjährung von Straftaten, ausgenommen u.a. Nazi- und Kriegsverbrechen. Natürlich verjähren auch Straftaten im Rechtsstaat BRD bis auf wenige Ausnahmen, z.B. schwere Verbrechen gegen das Völkerrecht. So werden viele Straftaten entsprechend ihrer Schwere nach fünf, zehn oder 15 Jahren aus dem Bundeszentralregister gelöscht bzw. nicht mehr verfolgt – nicht so bei einer früheren Tätigkeit im oder für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR. Hierfür gilt eine wesentlich längere Verjährungsfrist von voraussichtlich 30 Jahren. Dabei erfüllt diese Tätigkeit nicht einmal einen Straftatbestand und unterliegt allerhöchstens einer moralischen Bewertung! Auch ein gegebenenfalls erforderliches Vorbeugungsgebot scheint widersinnig, da mit dem Untergang der DDR und damit dem Ende ihres Geheimdienstes &quot;eine Wiederholungsgefahr nicht ernsthaft behauptet werden kann.&quot; [Kleine-Cosack, a.a.O.]
Den Bundespräsidenten ficht das nicht an! Für den Juristen Christian Wulff und sein Bundespräsidialamt gab es keine verfassungsrechtlichen Bedenken.
Wie geht das in einem Rechtsstaat, dass zum gleichen Sachverhalt verschiedene, ja sogar sich widersprechende Urteile von Juristen gefällt werden können, ohne dass Zweifel in ihre Kompetenz oder Urteilsfähigkeit gesetzt werden? Hat es mit dem Spruch zu tun, wonach man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand sei? Oder der Meinung: Zwei Juristen – drei Meinungen? Antworten uns deshalb Anwälte bei der Beurteilung von Rechtsproblemen grundsätzlich erst einmal: &quot;Es kommt darauf an&quot;?
&quot;Das Recht wird seit jeher von der Rechtswissenschaft unterstützt, die sich bemüht, die Vielzahl der von den Parlamenten erlassenen Rechtssätze auszulegen, zueinander in Verbindung zu setzen und auf den Einzelfall anzuwenden. Das Recht ist nicht ein für alle Zeit gültiges Instrument, sondern es passt sich mit dem Ziel der Vereinheitlichung der Entwicklung an, indem es verschiedenst gelagerten Interessen Rechnung trägt.
So gesehen wandelt sich das Recht und wird auch in einer Demokratie von der politischen Zweckmäßigkeit geformt.
Die Politik formt das Recht am auffälligsten, was sich daraus erklärt, dass der Gesetzgeber, der Recht setzt, als Parlament der Spiegel der politischen Gruppierung eines Staates ist. Hinzu kommt, dass der einzelne Abgeordnete zwar nur Recht und Gesetz unterworfen, andererseits wohl auch der Parteidisziplin unterstellt ist. Daraus folgt, dass Recht und Gesetz in erster Linie der politischen Zweckmäßigkeit und erst in zweiter Linie den Interessen des Volkes dienen.&quot; [Rechtskunde für jedermann von Walther J. Friedrich in: Beck-Rechtsberater, 6. Auflage 1990.]
Je nachdem, wo man politisch steht, werden die einen zu diesem Gesetz sagen, dass es dem System der Blutrache diene, weil ohne richterliches Urteil agiert wird. Andere werden behaupten, dass man mit den &quot;Tätern&quot; rechtsstaatlich umgehe.]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 17:10:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Quelle der Instabilität</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/quelle-der-instabilitaet/</link>
			<description>Andreas Wehr, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Ökonomie. Vor zehn Jahren wurde der Euro als Bargeld eingeführt</b>
Manchmal ist ein Gedenktag gar nicht willkommen. So wie der aus Anlass des zehnten Jahrestags der Einführung des Euro als Bargeld: &quot;Brüssel verzichtet auf Euro-Jubiläum&quot;, hieß es in einer Meldung Ende Dezember 2011. Angesichts der nicht enden wollenden Euro-Krise hat man offensichtlich die Lust zum Feiern verloren.
Das war vor drei Jahren noch anders. Mit feierlichen Erklärungen und Veranstaltungen erinnerte man 2009 an den Beginn der dritten und letzten Stufe der Wirtschafts- und Währungsunion (WWU). Am 1. Januar 1999 war der Euro offiziell als Rechnungseinheit eingeführt worden, und die Europäische Zentralbank (EZB) sowie das Europäische System der Zentralbanken nahmen ihre Arbeit auf. Die Umrechnungskurse der bis dahin geltenden nationalen Währungen zum Euro waren einen Tag zuvor auf Dauer festgelegt worden. Das zehnjährige Jubiläum war Anlass, eine europäische Zwei-Euro-Gedenkmünze herauszugeben. Der Entwurf stammte von dem griechischen Bildhauer George Stamatopoulos und zeigte ein Strichmännchen neben einem Euro-Zeichen. Diese sehr einfache Skizze kann durchaus als ein vor dem Euro weglaufender Mensch gedeutet werden. War es das, was uns der Künstler in hellseherischer Voraussicht damals sagen wollte?
Doch vor drei Jahren war die Welt des Euro noch in Ordnung. Zwar befand sich die Weltwirtschaft bereits im tiefen Tal der Finanzmarktkrise und waren die Märkte vom Zusammenbruch des Bankhauses Lehman Brothers im September 2008 schwer getroffen worden, doch noch war man davon überzeugt, dass die gemeinsame europäische Währung davon unberührt bleiben könne. Im November 2008 nahm das Europäische Parlament aus Anlass des bevorstehenden Jubiläums eine Entschließung an, in der es optimistisch hieß: &quot;Das Europäische Parlament begrüßt den Umstand, dass der Euro Stabilität herbeigeführt und die wirtschaftliche Integration im Euro-Raum gefördert hat; begrüßt die stabilisierende Wirkung des Euro auf die Weltdevisenmärkte insbesondere in Krisenzeiten.&quot; [Entschließung des Europäischen Parlaments vom 18. November 2008, Paragraph 14, P6_TA (2008)0506.] Ganz ähnlich hatte sich zuvor Otmar Issing, der frühere Chefvolkswirt der EZB, geäußert: &quot;Die anhaltende Finanzmarktkrise macht die Vorteile der gemeinsamen Währung in ganz besonderer Weise offenkundig. Ohne Euro hätten sich die Turbulenzen von den Finanzmärkten auf die Devisenmärkte übertragen. Ob D-Mark, französischer Franc oder italienische Lira, so gut wie alle nationalen Währungen wären zum Spielball von Spekulationen geworden.&quot; (FAZ vom 6. Januar 2008) Turbulenzen auf den Devisenmärkten blieben in der Krise tatsächlich aus. Doch es kam viel schlimmer: Ganze Staaten der Euro-Zone sind inzwischen Opfer der Spekulationen der Finanzmärkte geworden. Anders als vermutet zeigt sich das Euro-System in der Krise äußerst verwundbar, so dass sogar sein baldiges Ende bzw. ein Auseinanderbrechen der Währungsunion prophezeit wird.
<b>Erweiterung läuft schleppend</b>
Wie steht es also um die Überlebenschancen des Euro? Was seine Bedeutung als weltweite Reservewährung angeht, so ist die Bilanz positiv. Seit 2001 ist der Anteil des Euros an den Fremdwährungsreserven auf 30 Prozent gestiegen. Damit liegt die Gemeinschaftswährung weit vor dem britischen Pfund mit sechs Prozent und dem japanischen Yen mit drei Prozent. Der Anteil des US-Dollars sank hingegen und beträgt gegenwärtig nur noch 61 Prozent. Auch über die Entwicklung des Wechselkurses zwischen Euro und Dollar kann die EZB zufrieden sein. Der Kurs des US-Dollars gegenüber dem Euro bewegt sich seit Jahren in einer Spanne zwischen 1,20 bis 1,40 Dollar pro Euro. Vergessen sind die ersten Jahre, als man weniger als einen Dollar pro Euro bekam. Angesichts solcher Daten kann kaum von einer Krise der gemeinsamen europäischen Währung gesprochen werden.
Ein ganz anderes Bild ergibt sich aber, blickt man auf die Erweiterung der Euro-Zone. Sie ist alles andere als eine Erfolgsgeschichte. 1999 waren elf Länder am Start dabei: Belgien, Deutschland, Finnland, Frankreich, Irland, Italien, Luxemburg, die Niederlande, Österreich, Portugal und Spanien. Großbritannien hatte von Beginn an klargestellt, dass es am Pfund festhalten werde. Die dänische Bevölkerung hatte bereits 1992 in einem Referendum die Teilnahme an der Wirtschafts- und Währungsunion abgelehnt. Im September 2000 scheiterte der Beitritt des Landes abermals in einem Referendum. Per Volksentscheid abgelehnt wurde die Einführung des Euro 2003 auch in Schweden. Großbritannien und Dänemark haben ein vertraglich vereinbartes Recht zum &quot;Opt-out&quot;, d.h. sie müssen den Euro nicht einführen. Alle anderen EU-Mitgliedstaaten sind hingegen dazu verpflichtet.
Anfang 2001 kam Griechenland hinzu. Ein Beitritt, den man heute aber nur allzu gern wieder rückgängig machen würde. Es dauerte anschließend Jahre, bis 2007 mit Slowenien ein weiteres Land die gemeinsame Währung einführte, 2008 folgten Malta und Zypern, 2009 die Slowakei und schließlich 2011 Estland. Litauen verpasste 2007 denkbar knapp den Beitritt, da es die Neuverschuldungsgrenze nicht einhielt. Sieht man einmal von Griechenland ab, so sind demnach in den zwölf Jahren des Bestehens der Euro-Zone nur kleine bzw. Kleinststaaten hinzugekommen, deren Volkswirtschaften kaum Gewicht haben.
<b>Wenig funktional</b>
An dieser Situation wird sich auch in Zukunft nicht viel ändern. Für Großbritannien ist ein Beitritt zur WWU weiterhin undenkbar. In Dänemark und Schweden fordert angesichts der Euro-Krise niemand neue Volksabstimmungen. Und in Osteuropa ist die Begeisterung für den Euro deutlich abgekühlt. So hat Bulgarien seinen Beitritt offiziell vertagt. Finanzminister Simeon Djankow erklärte, daß die Gespräche aufgeschoben seien &quot;bis das Gesamtbild in der Euro-Zone klarer wird&quot;. [&quot;Bulgarien will den Euro doch noch nicht&quot;, www.tagesschau.de vom 21. Juli .2011.] Polen, Ungarn und die Tschechische Republik halten sich bedeckt. Man hat es nicht mehr eilig mit einem Beitritt. Allein die rumänische Regierung hält unverdrossen daran fest. Die große Zurückhaltung der osteuropäischen Länder ist das Ergebnis ihres Vorgehens in der gegenwärtigen Krise. In den vergangenen Jahren haben sie alle ihre nationalen Währungen erheblich abgewertet und auf diese Weise die heimische Produktion geschützt. Außerhalb der Euro-Zone stehend, müssen sie sich auch nicht an teuren Rettungspaketen bzw. Rettungsschirmen für die Defizitländer beteiligen. Abschreckend wirken hier die hohen Belastungen, die die Slowakei und Slowenien übernehmen mussten. Milliarden Euro an Krediten und Bürgschaften müssen sie für Griechenland, Irland und Portugal bereitstellen, obwohl diese Länder viel reicher sind als sie.
Die schleppende und dabei große EU-Volkswirtschaften aussparende Erweiterung der Euro-Zone hat ein Währungsgebiet entstehen lassen, das unvollkommen und wenig funktional ist. Wichtige Ökonomien, die mit dem kerneuropäischen Raum – und hier vor allem mit Deutschland – eng verflochten sind wie Dänemark, Schweden, Tschechien, Polen und Ungarn, gehören der Euro-Zone nicht an. Mit London bleibt auch das Zentrum des europäischen Finanzdienstleistungsmarktes außerhalb. Der Euro ist hingegen die Währung für europäische Peripherieländer wie Estland, Zypern oder Malta geworden. Mit der Euro-Zone ist daher nicht jenes Kerneuropa entstanden, das Anfang der neunziger Jahre konzipiert wurde, um als Motor einer schnelleren gesamteuropäischen Integration zu dienen. Zwölf Jahre nach Beginn der dritten und letzten Stufe der WWU ist der Euro-Raum weiterhin unvollendet. Es fehlen vor allem die in den EU-Erweiterungsrunden von 2004 und 2007 beigetretenen großen mittelost- und osteuropäischen Länder. So zeigt sich, dass die doppelte Zielstellung der EU von Erweiterung und Vertiefung nicht realisierbar ist. Bedauernd wird von den Herrschenden konzediert: &quot;Aus wirtschaftlichen wie politischen Gründen passen Vertiefung und Erweiterung, so notwendig beide weiterhin sein mögen, seit längerem nicht mehr zusammen.&quot; [&quot;Das Paradox der Europa-Politik&quot;, in: FAZ vom 10. Dezember 2011.]
<b>Gespaltene Union</b>
Der Euro ist heute die Währung von lediglich 17 der 27 Mitgliedstaaten. Damit ist die EU weiterhin eine institutionell gespaltene Union. Die jetzt in der Krise ergriffenen Maßnahmen zur Stabilisierung der Defizitländer vertiefen diese Spaltung, indem eigene Strukturen geschaffen werden, die nicht in den europäischen Verträgen verankert sind. Die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF), der Europäische Stabilisierungsmechanismus (ESM) sowie der Euro-Plus-Pakt sind sämtlich außerhalb des europäischen Vertragswerks angesiedelt. Der Euro-Plus-Pakt ist – wie bereits seine Bezeichnung deutlich macht – zwar auch offen für Länder außerhalb der Euro-Zone, dies ist aber nur eine unverbindliche Geste.
