Das Tagesseminar "Einführung in die Programmdebatte" als Bildungsangebot
Mit der Vorstellung des ersten Programmentwurfs Mitte März 2010 wurden alle Parteimitglieder aufgerufen, sich bis weit in das Jahr 2011 an der Debatte für ein neues Parteiprogramm zu beteiligen. Diese Debatte soll identitätsstiftend und aktivierend für die Mitgliedschaft sein. Und nach wie vor kommen täglich neue Mitglieder in DIE LINKE. Inzwischen ist festzuhalten, dass ein Drittel unserer etwa 78.500 Mitglieder erst nach der Fusion von WASG und Linkspartei.PDS eingetreten ist. Vor diesem Hintergrund sind Identitätsstiftung und Aktivierung kein Selbstläufer, sondern vielmehr eine große Herausforderung an DIE LINKE.
Während die einen Genoss/innen bereits fleißig Stellungnahmen und Änderungsanträge – manche bereits vor der offiziellen Veröffentlichung - verfassen, grübeln andere noch über politische und strategische Aussage der einzelnen Passagen. Hier besteht objektiv die Gefahr, dass die Programmdebatte nur von zehn Prozent unserer Mitglieder geführt wird.
Die Mitglieder der Kommission Politische Bildung und der Bereich Politische Bildung der Bundesgeschäftsstelle wissen um diese Gefahr und haben langfristig an einem Angebot gearbeitet, wie dieser unbefriedigende Zustand angegangen werden kann. Herausgekommen ist das Tagesseminar "Einführung in die Programmdebatte", welches die Teilnehmenden befähigen soll, sich aktiv an der Programmdebatte zu beteiligen. Zielgruppe sind Genossinnen und Genossen, bei denen die Begrifflichkeiten und Ausführungen des Programmentwurfs mehr Fragezeichen als Diskussionsimpulse aufwerfen.
Inhaltlich gliedert sich das Seminar in fünf Teile:
Die konzeptionelle Herausforderung bestand in der Frage, wie die Seminarinhalte so aufbereitet werden können, dass die Vermittlung ohne Positionierung der Teamenden stattfindet. Schließlich ist das Tagesseminar keine Hintertür für irgendeine der existierenden politischen Richtungen, sondern soll den Genossinnen und Genossen – "nur" – die Teilnahme an der Programmdebatte erleichtern. Gerade dieser hohe Anspruch an Teamende ist auch ein wichtiges Lernziel bei den Qualifizierungen.
Ein Tagesseminar hat mit der Begrenzung der Zeit seine Grenzen und kann eine weitere Beschäftigung mit politischen Inhalten und Theorien nicht ersetzen. Dieser Umstand ist uns bewusst. Die Kommission Politische Bildung und der Bereich Politische Bildung werden einerseits weitere Tagesseminare anbieten, die ausgewählte Inhalte des Tagesseminars vertiefen. Andererseits planen wir die Herausgabe eines Bildungsheftes, welches das Selbststudium der Inhalte der Programmdebatte erleichtern soll und die Inhalte des Seminars vertiefen wird.
Gerade die Programmdebatte gibt aber allen Gliederungen die Zeit, eine systematische Bildungsarbeit zur breiten Befähigung unserer alten und neuen Mitglieder aufzubauen. Die Debatte erlaubt nicht nur die Qualifizierung neu eingetretener Mitglieder. Sie kann ebenso zur Förderung der Verständigung von "alten und jungen Hasen" dienen. Die genannten Chancen sind aber keine Selbstläufer, sondern müssen – nicht nur – von Seiten der Bildungsverantwortlichen gezielt angestrebt werden.
Daniel Wittmer