„Ein Jugendlicher, der aus Schwerin seinem Ausbeutungsverhältnis bis nach Bayern hinterher reisen muss, kann sich schwerlich frei fühlen.“ Matthias Wedel
Weite Teile Ostdeutschlands und eine wachsende Zahl von Landkreisen und Städten im Westen leiden unter besonderen regionalen Problemen. Massenhaft fehlen Arbeitsplätze, die Jüngeren wandern ab, Schulen schließen. Als einzige Partei unterstützt DIE LINKE das Ziel, für gleichwertige Lebensverhältnisse in den Regionen zu sorgen. Auch nach zwei Jahrzehnten „Aufbau Ost“ spüren die Menschen in den östlichen Bundesländern, dass grundlegende Probleme immer noch ungelöst sind. Landkarten, auf denen die Verteilung von Arbeitslosigkeit, Einkommen, Investitionen, Steuerkraft oder anderen wirtschaftlichen und sozialen Faktoren auf Länder und Landkreise in Deutschland sichtbar gemacht wird, bilden immer noch deutlich erkennbar die frühere Ost-West-Teilung ab.
Es fehlen dort rund zwei Millionen Arbeitsplätze. Die Kluft zwischen den wenigen aufsteigenden und den vielen strukturschwachen Regionen vertieft sich. Die Kommunen sind unterfinanziert. Der Abstand zur Entwicklung Westdeutschlands ist seit über zehn Jahren nicht geringer geworden. Die Gefahr der weiteren Abkopplung ist real. Aus diesen Gründen sind die wichtigsten Instrumente der Regionalpolitik auf eine verlässliche Grundlage zu stellen. Und deshalb gilt auch: Endlich muss im Verhältnis Ost/West gleicher Lohn für gleiche Arbeit in gleicher Arbeitszeit gelten. Und gleiche Rente für gleiche Lebensleistung. Zur Herstellung der inneren Einheit gehört nicht zuletzt ein respektvoller Umgang mit den unterschiedlichen Biografien im Osten und im Westen Deutschlands. DIE LINKE setzt sich mit der Geschichte der DDR und der Bundesrepublik Deutschland kritisch auseinander. Beides gehört zur deutschen Geschichtsschreibung.
Ostdeutschland braucht eine Zukunftsperspektive. Der „Aufbau Ost“ als „Nachbau West“, wie ihn alle anderen Parteien immer noch auf ihre Fahne geschrieben haben, ist gescheitert. Er scheiterte vor allem an der Selbstüberschätzung im Westen, nach dem Ende einer Epoche unverändert weitermachen zu können wie bisher. Er scheiterte an der Überheblichkeit eines Teils der westdeutschen Eliten, wonach ohne genaues Hinschauen feststand, dass in Ostdeutschland nichts war und ist, was auch für den Westen interessant gewesen wäre – außer Grund und Boden.
Die ostdeutsche Wirtschaft hat dann eine Chance, wenn gezielt das getan wird, was weltweit notwendig ist: auf erneuerbare Energien und Ressourceneffizienz setzen, die entsprechenden Technologien und Produkte mit Macht vorantreiben. Ostdeutschland kann in diesen global anstehenden sozio-ökonomischen Umbrüchen vorangehen. Wenn der politische Wille da ist und wenn die Menschen vor Ort realistische Perspektiven gestalten können, kann Ostdeutschland zu einer sozial-ökologischen Modellregion werden.