Es wird damit eine zweite EU innerhalb und zugleich außerhalb der alten Union gegründet. Außerhalb der EU verständigten sich die 17 Euro-Länder mit den zwischen ihnen geschlossenen Abkommen, die EFSF bzw. den ESM zu gründen. Die Rechtsform der EFSF ist eine Aktiengesellschaft mit Sitz ist Luxemburg, der ESM soll den Charakter einer internationalen Organisation erhalten. Die nach EU-Recht vorgesehenen Mitentscheidungsrechte des Europäischen Parlaments gibt es ebenso wenig wie eine Kontrolle durch den Europäischen Rechnungshof. Auch die nationalen Parlamente werden umgangen. Die vom deutschen Bundestag und Bundesrat mühsam errungenen Beteiligungsrechte in Angelegenheiten der Europäischen Union gelten hier nicht: &quot;Wenn nunmehr entscheidende Fragen zwischen den EU-Staaten durch völkerrechtliche Verträge geregelt werden, sind Bundestag und Bundesrat kaltgestellt.&quot; [&quot;Ans Eingemachte. Bundestag und Bundesrat werden mit der EU-Reform kaltgestellt&quot;, in: FAZ vom 12. Dezember 2011.]
Zugleich findet diese Gründung einer zweiten Union innerhalb der EU statt, indem EFSF und ESM bei ihrer Arbeit auf bestehende europäische Institutionen zurückgreifen können. So wird etwa die Kommission als Behörde genutzt, um – zusammen mit der EZB und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) – die Einhaltung der mit der Kreditvergabe verbundenen Auflagen für die Defizitländer zu überwachen. Aus dieser Inanspruchnahme von Einrichtungen der Union auf Grundlage von außerhalb der EU geschlossenen Verträgen ergeben sich erhebliche institutionelle und juristische Probleme. Die Mitgliedsländer außerhalb der Euro-Zone sehen hierin zu Recht eine Zweckentfremdung von Einrichtungen der Union. In der englischen Presse wird bereits darüber spekuliert, dass Großbritannien die Möglichkeit habe, den Euro-Staaten die Nutzung von Gebäuden des Europäischen Rats zu untersagen, werden sie zur Regelung von Angelegenheiten der Euro-Zone genutzt.
Für den britischen Economist steht fest, dass bereits am 11. März 2011 aus Anlass der Entscheidung der Euro-Staaten über den ESM die grundlegende Entscheidung über eine Spaltung der Union zwischen Euro- und Nicht-Euro-Staaten gefallen ist: &quot;Historiker können sich eines Tages an diese Woche als an jene erinnern, in der die Aufspaltung Europas begann.&quot; Keinen Zweifel lässt das Blatt daran, wem es dafür die Schuld gibt. Zugelassen habe dies die deutsche Kanzlerin Angela Merkel: &quot;In der Vergangenheit hatte sie den Ideen von regelmäßigen Euro-Gipfeln genauso widerstanden wie sie den Briten, Polen und Schweden zugesichert hatte, ihren Platz an diesem Tisch zu haben.&quot; [&quot;Can Angela Merkel hold Europe together?&quot;, in: The Economist, 12. März 2011, vgl. auch Andreas Wehr, Spaltung der EU, in: junge Welt vom 4. April 2011.]
Regelmäßige Euro-Gipfel ohne Beteiligung der Nicht-Euro-Länder gehören aber mittlerweile zur alltäglichen europäischen Praxis. Auf dem Ratsgipfel der EU-Staaten am 9. Dezember 2011 ist nun diese Spaltung auch nach außen deutlich geworden. Dort verweigerte der britische Premierminister David Cameron seine Zustimmung zu weitreichenden Veränderungen der europäischen Verträge, durch die eine &quot;echte fiskalpolitische Stabilitätsunion im Euro-Währungsgebiet&quot; [Europäischer Rat, Erklärung der Staats- und Regierungschefs des Euro-Währungsgebiets vom 9. Dezember 2011.] geschaffen werden soll. Die Fiskalunion wollen die Euro-Staaten nun außerhalb des EU-Vertragswerks verwirklichen. Dieses Vorgehen wird von den herrschenden Kreisen Deutschlands als alternativlos angesehen: &quot;Es entsteht die paradoxe Situation, dass, um der Einheit Europas willen, seine neue Aufteilung in Kauf genommen werden muss.&quot; [&quot;Das Paradox der Europa-Politik&quot;, a. a. O.]
<b>Konstruktionsfehler?</b>
Mit der Fiskalunion soll jetzt das verwirklicht werden, was man bei der Schaffung der Wirtschafts- und Währungsunion in den 90er Jahren angeblich fahrlässig unterlassen hatte. Nach Helmut Schmidt &quot;versäumte man&quot; damals, &quot;der erst noch zu schaffenden Zentralbank eine finanz- und wirtschaftspolitische Instanz gegenüberzustellen&quot;. [Helmut Schmidt, &quot;… aber die Währung ist gut. Wir haben keine Euro-Krise, sondern eine Krise der Europäischen Union&quot;, in: Die Zeit vom 7. Mai 2011.] Und für Angela Merkel ist die Währungsunion mit &quot;Konstruktionsfehlern&quot; behaftet, die Krise habe &quot;uns schonungslos die Rechnung für die Versäumnisse und Fehler der Vergangenheit präsentiert&quot;. [Regierungserklärung von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel zu den Ergebnissen des Europäischen Rates am 8./9. Dezember 2011 in Brüssel vor dem Deutschen Bundestag am 14. Dezember 2011 in Berlin.] Doch in Wahrheit versäumte oder übersah man gar nichts, und den damals Handelnden unterliefen auch keine &quot;Konstruktionsfehler&quot;. Man entschied sich vielmehr ganz bewusst dafür, den Euro auch ohne eine politische Union einzuführen. Man vertraute schlicht darauf, dass die gemeinsame Währung schon als Integrationsmotor ausreichen werde, um innerhalb kürzester Zeit die noch fehlenden Schritte machen zu können. Kritik sowohl von rechts als auch von links, die dieses Vorgehen als gefährliches Vabanquespiel bezeichnete, und die die Schaffung einer gemeinsamen Währung im Sinne der &quot;Krönungstheorie&quot; erst als Ergebnis eines lang andauernden Annäherungsprozesses der Mitgliedsländer erwartete, wurde als kleinmütig in den Wind geschlagen.
Tatsächlich wurde nach dem Start des Euros der Versuch unternommen, die Grundlagen für eine politische Union zu legen. Mitte Dezember 2001 beschloss der Europäische Rat die Bildung eines &quot;Konvents zur Zukunft der Europäischen Union&quot;, der Vorschläge zur künftigen Gestaltung der EU ausarbeiten sollte. Wenige Wochen später, am 28. Februar 2002, nahm der Konvent seine Arbeit auf. Es war genau der Tag, an dem die meisten nationalen Währungen der Euro-Länder ihre Gültigkeit verloren. Hier kreuzten sich also zufällig an einem Tag zwei Politiken der EU, die direkt aufeinander bezogen waren. Der vom Konvent vorgeschlagene Entwurf für einen &quot;Vertrag über eine Verfassung für Europa&quot; sah einen weitreichenden Machtzuwachs der Institutionen der EU auf Kosten der Souveränitätsrechte der Mitgliedstaaten vor. Allein die Verwendung des Begriffs &quot;Verfassung&quot; machte deutlich, daß man die nationalstaatliche Ebene hinter sich lassen wollte. Doch der Konventsentwurf fiel auf dem EU-Gipfel im Dezember 2003 durch. In der sich anschließenden Regierungskonferenz konnten die Mitgliedsländer wichtige Korrekturen durchsetzen und so ihre Entmachtung zu einem Teil wieder rückgängig machen. Der so entschärfte Verfassungsentwurf wurde aber dennoch in Volksabstimmungen im Sommer 2005 erst in Frankreich und anschließend in den Niederlanden abgelehnt, mit der Folge, dass nun auch der Begriff Verfassung gestrichen werden musste. Das Vorhaben einer schnellen europäischen Integration um den Preis der Entmachtung der Mitgliedstaaten war damit gescheitert. [Vgl. zum Verfassungsprozess: Andreas Wehr, Das Publikum verlässt den Saal. Nach dem Verfassungsvertrag: Die EU in der Krise, Köln 2006.]
Der Euro blieb eine Währung ohne Staat, und die Europäische Zentralbank ist weiterhin keine Einrichtung, wie es etwa die Bank von England oder die US-amerikanische Federal Reserve sind. Sie hat eine Währungspolitik zu verfolgen, die gleichzeitig den Wirtschaftspolitiken aller 17 Euro-Länder entsprechen muss. Welche Konsequenzen eine solche Aufgabenstellung konkret hat, zeigte sich in der verfehlten Zinspolitik der EZB in den Jahren zwischen 2001 und 2007. Lag der einheitliche Zinssatz für die konjunkturelle Erholung in den kerneuropäischen Ländern beständig zu hoch, so war er für die Länder der Peripherie zu niedrig, mit der Folge, dass sich dort spekulative Immobilienblasen bildeten. Die Engländer nennen ein solches Dilemma: fits none – paßt keinem. Wer wie die EZB 17 Herren hat, hat in Wirklichkeit keinen. So ist sie aber zugleich auch ein politisches Leichtgewicht, da – anders als bei einer einheitlichen Wirtschafts- und Währungspolitik eines beliebigen Staates – die EZB im Notfall nicht auf eine exzessive nationale Steuerpolitik zur Absicherung der Währung zurückgreifen kann, denn Steuerpolitik ist, wie auch die Wirtschaftspolitik, eben Angelegenheit der Mitgliedsländer.
<b>&quot;Verstärkte Steuerung&quot;</b>
Doch nun soll innerhalb weniger Monate nachgeholt werden, was in den 90er Jahren bei der Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion als nicht notwendig erachtet wurde: Die Schaffung einer Fiskalunion im Sinne einer Stabilitätsunion. Die Elemente des bereits bis März 2012 dafür auszuarbeitenden Vertrags zielen auf entschieden mehr fiskalpolitische Kontrolle der Mitgliedstaaten. Anders als beim bisherigen Stabilitäts- und Wachstumspakt, dessen Sanktionen regelmäßig wirkungslos blieben, sollen künftig die von der Kommission ausgesprochenen Korrekturempfehlungen und verhängten Strafen automatisch, d.h. ohne Bestätigung durch den Rat und damit der Mitgliedsländer, in Kraft treten. Auf dem Dezember-Gipfel verpflichteten sich die Euro-Länder zugleich, auf eine gemeinsame Wirtschaftspolitik hinzuarbeiten: &quot;Neben der einheitlichen Währung ist eine starke wirtschaftliche Säule unerlässlich. Um haushaltspolitische Disziplin und eine vertiefte Integration des Binnenmarkts sowie ein stärkeres Wachstum, eine größere Wettbewerbsfähigkeit und einen stärkeren sozialen Zusammenhalt zu fördern, bedarf es als Grundlage einer verstärkten Steuerung.&quot; [Europäischer Rat, Erklärung der Staats- und Regierungschefs des Euro-Währungsgebiets vom 9. Dezember 2011.]
Eine solche &quot;verstärkte Steuerung&quot; verlangt aber nach massiven Eingriffen in die Budgetrechte der Euro-Staaten und damit in deren Souveränität und Eigenverantwortung. Die Struktur der Haushalte der Mitgliedsländer als auch ihre Steuersysteme weisen erhebliche Unterschiede auf, die historisch entstanden sind, und die den jeweiligen Staat kennzeichnen. Eine Vereinheitlichung der Budgetpolitik kann daher nicht mal so eben ins Werk gesetzt werden wie die vergleichsweise einfache Installierung einer gemeinsamen Geldpolitik durch die Einführung des Euro.
Die bisherige kurze Geschichte des Euro hat nicht die Ansicht des Europäischen Parlaments bestätigt, dass er &quot;gezeigt hat, dass Europa imstande ist, weitreichende Beschlüsse mit Blick auf eine gemeinsame und von Wohlstand geprägte Zukunft zu fassen.&quot; [Entschließung des Europäischen Parlaments vom 18. November 2008, Paragraph 1, a. a. O.]
Im Gegenteil: Die ausgebliebene Ausweitung des Euro-Raums auf wichtige EU-Mitgliedstaaten, die sich vertiefende institutionelle Spaltung zwischen der Euro-Zone und der übrigen EU sowie die unüberwindlichen Schwierigkeiten, die einer Fiskal- oder gar politischen Union entgegenstehen, zeigen vielmehr, dass die gemeinsame Währung zu einer Quelle der Instabilität in Europa geworden ist.
<i>Aus: junge Welt, 31. Dezember 2011, Thema, Seite 10. – Andreas Wehr veröffentlichte zuletzt im PapyRossa Verlag, Köln, das Buch &quot;Griechenland, die Krise und der Euro&quot; (eine überarbeitete Neuauflage erschien im Herbst). Mehr unter: www.andreas-wehr.eu</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 16:17:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Für Karl Stiffel</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/fuer-karl-stiffel/</link>
			<description>31. Juli 1929 - 11. Dezember 2011</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wir trauern um unseren Genossen, Freund und Mitstreiter Karl Stiffel. Sein Tod macht uns betroffen. Geboren am 31. Juli 1929. Von Beruf Schlosser. Mitglied der KPD seit 1946. Mitglied der FDJ in Westdeutschland. Vom Landgericht Lüneburg wurde er Anfang 1957 wegen Zuwiderhandlung gegen das KPD-Verbot vom 17. August 1957 in Tateinheit mit Geheimbündelei verhaftet. Das Gericht erkannte nach den Darlegungen des Staatsanwalts Karl Stiffel als &quot;Rädelsführer in einer verfassungsfeindlichen Vereinigung&quot;, der KPD, und verurteilte ihn zu 18 Monaten Gefängnis. Von den acht Monaten Untersuchungshaft wurden nur vier Monate angerechnet. Karl Stiffels Haftzeit betrug damit insgesamt 22 Monate. So ging bereits in den fünfziger Jahren der &quot;Rechtsstaat&quot; Bundesrepublik Deutschland mit Kommunisten und Antifaschisten um. Keiner von ihnen wurde jemals durch diesen Staat rehabilitiert.
