Rückblick auf den 3. Bildungstag der Partei DIE LINKE
"Wir brauchen eine Parteischule", zitierte Sybille Stamm, Gewerkschafterin und Landessprecherin der LINKEN in Baden-Württemberg, eine Aussage von Oskar Lafontaine aus jüngster Zeit. Sie forderte dabei eine Bildungsarbeit, die an den real erlebten Widersprüchen der Menschen ansetzt. Gemeinsam mit weiteren bildungspolitischen Vertretern der Partei saß sie beim Bildungstag auf dem Podium. "Alle reden vom Kapitalismus – wie lernt man ihn begreifen?" lautete das Motto der Runde. Dass viele Wege dahin führen, zeigten die Statements. Anne-Kathrin Krug von DIE LINKE.sds berichtete von der Kapital-Lesebewegung an deutschen Hochschulen. Für ein "Wir müssen umlernen!" plädierte Dr. Harald Werner, Mitglied des Parteivorstandes. Rund 20 Prozent der Bevölkerung seien gefühlsmäßig links – aber es fehle an konkreten Einsichten und Schritten hin zu einer anderen Gesellschaft.
Diese zu vermitteln ist die Herausforderung für die innerparteiliche Bildungsarbeit. Am Samstag, dem 27. November, trafen sich 80 Genossinnen und Genossen zum Bildungstag im Berliner ND-Gebäude. Viele von ihnen kamen als Bildungsverantwortliche aus den Kreisverbänden, dazu weitere interessierte Parteimitglieder. Die brennende Frage in Vorträgen und Themengruppen lautete: Wie können wir als LINKE Bildungsarbeit machen, die wirklich ankommt – bei Neumitgliedern, zu Themenabenden und Aktionen?
Praktisch wurde es in den Arbeitsgruppen. Sie befassten sich mit Kapitalismuskritik in der Bildungsarbeit, den Herausforderungen des Rechtspopulismus (Stichwort Sarrazin), der Organisation der Bildungsarbeit vor Ort, mit Pädagogik generell und der Verbindung aus Bildungsarbeit und politischer Aktion. Viele Diskussionen hier waren geprägt von der Programmdebatte: Welche Partei wollen wir sein? Welchen Beitrag kann und soll die Bildung für die praktische Politik leisten? Auch um eine bessere Vernetzung und den Austausch von Materialien ging es.
Heinz Hillebrand, Mitglied des Parteivorstandes und Leiter des Bereiches Politische Bildung in der Bundesgeschäftsstelle, sieht positive Ergebnisse. "In der neuen Partei gibt es einen Aufschwung der Bildungsarbeit", resümmiert er. Die Kreise hätten Bildungsverantworliche gewählt, die systematische Bildung konsolidiere sich. Das drücke sich auch in Zahlen aus: "Jedes Jahr kommen mehr Teilnehmerinnen und Teilnehmer zum Bildungstag – sie reisen aus dem gesamten Bundesgebiet an, von Bad Tölz bis Kiel, von Zittau bis Saarbrücken."
Der Bildungstag fand zum dritten Mal statt und hat damit schon eine neue Tradition innerhalb der Partei gegründet. Am Tag davor und danach tagte die Kommission Politische Bildung, die, wie Heinz Hillebrand versichert, aus dem Bildungstag Themen, Ideen und Anregungen für ihre Arbeit und für Publikationen nutzen wird.
Dabei hat Harald Werner schon den praktischen Ansatz der Bildungsarbeit in einem Statement im Podium genannt, einen, den alle Genossinnen und Genossen einfach und täglich realisieren können: "Wir brauchen eine sprechende Partei – am Arbeitsplatz, zu Hause und am Tresen!" Ulrike Zerhau, stellvertretende Parteivorsitzende, die den Workshop Bildungsarbeit und politische Aktion leitete, wünschte in ihrer Zusammenfassung dafür "einen langen Atem": "Mit der Bildungsarbeit haben wir ein dickes Brett zu bohren – auch in der Partei!"
hkl
Moderator:
Bildungsexpert/innen auf dem Podium:
Die Arbeitsgruppen: