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		<title>DIE LINKE.</title>
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			<title>Unsere Idee ist die Solidarität</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/unsere-idee-ist-die-solidaritaet/</link>
			<description>Rede der Parteivorsitzenden Gesine Lötzsch auf der Vertreter/innen-Versammlung der LINKEN...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Genossinnen und Genossen, verehrte Gäste, gestern, am 27. Januar, dem Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, gedachte der Bundestag in einer Feierstunde der Opfer des Nationalsozialismus. Als Gastredner war Marcel Reich-Ranicki eingeladen. Er sprach als Zeitzeuge, als Überlebender des Warschauer Ghettos. Er berichtete über einen Tag in seinem Leben, den 22. Juli 1942.  An diesem Tag rettete er zum ersten Mal seiner Frau das Leben, indem er sie binnen einer Stunde heiratete und damit vor der sicheren Deportation nach Auschwitz bewahrte. Das zweite Mal rettete er ihr Leben, als sie gemeinsam in den Untergrund gingen. In bewegenden Worten schilderte Marcel Reich-Ranicki die schreckliche Zeit des Naziterrors. Fraktionsübergreifend hatte der Bundestag einen Tag zuvor die Einrichtung eines parlamentarischen Untersuchungsausschuss beschlossen, der sich mit der Rolle des Verfassungsschutzes bei den neofaschistischen, den rechtsextremistischen Morden der sogenannten Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) auseinandersetzen wird. Ich bin sehr gespannt, wie lange die Gemeinsamkeit, die gestern in dem Respekt gegenüber Marcel Reich-Ranicki zum Ausdruck kam, halten wird. Denn allein die Frage, ob der Bundestag überhaupt einen Untersuchungsausschuss zur Rolle des Verfassungsschutzes ins Leben rufen sollte oder nicht, war monatelang heftig umstritten. Es gab zwar einen Antrag aller Fraktionen, aber die CDU hat gleich betont, dies sei die absolute Ausnahme, nur in dieser Frage brächten sie mit der LINKEN einen gemeinsamen Antrag ein. Durch einen Rechentrick wurde jedoch dafür gesorgt, dass die kleineren Oppositionsfraktionen, also die Grünen und DIE LINKE, nicht gemeinsam eigenständige Zeugen anrufen können. Schon in dieser Frage ist dem Untersuchungsausschuss bereits eine Fessel angelegt worden.
Ich gehe deshalb darauf ein, weil man in einer sehr schnelllebigen Zeit häufig den Eindruck gewinnen kann, bestimmte Probleme seien bereits gelöst. Nein, sie sind nicht gelöst, und sie kulminieren im Zusammenhang mit dem Verfassungsschutz in der Frage: Was bedeutet eigentlich die Überwachung von Abgeordneten, Mitgliedern, Sympathisanten, Unterstützern der LINKEN für unser Land, für die Demokratie, für unsere Gesellschaft? Mit dieser Frage müssen wir uns sehr ernsthaft auseinandersetzen. Gerade als jemand, der auf dieser Liste steht, ist man geneigt, darüber Scherze zu machen und das eine oder andere mit einem Lächeln zu bedenken. Als ich gestern im Flugzeug nach München saß, sprach mich ein junger Mann an und fragte: &quot;Sitzt jetzt hinter Ihnen einer, der Sie beobachtet?&quot; Und ich antwortete: &quot;Ich dachte, Sie seien das.&quot; Darauf bekam er einen roten Kopf und sagte: &quot;Oh,  ich mache jetzt gleich mal ein Foto.&quot; Das sind die eher heiteren Varianten. Aber es geht ja eigentlich um etwas ganz anderes. Es geht darum, dass mit diesem Signal, hier wird eine politische Partei, eine politische Kraft vom Verfassungsschutz beobachtet, den Menschen der Eindruck vermittelt werden soll, mit dieser Partei ist etwas nicht in Ordnung, die sind Staatsfeinde, und wer sich mit denen einlässt, lässt sich mit Staatsfeinden ein. Ich finde, wir müssen da sehr genau aufklären, dass es nicht um die 27 überwachten Abgeordneten, sondern darum geht, eine Partei zu schwächen, Ideen zu schwächen, die sich für Demokratie, für soziale Gerechtigkeit einsetzen. Genau das, was Ihr in Eurem Landtagswahlkampf auch macht, und diese Aufklärung müssen wir gemeinsam betreiben, liebe Genossinnen und Genossen. Der Hauptzweck, der Hauptsinn der Überwachung und Beobachtung, der Bespitzelung durch den Verfassungsschutz besteht darin, Verunsicherung zu schüren, Menschen davon abzuhalten, sich für linke Ideen zu engagieren. Und zum Beispiel einen Bürger, der zu einem Abgeordneten geht, in die Lage zu bringen, sich die Frage zu stellen: Wenn ich jetzt mit einem Abgeordneten der LINKEN meine Probleme bespreche, schreibt da etwa der Verfassungsschutz heimlich mit? Werden die Briefe an Abgeordnete vom Verfassungsschutz geöffnet? Kann mir das schaden in meiner politischen, in meiner beruflichen, in meiner persönlichen Entwicklung? Oder Lehrerinnen und Lehrer, die mit Schulklassen zu Euch in die Landtage oder zu uns in den Bundestag kommen, die stellen sich vielleicht die Frage: Bekomme ich jetzt einen Vermerk in meiner Personalakte, dass ich mit meiner Klasse die Abgeordneten der LINKEN besucht habe? Ich glaube, darum geht es, das ist eine zutiefst antidemokratische Veranstaltung. Eine Partei wie DIE LINKE durch Überwachung diskreditieren zu wollen, das ist der eigentliche Sinn und Zweck, und dem werden wir uns entschlossen entgegenstellen, liebe Genossinnen und Genossen.
Müssen wir uns nicht mit ganz anderen Problemen in unserem Land auseinandersetzen? Wie ist es denn mit der wachsenden sozialen Ungerechtigkeit? Warum wird darüber so wenig diskutiert und gesprochen? In der &quot;Berliner Zeitung&quot; von heute hat der Journalist Holger Schmale  unter der Überschrift &quot;Klassenrepublik Deutschland&quot; einen sehr bemerkenswerten Artikel geschrieben. Ich will ganz wenige Sätze zitieren. Er sagt zum Beispiel&quot; &quot;In der Öffentlichkeit entsteht der Eindruck, dass die Regierenden zwar die Diskussionen über solche kleinen, aber doch symbolträchtigen Schritte zu mehr Gerechtigkeit nicht mehr unterbinden können. Dass sie aber immer noch und immer wieder trickreich genug sind, ihre Realisierung zu umgehen.&quot; Er spricht davon, wie Gleichheit in unserem Land zunehmend durch Ungleichheit, wie Gerechtigkeit zunehmend durch Ungerechtigkeit ersetzt wird. Das ist die eigentliche Debatte, die wir zu führen haben. Wir haben die Debatte zu führen über soziale Gerechtigkeit, über Chancengleichheit, über ein solidarisches Land. Unsere Idee, die Idee der Partei DIE LINKE, ist die Solidarität. Wir sind der festen Überzeugung, dass Solidarität für alle in der Gesellschaft besser ist, liebe Genossinnen und Genossen.