Aktiv in der FDJ, in seiner Partei, der KPD, und von der ersten Stunde an in der DKP, setzte er seine ganze Kraft für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges ein.
In den letzten 23 Jahren hat Karl Stiffel als Sprecher der Initiative für die Rehabilitierung der Opfer des Kalten Krieges nicht nur im Inland jede Gelegenheit genutzt, dieses Thema in Erinnerung zu halten. In einem Land, in dem es seit über 20 Jahren offizielle Staatsdoktrin ist, dass politisches Unrecht ausschließlich in der angeschlossenen DDR geschehen sei, kein einfaches Unterfangen. Mehrfache Versuche besonders auf Initiative von Karl Stiffel, das Thema Rehabilitierung im Deutschen Bundestag zu behandeln, fanden bislang nur bei der PDS, Linkspartei.PDS, DIE LINKE Unterstützung.
Er war uns mit seinen Erfahrungen im Kampf gegen die bundesdeutsche Justiz ein wertvoller Helfer nunmehr auch in unserem Kampf gegen die politische Strafverfolgung von Verantwortungsträgern der ehemaligen DDR. Diese Erfahrungen halfen uns besonders in den Jahren der Prozesse gegen unsere Genossen aus der ehemaligen DDR durch die Justiz in der heutigen BRD. Es war und ist unser gemeinsamer Kampf gegen die Justiz im rechten Rechtsstaat Bundesrepublik Deutschland.
Somit hinterlässt unser Genosse Karl Stiffel eine Lücke, die nur schwer auszufüllen ist. Er fehlt uns, in seinen unermüdlichen Aktivitäten im Kampf für die Rehabilitierung aller Opfer der bundesdeutschen Justiz.
Unsere Pflicht ist es, diesen Kampf in seinem Sinne gemeinsam weiterzuführen.
<i>Jochen Traut, Suhl</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 15:22:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Ein kluger, mitreißender Lehrer</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/ein-kluger-mitreissender-lehrer/</link>
			<description>Nachruf auf Hans Heinz Holz</description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Philosoph Hans Heinz Holz ist tot. Am 11. Dezember 2011 erlag er im Alter von 84 Jahren der langen schweren Krankheit, gegen die er buchstäblich bis zuletzt mit aller ihm verbleibenden Kraft rang – indem er wissenschaftlich arbeitete!
1927 in Frankfurt geboren, wurde er mit 17 Jahren wegen Widerstands gegen den Faschismus von der Gestapo verhaftet. Nach dem Krieg begann er, Philosophie zu studieren. Er arbeitete als Journalist für Presse und Rundfunk. Nach 1956 bei Ernst Bloch in Leipzig erfolgter Promotion und danach aufreibendem Kampf um wissenschaftliche Anerkennung erhielt er 1971 eine Professur in Marburg. Von 1978 bis zu seiner Emeritierung lehrte er an der Universität in Groningen.
Seine im Februar 2007 veröffentlichte Bibliographie umfasst 2.400 Veröffentlichungen zu Problemen der Philosophie und Politik, aber auch der Ästhetik und Kunst, der Religionsgeschichte, der Sprachwissenschaft. Viele davon erschienen in anderen Ländern. Er konnte aus einer enzyklopädischen Bildung schöpfen. In den letzten Jahren legte er in mehreren Bänden profunde Untersuchungen zur Geschichte des dialektischen Denkens vor. Eine bemerkenswerte Bereicherung der wissenschaftlichen Diskussion stellt sein 2005 erschienenes Werk &quot;Weltentwurf und Reflexion&quot; dar – der Entwurf zu einer Grundlegung der materialistischen Dialektik. Seine theoretische Leidenschaft und seine Sorge galt der Bewahrung des geistigen Erbes von Marx, Engels und Lenin. Leidenschaftlich setzte er sich mit Tendenzen einer Verwässerung ihres Gedankengutes sowie der Missachtung der Erfahrungen des Sozialismus der Oktoberrevolution auseinander.
Holz war Ehrenpräsident der Internationalen Gesellschaft für dialektische Philosophie, gewähltes Mitglied der Leibniz-Sozietät und der World Academy of Letters, gründete mit Silvia Holz-Markun, seiner Frau, Mitstreiterin und Gefährtin die Fondazione Centro di Studi Filosofici und war Herausgeber mehrerer wissenschaftlicher Zeitschriften.
Er war ein mitreißender, begeisternder und anspruchsvoller Lehrer. Seine streitbaren Auftritte auf wissenschaftlichen Konferenzen bereiteten Genuss. Er verstand es, zuzuhören. Anlässlich seines 80. Geburtstages konnte er die Glückwünsche einer beeindruckenden Zahl von Schülern und Kollegen entgegennehmen.
Hans Heinz Holz war Kommunist, engagiertes Mitglied der KPD, später der DKP. Er stellte sich jeder Diskussion, focht leidenschaftlich während nicht weniger Grundsatzdiskussionen und scheute nicht vor ausdauernder und kräfteraubender politischer Kleinarbeit.
<i>Prof. Dr. Erich Hahn, Berlin, in: &quot;neues deutschland&quot; vom 14. Dezember 2011</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 14:23:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Wannsee-Konferenz, 20. Januar 1942</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/die-wannsee-konferenz-20-januar-1942/</link>
			<description>Dr. phil. Wolfgang Biedermann, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Das Mordprogramm an den europäischen Juden – untrennbarer Bestandteil faschistischer Weltherrschaftspläne</b>
Auf der berüchtigten und zur geheimen Reichssache erklärten Wannsee-Konferenz, arrangiert ein halbes Jahr nach dem vertragsbrüchigen Überfall auf die UdSSR, wurde die weitere organisatorische Durchführung des Massenmordes an der jüdischen Bevölkerung in Europa erörtert. [Siehe Hirsch, R./Schuder, R., Der gelbe Fleck. Berlin: Rütten&amp;Loening 1997, S. 559.] Versammelt waren dort Personen, die auf Grund ihrer Funktion im faschistischen Repressions- und Terrorapparat über die mörderischen Kompetenzen, den Genozid industriell durchzuführen, verfügten. Reichsmarschall H. Göring, die Nr. 2 im Nazi-Staat, hier vertreten durch seinen Staatssekretär E. Neumann, ernannte R. Heydrich, [Der stellvertretende &quot;Reichsprotektor von Böhmen und Mähren&quot; wurde im Mai 1942 von tschechischen Widerstandskämpfern bei einem Attentat schwer verletzt und starb an dessen Folgen.] den Chef des RSHA (Reichssicherheitshauptamt), bereits am 31. Juli 1941 zum Bevollmächtigten für die Vorbereitung der &quot;Endlösung der Judenfrage&quot; in Europa. &quot;Ich beauftrage Sie […] mir in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.&quot; [http://de.wikisource.org/wiki/Göring_an_Heydrich_über_die_Endlösung_der_Judenfrage, ohne Datum. Das exakte Datum in: Bergschicker, H., Deutsche Chronik 1933-1945. Ein Zeitbild der faschistischen Diktatur, Berlin: Verlag der Nation 1981, S. 392.]
Auf dem Wege zur Weltherrschaft Hitlerdeutschlands sollten die als &quot;rassisch minderwertig&quot; denunzierten Völker völlig vernichtet und andere, wie die Slawen, stark dezimiert werden. Zu den &quot;Volks- und Reichsfeinden&quot; zählten neben den Juden vor allem die Sinti und Roma. Das Mordprogramm begann bereits im großen Umfang auf dem okkupierten Territorium der Sowjetunion durch vier &quot;SS-Einsatzgruppen&quot;, die unmittelbar hinter der vorrückenden Front agierten. Die &quot;Einsatzgruppe D&quot; (zugeordnet der 11. Armee) im Süden der Ukraine unter Befehl des höheren SS-Führers O. Ohlendorf, [Ab 1943 Ministerialdirektor im Reichswirtschaftsministerium und Kriegskostenmanager. Im Nürnberger Einsatzgruppen-Prozess am 10. April 1948 zum Tode verurteilt und 1951 hingerichtet.] ermordete im Zeitraum August 1941 bis Juni 1942 90.000 jüdische Sowjetbürger, einschließlich Frauen und Kinder. So in Simferopol (Krim): Das Mordkommando von W. Braune [Wie Ohlendorf im Nürnberger Einsatzgruppen-Prozess zum Tode durch den Strang verurteilt, 1951 vollstreckt.] tötete im Dezember 1941 innerhalb von drei Tagen über 14.300 Menschen durch Erschießen.
Die Zusammenkunft am Wannsee bilanzierte, dass per 31. Oktober 1941 537.000 Juden zur Auswanderung aus dem &quot;Altreich&quot;, der &quot;Ostmark&quot; (Österreich) und aus dem &quot;Protektorat Böhmen und Mähren&quot; gezwungen worden waren. Die Möglichkeit zur Emigration war jetzt aber nicht mehr einzuräumen. Vielmehr sei die physische Vernichtung alles &quot;Artfremden&quot; auf alle besetzten Länder auszudehnen. Insgesamt, so die Berechnung der Schreibtischmörder, beträfe die &quot;Endlösung&quot; rund 11.000.000 europäische Juden.
Im Wannsee-Protokoll hieß es weiter codiert: &quot;Unter entsprechender Leitung sollen im Zuge der Endlösung die Juden in geeigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen […] werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigen Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, […]. Staatssekretär Dr. Bühler [Zum Tode verurteilt und am 21. August 1948 in Krakow (Kraków) hingerichtet] stellte fest, daß das Generalgouvernement es begrüßen würde, wenn mit der Endlösung dieser Frage im Generalgouvernement begonnen würde [...].&quot; [http://www.ns-archiv.de/verfolgung/wannsee/wannsee-konferenz.php]
Die monströse Tötungsmaschinerie begann auf Touren zu kommen.
<b>Ghettoisierung – eine Vorstufe zum geplanten Massenmord</b>
Ein weiterer Teilnehmer dieser Konferenz und zugleich deren Protokollführer war A. Eichmann, [1962 in Jerusalem zum Tode verurteilt und hingerichtet] Leiter des Referats IV B 4 (&quot;Judenangelegenheiten und Räumungen&quot;) im RSHA. Das Referat hatte die Aufgabe, den jüdischen Teil der europäischen Bevölkerung zuzüglich der anderen &quot;Fremdrassigen&quot; in das so bezeichnete Generalgouvernement [Okkupiertes polnisches Gebiet, das nicht zum deutschen Reichsgebiet erklärt worden war] zu deportieren.
Bereits am 21. September 1939, die faschistischen Okkupanten stießen rasch und in breiter Front auf polnisches Gebiet vor, gab Heydrich erste Anweisungen zur Vertreibung und Zusammenfassung der jüdischen Bevölkerung, die bis dato im Herrschaftsbereich des deutschen faschistischen Stiefels lebten: &quot;Es gilt grundsätzlich, dass jüdische Gemeinden mit weniger als 500 Köpfen aufzulösen und der nächstliegenden Konzentrierungsstadt zuzuführen sind.&quot; [http://www.lsg.musin.de/geschichte//geschichte/natsoz/heydrichs_bildung_Ghettos.htm] Ein ähnliches Schicksal sollte auch die nichtjüdische polnische Bevölkerung, vor allem die Intellektuellen, erwarten. Die zahlreichen Massaker, begangen an der polnischen Bevölkerung durch sogenannte Einsatzgruppen und die Wehrmacht, belegten, dass sie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit planten und ausführten.
Der Gauleiter von Danzig, A. Forster, [Wegen Verbrechen gegen die polnische Bevölkerung zum Tode verurteilt und 1952 in Warschau hingerichtet] formulierte bereits im Herbst 1936: &quot;Es wird noch allerhand in der Welt vor sich gehen, ich sage ihnen mit Bestimmtheit, daß Frankreich in kurzer Zeit dasselbe wird durchmachen, wie Spanien, und dann folgt England. […] Der Völkerbund hat hier in Danzig nichts mehr zu sagen. Der wird mit seiner Wurzel verschwinden, und er wird vollständig verschwinden. Und mit ihm alle die anderen, ich will ihnen offen sagen: Polen.&quot; [Aus Görings Schreibtisch, Dokument Nr. 43: Protokoll der Mitgliederversammlung der NSDAP am 20. Oktober 1936, Berlin: Dietz Verlag 1990, S. 125]
Ab Oktober 1939 begann Eichmann mit der Umsetzung der Konzeption zur Zwangsumsiedlung der Juden aus (Kattowitz/Katowice), Mährisch-Ostrau (Ostrava, Tschechien). In diesem Kontext entstanden weit über 50 Ghettos. Einige der größten sollen erwähnt werden: Warschau (Sommer 1940), Lodz (Ende 1939) und Czestochowa (April 1941). Sehr viele der Deportierten, bar jeglicher Existenzgrundlagen, waren nach Ankunft dem Tod durch Verhungern oder durch medizinische Unterversorgung geweiht. Die Ghettoisierung, die Konzentration der europäischen jüdischen Bevölkerung als Voraussetzung für den geplanten Massenmord war im Herbst 1940 bereits sehr weit vorangeschritten: &quot;Die Juden in Warschau und anderen Städten&quot;, so der Generalgouverneur H. Frank, [Auch als &quot;Schlächter von Polen&quot; bezeichnet. Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess zum Tode verurteilt und am 16. Oktober durch den Strang hingerichtet] &quot;seien jetzt in Ghettos abgeschlossen. Krakau werde in ganz kurzer Zeit judenrein sein.&quot; [Poltorak, A., Nürnberger Epilog, Berlin: Militärverlag der Deutschen Demokratischen Republik 1971, S. 515] Es begann zugleich die Phase, in der nach effizienten Massentötungsverfahren gesucht wurde.
