Die Arbeit des Netzwerks Politische Bildung in Thüringen
Zu den Herausforderungen, die mit der Parteibildung eng verbunden sind, gehört auch eine attraktive, politische Bildungsarbeit, so der Anspruch für eine Konzeption des Landesverbandes DIE LINKE. Thüringen für die Jahre 2007 bis 2010. Hier geht es einerseits um eine lebendige demokratische Diskussion in der Mitgliedschaft als auch um ein Angebot für den Meinungsbildungsprozess in der Gesellschaft besonders im Hinblick auf die anstehende Programmdebatte.
Politische Bildungsarbeit im Thüringer Landesverband wird heute in einer ganzen Reihe von Kreis- und Gebietsverbänden stärker in den Focus genommen als noch vor Jahren. Hierzu haben besonders die Bemühungen der meist als „Einzelkämpfer“ wirksamen Bildungsenthusiasten vor Ort ebenso beigetragen wie die jährlichen, landesweiten Bildungstage. So fanden aktuelle und bedeutsame Diskussionen zur politischen Kultur und zu Einstellungsmustern in der Bevölkerung, zu den Eckpunkten der neuen Linkspartei, zu Prinzipien und pragmatischen Wirkungsbedingungen linker Politik, dem Regierungsprogramm zu den Landtagswahlen 2009, aber auch zur Methodik politischer Bildungsarbeit, statt.
Selbstkritisch müssen wir aber feststellen, dass angesichts der allgemeinen politischen Entwicklung im Land als auch der verstärkten inhaltlichen Bildung unserer Partei noch nicht in allen Strukturen die notwendige Aufmerksamkeit für die politische Bildung unserer Mitglieder, vor allem der Neumitglieder zu verzeichnen ist. So haben auch noch nicht alle Kreisverbände Verantwortliche für die politische Bildungsarbeit benannt. Auch die Nachfrage landesweiter Schulungsveranstaltungen, zum Beispiel für neue kommunale Mandatsträger oder Politikmanagementseminare für Ehrenamtliche, blieb auf einige Kreisverbände beschränkt.
Auf einem kürzlich stattgefunden Treffen der Mitglieder der AG politische Bildung mit interessierten Vertretern aus den Kreisen und Gebietsverbänden, dem Kommunalpolitischen Forum (KOPOFOR), der Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie Daniel Wittmer und Harald Werner von der Kommission Politische Bildung des Bundes wurde darauf abgestellt, dass für eine professionelle politische Bildungsarbeit ein Netzwerk von Akteuren unablässig, externer Verstand unverzichtbar ist.
Schwerpunkt in der weiteren Arbeit wird neben der Begleitung der Programmdebatte mit inhaltlichen Angeboten auch eine definierte Konzentration auf Zielgruppen, ihre unterschiedlichen Interessen und Bedürfnisse sein. Hieran sollen sich künftige Bildungsangebote auf Landesebene orientieren, wobei an bewährten Institutionen wie dem Bildungstag festgehalten werden soll.
Auf dem 2. Landesparteitag der Thüringer LINKEN wurde der Beschluss gefasst, zur intensiven Debatte zum innerparteilichen Diskurs bezüglich Organisation und Zusammenarbeit Regionalkonferenzen durchzuführen. Die politische Bildung steht dabei im Mittelpunkt. Thesenpapiere wurden vorbereitend in den Regionen erarbeitet und werden aus heutiger Sicht eine kritische doch zielführende Debatte auslösen.
Unter www.die-linke-thueringen.de sind diese Thesen abrufbar. Für den Landesverband Thüringen der LINKEN werden darüber hinaus mit einer AG Parteiprogramm Impulse für eine breit angelegte Debatte gegeben, um in der Reflektion der Diskussion Hinweise und Anregungen aus der Basis in die weitere Arbeit einzubeziehen.
Politische Bildungsarbeit hat für uns letztlich zum Ziel, Verständnis zu entwickeln für eine Atmosphäre politisch-programmatischer und strategischer Debatten als Lernprozess für alle Beteiligten. In diesem Sinne sind für uns inhaltliche Debatten auch zu unterschiedlichen Auffassungen über gesellschaftliche Wirkungszusammenhänge, ihre Formen und Folgen für gewollte und ungewollte gesellschaftliche Veränderungen, politische Bildungsprozesse und sollten als solche auch bewusst organisiert werden. In dem Maße, wie wir reale Interessenlagen in der Gesellschaft in unsere politische Bildungsarbeit einbeziehen, ganzheitliches Denken entwickeln, dabei sozialökonomische und gesellschaftliche als auch kulturelle Entwicklung erfassen und in Beziehung bringen, befördern wir emanzipatorisches Bestreben.
Wir nehmen die Programmdebatte auch deshalb und überhaupt zum Anlass, Qualität und Wirkung politischer Bildungsarbeit so zu gestalten, dass möglichst alle beteiligt und im Ergebnis nicht nur klüger werden, sondern damit auch die Grundlage für die weitere Entwicklung der Partei, als Partei von unten bilden, eingedenk der Erfahrung, dass sich eine Partei nicht nur durch ein Programm und praktische Handlungen sondern eben auch durch ein emanzipatorisches Parteileben auszeichnen sollte.
Christian Engelhardt (AG Politische Bildung Thüringen)