Darum finde ich es richtig, dass Ihr die Fragen der sozialen Gerechtigkeit, der Solidarität in den Mittelpunkt Eures Wahlprogramms gestellt habt. Darüber müssen wir reden und diskutieren. Wir müssen die Wahrheit auf den Punkt bringen und dürfen uns davon nicht ablenken lassen. Wir müssen immer wieder sagen, wie viele Menschen es in unserem Land gibt, die von dem Lohn, den sie bekommen, nicht leben können. Es geht um viele, viele Menschen. Es geht nicht nur um eine kleine Randgruppe. Aber selbst wenn es eine kleine Randgruppe beträfe, müssten wir uns für sie einsetzen. Jeder siebente Arbeitnehmer bekommt einen Lohn, der unter 7.50 Euro liegt. Das ist ein Lohn, von dem man nicht leben kann. Und darum haben wir die Initiative für einen gesetzlichen Mindestlohn von 10 Euro pro Stunde gestartet. Wie Ihr sicherlich wisst, hat DIE LINKE in Eurem Nachbarland Mecklenburg-Vorpommern, aus dem ja auch André Brie gekommen ist, um Euch zu unterstützen, anlässlich ihres Neujahrsempfangs eine Volksinitiative für 10 Euro gesetzlichen Mindestlohn auf den Weg gebracht. Vielleicht können wir von dieser Initiative auch hier im Wahlkampf in Schleswig-Holstein Gebrauch machen und sagen: Das, was die in Mecklenburg-Vorpommern machen, das können wir vielleicht auch gemeinsam anpacken, 10 Euro Mindestlohn ist ein gutes Ziel, liebe Genossinnen und Genossen.
Wir haben insbesondere seit der Regierung Schröder, seit Rot-Grün eine Zerstörung des Arbeitsmarktes. Schröder ist damals, als er die Agenda 2010 vorgestellt hat, mit dem Ziel angetreten, endlich einen Niedriglohnsektor zu etablieren. Denn es gibt ja angeblich so viele Menschen, die schlecht ausgebildet sind, und die sollten eine Chance haben. Der Niedriglohnsektor sollte Menschen als Chance verkauft werden. Ich kann das nur perfide nennen, denn wer von Euch weiß es nicht, wer hat es nicht schon durch Freunde, Bekannte, Familienmitglieder erfahren, wie unsicher das Leben mit Niedriglohn ist, wie unwürdig. Wir wollen als Partei, dass die Menschen in Würde leben können, und darum wollen wir ordentliche Arbeitsverhältnisse, gute und keine prekäre Arbeit.
Wir haben in unserem Land viele Menschen, die selbstständig sind. In den Medien wird der Eindruck erweckt, Selbstständige seien reiche Leute, deren Konto sich von selbst füllt, die spät aufstehen können, erst um zehn zur Arbeit gehen müssen und um drei Feierabend machen. Aber auch hier werden viele aus eigener Erfahrung wissen: Dieses Bild stimmt überhaupt nicht. Wir haben in unserem Land vier Millionen Selbstständige, und 30 Prozent von ihnen bekommen weniger als 1.100 Euro im Monat. Davon müssen sie sich versichern. Häufig reicht es nicht einmal,  sich noch etwas für eine Rentenversicherung zur Seite zu legen. Sie werden im Alter auf Grundsicherung angewiesen sein, werden Bittsteller sein beim Staat. Ich finde, das ist ein Zustand, der nicht hinnehmbar ist. Darum setzen wir uns als LINKE dafür ein, dass es eine gerechte Rentenversicherung gibt, dass es eine Rentenversicherung gibt, in die alle einzahlen und aus der auch alle etwas bekommen. Wer ein Leben lang gearbeitet hat, soll im Alter auch in Würde leben können, liebe Genossinnen und Genossen, und auch das habt Ihr in Eurem Leitantrag beschrieben.
Nun gibt es hier in Eurem Land viele Probleme, die es in der ganzen Bundesrepublik gibt, aber Ihr müsst Euch hier auch besonders viel mit Armut, mit Kinderarmut, mit Armut von Frauen beschäftigen. Ich finde es richtig, dass Ihr diese  Probleme in den Mittelpunkt Eures Wahlprogramms und Eurer politischen Auseinandersetzungen gestellt habt. Ein ganz zentraler Punkt für ein gutes, ein sicheres Leben ist die Frage: Kann ich mich, wenn ich krank werde, darauf verlassen, dass ich ohne finanzielle Probleme  wieder gesund werde. Ich glaube, viele von Euch haben bei dem Versuch, einen Arzttermin zu bekommen, schon die Erfahrung gemacht, dass nachgefragt wird: Wie sind Sie denn versichert? Und wenn man dann eine gesetzliche Krankenversicherung nennt, heißt es: Kommen Sie mal in vier Wochen wieder. Viele haben auch bemerkt, dass es zwei Wartezimmer in Arztpraxen gibt. Das eine für die gesetzlich Versicherten, das andere für die privat Versicherten. Das ist etwas, womit wir uns nicht abfinden können. Auf der anderen Seite gibt es genug Beispiele dafür, dass Menschen leichtfertig in die private Krankenversicherung gelockt werden, aus der sie dann nicht mehr herauskommen. Viele Rentnerinnen und Rentner, die aufgrund bestimmter Konstellationen in die private Krankenversicherung gegangen sind, haben jetzt das Problem, ein Großteil ihrer Rente dafür aufbringen zu müssen. Das ist ungerecht, und ich finde, dass wir uns für eine solidarische Gesundheitsversicherung einsetzen müssen, in die alle einzahlen müssen, in die alle einzahlen können und mit der alle abgesichert sind. Und natürlich muss die unselige Praxisgebühr abgeschafft werden, liebe Genossinnen und Genossen. Diese Praxisgebühr hat ein ganz einfaches Ziel: Sie wurde eingeführt, um Menschen davon abzuhalten, zu häufig zum Arzt zu gehen. Welche Effekte sind aber eingetreten? Diejenigen, die wenig Geld haben, verschieben ihre Krankheit auf das nächste oder das übernächste Quartal. Diejenigen, denen das nichts ausmacht, die gehen genauso oft oder genauso selten zum Arzt wie früher. Der Satz &quot;Weil du arm bist, musst du früher sterben.&quot; hat wieder Geltung in unserem Land.  Ich finde, mit so einer Situation darf man sich nicht abfinden.
Liebe Genossinnen und Genossen, wir haben in Erfurt unser Grundsatzprogramm beschlossen. Wir haben es unter dem Motto &quot;Freiheit.Würde.Solidarität&quot; diskutiert. Freiheit ist für mich nur in Verbindung mit Demokratie möglich. Und wenn Ihr Euch darüber auseinandersetzt, was Ihr für Schleswig-Holstein erreichen wollt, ist natürlich die zentrale Frage: Wie könnt Ihr worüber entscheiden? Ihr habt Euch in vielen Diskussionen mit der Frage der Schuldenbremse befasst. Ich komme noch mal auf das Thema Verfassungsschutz zurück, denn ich will ihn mit dem Begriff &quot;Schuldenbremse&quot; verbinden. Der Verfassungsschutz hat einen völlig falschen Namen. Er schützt nicht unsere Verfassung. Er ist ein Inlandsgeheimdienst. Wie die Unterstützung der NSU, die Nähe zu dieser Terrorzelle gezeigt hat, gefährdet er sogar unsere Verfassung. &quot;Verfassungsschutz&quot; ist ebenso ein Lügenwort wie &quot;Schuldenbremse&quot;. Die hört sich erst einmal vernünftig an. Wer hat schon gern Schulden? Schulden möchte man vermeiden. Jeder, der private Schulden hat, sieht zu, wie er sie wieder losbekommt. Deshalb ist das ein Wort, das auch sehr gut geeignet ist, die Hirne der Menschen zu vernebeln, ihnen einen falschen Eindruck zu vermitteln. Der falsche Eindruck – um mal einen kleinen Schlenker ist Ausland zu machen – war so wirksam, dass in der Schweiz die Schuldenbremse sogar per Volksabstimmung eingeführt wurde. Bevor wir sie in Deutschland - gegen die Stimmen der LINKEN - ins Grundgesetz aufgenommen haben, besuchte ein zuständiger Bundestagsausschuss die Schweiz. Die Kollegen dort haben uns gewarnt und gesagt: Wenn ihr der Schuldenbremse zustimmt, dann gebt ihr die politischen Gestaltungsmöglichkeiten aus der Hand. Und dann kann man sich natürlich fragen: Warum soll man zu Wahlen überhaupt antreten, wenn man keine politischen Gestaltungsmöglichkeiten hat? Wir wollen, dass die Politik etwas zu entscheiden hat, wir wollen, das diejenigen, die gewählt werden, die das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürger besitzen, etwas zu entscheiden haben. Und wir wollen nicht, dass in Konzernzentralen über unser Schicksal entschieden wird. Die Schuldenbremse ist etwas, das in Eurem Wahlprogramm und von vielen Kandidatinnen und Kandidaten ja sehr intensiv beschrieben worden ist, womit Ihr Euch intensiv auseinandergesetzt habt. Man kann natürlich sagen, es gibt eine Schuldenbremse, der wir uns auch anschließen könnten. Die beste Schuldenbremse wäre eine gerechte Steuerpolitik, Einnahmen von den Großkonzernen, von den Unternehmen und keine Steuererleichterung für diejenigen, die Parteien mit Spendengeldern sponsern. Welche direkten Wirkungen Sponsoring haben kann, das haben wir nach der vorigen Bundestagswahl erfahren. Da gab es eine Entscheidung der FDP, die Mehrwertsteuer von Hotelübernachtungen von 19 Prozent auf den ermäßigten Umsatzsteuersatz zu senken. Ich habe diese Steuer damals &quot;Möwenpick-Steuer&quot; genannt, weil es nämlich kurz vor den Koalitionsverhandlungen eine Großspende der Möwenpick-Gruppe an die FDP gab. Das war das Zeichen dafür, dass man in diesem Land Politik nicht mehr wählen kann, sondern sie bestellt wird. Wir als LINKE wollen, dass gewählt wird, wir wollen die Demokratie zurückerobern, liebe Genossinnen und Genossen.
Ihr habt heute  noch ein sehr langes Programm vor Euch, und ihr werdet über die einzelnen Kandidatinnen und Kandidaten sehr gewissenhaft, sehr solidarisch, sehr menschlich abstimmen. Aber es ist natürlich eine schwierige Entscheidung, wenn mehrere Kandidatinnen und Kandidaten mit guten Konzepten zur Verfügung stehen, die sagen, hier möchte ich mitmachen.
Liebe Genossinnen und Genossen, ich wünsche mir und ich wünsche uns allen, dass es uns gelingt, nach dieser Vertreterversammlung eine Atmosphäre zu haben, in der gesagt wird: Ich bin zwar nicht auf den Platz gewählt worden, den ich ursprünglich angestrebt habe, aber ich bin ja nicht angetreten, um diesen Platz zu erringen, sondern um die Politik in diesem Land zu gestalten, sie zu verändern, um dieses Land sozialer zu machen.
Bis vor Kurzem sind wir davon ausgegangen, dass Ihr hier in Schleswig-Holstein die einzigen seid, die in diesem Jahr Landtagswahlen haben. Jetzt habt Ihr Gesellschaft bekommen. Im Saarland hat ja ganz plötzlich die Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer die Koalition aufgekündigt und gesagt, mit einer derartig desolaten Partei wie der FDP möchte sie nicht mehr zusammenarbeiten. Ich bin mal gespannt, ob es demnächst eine Entscheidung auf  Bundesebene gibt. Dann haben wir vielleicht sogar eine Bundestagswahl, also Eure Sonderstellung, liebe Genossinnen und Genossen, ist ein wenig relativiert worden. Aber das wird Euch sicherlich gar nicht ärgern, wenn es uns gelingt, im Saarland ein gutes Ergebnis für die Partei DIE LINKE zu erringen. Das ist – glaube ich - noch einmal ein deutlicher Rückenwind für die Wahlentscheidung hier in Schleswig-Holstein. Auch aus diesem, vielleicht ein bisschen egoistischen Grund könnt Ihr alle unseren Genossen im Saarland die Daumen drücken. Ein gutes Wahlergebnis im Saarland wäre ein gutes Omen für die Wahl in Schleswig-Holstein.
Dass in unserer Partei Solidarität möglich ist, zeigt sich ja auch daran, dass sich André Brie bereiterklärt hat, aus dem Nachbarland hierherzukommen – mit seinen Ideen, mit seinen Erfahrungen, mit seinen Vorschlägen, um Euch, um uns alle bei dieser Wahl zu unterstützen. Bei André Brie kann man etwas beobachten, was ich gern als die Verbindung von Hand- und Kopfarbeit bezeichne. Es gibt ja Leute, die sitzen und schreiben schlaue Papiere, legen einem die auf den Tisch und sagen: Mach mal! Und es gibt Leute, die schreiben schlaue Papiere, denken sich aber auch Aktionen aus und machen dabei selber mit. Ich kann mich gut erinnern, dass André Brie nicht gezögert hat, als wir ihn baten, uns noch am letzten Wochenende des Berliner Wahlkampfes zu unterstützen. Und zwar mit einem großen Transparent, für dessen Transport man ein Spezialfahrzeug benötigt, das er selbst von Mecklenburg-Vorpommern nach Berlin gefahren hat. Und an einer Berliner Kreuzung haben wir dann mit dem riesigen Transparent gezeigt, wer in diesem Land das Sagen hat, nämlich Herr Ackermann. Ich bin sicher, ähnliche Ideen habt Ihr auch für Schleswig-Holstein entwickelt. Das fällt auf, das fiel den Medien auf, das fiel Bürgerinnen und Bürgern auf, und es machte auch allen gemeinsam Spaß. Das ist für mich auch eine große Chance im Wahlkampf, dass man in der konkreten Arbeit, in der konkreten Aktion zueinander findet, miteinander neue Ideen entwickelt und vielleicht alte Streitigkeiten vergisst, liebe Genossinnen und Genossen.
Das Wahlziel habt Ihr benannt, Ihr wollt wieder sicher in den Landtag einziehen, Ihr wollt den Blick über die Kieler Förde genießen können. Das ist natürlich nicht das einzige Motiv, aber mir fiel es auf: Das ist eines der schönsten Parlamente, einer der schönsten Arbeitsplätze der Welt. Ich habe in vielen Bewerbungen gelesen, dass diejenigen, die für das Parlament kandidieren, genau wissen: Das Parlament ist nur ein kleiner Teil des Lebens, ein kleiner Teil der Gesellschaft. Es ist unheimlich anstrengend, es macht unheimlich viel Arbeit, sich –wenn man neu ist – in alle Tricks einzufuchsen. Und da ist es auch ganz gut, wenn einem jemand zur Seite steht, der Erfahrung hat und sagt: Das kannst du sein lassen, aber das darfst du nicht verpassen. Das Entscheidende ist, dass man niemals die Verbindung zu seinen Wählerinnen und Wählern verliert und dass man im Parlament nur dann etwas durchsetzen kann, wenn Menschen hinter einem stehen, die gleiche oder ähnliche Ideen haben wie wir, nämlich die Idee von Freiheit, Würde und Solidarität.
Vielen Dank!]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 28 Jan 2012 16:02:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Widerstand gegen Neonazis verdient Unterstützung und keine Kriminalisierung</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/widerstand-gegen-neonazis-verdient-unterstuetzung-und-keine-kriminalisierung/</link>
			<description>Die 1. Parlamentarische Geschäftsführerin der Fraktion DIE LINKE, Dagmar Enkelmann, erklärt zur...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Der Bundestag hat im November einstimmig beschlossen, dass alle Abgeordneten sich gefordert sehen &quot;zu handeln – überall dort, wo Rechtsextremisten versuchen, gesellschaftlichen Boden zu gewinnen.&quot; Darüber hinaus heißt es in dem Beschluss: ‚Wir müssen gerade jetzt alle demokratischen Gruppen stärken, die sich gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus engagieren. Wir werden prüfen, wo dem Hindernisse entgegenstehen. Wir brauchen eine gesellschaftliche Atmosphäre, die ermutigt, gegen politischen Extremismus und Gewalt das Wort zu erheben. Rechtsextremistischen Gruppen und ihrem Umfeld muss der gesellschaftliche und finanzielle Boden entzogen werden.‘<br /><br />Im Geiste dieses Antrags sollte der Bundestag ein Zeichen setzen, und eine Strafverfolgung gegen Caren Lay wegen deren Widerstands gegen den Neonazi-Aufmarsch nicht zulassen. Es ist ein Unding, dass die sächsischen Behörden alles versuchen, um Neonazis den Weg freizumachen. Gerade weil es höchst wahrscheinlich ist, dass auch Unterstützer der Neonazi-Terrorzelle bei den Dresdner Neonazi-Märschen dabei waren und sind, ist gewaltfreier Protest und Widerstand unabdingbar.<br /><br />Deshalb darf der Ausschuss für Wahlprüfung, Immunität und Geschäftsordnung des Bundestages dem Drängen der Dresdner Staatsanwaltschaft auf keinen Fall nachgeben und an Caren Lays Immunität festhalten.]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Dresden2012</category>
			<category>Antifaschismus</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 23 Jan 2012 10:13:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Mindestlohn einführen, um den Menschen die Würde zurückzugeben</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/mindestlohn-einfuehren-um-den-menschen-die-wuerde-zurueckzugeben/</link>
			<description>Rede von Klaus Ernst in der Debatte des Deutschen Bundestages</description>
			<content:encoded><![CDATA[Frau Präsidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Kolb, es kann sein, dass wir aus ihrer Sicht abgedreht sind, aber Ihre Position zum Mindestlohn, einschließlich die der gesamten Koalition, ist für jeden Arbeitnehmer, der wenig Geld verdient, eine Bedrohung der Existenz. Das ist viel schlimmer, Herr Kolb. Das will ich Ihnen in aller Deutlichkeit sagen.
<i>(Beifall bei der LINKEN Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): Wir haben ja gesagt: Aufstocken ist keine Schande! Manfred Grund (CDU/CSU): Wir sind noch nicht im Sozialismus!)</i>
Wir stimmen über einen Gesetzentwurf der SPD zum Mindestlohn ab. Seit sechs Jahren diskutieren wir über diese Frage. Sie blockieren alles. Sie sind damit für die Armut durch Arbeit in diesem Land verantwortlich, und zwar alle miteinander, so wie Sie hier sitzen. Das will ich Ihnen sagen.
<i>(Beifall bei der LINKEN Manfred Grund (CDU/CSU): Ihnen hat es ins Hirn hineingeregnet!)</i>
Die Einführung einer allgemein verbindlichen Lohnuntergrenze ist dringend notwendig. Es stimmt, was in Ihrem Gesetzentwurf steht: Jeder fünfte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte arbeitet im Niedriglohnbereich, 1,15 Millionen für weniger als 5 Euro in der Stunde. Herr Kolb, für dieses Geld würden Sie morgens nicht einmal das Augenlid heben, um das einmal deutlich zu sagen.