In Verbindung mit der Wannsee-Konferenz errichtete die SS auf besetztem polnischen Gebiet einen neuen Typus von Konzentrationslager, ausschließlich zur physischen Vernichtung gedacht: Belžek (März 1942), Auschwitz-Birkenau oder Auschwitz II (Mai 1942), Sobibor (Mai 1942), Treblinka (Juli 1942) und Majdanek (September 1942). [Ein erstes Vernichtungslager war von der SS in Chelmno, unweit von Lodz (Dezember 1941) in Betrieb genommen worden. Juden, Roma und Sinti wurden hier in Gaswagen erstickt] An Eichmann war es, die Deportation der europäischen Juden auf dem Schienenstrang in die Ghettos und in die Vernichtungslager unter den Bedingungen knapper Transportkapazitäten exakt zu planen und durchzuführen. &quot;Die evakuierten Juden werden zunächst Zug um Zug in sogenannte Durchgangsghettos verbracht&quot;, so die Codierung im Wannsee-Protokoll, &quot;um von dort aus weiter nach dem Osten transportiert zu werden.&quot; [http://www.ns-archiv.de/verfolgung/wannsee/wannsee-konferenz.php] Deportierte, noch als arbeitsfähig taxiert, wurden durch Zwangsarbeit bis zur totalen physischen Erschöpfung in der Rüstungsgüterproduktion ausgebeutet (&quot;Vernichtung durch Arbeit&quot;). &quot;Die Arbeitsbedingungen für die Häftlinge in den Betrieben waren so beschaffen, daß die Sterbequote sehr hoch war, […]. So wurden mit diesem Hinweis auf das rasche Sterben der Häftlinge von der Industrie immer neue Häftlinge bei der SS angefordert […], die möglichst kräftig sein sollten […], um dann erneut verschlissen zu werden.&quot; [Kühnl, R., Der deutsche Faschismus in Quellen und Dokumenten, Köln: PapyRossa Verlag 2000, S. 274]
<b>Die Perfektionierung des Massenmords</b>
Für das industriell organisierte Morden erwies sich das Schädlingsbekämpfungsmittel &quot;Zyklon B&quot; als besonders wirkungsvoll. Produziert von den &quot;Dessauer Werken für Zucker und chemische Industrie&quot; (Fine) und den &quot;Kaliwerken Kolin&quot; für die Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung m.b.H.). Die größten Eigner der Degesch, IG Farben und Degussa, hielten je 42,5% der Anteile.
Im Frühjahr 1942 begannen in Auschwitz die großen Vernichtungsaktionen mittels Zyklon B. Zuvor, im Herbst 1941, war es hier bereits an Häftlingen ausprobiert worden. Die ersten Vergasten waren sowjetische Kriegsgefangene. Der Kommandant [Höß, R., in Polen zum Tode verurteilt und in Auschwitz 1947 gehängt] des Konzentrations- und Vernichtungslagers gab zu Protokoll: &quot;Gelegentlich einer Dienstreise hatte mein Vertreter, der Hauptsturmführer Fritzsch, aus eigener Initiative Gas zur Vernichtung dieser russischen Kriegsgefangenen verwendet und zwar derart, daß er die einzelnen im Keller gelegenen Zellen mit den Russen vollstopfte und unter Verwendung von Gasmasken Zyklon B in die Zellen warf, und das den sofortigen Tod herbeiführte. [...] Beim nächsten Besuch Eichmanns berichtete ich ihm über diese Verwendung von Zyklon B, und wir entschlossen uns, bei der zukünftigen Massenvernichtung dieses Gas zur Anwendung zu bringen.&quot; [Zitat aus: Michalka, W., Das Dritte Reich, München 1985, Bd. 2, S. 238 f., in: Kühnl, R., a. a. O., S. 346]
Der als Zeuge auf dem Nürnberger Kriegsverbrecherprozess vernommene Höß sagte weiter aus: &quot;Als ich das Vernichtungsgebäude in Auschwitz errichtete, gebrauchte ich also Zyklon B, eine kristallisierte Blausäure, die wir in die Todeskammer durch eine kleine Öffnung warfen. Es dauerte 3 bis 15 Minuten, […]. Eine weitere Verbesserung gegenüber Treblinka war, dass wir Gaskammern bauten, die 2.000 Menschen auf einmal fassen konnten.&quot; [Eidesstattliche Erklärung des KZ-Kommandanten Höß am 5. April 1946 in Nürnberg, in: Bergschicker, H., a. a. O., S. 419]
&quot;Ich bin ganz normal. Wenn ich auch Millionen Menschen ins Jenseits befördert habe, habe ich doch ein ganz normales Familienleben geführt. […] Und außerdem war es allgemein anerkannt und galt für unbestreitbar, dass die Juden an allem schuld waren.&quot; [Poltorak, A., a. a. O., S. 394]
Der kleine Aufsatz soll auf ein verbrecherisches Kapitel deutscher Geschichte verweisen – den Nachgeboren zur Mahnung und zum Gedenken. Die Erinnerung an die 13 Millionen Opfer des deutschen Faschismus, Juden, Sowjetbürger, Sinti und Roma, Zwangsarbeiter, KZ-Häftlinge und Deportierte, muss lebendig bleiben. Genauso das Andenken an diejenigen, die Deutschland vom Faschismus befreiten; besonders die Erinnerung an den opferreichen Kampf der UdSSR und ihrer Roten Armee.]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 13:26:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Der Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/der-auschwitz-prozess-von-1963-bis-1965/</link>
			<description>Prof. Dr. Friedrich Karl Kaul (1906-1981)</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>&quot;Ich schwöre, so wahr mir Gott helfe!&quot;</b>
Da sitzt er nun vor dem krummhalsigen Mikrophon, die Beine betont ungezwungen übereinandergeschlagen, so daß die grau karierte Hose die dunkle Socke frei läßt, unter der sich der Rand der eingeschobenen langbeinigen Unterhose markiert. Ja, alles an ihm atmet bürgerliche Wohlanständigkeit. Auch seine Sprache, insbesondere – er würde sagen &quot;insonderheit&quot; – seine Sprache. Er spricht gewollt sicher-unbeteiligt. Zu betont, als dass es natürlich klingt. Wenn er eine Frage des Schwurgerichtspräsidenten verneinen will, sagt er nicht &quot;Nein!&quot; sondern in der Art, in der er etwa mit abgespreiztem kleinem Finger die Teetasse zu halten für vornehm hält: &quot;Aber nein ... nein, nein ... niemals!&quot;
Niemals hatte er &quot;vorher&quot; davon gehört, dass im KZ Auschwitz gemordet wurde. &quot;Aber nein ... nein, nein ...&quot; Davon hatte er &quot;vorher&quot; nichts gehört.
Aus welchem Grunde er nach Auschwitz 1943 abkommandiert worden war? Nur um als Leiter eines Kriminal-Sonderkommandos aufzuklären, ob sich die SS-Leute an den Effekten der KZ-Häftlinge bereicherten. Nur um die Effekten ging es; ja, jawohl! Nur um diese! So hätte sein dienstlicher Auftrag gelautet.
Welche Stelle ihn nach Auschwitz abkommandiert hatte? Seine &quot;Beschäftigungsbehörde&quot;. Ja, so nennt er die Abteilung V des unter Leitung des Massenmörders Heydrich stehenden Reichssicherheitshauptamtes, der er als Hauptsturmführer angehörte. &quot;Nur ein Ausgleichsdienstgrad, dieser SS-Hauptsturmführer&quot;, beeilt er sich begütigend hinzuzusetzen. Von Haus aus sei er Kriminalkommissar gewesen.
Nach langem Hin und Her wird unter dem Nebel seiner gedrechselten Wortkaskaden schließlich klar, daß er von allem gewußt hat, von allem.
Er hat davon gewußt, daß eine Handbewegung des &quot;Selektions&quot;-Leiters genügte, die Menschen auf der &quot;Rampe&quot; zum Gastod zu bestimmen. Er hat davon gewußt, daß Häftlinge an der berüchtigten &quot;schwarzen Wand&quot; des Bunker-Blocks 11 durch Genickschuß gemeuchelt wurden. Er hat davon gewußt, daß Insassen des &quot;Krankenbaus&quot; mit Phenol-Einspritzungen gemordet wurden.
Er hat von allem gewußt! Doch er hat es als Kriminalist, der mit Ermittlungen in Auschwitz betraut war, noch nicht einmal für nötig gehalten, über diese Massenmorde, die ihm &quot;vorher&quot; oder &quot;nachher&quot; bekannt wurden, auch nur einen Bericht für seine &quot;Beschäftigungsbehörde&quot; zu machen.
&quot;Der mir erteilte Ermittlungsauftrag bezog sich nur auf die Veruntreuung von Häftlingseffekten. Alles andere war dementsprechend füglich&quot; – er sagt wirklich &quot;füglich&quot;! –, &quot;nicht Ermittlungsobjekt.&quot;
Der Präsident des Schwurgerichts fühlt sich geniert. &quot;Wenn Sie heute bei der Aufklärung eines Diebstahls auf einen Mord stoßen, lassen Sie den auch unaufgeklärt?&quot;
&quot;Tja ...&quot;, sagt der Zeuge und hebt bedauernd die Hände. Es tut ihm ja selbst alles sehr leid, aber wahrscheinlich, sehr wahrscheinlich sogar, würde auch heute – gerade heute – seine Aufklärungsfreudigkeit genauso davon abhängen, gegen wen aufgeklärt werden soll ... Das alles liegt in diesem &quot;Tja&quot;, in dieser leeren Bewegung der Hände. Damit aber bekommt die Zeugenvernehmung des ehemaligen Hauptsturmführers Helmut Barsch im Frankfurter Auschwitz-Prozeß eine hochaktuelle Bedeutung. Denn der ehemalige Hauptsturmführer ist heute als Hauptkriminalkommissar der Polizei in Krefeld tätig – noch oder wieder tätig!
Hier ist das Krebsgeschwür im westdeutschen Staatsgefüge bloßgelegt: dieses Noch-und-wieder-Tätigsein derer, die an den Nazi-Verbrechen in größerem oder geringerem Maß Anteil hatten. Der Schwurgerichtspräsident wird unruhig. Er hat genug von dem Zeugen. Rasch macht er mit dessen Vernehmung Schluss. Nach einem kurzen prozesstechnischen Hin und Her schnell noch die unvermeidliche Eidesleistung, und auch dieser Sündenfall wäre überstanden.
Doch ich widerspreche der Beeidigung des Zeugen. Nur weniger Worte bedarf es zur Begründung meines Antrages: Der ehemalige Hauptsturmführer hat nach eigenem Eingeständnis die Mörder von Auschwitz und damit auch die Angeklagten dieses Schwurgerichtsprozesses im Amt begünstigt. Die Eidesleistung des heutigen Hauptkriminalkommissars ist deshalb von Gesetzes wegen unzulässig.
Das Gericht braucht Zeit, um über meinen Antrag zu beraten. Doch schließlich ist ihm eine Manifestation der durch Grundgesetz und Verfassung gewährleisteten richterlichen Unabhängigkeit nicht so viel wert wie ... ja, wie was wohl? Immerhin ist ein Hauptkriminalkommissar Beamter, Element des Staatsdienstes, und man selbst ist ja auch ... Kurz und gut, mein Antrag wird zurückgewiesen, ohne Begründung, versteht sich; der ehemalige Hauptsturmführer wird aufgefordert, dem Präsidenten die Eidesformel nachzusprechen: &quot;Ich schwöre es, so wahr mir Gott helfe!&quot; Seine Stimme ist belegt, als er der Aufforderung Folge leistet.
Beim Verlassen des Saales bemerkt ein ausländischer Korrespondent in englisch-guttural akzentuiertem Deutsch: &quot;Das war der Offenbarungseid der Bundesrepublik!&quot;
<b>&quot;Das Sterben wurde zur Gewohnheit ...&quot;</b>
In vielerlei Gestalt wird in der stickigen Atmosphäre des Saales, in dem das Frankfurter Schwurgericht tagt, aus der Erinnerung der Überlebenden das Grauen von Auschwitz wieder lebendig.
In kühl-dozierendem Ton berichtet der polnische Mediziner Professor Fejkiel, der von Oktober 1940 bis Januar 1945 Häftling in Auschwitz war, über die Systematik der pausenlos arbeitenden Mord-Maschinerie dieses Vernichtungslagers. Als spräche er im Hörsaal der Krakauer Universität zu seinen Studenten, so unterstreicht der schlanke Mann mit dem gelichteten hellen Haar seine Ausführungen hin und wieder durch eine leichte Bewegung der Rechten.
Nur manchmal, wenn der Vorsitzende von ihm Auskunft über gewisse Einzelheiten verlangt – so zum Beispiel, ob die Opfer der Giftexperimente, an denen der angeklagte SS-Apotheker Capesius beteiligt war, noch lebend den Experimentierraum verließen oder bereits tot auf Bahren herausgetragen wurden –, bekommt der Ton, in dem Professor Fejkiel spricht, eine etwas ungeduldige Färbung.
