Von Dr. Judith Dellheim
Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) drückt Wertschöpfung in Euro aus. Wird diese realisiert und fließt Einkommen zum Produzenten zurück bzw. geht in die öffentlichen Haushalte ein, kann verteilt und investiert werden. Die Staatsfinanzen und die sozialen Sicherungssysteme sind eng mit dem BIP verknüpft. Wächst das BIP, scheinen sie stabil zu sein - vorausgesetzt, es gibt keine erfolgreiche politische Mobilisierung der Unternehmer, um (erneut) von unten nach oben umzuverteilen. Stagniert das BIP oder geht es zurück und werden die unter Druck geratenen öffentlichen Finanzen zur Rettung von Banken eingesetzt, wächst die öffentliche Verschuldung gravierend an. Die damit legitimierte Einschränkung der öffentlichen Ausgaben drückt dann erneut und zusätzlich auf das BIP-Wachstum und so auf die Staatsfinanzen und die sozialen Sicherungssysteme. "Wachstum!" als Wachstum des Bruttoinlandsproduktes scheint also die Lösung zu sein, aber: Das BIP ist über Jahrzehnte hinweg gewachsen, die Zahl der Armen und die soziale Ungleichheit ebenfalls. Zugleich ist ökologische Zerstörung rasant fortgeschritten. ...
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