<i>(Christian Lindner (FDP): Das sagt der Richtige! Heiterkeit bei der FDP Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): Ich habe keinen Porsche, Herr Kollege! Beate Müller-Gemmeke (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Wo er recht hat, hat er recht, Herr Kolb!)</i>
3,4 Millionen arbeiten für weniger als 7 Euro die Stunde. Diese Zahlen stammen aus dem Jahr 2008. Inzwischen haben die Probleme in diesen beiden Lohnsegmenten deutlich zugenommen. Im SPD-Antrag, mit dem wir uns natürlich auseinandersetzen müssen, heißt es: Zwischen 1998 und 2008 ist der Anteil der Beschäftigten mit Armutslöhnen von 8,3 Prozent auf 12,7 Prozent gestiegen. Das ist eine Steigerung um 50 Prozent. Das Problem hat sich seit 1998 dramatisch verstärkt. Liebe Genossinnen und Genossen von der sozialdemokratischen Partei, an dieser Stelle hat Herr Kolb recht; denn Sie müssen sich schon die Frage stellen: Wer hat damals regiert? Was ist in Ihrer Regierungszeit passiert, dass die Armutslöhne in unserem Land plötzlich so zugenommen haben? Es war Ihre Regierung, die die Leiharbeit geradezu gefördert hat.
<i>(Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): So weit ging es dann doch nicht!)</i>
Herr Kolb, Sie haben übrigens immer zugestimmt. Da brauchen Sie gar nicht versuchen, sich herauszureden. Die Schutzregelungen für Arbeitnehmer bei befristeten Arbeitsverhältnissen wurden gelockert. Es war letztendlich die Agenda 2010 die Sie heute wieder verteidigen, die dazu geführt hat, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Arbeit aller Art anzunehmen haben, auch wenn es nur 1 Euro dafür gibt. Deshalb haben Sie das Problem mit verursacht. Sie sind nicht die Lösung, Sie sind die Ursache des Problems, liebe Genossinnen und Genossen, das muss ich euch leider sagen.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Es ist zwar recht und schön, wenn man die Feuerwehr ruft, wenn es nicht mehr geht, aber wenn man vorher den Brand selber gelegt hat, dann ist das nicht glaubwürdig.
Liebe Genossinnen und Genossen
<i>(Widerspruch bei der CDU/CSU und der FDP Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): Kolleginnen und Kollegen! So viel Zeit muss sein!)</i>
Liebe Genossinnen und Genossen von der SPD,
<i>(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Sie sind nicht mein Genosse! Ich habe andere hier!)</i>
die CDU/CSU hat das, was ihr gemacht habt, immer sehr gefreut, sie freut es noch heute. Ihr wart der Türöffner für eine Entwicklung, die die Konservativen gefreut hat. Dies alles hat im Ergebnis dazu geführt Sie berufen sich gerne auf den DGB und die Tarifautonomie, dass der Vorsitzende des DGB Ihnen allen ins Stammbuch schreibt, dass Arbeit in unserem Land so billig geworden ist wie Dreck. Deswegen brauchen wir einen Mindestlohn, was Sie verhindern. Insofern ist der Gesetzentwurf der Sozialdemokraten durchaus richtig, weil er in die richtige Richtung geht.
Wir müssen mithelfen, ein Problem zu lösen, für das Sie selbst maßgeblich verantwortlich sind. Aber 8,50 Euro als Mindestlohn reichen nicht aus. Herr Kolb hat hier im Übrigen auch recht.
<i>(Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): Zweimal jetzt schon! Beim dritten Mal gebe ich einen aus, Herr Kollege! Gegenruf des Abg. Hubertus Heil (Peine) (SPD): Das ist doch schön! Eine Koalition aus FDP und Linke!)</i>
In Ihrem Gesetzentwurf weisen Sie richtigerweise darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen der Rentenhöhe und den Löhnen gibt. Klar ist, dass zu niedrige Löhne zu niedrigen Renten führen. Sie schreiben in Ihrem Gesetzentwurf ich zitiere:
Mit einem ausreichenden Mindestlohn würde erreicht, dass vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Alterssicherung erreichen können, die oberhalb der bedürftigkeitsorientierten Leistungen der Grundsicherung im Alter liegt.
Das stimmt. Leider tritt das bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro nicht ein.
<i>(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Wenn ich davon ausgehe, dass die Leute ein Leben lang nur den Mindestlohn bekommen! - Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): Bei 10 Euro übrigens auch nicht! Rechnen Sie das einmal nach!)</i>
Ich habe die Bundesregierung gefragt: Wie hoch müsste denn ein Lohn sein, damit ein entsprechendes Rentenniveau erreicht wird? Ich habe eine Antwort bekommen. Die würde ich Ihnen gerne vortragen. Die Antwort ist nämlich eindeutig. Am 11. Mai habe ich vom Bundesministerium für Arbeit mitgeteilt bekommen:
Um eine Nettorente im Alter in Höhe von 684 Euro (Wert von 2009) zu erreichen, wäre rechnerisch ein Stundenlohn von 10 Euro erforderlich.
Herr Heil, das ist das Problem.
<i>(Hubertus Heil (Peine) (SPD): Ich will aber nicht, dass die Leute nur einen Mindestlohn ihr Leben lang haben! Das ist zu wenig!)</i>
Es tut mir leid: Mit Ihrem Antrag werden Sie Ihren eigenen Anforderungen nicht gerecht. 10 Euro Mindestlohn sind notwendig, damit Menschen, die ihr ganzes Leben, also 45 Versicherungsjahre lang, vollzeitbeschäftigt waren, später eine Rente erhalten, für die sie nicht zum Amt gehen müssen. Das wird mit Ihrem Antrag nicht erreicht.
<i>(Beifall bei der LINKEN Anette Kramme (SPD): Vorsicht!)</i>
Es ist bereits auf die Studie des Schweizer Forschungsunternehmens Prognos hingewiesen worden; Herr Heil, Sie haben das getan. Ich möchte betonen, dass bei einem Mindestlohn von 10 Euro der Einkommenszuwachs mehr als 26 Milliarden Euro betragen würde.
<i>(Dr. Heinrich L. Kolb (FDP): Unter der Vorgabe, dass keine Beschäftigung wegfällt! - Hubertus Heil (Peine) (SPD): Das ist das Hauptkampffeld für die Linke! Sonst kriegt ihr euren Laden nicht zusammengehalten! Das ist doch der Punkt!)</i>
So sagt es Prognos. Das ist deutlich mehr als das, was durch Ihren Gesetzentwurf zu erwarten wäre.
Von uns allen hier hängt ab, ob wir letztendlich ein entsprechendes Gesetz beschließen werden. Wir werden Ihrem Antrag zustimmen, weil er in die richtige Richtung geht, auch wenn der Betrag noch nicht stimmt.
<i>(Christian Lange (Backnang) (SPD): Ach! Das ist ja mal was! Das hätten wir bei der Argumentation der Rede nicht erwartet! Anette Kramme (SPD): Da sind wir stolz drauf! - Christian Lange (Backnang) (SPD): Ich dachte, Sie würden mit Nein stimmen, bei der Rede!)</i>
Ich sage allen, die dagegen stimmen werden, dass Arbeit auch etwas mit Würde zu tun hat. Wenn Menschen vollzeitbeschäftigt sind und von ihrer Arbeit nicht mehr leben können, dann nimmt man ihnen die Würde. Ich sage Ihnen, dass es dringend notwendig ist, den Menschen ihre Würde zurückzugeben.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Das erreichen wir, wenn wir einen gesetzlichen Mindestlohn einführen. Ich bitte Sie: Reißen Sie sich in diesem Zusammenhang einmal am Riemen!
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Mindestlohnkampagne</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 20 Jan 2012 14:51:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Europa wird demokratisch, sozial und solidarisch sein oder nicht existieren </title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/europa-wird-demokratisch-sozial-und-solidarisch-sein-oder-nicht-existieren/</link>
			<description>Alexis Tsipras, Vorsitzender der Linksfraktion SYRIZA im griechischen Parlament, beim Politischen...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ich möchte mich bei der LINKEN für die Einladung und die Solidarität sehr bedanken, Gregor Gysi herzlich zum Geburtstag gratulieren und auch allen Parteimitgliedern hier danken, dass sie zeigen, dass nicht alle Politiker in Deutschland so sind wie Merkel. Gregors Reden im Parlament sind in Griechenland sehr populär. Er ist der einzige gewählte Vertreter, der die Wahrheit in den Augen des griechischen Volkes verteidigt.
In den letzten Jahren versucht man in Griechenland wie auch in Deutschland die Menschen zu überzeugen, dass das Märchen von der Grille und der Ameise gilt und wahr ist: Es ist ein Märchen über die arbeitsamen, die strebsamen Ameisen, die den ganzen Sommer über arbeiten, während die Grillen schlafen. So hat man uns gesagt, dass Europa im Norden von Ameisen und im Süden von Grillen bewohnt wird. Wir wurden allerdings belogen, weil ganz Europa in seiner ganzen Breite und Länge sowohl von Ameisen wie von Grillen bewohnt wird. Im Norden, hier in Deutschland, arbeiten die Ameisen sehr hart, und seit über zehn Jahren haben sie keine Lohnerhöhung mehr gesehen. Während die Grillen – die Bankiers und die Kapitalisten – ihren Profit verdoppelt und verdreifacht haben, während im Süden, in Griechenland und in den südlichen Ländern, die Ameisen sehr hart arbeiten. In Griechenland sind die Arbeitnehmer die mit den meisten Arbeitsstunden, während die Grillen von ihrem Schweiß profitieren und Milliardenbeträge erhalten. Und jetzt zu Zeiten der Krise wird den Ameisen im Norden gesagt, jetzt in der Krise müsst ihr von dem harterarbeiteten Geld etwas an eure Brüder im Süden abgeben. Nur von all diesem Geld, was die Ameisen des Nordens zahlen, geht kein einziger Euro an die Ameisen des Südens, sondern an die Grillen des Nordens und des Südens. Das ist die tatsächliche Dimension dieses Märchens heute in Europa.
Die Entscheidung für Autorität zur Überwindung der Krise erweist sich als katastrophal. Die Medizin erweist sich schlimmer und schmerzhafter als die Krankheit an sich. Und so verbleibt die Krise nicht in den Ländern der Peripherie, sondern sie schlägt im Herz der Euro-Zone zu, was wiederum die Analysen der Europäischen Linken wahr erscheinen lässt. Wir redeten über eine Systemkrise und eine Krise der Architektur, auf der diese aufgebaut wurde. Griechenland wurde auserkoren, ein Versuchskaninchen zu sein.
Leider sind die Konsequenzen in meinem Land zwei Jahre nach Anwendung der Autorität tragisch. Wir befinden uns vor sozialen Trümmern. Die Arbeitslosigkeit ist von 11 auf 24 Prozent angestiegen. Die offiziellen Zahlen zeigen, dass einer von zwei jungen Menschen von unter 24 Jahren arbeitslos sind. Tausende junger Wissenschaftler werden dazu gezwungen, das Land zu verlassen, während auf den Straßen sich die Obdachlosen häufen. Trotzdem besteht die Troika und die Regierung auf eine Weiterführung dieser Politik der harten Autorität mit weiterer Kürzung von Löhnen und Gehältern. Diese Politik ist jedoch nicht nur sozial ungerecht, sondern auch total ergebnislos. Die Staatsschulden sind in diesen Jahren nicht nur gesunken, sondern viel mehr rasant angestiegen. Um zu verstehen, wie man diesem Verfahren folgt, muss man schauen, welche Politik der Entstaatlichung im ehemaligen Ostdeutschland verfolgt wurde. Ihr Ziel ist eine Umgehung der verfassungsmäßigen Legalität, auf Gesetzgebungen auszuweichen und natürlich öffentliches Eigentum gegen einen sehr niedrigen Preis zu drücken. Der famose Schuldenschnitt in Griechenland hat sich bereits als ein Schiffbruch erwiesen. Dieses Verfahren wurde im vornherein von den Hatchfonds sabotiert. Da ein Schuldenschnitt von 50 Prozent vorhergesehen war, haben sie auf dem Sekundärmarkt Staatsanleihen zu 30 Prozent des Preises gekauft, so dass diese bei einem Schuldenschnitt von 50 Prozent 20 Prozent Profit erlangen, gleichzeitig zur Weiterführung dieses Verfahrens, dass bestenfalls 100 Milliarden Euro von den griechischen Staatsschulden reduzieren wird. Es sind gleichzeitig die unmittelbaren 90 Milliarden Euro an Darlehen erforderlich, die vom IMF kommen werden. Und all das im besten Fall. Das heißt, wenn die Situation stabil bleibt, was nicht zu erwarten ist, und wenn an diesem Verfahren auch von Allen teilgenommen wird, so wird Griechenland im Jahr 2020 Staatschulden von 120 Prozent des BIP haben nach einem langjährigen Zeitraum von Autorität. Das heißt, die Staatsschulden werden auch dann nicht nachhaltig sein. Davon möchte ich eines betonen: Von all diesem Geld, dass nach Griechenland fließen wird, wird kein einziger Euro in die Realwirtschaft fließen. 40 Milliarden werden in die Banken fließen, 30 Milliarden für die Inhaber von Staatsanleihen sein und 20 Milliarden unmittelbar für ablaufende Staatsanleihen. Die Verhandlungen finden jedoch zurzeit statt, und alles sieht danach aus, als ob man keine Einigung erreichen wird. Das Wahrscheinlichste ist die sogenannte geregelte Insolvenz von Griechenland innerhalb des Euro.
Bitten gestatten Sie mir jedoch zwei Sachen zu sagen, um zu verstehen, was ist das für ein Land, das in Insolvenz geht: Griechenland war das Land mit dem größten Wachstum in Europa bis zum Jahr 2005. Selbst heute, wo es kurz vor der Insolvenz steht, gehört es zu den 30 reichsten Ländern der Welt. Es hat den ersten Platz in der internationalen Schifffahrt. Es hat die größte kommerzielle Handelsflotte. Das BIP meines Landes ist in den letzten zehn – von 1998 bis 2008 – um 50 Prozent angestiegen. Wo ist denn all der Reichtum hin? Ist das in Sozialleistungen geflossen? Sie die Löhne oder die Renten gestiegen? All dieser Reichtum ist in die Taschen von Bankiers und Kapitalisten geflossen, die ihn jetzt wiederum in die Banken der Schweiz und Deutschlands transferieren. Wir hatten über all diese zehn Jahre des Wachstums die ungerechtesten Wachstumsverteilung und die ungerechteste Besteuerung in ganz Europa. Wir haben das schlechteste Verhältnis von indirekten zu direkten Steuern in ganz Europa. Dies führte dazu, dass die Staatseinnahmen den Ausgaben immer hinterhergehinkt haben.
Und dann möchte ich noch ein Beispiel nennen, damit mein Freund Gregor es auch erzählen kann, denn er erzählt ja dauernd über diese Familien, die 80 Prozent des Reichtums haben: Die griechischen Schifffahrtsgesellschaften, die 50 Prozent des Erdöls transportieren, das China importiert, sind sehr reiche Unternehmen, sehr reiche Menschen, zahlen insgesamt jährlich an dem griechischen Staat an Steuern 15 Millionen Euro. Gleichzeitig bezahlen die Migranten Gebühren für ihre Aufenthaltserlaubnisse in Höhe von ca. 50 Millionen Euro. Die Schifffahrtsgesellschaften haben 58 unterschiedliche Steuerbefreiungen, während der Prozentsatz der Schwarzwirtschaft bei ca. 30 Prozent des BIP liegt.
Warum erzähle ich das? Um Ihnen zu zeigen, dass das wahre Problem Griechenlands, das wahre Problem Europas nicht die Staatsschulden sind. Die Staatsschulden sind ein Instrument zur Auferlegung von Klassenpolitik und aus Loyalitätsmaßnahmen. Die Staatsschulden sind ein Instrument, um die demokratischen Errungenschaften und den gesellschaftlichen Vertrag in Europa abzuschaffen. Das Problem ist Neoliberalismus. Das Problem ist die Autorität. Das Problem ist die ungerechte Reichtumsverteilung. Das Problem ist die Politik, die von Merkel und  Sarkozy verfolgt wird. In der Krise befinden sich also nicht Griechenland und die Länder der Peripherie, sondern in der Krise befindet sich der Euro und die Architektur, auf der dieser aufgebaut wurde sowie der Kapitalismus. Durch die Ratingagenturen und die Märkte ist natürlich keine Lösung zu erwarten, sondern von den politischen Kräften, die sich mit den Politiken des Neoliberalismus konfrontieren werden. Von den politischen Kräften, die sich zusammen mit den Völkern Europas den Ratingagenturen und den Märkten das Prädikat Ramsch geben werden, die ein Rating von drei A der Gesellschaft geben werden. Die reiche griechische Sprache hat drei Wörter, die mit A beginnen: Solidarität, Wachstum, Beschäftigung. Diese drei A sind das Rating, was die Gesellschaft braucht. Wir sollen uns der autokratischen Föderalisierung Europas und dem Zusammenschrumpfen der Demokratie entgegenstellen. Wir sollen das Finanzsystem in den Dienst der Gesellschaft, nicht des Profits stellen. Wir sollen das Reichtum besteuern und nicht die Armut. Vielleicht ist auch der Mangel der Erfolg des Schuldenschnittes in Griechenland auch ein guter Anlass, um das Problem in Griechenland in seine wahren Dimensionen zurückzusetzen. Wir sollen eine andere Rolle für die Europäische Zentralbank fordern, so dass diese direkt an Staaten und nicht an private Banken Geld leiht. Wir sollen en Mehr-Parteien-Treffen für die Zukunft Europas fordern, nach dem Vorbild des Abkommens, dass es 1953 für Deutschland gegeben hat, als 50 Prozent der Schulden gestrichen wurden und die restlichen zurückbezahlt wurden, aber nur unter der Voraussetzung, dass man Wachstum in der Wirtschaft hat.
Liebe Genossen, in Griechenland haben wir einen sehr wichtigen Intellektuellen. Er lebt leider nicht mehr, Nicos Poulantzas. Er hat in den 70er Jahren sehr prophetisch gesagt, dass der Sozialismus entweder demokratisch sein wird oder nicht existieren wird. Heute können wir sagen, dass das vereinigte Europa entweder demokratisch und solidarisch sein wird oder nicht existieren wird. Lasst uns also alle zusammen kämpfen, damit es dieses Europa geben wird, mit unserer Vision des Sozialismus.
Vielen Dank!]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 15:03:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Nur eine solidarische Gesellschaft hat Zukunft</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/nur-eine-solidarische-gesellschaft-hat-zukunft/</link>
			<description>Gesine Lötzsch beim Politischen Jahresauftakt der Partei DIE LINKE und der Fraktion DIE LINKE im...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Genossinnen und Genossen, sehr geehrte Gäste, ich freue mich, dass Alexis Tsipras zu uns gesprochen hat, &quot;denn Solidarität&quot;, sagte Che Guevara, &quot;ist die Zärtlichkeit der Völker&quot;, und wir als Partei der Solidarität sind eine europäische Partei, eine internationalistische Partei. Wir gehören zu denen, die nicht das Spiel gegen die faulen Griechen, gegen die faulen Südländer mitmachen, sondern wir wehren uns dagegen, dass die Völker gegeneinander ausgespielt werden.
Viele von Euch waren gestern gemeinsam an den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht und auch gemeinsam am Nachmittag und am Abend in der Berliner Volksbühne. Wer dabei war, der hat gespürt, wie Solidarität funktioniert, wie sehr wir die Solidarität brauchen. Die bewegenden Reden von Alexis Tsipras, Malte Mola und Pierre Laurent haben gezeigt: Wir müssen zusammenhalten. Wir können zusammenhalten, wenn wir voneinander wissen und wenn wir die Solidarität nicht nur mit dem Kopf, sondern auch mit dem Herzen leben. Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich Diether Dehm dafür danken, dass er die Manifestation am Nachmittag und auch das abendliche Konzert in der Berliner Volksbühne organisiert hat.  Wie sehr hat uns doch die Musik der Gruppe Quilapayun, die Musik von Bots bewegt. Wie sehr haben wir gemeinsam gespürt: Wir haben gemeinsame Gedanken, gemeinsame Ideen, aber auch gemeinsame Gefühle. Wir als Menschen sind doch nicht nur Kopf, wir sind doch auch Herz. Darum haben wir uns in der LINKEN zusammengeschlossen, liebe Genossinnen und Genossen.