&quot;Sie müssen verstehen, Herr Präsident, für uns war dieses Morden doch nichts Außergewöhnliches. Für uns war es alltäglich, so dass wir gar nicht mehr auf jede Einzelheit achteten ...&quot;
Einen Augenblick lastet Schweigen über dem Saal. &quot;Für uns war ja das Sterben zur Gewohnheit geworden&quot;, fügt er etwas leiser hinzu.
Der Zeuge schätzt die Zahl der durch Phenol-Einspritzungen Ermordeten auf etwa 30.000 Menschen. In die Totenscheine der Ermordeten wurden dann natürlich falsche Todesursachen, z.B. Kreislaufkollaps, Venenentzündung oder Herzmuskelschwäche eingetragen.
&quot;Einmal&quot;, Professor Fejkiel lacht kurz, gepreßt auf, &quot;gab es dabei für die SS Unannehmlichkeiten. Bei einem der Ermordeten war Venenentzündung am rechten Bein mit anschließender Thrombose als Todesursache angegeben worden. Eine Versicherungsgesellschaft forderte von der Lagerleitung Aufklärung, da der Mann seit Jahren rechts eine Beinprothese getragen hatte ...&quot; Der SS-Arzt hatte keine Hemmung, den Häftling Fejkiel um Rat zu fragen, wie der Versicherungsgesellschaft diese &quot;Panne&quot; zu erklären wäre. [...]
Im allgemeinen, so berichtet Professor Fejkiel, wirkte die Phenol-Spritze, die direkt ins Herz gestoßen wurde, augenblicklich tödlich. Nach kurzem Besinnen fügt er hinzu: &quot;Natürlich gab es auch Ausnahmen. Eines Tages rief mich ein Häftling in den Baderaum, wo die Leichen der Häftlinge aufgestapelt waren, die der Angeklagte Klehr mit der Phenol-Spritze ermordet hatte. Wir sahen, dass unter dem Leichenhaufen ein noch lebender Häftling herauskroch. Wir halfen ihm. Er war völlig benommen und wusste gar nicht, was ihm geschehen war. Wir holten dann aus dem Häftlings-Krankenhaus die Leiche eines normal verstorbenen Häftlings und legten sie in den Baderaum, damit die Anzahl der Leichen stimmte. Wir versuchten, den mit dem Leben davongekommenen Häftling zu retten. Wahrscheinlich hatte er die Spritze von Klehr in die Lunge bekommen, oder er besaß eine außergewöhnliche Giftresistenz. Doch alle Mühe war vergeblich. Der Häftling quälte sich noch einige Wochen, dann starb er. Sein Körper konnte doch nicht Herr über das eingespritzte Gift werden.&quot;
Der Vorsitzende hat keine Fragen mehr an den Zeugen. Ein Vertreter der Anklage jedoch möchte noch Näheres über bestimmte Experimente hören, von denen Professor Fejkiel vorher gesprochen hatte.
&quot;Sie erwähnten, Herr Zeuge, dass man gesunde Häftlinge zwang, bestimmte Medikamente einzunehmen, um deren Wirkung auszuprobieren. Was für Medikamente waren das?&quot;
Diese Medikamente, antwortet der polnische Mediziner, hätten keine Namen gehabt. Zur Kennzeichnung hätten sie lediglich Nummern und Buchstaben getragen. Offenbar befanden sie sich noch in der Labor-Entwicklung; ihre Wirkung sollte ja erst in Auschwitz an den Häftlingen festgestellt werden.
&quot;Von welcher Stelle sind diese Medikamente zur Erprobung nach Auschwitz gesandt worden?&quot; fragte der Staatsanwalt weiter.
Unruhig erhebt sich Verteidiger Laternser, dessen wesentlichste Aufgabe, wie längst offenbar, darin besteht, zu verhindern, dass die Hintermänner der SS-Massenmorde entlarvt werden.
Auch dem Vorsitzenden scheint die Frage nicht sehr zu behagen. &quot;Woher soll der Zeuge das wissen, Herr Staatsanwalt?&quot; unterbricht er.
&quot;Lassen Sie ihn doch erst mal antworten, Herr Landgerichtsdirektor, vielleicht weiß er es doch&quot;, kontert der Anklagevertreter diesen Behinderungsversuch.
Natürlich weiß Professor Fejkiel als ehemaliger Häftlingsarzt, welche Stelle diese Versuche veranlasste und wie sie ausliefen. Es waren die IG-Farben, die Häftlinge als Probeobjekte für ihre Arzneimittel-Versuche missbrauchen ließen! Die Opfer dieser Versuche trugen schwerste Leber-, Gallen- und Nierenschäden davon.
<i>Aus: Kaul, F. K., In Robe und Krawatte. Der Verteidiger hat das Wort, Berlin: Verlag Das Neue Berlin 1981, darin &quot;Der Auschwitz-Prozess&quot;, S. 88f und S. 105ff. Der DDR-Anwalt Professor Kaul nahm als Vertreter der Nebenklage im Auftrag von nahen Angehörigen der Mordopfer am Auschwitz-Prozess teil, der am 20. Dezember 1963 in Frankfurt am Main begann.</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 12:29:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Harry Nick: Ökonomiedebatten in der DDR</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/harry-nick-oekonomiedebatten-in-der-ddr/</link>
			<description> Helmut Müller, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[Wer sich nicht von dem leichtgewichtigen Umfang des Buches (109 Seiten) und dem anscheinend in die Vergangenheit weisenden Titel irritieren lässt, findet in ihm für gegenwärtige und zukünftige linke Politik Gewichtiges.
Indem Harry Nick – einer der namhaftesten Ökonomietheoretiker der DDR – den Disput über theoretische Fragen der Wirtschaftspolitik der SED von ihren Anfängen bis zu ihren schmerzlichen Ende Revue passieren lässt, erfährt der Leser viel über die Entwicklung der Volkswirtschaft in der DDR, von den Ursachen ihres Aufstiegs, ihrer Stagnation und ihres Niedergangs. Dabei werden Kernauffassungen von Karl Marx in Erinnerung gerufen, ihre Anwendung und ihre teilweise Ignorierung und deren Folgen in der Praxis gezeigt. Dabei jedoch belässt es Harry Nick nicht, sondern er entwickelt dazu seine Auffassung für ihre Verwertbarkeit in der Gegenwart und Zukunft. Hingewiesen sei in diesem Zusammenhang auf die Diskussion über den sozial-ökonomischen Charakter des Volkseigentums in der Übergangsperiode (S. 9ff), die Rolle der halbstaatlichen Betriebe als Form der Bündnispolitik (S. 12ff), das Verhältnis von Gesellschaft-Betrieb-Individuum, besonders unter den Bedingungen der wissenschaftlich-technischen Revolution (S. 42ff, 63ff) u.a.m. Erhellend sind die Aussagen über die unterschiedliche Strategie der KPdSU und der SED zu Beginn der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts. Durch die KPdSU: Proklamierung des Übergangs zum Kommunismus; durch die SED: Verbesserung, Vervollkommnung  des Sozialismus und Übergang zum Neuen Ökonomischen System der Planung und Leitung der Volkswirtschaft, dass den ersten ernstzunehmenden Versuch einer Wirtschaftsreform in den europäischen Ländern des Sozialismus darstellte (S. 20ff). Jedem, dem die Aufhellung der Ursachen unserer Niederlage am Herzen liegt, findet hier viele Denkanstöße, besonders was die hauptsächlichsten Gründe für das wirtschaftliche Scheitern anbetrifft (S. 92ff) Die Antwort auf die selbst gestellte Frage &quot;Was bleibt&quot; (S. 105ff) hebt den großen Wert der DDR-Erfahrungen für heutige sozialistische Politik und Zukunftsvorstellungen hervor. Gerade die hier in Erinnerung gerufenen Ökonomie-Debatten können als Anregungen für eine Diskussion über die Gestaltung eines lebensfähigen Sozialismus aufgefasst werden.
Gewichtig für Politikansätze der Linken sind die Überlegungen zur Frage &quot;Wie wollen wir leben?&quot; Harry Nick bezeichnet sie als &quot;die Frage aller Fragen, auch die aller sozialistischen Wertvorstellungen, Bewegung und Ziele. Über diese Frage muss ohne Unterlass nachgedacht, debattiert und sicher auch gestritten werden. Sie permanent vernachlässigt zu haben, gehört zu den Erbsünden der Linken&quot;.
<i>Harry Nick: Ökonomiedebatten in der DDR, GNN Verlag 2011, ISBN  978-3-89819-366-5, Preis: 9,00 Euro</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 11:35:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Sie opferten ihr Leben - Kommunisten im antifaschistischen Kampf </title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/sie-opferten-ihr-leben-kommunisten-im-antifaschistischen-kampf/</link>
			<description>Eberhard Butter, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[Vor 70 Jahren holte der deutsche Faschismus nach dem Scheitern des Blitzkrieges und der Niederlage vor Moskau zu einem zweiten bedeutenden strategischen Schlag gegen die Sowjetunion aus. Ihr Süden mit wichtigen Industriezentren und Rohstoffgebieten und Stalingrad wurden die Hauptziele des &quot;Sommerfeldzuges&quot; mit beträchtlichen Anfangserfolgen. Die Invasion in  Nordafrika als ursprüngliche Hilfe für die bedrängten italienischen Truppen galt als Nebenkriegsschauplatz, zersplitterte jedoch das faschistische Aggressionspotenzial.
Die Siegesstimmung großer Teile der deutschen Bevölkerung wich zunehmender Ernüchterung, insbesondere im 2. Halbjahr 1942 in Anbetracht der gewaltigen Menschenverluste der faschistischen Armeen und der standhaften sowjetischen Verteidigung des Kaukasus und des Stalingrader Raumes. Immer besorgter wurden die Stimmungsberichte des faschistischen Geheimdienstes (SD).
Auch wuchs der Widerstand der unterdrückten europäischen Völker und in Deutschland selbst gegen die faschistische Herrschaft. Zunehmend beteiligten sich daran auch Kreise aus dem Bürgertum, dem Adel, dem Militär und der Geistlichkeit.
Bedeutsame Ereignisse dieses Kampfes in Deutschland 1942 waren die Aktionen der <i>Roten Kapelle</i>, der <i>Weißen Rose</i> in München und die Anschläge der Gruppe jüdischer Widerstandskämpfer um Herbert Baum auf die antisowjetische Hetzausstellung &quot;Das Sowjetparadies&quot; im Berliner Lustgarten.
An diesen Formen des Widerstandes hatten auch Mitglieder der KPD und ihrer Jugendorganisation KJVD Anteil.
Ein gewisser Kulminationspunkt des Kampfes und auch der Opferzahlen war das Jahr 1942. Die sich abzeichnende Wende des Krieges gegen Ende des Jahres durch die Niederlagen in Stalingrad und Nordafrika (El Alamein) veranlasste das Regime, den Terror nach innen zu forcieren. Die Zahl der Verhaftungen, Verurteilungen und danach äußerst kurzfristig vollstreckten Hinrichtungen, besonders auch von Mitgliedern der KPD, stieg stark an.
Seit 1933 aber hatten die Funktionäre und Mitglieder der KPD, KPO und des KJVD bereits die meisten aller deutschen Opfer des antifaschistischen Kampfes erbracht. Das sollte sich bis 1945 nicht ändern. Sie wurden anfangs teilweise noch auf offener Straße erschlagen, in den Lokalen der SA und bei den Gestapo-Vernehmungen zu Tode gefoltert, wurden Opfer der Justiz und des umfassenden KZ-Systems.
Ganze Widerstandsgruppen sind durch gekaufte Verräter oder eingeschleuste Spitzel zerschlagen worden. Viele emigrierte deutsche und Kommunisten anderer Nationen wurden Opfer der Repressionsmaßnahmen sowjetischer Organe ab 1936.
In Deutschland sind von den 1932 registrierten 300.000 KPD-Mitgliedern bis 1945 150.000 mehr oder weniger längere Zeit inhaftiert gewesen. Die Zahl der Ermordeten und Hingerichteten wird auf 20.000 geschätzt. Allein zwischen 1933 und 1934 sind 60.000 Kommunisten verhaftet und 2.000 ermordet worden.
Den kommunistischen Opfern der Nazis – doch bei weitem nicht nur den kommunistischen – wurden in der DDR alle Ehren zuteil. Das wurde und wird der DDR als Einseitigkeit vorgeworfen. Wer redet über die Einseitigkeiten heute? In dieser BRD kann man zu dem Eindruck gelangen, einen kommunistischen Widerstand gegen Hitler habe es nicht oder kaum gegeben. Kommunistinnen und Kommunisten werden totgeschwiegen. Gerade deshalb wollen wir ihres antifaschistischen Kampfes heute und in kommenden Mitteilungen gedenken.
<i>Quellen u.a.: Heinz Bergschicker, Deutsche Chronik 1933-1945, Verlag der Nation Berlin 1981 S. 350 ff., 368, 372. www.ddr-biografien.de (Kommunistischer Widerstand 1933-1945).</i>
<b>Genosse Etkar André</b> (KPD) geboren am 17. Januar 1894 in Aachen, hingerichtet am 4. November 1936 in Hamburg.
