Der Anfang ist gemacht, und eine gewisse Eigendynamik entwickelt sich schon jetzt. Der Bedarf ist groß, vielfältig und über ein großes Flächenland verteilt.
Erste Schritte
Der im November 2008 gewählte niedersächsische Landesvorstand beauftragte den Genossen Walter Gruber und mich auf unsere Initiative hin mit der Aufgabe, die innerparteiliche Bildungsarbeit im Landesverband flächendeckend strukturell und praktisch zu entwickeln und zu verankern. Er benannte uns als Vertreterin und Vertreter für die Bundes-Kommission politische Bildung. Es folgte zunächst eine Phase der Orientierung durch Teilnahme an den Kommissionssitzungen, Thematisierung der innerparteilichen Bildungsarbeit in den Landesgremien und 43 Kreisverbänden, deren Struktur von der Großstadt bis zur dünn besiedelten ländlichen Fläche reicht, und Teilnahme an einer Teamer/innen-Qualifizierung für Neumitgliederseminare. Die dabei entstandenen Kontakte und die Vernetzung mit der Bundesebene und anderen Landesverbänden sind eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung der Arbeit.
Walter und ich verabredeten, dass er sich um die Bildung und Besetzung der Landesbildungskommission und ich mich um die praktische Umsetzung und Finanzierung von (Wochenend)-Seminarangeboten kümmere.
Erste positive Entwicklungen
War zu Beginn unserer Aktivitäten die Haltung von Funktionsträger/inne/n noch eher „Bildungsarbeit ist wichtig, soll aber nichts kosten“, hat der Landesverband für dieses Jahr 8.000 € in den Haushalt für die innerparteiliche Bildungsarbeit eingestellt mit der Option, bei Bedarf die Summe aufzustocken. Der Sinneswandel ist nach meiner Einschätzung auch dadurch zustande gekommen, dass in den Wahlkämpfen des vergangenen Jahres offen-sichtlich geworden ist, dass viele Genossinnen und Genossen zwar sehr engagiert sind, aber Schwierigkeiten haben, unsere politischen Inhalte untereinander und in der Öffentlichkeit zu vermitteln. Im Oktober 2009 beschloss der Landesvorstand die Einrichtung einer Landesbildungskommission, deren personelle Zusammensetzung weitestgehend durch die Kreisverbände bestimmt wird. Dadurch dauert die Konstituierung der Kommission noch an, sie steht jedoch unmittelbar bevor, da inzwischen alle Genossinnen (nur drei, leider) und Genossen (sieben) benannt sind. Die einzelnen Aufgaben der Kommission hier zu benennen würde zu weit führen.
Durch die wiederholte Thematisierung der Bildungsarbeit und wohl auch ein bisschen durch Walters und meine Überzeugungs- und Motivationskraft nahmen seit Sommer letzten Jahres viele niedersächsische Genossinnen und Genossen an Teamer/innen-Qualifizierungen für Tagesworkshops und weitere sieben für Neumitglieder-Seminare teil. Diese Genossinnen und Genossen bilden mit mir inzwischen das Team Politische Bildung. Wir haben es uns zur Aufgabe gemacht, Wochenendseminare für die Genossinnen und Genossen in den Regionen anzubieten und uns selbst untereinander und mit Hilfe anderer fortzubilden.
Inzwischen übersteigen Bedarf an und Nachfrage nach innerparteilicher Bildungsarbeit die personellen und qualifikatorischen Ressourcen bei weitem.
Nachdem im Hinblick auf die Teilnahme niedersächsischer Genossinnen und Genossen zunächst die Rückkopplung mit dem Bereich Politische Bildung in der Bundesgeschäftsstelle etwas schleppend verlief, ist diese inzwischen zufriedenstellend. Sie ist u. a. notwendig, damit die Bildungsverantwortlichen und das Team Politische Bildung so halbwegs einen Überblick darüber haben, was bildungsmäßig im Land so passiert und wer da aktiv ist.
Erstes Grundlagenseminar
Im März dieses Jahres fand in Loccum unser erstes Grundlagenseminar (= Neumitgliederseminar) statt. Von ca. 500 Neumitgliedern von Juli 2009 bis Februar 2010 haben sich fast 50 angemeldet; teilnehmen konnten 20. Das Team Sabine Wegmann, Peter Breiter und Bernward Nüttgens hat die Konzeption modifiziert und den Vorerfahrungen und –kenntnissen der Teilnehmenden angepasst. Die Erfahrungen in Bezug auf die große Heterogenität der Teilnehmenden hat uns veranlasst, für das nächste Grundlagenseminar, das im Juni im Harz stattfinden wird, in der Ausschreibung noch deutlicher herauszustellen, was dort stattfinden wird und vor allem, was nicht. Außerdem haben wir einen kleinen Fragebogen entwickelt, der uns einen Eindruck davon vermittelt, welche Voraussetzungen die am Seminar Interessierten mitbringen und dem Team die Vorbereitung erleichtern soll.
Ausblick und Wünsche
Der Anfang ist gemacht, und eine gewisse Eigendynamik entwickelt sich schon jetzt. Der Bedarf ist groß, vielfältig und über ein großes Flächenland verteilt. So machen wir uns daran, die Zahl der qualifizierten Bildungsarbeiter/innen zu erhöhen, mehr Geld für die innerparteiliche Bildungsarbeit einzufordern und planen konkret für das laufende Jahr noch ein Grundlagenseminar im September, ein Wochenendseminar zum „Handwerkszeug“ der politischen Arbeit für Genossinnen und Genossen in Funktionen und zwei Wochenendseminare für die eigene Fortbildung des Teams Politische Bildung.
Wir wünschen uns vor allem das regelmäßige Angebot einer grundständigen Ausbildung von Teamer/inne/n in der politischen Erwachsenenbildung für DIE LINKE. (Niedersachsen und darüber hinaus), denn zur Zeit ist die Zahl derjenigen, die sich zur Bildungsarbeit zwar berufen fühlen, dafür aber nicht bzw. nicht ausreichend qualifiziert sind, noch ziemlich hoch.
Fazit
Einfach anfangen mit ein paar Genossinnen und Genossen und nicht darauf warten, dass es andere tun! Und es macht einfach Spaß!!!
Monika Popien