Beschluss

Aufruf der LINKEN zu 100 Jahre Internationaler Frauentag

Beschluss des Geschäftsführenden Parteivorstandes vom 29. Januar 2011

Die Partei DIE LINKE. veranstaltet anlässlich des 100. Internationalen Frauentages eine zentrale Veranstaltung, die sich inhaltlich an den Aussagen des Aufrufs "Brot und Rosen, Gerechtigkeit, Würde und Selbstbestimmung -100 Jahre Internationaler Frauentag" orientiert.

Der Parteivorstand unterstützt und propagiert den Aufruf (Anlage).

Anlage

Brot und Rosen, Gerechtigkeit, Würde und Selbstbestimmung

100 Jahre Internationaler Frauentag. Aufruf der Partei DIE LINKE.

Seit 100 Jahren zeigen und erleben Frauen am Internationalen Frauentag, dem 8. März: Wir kämpfen gemeinsam auf der ganzen Welt für unsere Rechte und ein selbstbestimmtes Leben in Würde. Begonnen hat alles mit Streiks für bessere Arbeitsbedingungen, dem Kampf gegen den Krieg und dem Anspruch auf das Frauenwahlrecht. Das Wahlrecht und mehr Freiheiten in Politik und Lebensführung sind in Europa erreicht, hier und weltweit sind jedoch viele andere Forderungen seit 100 Jahren offen, so die straffreie Abtreibung und Selbstbestimmung über den weiblichen Körper, gleicher Lohn für gleichwertige Arbeit, Frieden – und immer und überall: Gleichheit!

Wir Frauen der Europäischen Linkspartei sehen uns in der Geschichte von weltumspannenden Frauen-Befreiungsbewegungen, in den Traditionen von Clara Zetkin, Rosa Luxemburg, Alexandra Kollontai, Dolores Ibarruri, Angela Davis oder Leila Zana. Wir erstreben jetzt und in Zukunft eine Gesellschaft, in der es nicht von Nachteil ist, als Mädchen geboren zu werden, in der alle Geschlechter gleich sind in ihren Rechten und Chancen, in der Respekt und Solidarität die Beziehungen der Menschen prägen.

Was uns davon trennt, sind Kapitalismus und Patriarchat, die im globalisierten Neoliberalismus zu ihrer Höchstform auflaufen; sie schicken sich an, die Herrschaft über Mensch und Natur zu vervollständigen, indem sie sie zerstören. Sie produzieren immer mehr Zerstörung und Elend bei gleichzeitiger Verschwendung, immer mehr Ungerechtigkeit und Hass.

Als Feministinnen und Sozialistinnen

  • treten wir konsequent für Verhältnisse ein, die Diskriminierung, Missachtung und Unterdrückung von Menschen aufgrund ihres Geschlechts, ihrer Geschlechteridentität, ihres Alters, ihrer Religion, ihrer sozialen, regionalen oder ethnischen Herkunft ausschließen;
  • wenden wir uns gegen alle Kriege, auch gegen die im Namen von Frauenrechten. Voraussetzung jeglicher Freiheit ist ein Ende der Kriege und zivile Konfliktlösung auf der Grundlage von Respekt nach innen und außen;
  • öffnen wir die Augen für die allgegenwärtige Gewalt gegen Frauen und Mädchen in Kriegen, zu Hause, am Arbeitsplatz, für Beschneidung, Vergewaltigung, für alltäglichen Sexismus;
  • enttarnen wir die vermeintliche Geschlechtsneutralität von Politik, Wirtschaft, Finanzmärkten und Gesellschaft. In Wirklichkeit sind in all diese Verhältnisse und Beziehungen seit Jahrhunderten Machtinteressen des männlichen Geschlechts eingeschrieben, aus dieser Einseitigkeit wollen wir sie endlich lösen;
  • machen wir sichtbar, dass in allen Unterdrückungsverhältnissen die Situation der Frauen immer die noch elendere, noch aussichtslosere, noch rechtlosere ist, dass es eine freie Gesellschaft nur geben wird, wenn niemand mehr die Menschenrechte von Frauen in Frage stellen kann;
  • hinterfragen wir auch die Macht- und Herrschaftsverhältnisse, wie sie sich in der symbolischen Ordnung ausdrücken, in der Sprache, den Bildern, der Werbung, in Wissenschaft, Theorie, auch in unseren eigenen, den linken politischen Bewegungen;
  • klagen wir an, dass religiös verbrämter Frauenhass wieder um sich greift. Frauen werden eingesperrt, zwangsverheiratet, sogar gesteinigt, während gleichzeitig Islamophobie und Rassismus die demokratische Substanz unserer Gesellschaften zerstören. Auch in Europa müssen wir Laizismus und Frauenrechte erst noch durchsetzen, nicht zuletzt ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung und straffreie Abtreibung;
  • brandmarken wir Rassismus als menschenverachtend, kämpfen wir um Asyl und Bleiberecht, gegen Menschenhandel und moderne Sklaverei in der Sexindustrie wie auf Plantagen und in Sonderwirtschaftszonen;
  • stellen wir die Gesamtheit aller Arbeiten, bezahlte und unbezahlte, Produktion von Waren und Dienstleistungen und Reproduktion der menschlichen Gattung, Arbeiten an Maschinen und Arbeiten mit Menschen, Sorge und Fürsorge, Muße und Kultur ins Zentrum unserer Alternativen für eine Befreiung der Arbeit, in der "das tote Kapital nicht über die lebendige Arbeit herrscht" (Marx);
  • dokumentieren wir, dass die Krise dazu genutzt wird, in äußerst brutaler Weise die gesamten Lohn- und Erwerbsstrukturen umzuwälzen. In der Industrie wächst die – primär männliche – Erwerbslosigkeit, im Sozialen die – mehrheitlich weibliche - Erwerbstätigkeit, aber sie ist prekär, in Teilzeit, der Lohn reicht oft nicht zum Leben. Wir streiten für den Ausbau des Sozialstaates, für radikale Arbeitszeitverkürzung, gute Löhne, für die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Familie;
  • sind wir Internationalistinnen, die nicht nur ein gutes Leben für uns selbst suchen. Wir sind aufmerksam gegenüber den Lebensverhältnissen aller Menschen auf der Welt, wir wollen uns nicht auf Kosten anderer emanzipieren, wir sind bereit zu teilen.

Vor 100 Jahren konzentrierten sich unsere Vorkämpferinnen auf die Mündigkeit von Frauen, auf ihr Wahlrecht, ihr Recht auf Organisation, Bildung, Arbeiterinnenschutz, Mutterschutz. Darauf aufbauend, überwinden wir heute unsere Machtlosigkeit, indem wir der herrschenden Politik unsere Gefolgschaft verweigern. Wir sind Protagonistinnen gegen die Zerstörung des Planeten, für eine humane Gesellschaft ohne Waffengewalt, ohne Diskriminierung und Unterdrückung. Auf dem Weg der Selbstveränderung der Verändernden, Männer wie Frauen, gehen wir Frauen, Sozialistinnen und Feministinnen, voran zu einer Gesellschaft der Freien und Gleichen.