Etkar entstammte einer Handwerkerfamilie. Wegen des frühen Todes des Vaters übersiedelte die Familie nach Lüttich. Zunächst wurde Etkar Lehrling in einer Buchhandlung und knüpfte erste Kontakte mit politischer Literatur. Mitglied der Sozialistischen Partei Belgiens wurde er 1911, später Sekretär der Sozialistischen Arbeiterjugend in Brüssel. Er war Kriegsfreiwilliger im I. Weltkrieg. Danach schloss er sich in Koblenz der Sozialistischen Arbeiterjugend und der SPD an. Ab 1923 wurde er Mitglied der KPD und Freund und Kampfgefährte Ernst Thälmanns. Von 1926 bis 1930 war er Mitglied der Bezirksleitung Wasserkante und von 1927 bis 1933 Abgeordneter der Hamburger Bürgerschaft. Gleichzeitig war er Führer des &quot;Roten Frontkämpferbunds Hamburg-Wasserkante&quot;. Etkar gewann große Popularität bei den Hamburger Arbeitern. Nach dem Besuch der Reichsparteischule der KPD war er Instrukteur und Propagandist in der &quot;Internationale der Seeleute und Hafenarbeiter&quot; von 1931 bis 1932.
Ein Mordanschlag auf ihn im März 1931 schlug fehl, traf aber seinen Parteifreund Henning, der getötet wurde.
Die Faschisten verhafteten Etkar André im März 1933 und folterten ihn während seiner dreieinhalbjährigen Untersuchungshaft so schwer, dass er das Gehör verlor und sich nur mit Krücken fortbewegen konnte. Trotz fehlender Beweise für behaupteten Hochverrat und Mord an einem SA-Führer und trotz weltweiter Proteste wurde er ermordet.]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 10:32:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Komplettes Inhaltsverzeichnis</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/komplettes-inhaltsverzeichnis-42/</link>
			<description>einschließlich Printversion</description>
			<content:encoded><![CDATA[<i>Politik aktuell </i>
Hans Erxleben: Wieder Nazi-Aufmarsch in Dresden stoppen!<br />  Bundessprecherrat: Es gilt das Erfurter Programm von 2011. Fünf Überlegungen zur Erklärung von Dietmar Bartsch<br />  Gesine Lötzsch: Wir wollen solidarische Systeme vor der Zerschlagung retten<br />  Sahra Wagenknecht: Wer Spardiktate sät, wird eine Rezession ernten<br />  Klaus Eichner: Neonazis und Verfassungsschutz<br />  Jörg Rückmann: &quot;Unser Amerika&quot; und DIE LINKE<br />  Jürgen Herold: Neues vom Rechtsstaat<br />  Andreas Wehr: Quelle der Instabilität – Vor zehn Jahren wurde der Euro als Bargeld eingeführt<br />  Jochen Traut: Für Karl Stiffel<br />  Erich Hahn: Ein kluger, mitreißender Lehrer. Hans Heinz Holz
<i>Geschichte</i>
Wolfgang Biedermann: Die Wannsee-Konferenz, 20. Januar 1942<br />  Friedrich Karl Kaul: Der Auschwitz-Prozess von 1963 bis 1965
<i>Bücherbord</i>
Helmut Müller: Harry Nick: Ökonomiedebatten in der DDR
<i>Wir erinnern</i>
Eberhard Butter: Sie opferten ihr Leben – Kommunisten im antifaschistischen Kampf
<i>Kleine Mitteilungen </i>
<b>Nur in der Printversion</b>
<i>Wir erinnern </i>
<i>Plattform aktiv</i>
Berichte von Landeskonferenzen aus Sachsen, Thüringen, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen
<i>Leserbriefe</i>
Kotulla, Arndt, Wild, Hammelsbeck, Schulz
<i>Weiter: Wir erinnern</i>
<i>Das Marxistische Forum informiert</i>
<i>Weitere kleine Mitteilungen </i>
<i>Rücktitel</i>
Aus: Christa Wolf, Störfall. Nachrichten eines Tages
<i>Abbildungen</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 24 Jan 2012 09:37:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Den Glaubwürdigkeitsbonus darf die Partei nicht verspielen</title>
			<link>http://www.die-linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/dokumente/denglaubwuerdigkeitsbonusdarfdieparteinichtverspielen/</link>
			<description>Bericht des Bundessprecherrates an die 4. Tagung der 15. Bundeskonferenz, Berichterstatter Jürgen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 23:31:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Aufgaben der Kommunistischen Plattform bis zum Göttinger Parteitag</title>
			<link>http://www.die-linke.de/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/dokumente/dieaufgabenderkommunistischenplattformbiszumgoettingerparteitag/</link>
			<description>Beschluss der 4. Tagung der 15. Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform</description>
			<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 22:32:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Die Kommunistische Plattform ist ohne unsere Publikation nur schwer vor­stellbar</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/die-kommunistische-plattform-ist-ohne-unsere-publikation-nur-schwer-vorstellbar/</link>
			<description>Bericht der Org.-Gruppe &quot;Mitteilungen&quot; an die Bundeskonferenz</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Genossinnen und Genossen, im Bericht des Bundessprecherrates, den Jürgen eben erstattete, sind die Aufgaben unserer Kommunistischen Plattform in Auswertung des Erfurter Parteitages klar herausgearbeitet worden. Die Rolle, die hierbei unseren &quot;Mitteilungen&quot; zukommt, ist groß und nimmt weiter zu. In der Tat ist die Kommunistische Plattform ohne unsere Publikation nur schwer vorstellbar. Die &quot;Mitteilungen&quot; vermitteln den Lesern regelmäßig Einschätzungen über die Lage in der Partei, verbunden mit Schlußfolgerungen für die daraus resultierende Arbeit der Kommunistinnen und Kommunisten in der Linken. Heft für Heft finden sich Artikel zu innen- und außenpolitischen Themen, Ausarbeitungen zur Geschichte und zu anderen wichtigen Themen. Für uns schreiben Autoren, die weit über die Partei hinaus bekannt und anerkannt sind. Ihre Mitwirkung an unserem Journal ist für dessen Qualität prägend. Stellvertretend seien heute genannt:
Dr. Klaus Bartl (MdL), Rolf Berthold, Frank Bochow, Barbara Borchardt (MdL), Arne Brix, Eva Bulling-Schröter (MdB), Prof. Erich Buchholz, Hans Canjé, Klaus Eichner, Prof. Ludwig Elm, Tim Engels, Dr. Hans Erxleben, Dr. Gerhard Feldbauer, Prof. Edeltraut Felfe, Prof. Georg Fülberth, Prof. Heinrich Fink, Ronald Friedmann, Dr. Regina Girod, Victor Grossman, Kurt Gutmann, Prof. Erich Hahn, Konrad Hannemann, Ralph Hartmann, Wolfgang Herrmann, der leider verstorbene Prof. Uwe-Jens Heuer, Uwe Hiksch, Klaus Höpcke, Ulla Jelpke (Mitglied des Bundestages), Prof. Detlef Joseph, Prof. Heinz Karl, Gerald Kemski-Lilleike, Prof. Hermann Klenner, Wulf Kleus, Reiner Kotulla, Egon Krenz, Horsta Krum, Prof. Anton Latzo, Sabine Lösing (MdEP), Prof. Christa Luft, Prof. Moritz Mebel, Gerhard Mertschenk, Prof. Harry Nick, Prof. Kurt Pätzold, Dr. Artur Pech, Tobias Pflüger, Dieter Popp, Dr. Andrej Reder, Rolf Richter, der Maler Thomas J. Richter, der kürzlich verstorbene Walter Ruge, Horst Schäfer, Prof. Gregor Schirmer, die Schriftsteller Rosemarie Schuder-Hirsch und Armin Stolper, Sahra Wagenknecht (MdB und Vizefraktionsvorsitzende), Prof. Manfred Weißbecker, Dr. Winfried Wolf, Dr. Friedrich Wolff, Werner Wüste sowie die KPF-Bundessprecher, Mitglieder des Bundeskoordinierungsrates und der Redaktion.
Begrüßt werden Veröffentlichungen zum Gedenken an großartige Kulturschaffende, Schriftsteller und Künstler der Gegenwart kommen regelmäßig zu Wort. Das gehört zum Profil der &quot;Mitteilungen&quot; und macht auch deutlich, daß unsere Publikation nicht nur die inhaltlichen Positionen der KPF widerspiegelt, sondern daß sie gleichermaßen Ausdruck des intellektuellen Anspruchs unseres Zusammenschlusses ist. Wichtig für die Angehörigen der Plattform und die weit über die KPF hinausgehenden Leserinnen und Leser sind die Informationen über das praktische Wirken der Plattform, über bevorstehende Aktionen und Zusammenkünfte, nicht nur der KPF, sondern auch anderer Zusammenschlüsse sowie Informationen über ausgewählte außerparlamentarische Aktivitäten.
Wer einen Einblick in die Entstehung der einzelnen Ausgaben unseres Heftes hat, weiß, welche Anstrengungen der durchweg ehrenamtlich tätigen Redakteure dem zugrunde liegen. Dabei kann sich die Redaktion stets auf die tatkräftige Unterstützung des Bundessprecherrates verlassen. Sie verdienen unseren herzlichen Dank.
Er gebührt auch den engagierten Kolleginnen und Kollegen der Druckerei &quot;Bunter Hund&quot; und des ND-Verlages, die für die Herstellung bzw. den Versand sorgen.
Während die Redakteure und die Autoren keinen Cent nehmen, kosten Druck und Versand richtig Geld. Es sind jährlich knapp 30.000 Euro. In den bisherigen 21 Jahren – solange existieren die &quot;Mitteilungen&quot; – war die Finanzierung kein grundsätzliches Problem. Die Druckkosten wurden, vor allem im vergangenen Jahrzehnt, durch die Spenden von Leserinnen und Lesern aufgebracht. Die Versandkosten wurden aus der Parteikasse beglichen. Mittlerweile ist jedoch die Finanzlage der Partei angespannter als in vergangenen Jahren. Am 24. September und am 13. November führten die Bundesgeschäftsführung und der Bundesschatzmeister dazu Beratungen mit Vertretern der Zusammenschlüsse durch. Sie dienten vor allem der Vorbereitung der an diesem Wochenende stattfindenden Bundesvorstandssitzung, auf der auch der Finanzplan 2012 behandelt und voraussichtlich beschlossen wird. Nach den oben erwähnten Beratungen haben wir gemeinsam mit Bundessprechern der AG betrieb &amp; gewerkschaft noch einmal die Positionen an die Bundesgeschäftsführung und den Bundesschatzmeister übermittelt, die sich kritisch mit den die Zusammenschlüsse betreffenden Finanzplanansätzen auseinandersetzen. Sollte es Interesse daran geben, so könnte das Schreiben im Verlaufe der heutigen Konferenz von einem Bundessprecher verlesen werden.
Wir werden sehen, was an diesem Wochenende im Parteivorstand in puncto Finanzen herauskommt. Wie das auch immer zu bewerten sein wird: Es ist nicht unsere Sache, in diesem Zusammenhang Spekulationen anzustellen, zum Beispiel darüber, ob unter der Flagge des Sparzwangs auch Politisches mit geregelt werden soll. Spekulationen schaffen keine 30.000 Euro für die &quot;Mitteilungen&quot; her. Sie lenken uns eher von unserer Aufgabe ab, durch die wesentliche Erhöhung des Spendenaufkommens das weitere Erscheinen der &quot;Mitteilungen&quot; zu sichern. Und diesbezüglich ist viel zu tun. Ich möchte es zuspitzen: Wenn es überhaupt keinen Sparzwang gäbe, wären wir auch politisch verpflichtet, die gegenwärtige Situation nicht hinzunehmen. Nur ein Fünftel der gegenwärtigen Postbezieher spenden für unser Heft. Das ist in erster Linie ein politisches Problem. Für uns verbindet sich im Kampf um die Erhöhung des Spendenaufkommens die politische mit der finanziellen Notwendigkeit. Ich komme auf die 80 Prozent, die nicht spenden, an anderer Stelle konkret zurück.
Liebe Genossinnen und Genossen, damit komme ich zum Hauptanliegen meiner Ausführungen, zur Entwicklung und zur gegenwärtigen Lage beim Spendenaufkommen und zu unseren Anstrengungen, es weiter zu erhöhen. Wie ist der Stand des Spendenaufkommens per 3. November 2011? Die Summe beträgt 15.428 Euro. Beachtenswert ist dabei, daß über 5.000 Euro, also ein Drittel dieser Summe, seit August eingezahlt wurden. Mit anderen Worten: Seit der Einführung der Lesernummer und dem damit im Zusammenhang im Juli-Heft veröffentlichten Appell. Das läßt die Hoffnung zu, bis zum Kassenschluß am 22. Dezember das bisher beste Spendenergebnis zu erzielen.
Allen an dem bisher Erreichten ein herzliches Dankeschön. Zum Vergleich, die Entwicklung der Spendeneinnahmen: 2003: 10.300 Euro, 2005: 12.200 Euro, 2007: 12.000 Euro, 2009: 15.600 Euro.
Ich möchte nun etwas zum Anteil der Länder am Spendenaufkommen dieses Jahres sagen. Diese Aufzählung wird die Differenzen zwischen den Ländern verdeutlichen. Wir machen darauf heute nicht aufmerksam, um irgendjemanden zu schelten. Wir sind uns auch dessen bewußt, daß bei uns selbst noch Präzisierungen erforderlich sind. Wir haben faktisch erst in diesem Jahr damit begonnen, das Spendenaufkommen zu einer abrechenbaren Größe für die politische Arbeit der Gesamtplattform zu machen. Für die Lage, die Erfolge und die Schwächen, tragen wir gemeinsam die Verantwortung. Um gemeinsam weiter zu kommen, müssen wir die differenzierte Arbeit vertiefen. Das ist es, worum es geht, und daraus ergibt sich der Anspruch an die Arbeit der Landessprecherräte: Die genauere Analyse der Lage und konkretere Schlußfolgerungen, diese zu verbessern. Nun zu unserer Übersicht. Sie beruht, dank der hilfreichen Unterstützung durch Genossinnen des Bereiches Parteifinanzen der Bundesgeschäftsstelle und der fruchtbringenden Tätigkeit von Heike und Uschi von der Org.-Gruppe, auf der uns zur Zeit möglichen namentlichen Zuordnung von knapp 13.000 Euro Spenden von den insgesamt 15.428 Euro. Das heißt, von rund 83% derer, die bisher in diesem Jahr gespendet haben. Bei den übrigen ist das wegen unvollständiger Angaben noch nicht möglich. Nach den Verbleibenden muß noch geforscht werden. Auch dabei rechnen wir mit Eurer Hilfe. Wenn wir gemeinsam an die Aufklärung herangehen, so könnte uns noch in diesem Jahr manches gelingen. Es wird uns auch nächstes Jahr weiter beschäftigen. Auch die Abstimmung innerhalb unserer Org.-Gruppe, zum Beispiel hinsichtlich der schnelleren Erledigung von Neubestellungen oder auch Abmeldungen o. ä. ist ausbaufähig. Wir sind bemüht, sie zu verbessern.
Ich komme jetzt zur Verlesung der Spenden nach Ländern. Ich nenne bei jedem Land zwei Zahlen: Zum einen die Zahl der monatlichen Postbezieher, zum anderen die in diesem Jahr bis zum 3. November eingegangene Spendensumme:
<ul> <li>Berlin (265 Postbezieher) - 4.574 Euro</li> <li>Sachsen (148 Postbezieher) - 1.726 Euro</li> <li>Brandenburg (113 Postbezieher) - 1.707 Euro</li> <li>Thüringen (139 Postbezieher) - 1.367 Euro</li> <li>Baden-Württemberg (44 Postbezieher) - 590 Euro</li> <li>Mecklenburg-Vorpommern (48 Postbezieher) - 470 Euro</li> <li>Nordrhein-Westfalen (153 Postbezieher) - 697 Euro</li> <li>Sachsen-Anhalt (148 Postbezieher) - 440 Euro</li> <li>Niedersachsen (73 Postbezieher) - 180 Euro</li> <li>Bayern (63 Postbezieher) - 258 Euro</li> <li>Rheinland-Pfalz (136 Postbezieher) - 170 Euro</li> <li>Hessen (153 Postbezieher) - 195 Euro</li> <li>Schleswig-Holstein (22 Postbezieher) - 148 Euro</li> <li>Hamburg (29 Postbezieher) - 110 Euro</li> <li>Bremen (7 Postbezieher) - Bisher keine zuordnungsfähigen Spenden</li> <li>Saarland (7 Postbezieher) - Bisher keine zuordnungsfähigen Spenden</li></ul>
Liebe Genossinnen und Genossen, welche Erkenntnisse ergeben sich aus der soeben vorgetragenen Übersicht? Das soll am Beispiel Berlins, dem Spitzenreiter bei den Einnahmen, verdeutlicht werden. Nähme man an, daß die über 4.700 Euro von Lesern gespendet wurden, so käme man auf einen Durchschnittsbetrag von etwa 20 Euro pro Leser. Das wäre ein beträchtlicher Unterschied zu den Nächstplazierten – Brandenburg mit 15 Euro pro Leser, Sachsen mit 11 Euro. Bei Vergleichen von eingezahlten Summen und der Anzahl der Spender in Baden-Württemberg, Bayern, Sachsen-Anhalt oder anderen ergibt ein ähnliches, noch ernüchternderes Bild. Von den beiden Bundesländern ganz zu schweigen, von denen bisher noch keine Einzahlung registriert wurde.
Das Bild verschiebt sich kolossal, wenn man in Betracht zieht, daß in Berlin 1.467 Euro von nur 3 Spendern entrichtet wurden – vorwiegend aus Erlösen von &quot;Freihandverkäufen&quot; bei Veranstaltungen und an Ständen. Somit reduziert sich der Betrag pro Leser von 20 auf 13 Euro. Letztlich ergibt die namentliche Zuordnung, daß in Berlin auch nur jeder vierte seinen Obolus entrichtet. Und Berlin macht noch etwas besonders deutlich: Die Erhöhung des Spendenaufkommens in den letzten Jahren ist nicht wesentlich darauf zurückzuführen, daß mehr Leser spenden, sondern daß diejenigen, die immer schon spendeten, ihre Summe erhöht haben.
Die entscheidende Schlußfolgerung aus dieser Sachlage muß sein, Wege zu finden, um an die Nichtspender heranzukommen. Hier stehen wir am Anfang. Liebe Genossinnen und Genossen, ich komme zu einem dritten Problem: Zwei Drittel der Leser im Inland erhalten die &quot;Mitteilungen&quot; per Post zugestellt, ein Drittel erhält sie von – ich nenne sie einmal: &quot;Multiplikatoren&quot;. Diese Genossinnen und Genossen bringen regelmäßig – nach der guten Tradition der deutschen Arbeiterbewegung, dem &quot;Zehnerkassierer-Prinzip&quot; – unsere Hefte an die Frau oder den Mann. Es sind 86, die monatlich mit ihren Beziehern der &quot;Mitteilungen&quot; in Kontakt treten, sich mit ihnen treffen, Gedanken austauschen, über aktuelle politische Probleme sprechen und sich manchmal auch um ihr Wohlergehen sorgen: Einfach ausgedrückt: Sie pflegen gute genossenschaftliche Beziehungen zu ihnen. Das ist eine nicht hoch genug zu schätzende Tätigkeit, die unsere volle Anerkennung verdient.
Solche Multiplikatoren gibt es in den meisten Bundesländern. Wir können hier nicht alle nennen und wollen heute daher stellvertretend für alle ganz besonders Dora und Willi G.  Aus Thüringen danken. Wir danken Dietmar B. und Andreas K. aus Sachsen, Jochen T. aus Thüringen, Jasper O. aus Berlin, Thomas H. aus Hamburg, Friedrich R. aus Sachsen-Anhalt, Konrad H. aus Brandenburg, Franz S. aus Hessen, Patrick H. aus Niedersachsen, Anja F. aus Nordrhein-Westfalen, Waltraut T. aus Mecklenburg-Vorpommern, Oliver W. aus Rheinland-Pfalz. Sie alle verbreiten beständig 5 bis 25 Hefte monatlich.
Sehr bewußt danken wir aber auch Genossinnen und Genossen, die nur eine anscheinend unbedeutende Anzahl an &quot;Mitteilungen&quot; weitergeben, so Elke und Lothar B. aus Baden-Württemberg, die monatlich 2 Exemplare verbreiten. Ich erwähne sie stellvertretend für 32 Multiplikatoren, die das Gleiche tun. An ihrem Beispiel zeigt sich, welch bedeutende Verbreitung die &quot;Mitteilungen&quot; und die Aufbesserung des Spendenaufkommens erfahren würden, würde jeder der jetzt 1.097 Postbezieher eines Exemplars nur einen weiteren gewinnen – die Spendenbereitschaft natürlich eingeschlossen.
Zur Zeit wird die Einzahlung der Spenden von jenen Genossinnen und Genossen, die von den Multiplikatoren beliefert werden, unterschiedlich gehandhabt. Zum Teil erfolgt sie durch die Multiplikatoren. Aber zum Teil bestehen belieferte Leser darauf, die Spende selbst zu überweisen.
Wir sind Genossin Renate G. aus Sachsen sehr dankbar dafür, daß sie uns auf diese unterschiedliche Verfahrensweise aufmerksam gemacht hat. Sie hat uns gleichzeitig die Namen und Adressen der 8 Leser mitgeteilt, die von ihr beliefert werden: Letzteres auch aus prophylaktischen Gründen, für den Fall, daß sie ausfallen sollte und dadurch die Belieferung ihrer Leser nicht erfolgten würde. Wir wünschen Genossin Renate G. weiterhin alles Gute für die Ausübung ihres Ehrenamtes.
Es wäre vorteilhaft, wenn wir von allen Multiplikatoren solche Angaben erhielten. Es würde auch ermöglichen, jeder Leserin und jedem Leser seine Lesernummer zuzuordnen und damit unsere Übersichten und unsere Auskunftsfähigkeit zu präzisieren.
Liebe Genossinnen und Genossen, abschließend noch einige Bemerkungen zu den unmittelbar bevorstehenden Aufgaben, die sich im wesentlichen auch im vorliegenden Beschlußentwurf finden.
Die Veränderung der gegenwärtigen Lage beginnt mit einer exakteren Übersicht über den Verbreitungsgrad der &quot;Mitteilungen&quot; und die Spendensituation. Die den Landessprecherräten heute übergebene Übersicht soll dabei eine Hilfe sein. Begonnen werden sollte bei den Mitglieder der Plattform: Wer bezieht die &quot;Mitteilungen&quot;, wer spendet für sie, wer nicht und warum nicht? Das ist das Nächstliegende. Gelänge es, jeden unserer Mitstreiter dafür zu gewinnen, nur für einen seiner Bekannten oder Freunde ein Heft mit zu übernehmen, so wäre unsere Zielstellung leichter erreichbar. Es geht dabei um keine Riesenspende, jeder Euro ist hilfreich. Ein kleines Rechenexempel, zurzeit nur theoretisch, zeigt, daß, würden von jedem der bis jetzt Säumigen nur 5 Euro gespendet, wir selbst noch in diesem Jahr auf 20.000 Euro kämen.
Ausgehend von dieser bevorstehenden Arbeit der Landessprecherräte bitten wir darum, unter Angabe der jeweiligen Lesernummer dem Bundessprecherrat mitzuteilen, zu wem keine Kontakte herstellbar waren, um weitere Schritte zu überlegen. Für die weitere Arbeit ist es auch wichtig zu erfahren, wer aus sozialen Gründen nicht in der Lage ist, etwas zu spenden.
Im kommenden Jahr sind die &quot;Mitteilungen&quot; verstärkt öffentlich anzubieten. Darin besteht eine wesentliche Möglichkeit, das Spendenaufkommen zu erhöhen: Durch Stände auf Veranstaltungen, aber auch durch das direkte Ansprechen von Genossinnen und Genossen bei diversen Zusammenkünften. Heute sei den Thüringer KPF-Genossinnen und Genossen ein besonderes Dankeschön gesagt, die auf dem Erfurter Parteitag unseren Stand betreut haben. Aber auch auf allen Landesparteitagen, auf Bezirks- oder Hauptversammlungen, auf anderen Beratungen, unsere Basisorganisationszusammenkünfte eingeschlossen, sollten wir &quot;Mitteilungen&quot; einstecken haben und sie gezielt anbieten. Auf diese Weise kommen 10 bis 15 Euro schnell zusammen. Jeder Landessprecherrat sollte darüber hinaus pro Jahr mindestens zu zwei bis drei Gelegenheiten Stände organisieren. Daß dies zur Liebknecht-Luxemburg-Ehrung und am 1. Mai sowie anläßlich der Fiesta de Solidaridad und des Tages der Mahnung und des Gedenkens geschieht, ist mittlerweile gute Tradition. Wenn Landessprecherräte zu solchen und ähnlichen Anlässen &quot;Mitteilungen&quot; benötigen, stellen wir bei rechtzeitiger Information zusätzliche Exemplare zu.
Wir sind uns bewußt, daß dies alles nicht &quot;der Weisheit letzter Schluß&quot; ist. Jeder kennt die Fortsetzung des berühmten Goethe-Wortes. Handeln wir danach, um die anvisierten Ziele zu erreichen. Und seien wir uns dabei der Tatsache bewußt, daß es um nicht weniger geht als die Existenz unserer &quot;Mitteilungen&quot;. Ich danke für Eure Aufmerksamkeit.]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 21:33:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Solidarität üben durch Proteste im eigenen Land</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/solidaritaet-ueben-durch-proteste-im-eigenen-land/</link>
			<description>Prof. Dr. Nina Hager, Berlin</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Genossinnen und Genossen, ich überbringe euch die Grüße der DKP. Mit großer Aufmerksamkeit haben wir in unserer Partei in den vergangenen Monaten die Programmdebatte in eurer Partei verfolgt und die teilweise scharfen Auseinandersetzungen darum. Doch der Programmparteitag in Erfurt, dessen Debatte ich an zwei Tagen mitverfolgt habe, entschied souverän, beschloß das Parteiprogramm mit großer Mehrheit. Insgesamt ist euer Parteiprogramm in vielen Fragen sicher ein Kompromiß. Es ist gewiß auch kein marxistisches Programm, aber weitgehend antikapitalistisch, antifaschistisch und klar auf Frieden orientiert. Die  Meinungsverschiedenheiten aber werden bestehen bleiben, und der Streit um die Ausdeutung von Programmaussagen wird auch nicht auf sich warten lassen. Entscheidend aber, und das ist eine Binsenwahrheit, wird die politische Praxis sein, wie eure Partei mit dieser weitgehend antikapitalistischen, antifaschistischen und klar auf Frieden orientierten Programmatik arbeitet. Aus Sicht der DKP ist zudem wichtig, wie sich die Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen uns weiterentwickeln werden. Die politischen Herausforderungen an die ganze Linke in diesem Land, an ihr gemeinsames Handeln, wachsen.
Liebe Genossinnen und Genossen, kein Tag vergeht ohne neue Horrormeldungen über das Ausmaß der Krise, die sich aus der Immobilienkrise von 2008 bis hin zur aktuellen Euro- und Staatenkrise entwickelt hat. Die Krise spitzt sich derzeit dramatisch zu. Die Weltwirtschaft rutscht in die Rezession. Hinzu kommt, daß die bisherige Wirtschafts- und Finanzkrise zusätzlich offenbar durch eine beginnende zyklische Krise überformt wird. Das alles wird entsprechende soziale Folgen haben. Auch in unserem Land. Die internationale Arbeitsorganisation ILO warnt derzeit vor massiven Arbeitsplatzverlusten weltweit. Die EU-Länder haben in den letzten Wochen immer wieder konkrete Maßnahmen beschlossen, die am nächsten Tag schon wieder Makulatur waren. Jens Beckert und Wolfgang Streeck, Leiter des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung in Köln, stellten kürzlich fest, ich zitiere: &quot;Vier Jahre nach dem Beginn der Krise scheint kein Instrument zu ihrer Eindämmung gefunden. Vielmehr weitet sie sich auf immer mehr Staaten aus, bei erschöpften Mitteln der Vertrauensbildung. Die Politik macht einen überforderten Endruck. Eine Neuregulierung der Finanzmärkte ist weitgehend ausgeblieben. Das Bankensystem ist nach wie vor anfällig, die konjunkturelle Entwicklung erlahmt. Dies wirft die Frage nach der nächsten Stufe der Finanzkrise auf. Dabei teilen wir nicht die Hoffnung auf eine baldige Beendigung der Krise. Diese würde eine glaubwürdige Sanierung der Staatshaushalte im Sinne einer dauerhaften Privilegierung der Forderungen der Gläubiger sowie ein Wiedererstarken des Wachstums in den europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten erfordern. Das ist jedoch nicht abzusehen. Statt dessen muß ins Auge gefaßt werden, daß aus der ungelösten Finanzkrise eine soziale und politische Krise entstehen wird.&quot; Und sie machen in ihren Überlegungen auch darauf aufmerksam, daß alle Szenarien, die sie überlegt haben, wie diese Krise überwunden werden kann, immer nur zu einem führt, nämlich dazu, daß die Mehrheit der Menschen die Krisenfolgen auszubaden hat und die Schere zwischen Reich und Arm immer weiter wächst. Es wird viele Jahre dauern, bis sich die kapitalistische Weltwirtschaft erholen wird. Und das wird eine Neuausrichtung der Produktion, das Erschließen neuer Produktionsfelder erfordern, einen Umbau, den wir heute teilweise nur ahnen können. Begleitet wird dies durch einen rapiden Demokratieabbau.
Wir haben im vergangenen Jahr auf unserem 19. Parteitag eine politische Resolution verabschiedet, in der wir darauf aufmerksam machten, daß es sich bei dieser Krise um eine große oder Übergangskrise handelt. Es zeigt sich, daß diese Einschätzung völlig zutreffend ist.
Auch das Exportland Bundesrepublik, das bislang von der schlechten Lage Griechenlands, Portugals, Spaniens, Irlands, Italiens und anderer Länder profitierte, ist selbst zunehmend betroffen. Mittlerweile werden die Prognosen für das Wirtschaftswachstum im nächsten Jahr und vor allem für die Exporterlöse weiter gesenkt, und das wird gravierende soziale Auswirkungen haben.
Tiefe Widersprüche zwischen den Kapitalfraktionen und zwischen ihren politischen Vertretern werden in den gegenwärtigen Wochen deutlich. Die sind aber zugleich aufeinander angewiesen, um das System zu retten.
Deutlich wird, daß das Kapital und seine politischen Vertreter nach ökonomischen und politischen Auswegen suchen und dabei zunehmend auf eine rigorose Einschränkung der sozialen und demokratischen Rechte setzen bis hin zu reaktionären Herrschaftsformen. Und dabei spielen natürlich Rechtspopulisten und Faschisten ihre Rolle.
Das hat aber zur Konsequenz, daß die Demokratiefrage durch uns viel stärker in die gegenwärtigen gesellschaftlichen Auseinandersetzungen hereingebracht und dort thematisiert  werden muß. Denn zugleich wachsen weltweit die Proteste gegen die Politik der Regierung und gegen die Banken. Und diese Proteste sollen eingegrenzt, zurückgedrängt werden.
Erinnern wir uns: In Griechenland hat ein gewaltiger Generalstreik am 19. und 20. Oktober das öffentliche Leben nahezu lahmgelegt. Trotzdem wurde im Parlament das größte Sparpaket in der Geschichte des Landes durchgesetzt. Eine Übergangsregierung aus mehreren Parteien wurde eingesetzt, in der ein Faschist Innenminister ist. Nicht nur hier steht die Demokratiefrage ganz konkret. Es gibt große Aktionen in vielen Ländern. Am 24. November wird es einen Generalstreik in Portugal geben. Ach hierzulande wächst der Protest.
Unsere Solidarität gilt allen, die gegen die Krisenauswirkungen kämpfen. Der größte Beitrag zur Solidarität ist aber der, den Widerstand, den Protest in unserem eigenen Lande zu organisieren.
Empörung und Wut haben weltweit in den letzten Monaten Millionen Menschen auf die Straße gebracht. Bewegungen sind entstanden, die vor kurzem so nicht absehbar waren. Neben Arbeiterinnen und Arbeitern, Angestellten, Schülerinnen, Schülern und Studierenden wurden soziale Schichten aktiv, die bislang mehrheitlich als Befürworter des Kapitalismus galten. Gegen Stuttgart 21, für den Ausstieg aus der Kernenergiegewinnung, aber auch für demokratische und soziale Rechte wie in Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Israel und den USA.
Ihr erinnert euch: Vor etwa anderthalb Jahren hat der Berliner Landesvorsitzende Klaus Lederer auf dem Berliner Landesparteitag den damals vorliegenden Programmentwurf eurer Partei scharf kritisiert als &quot;plakativen Antikapitalismus und demonstrativen Protestgestus&quot;. Er betonte, man lebe laut Entwurf &quot;in einer Horrorwelt, die von einigen Hundert Unternehmen und Individuen beherrscht, sich am Abgrund befinde&quot;. Jetzt erleben wir, daß Millionen von Menschen diese Horrorwelt Tag für Tag mehr wahrnehmen müssen. Und es sind tatsächlich 147 Unternehmen, vor allem Banken, Versicherungen und Rentenfonds, die wie eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich zeigt, die Weltwirtschaft kontrollieren, die gemeinsam mit der Politik die Mehrheit der Menschen in die gegenwärtige Situation gebracht haben.
Kapitalismuskritische und antikapitalistische Positionen nehmen zu. Und das hat vor allen Dingen eben objektive Ursachen. Die finden sich in den realen Arbeits- und Lebensverhältnissen vieler Menschen. Und solche Positionen resultieren auch aus den Erfahrungen, die Menschen in den Protestbewegungen gewinnen, auch in Konfrontation mit der Staatsmacht. Und da ist es wichtig, daß Kommunistinnen und Kommunisten, antikapitalistische und sozialistische Linke dazu beitragen, daß diese antikapitalistischen Positionen verstärkt werden, daß die Einsicht in die gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse und die Notwendigkeit ihrer Überwindung stärker wird. Wichtig ist, was wir einzubringen haben in die gesellschaftlichen Bewegungen: an Theorie, an strategischer Orientierung, an Ideen für Aktionen und wie wir uns an diesen Bewegungen beteiligen mit praktischer Arbeit, um in der gegenwärtigen Situation Wege für eine Wende zu demokratischem und sozialem Fortschritt als Voraussetzung für die grundlegende Veränderung der Gesellschaft, für den Sozialismus, zu öffnen. Liebe Genossinnen und Genossen, laßt uns auch weiter gemeinsam in diesem Sinne handeln und dazu beitragen, die Verhältnisse zum Tanzen zu bringen.
<i>Nina Hager, stellvertretende Vorsitzende der DKP, sprach auf der Bundeskonferenz der Kommunistischen Plattform am 19. November 2011 in der Diskussion.</i>]]></content:encoded>
			<category>KPF-Mitteilungen</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 20:36:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Ehrendes Gedenken</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/partei/zusammenschluesse/kommunistischeplattformderparteidielinke/mitteilungenderkommunistischenplattform/detail/artikel/ehrendes-gedenken/</link>
			<description>Konferenznachrichten</description>
			<content:encoded><![CDATA[Zu Beginn der Konferenz erhoben sich die Delegierten und Gäste zum ehrenden Gedenken an Uwe-Jens Heuer, Franz Josef Degenhardt und Walter Ruge.
<b>Uwe-Jens Heuer</b>
Während wir auf dem Erfurter Parteitag über das neue Programm abstimmten, ahnten wir nicht, daß Uwe-Jens Heuer am 22. Oktober 2011 von uns gegangen ist.
Wir hatten seit den neunziger Jahren miteinander gekämpft, vor allem auch um die Bewahrung der friedenspolitischen Grundsätze der PDS und später der LINKEN.
Der exzellente Wissenschaftler, der in der DDR nicht zu den Unkritischen gehört hatte, wurde nie müde, eine dialektische Sicht auf deren Geschichte und auf die der Sowjetunion einzufordern. Faule Kompromisse, gerade in der Geschichtsfrage, wären für ihn undenkbar gewesen. Für ihn war die Denunziation des gewesenen Sozialismus gleichbedeutend mit dem Verzicht auf einen zukünftigen. Solange seine Kraft reichte, kämpfte er um ein marxistisches Profil unserer Partei. So war er der Initiator des Marxistischen Forums im Jahr 1995, mit dem wir als Kommunistische Plattform stets solidarisch und eng zusammenwirkten.
Wir sind dankbar dafür, daß wir, Genossinnen und Genossen der KPF, an der Seite dieses außergewöhnlichen Menschen arbeiten durften, und werden ihn nie vergessen.
<b>Franz Josef Degenhardt</b>
Franz Josef Degenhardt, Jurist, Antifaschist, Kommunist und Realist, weil er das für Viele Unmögliche dachte, ist tot. Er starb am 14. November, knapp drei Wochen vor seinem 80. Geburtstag. Das Konzert am 19. Dezember, mit dem er gefeiert werden sollte im besten Sinne, wird jetzt vom Fest zum Abschied. Ganz in seinem Sinne. Zum Niedergang des Sozialismusversuchs der DDR und der weiteren Entwicklung des strikten Antikapitalismus sagte er: &quot;Es geht weiter. Ich hoffe da ganz auf unsere Enkel und Urenkel.&quot;
Franz Josef Degenhardt, der Verteidiger. Er setzte sich ein für Sozialdemokraten und Kommunisten, für Demokratie und Freiheit, kämpfte gegen Faschismus und Borniertheit. Die SPD schloß ihn 1971 aus, der DKP, die ihn 1978 aufnahm, blieb er bis zuletzt treu. Seine Lieder durften ab 1970 nicht mehr in öffentlich-rechtlichen Sendern gespielt werden, aber er blieb weiter die Leitfigur des klaren politischen Worts. Franz Josef Degenhardt, der Kämpfer. Seine Waffen gegen den Kapitalismus, gegen Unbelehrbare, gegen Alt- und Neo-Nazis waren Gitarre und Sprache, sein Standpunkt: fest. Mit unverkennbarer, durchdringender Stimme sang er diejenigen nieder, die angetreten waren, die Demokratie niederzumachen. Seine Feindbilder hießen Vietnamkrieg, Notstandsgesetze, Berufsverbote, seine Freunde waren die Ostermarschierer, die Friedlichen. Er gab denen eine Stimme, die mundtot gemacht wurden, die schweigen sollten.
<b>Walter Ruge</b>
Am 10. November 2011 verstarb Genosse Walter Ruge, seit Jahren Autor unserer &quot;<i>Mitteilungen</i>&quot;. Im Kriegsjahr 1915 wurde er in Berlin geboren. &quot;Er muß keine Geschichten erfinden&quot;, schrieb Klaus Dobberke über ihn, &quot;er hat sie gelebt&quot;.
Walter, der von 1941 bis zu seiner Rehabilitierung im Jahr 1955 in Stalins Lagern inhaftiert bzw. nach Sibirien verbannt war, blieb trotz alledem bis zu seinem letzten Atemzug Kommunist.
1950 schrieb er seiner Mutter aus einem Lager im Polarkreis: &quot;... wir werden nach unseren Straftaten und entsprechend unseren 'Paragrafen-Merkmalen' aus der Lagerzone zu den Arbeitsobjekten hinausgelassen. Ich arbeite, Mamotschka, weiter als Normierer, Arbeit ist mehr da, als ich arbeiten kann ... niemals ist ein Ende abzusehen, diese Arbeit mit den Leuten. Da gibt es unterschiedliche Menschen, und manchmal ist es so schwer, Mamotschka meine Liebe, wie müde ich dann bin zu leben, wie sehr ich nach Hause möchte ... Gott, wie müde ich bin, ich bin schon 35 Jahre, und was habe ich von meiner Jugend gesehen?&quot;
Und dennoch: Walter Ruge lebte und kämpfte, verzagte letztlich nie, auch nicht in den letzten Jahren seiner schweren Krankheit. Nie verlor er seinen Humor. Wir werden ihm stets ein ehrendes Angedenken bewahren.
<i>Beiträge von Walter Ruge in den &quot;<i>Mitteilungen</i>&quot; (Auswahl): &quot;90 Jahre Roter Oktober&quot; (11/2007, S. 1), &quot;Mit der DDR gewachsen&quot; (10/2008, S. 7), &quot;Kurzfassung – sächsisch&quot; (4/2009, S. 13), &quot;Verschwommenes 'Sehen' und Ungereimtes&quot; (10/2009, S. 13), &quot;Die Hatz – wie zu Marx’ Zeiten&quot; (10/2010, S. 23), &quot;Wertvoller Rückblick&quot; (1/2010, S. 23 ), &quot;Bestand so viel Notwendigkeit?&quot; (3/2010, S. 10), &quot;Überdenkenswertes&quot; (6/2010, S. 13), &quot;Streichelzoo für Medien&quot; (1/2011, S. 11), &quot;Roter Fatalismus – Unbedingt notwendig?&quot; (6/2011,  S. 27).</i>]]></content:encoded>
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			<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 19:38:00 +0100</pubDate>
			
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