Pierre Laurent, der Vorsitzende der Europäischen Linkspartei und der Vorsitzende der Französischen Kommunistischen Partei, hat in seiner Rede eine interessante Geschichte erzählt. Er sprach von einer Diskussion zwischen Kautsky und Rosa Luxemburg. Kautsky vertrat die These, dass man sich doch in Krisenzeiten mehr um das eigene Volk kümmern müsse. Und Rosa Luxemburg fragte zurück: &quot;Sollten wir jetzt etwa den Aufruf ‚Proletarier aller Länder, vereinigt Euch‘ ändern in &quot;Proletarier aller Länder, vereinigt Euch, aber nicht in Krisenzeiten&quot;? Rosa Luxemburg, so glaube ich, hat Kautsky die richtige Antwort gegeben. Diese Antwort müssen auch wir geben, liebe Genossinnen und Genossen. Denn – nicht jeder und jede wird sich daran erinnern, darum rufe ich Euch die Sache in Erinnerung – unser jetziger Innenminister, Hans-Peter Friedrich, Mitglied der CSU, einer Partei im Süden unseres Landes, war einer der Ersten, der den Griechen gesagt hat: Verkauft doch eure Inseln. So eine zynische, so eine höhnische Politik machen wir nicht mit. Dieser Innenminister spricht auch aus diesem Grunde nicht für uns, liebe Genossinnen und Genossen.
Viele Fragen sind schon angesprochen worden, die unsere Partei betreffen. Ganz gegen meine Gewohnheiten will ich ein einziges Mal auch das Wort Personaldebatte in den Mund nehmen – ein einziges Mal –, denn solche Debatten können uns nützen, wenn sie mit konkreten Ideen, Konzepten und Vorschlägen verbunden sind. Wenn wir sie so führen, dann sind wir auch erfolgreich, liebe Genossinnen und Genossen. Als Gregor Gysi in der Zeitschrift &quot;SUPERillu&quot; angekündigt hat, er würde wieder als Spitzenkandidat für DIE LINKE zur Verfügung stehen, habe ich ihn angerufen und gesagt, dass ich das gut finde. Gregor Gysi hat schon sehr erfolgreich viele Wahlkämpfe unserer Partei bestritten. Wenn er kommt – sogar, wie heute, an seinem Geburtstag –, dann füllen sich Säle und Plätze. Das trifft natürlich auch auf Oskar Lafontaine zu. Darum ist es doch nur allzu verständlich, wenn Gregor sich wünscht, dass Oskar Lafontaine auch wieder bei der Bundestagswahl antritt. Ich glaube, das wünschen sich viele in unserer Partei. Gestern in der Volksbühne haben wir gesehen, wie viele Menschen auch er wieder begeistert hat. Die Reaktion einiger Medien darauf war zu erwarten. Sie lästerten über die alten Haudegen, die es für DIE LINKE wieder richten müssten. Aber was soll eigentlich diese Altersdiskussion? Auch das kann eine Art der Ausgrenzung sein. Wir brauchen doch schließlich alle. Wir brauchen Alte, wir brauchen Junge, und wir brauchen Menschen mittleren Alters. Wir bekommen immer wieder gute Ratschläge, auch aus manchem Medium, von wem wir uns denn so in unserer Partei trennen sollten. Ich finde, wir sollten uns lieber Gedanken darüber machen, wie wir Menschen hinzugewinnen können und nicht, von wem wir uns trennen sollten. Wir haben in unserer Partei junge Menschen, wir haben lebenserfahrene Menschen. Es gibt auch Beispiele, dass Menschen, die die 70 schon erreicht haben, Mitglied der Partei werden und sagen: Ich habe gar nicht mehr so viel Zeit, also muss ich besonders aktiv sein. Und, liebe Genossinnen und Genossen, es ist doch nicht nötig, nur bei den Kindern, Enkeln und Urenkeln für unsere Partei zu werben. Man kann auch bei gleichaltrigen Freundinnen und Freunden für DIE LINKE werben. Wenn Menschen mit 18 oder mit 80 heiraten, dann können sie doch auch mit 18 oder mit 80 in unsere Partei eintreten.
Liebe Genossinnen und Genossen, Gregor hat es neulich gesagt: Wir wollen zurück auf die Erfolgsspur. Wenn wir zurückschauen, müssen wir uns fragen: Was war denn unser Erfolgsrezept in den vergangenen Jahren? In den 90er Jahren hatten wir eine enge Verbindung von parlamentarischer und außerparlamentarischer Arbeit, obwohl der Begriff außerparlamentarische Arbeit ja so etwas Abstraktes hat, denn 99 Prozent des Lebens spielen sich ja außerhalb der Parlamente ab. Also sagen wir doch Leben und Arbeiten im Alltag. Damals waren mehr Genossinnen und Genossen als heute in Mieterbeiräten, in Gewerkschaften, in Rentenberatungsstellen, in Sportvereinen, in Kulturvereinen, in Vorständen von Kleingartenvereinen tätig. Das Wissen, das dort gesammelt wurde, war Gold wert. Man kann dieses Wissen nämlich nicht einfach kaufen. Man kann nicht zu einem Umfrageinstitut gehen, so wie wir das heute häufig machen müssen, oder Datenbanken bei der Bundesregierung abfragen. Dieses Wissen kam exklusiv von den Genossinnen und Genossen unserer Partei. Dahin müssen wir zurück. Wir müssen zurück zur produktiven Verbindung im Leben, in den Parlamenten, in der politischen Zielsetzung. Das – so glaube ich – sollten wir uns auch für das Jahr 2012 vornehmen, liebe Genossinnen und Genossen.
Im Jahr 2012 haben wir erreicht, dass DIE LINKE seit vier, fünf Jahren endlich eine wirklich gesamtdeutsche Partei ist. Das ist ein unschätzbarer Gewinn, eine Bereicherung für uns alle. Aber dennoch müssen wir auch weiterhin der Anwalt für die Menschen im Osten bleiben. Es ist doch ein Skandal, dass wir immer noch unterschiedliche Mindestlöhne in Ost und West haben. Es ist doch ein Skandal, dass wir immer noch nicht die gleichen Renten haben. Erinnert Euch daran: Im Jahr 2009 ist Angela Merkel zur Wahl angetreten und hat erklärt, sie wird dafür sorgen, dass es in Ost und in West Rentengerechtigkeit gibt. Davon will sie heute nichts mehr wissen. Wir müssen in Wahlauseinandersetzungen die Menschen an dieses gebrochene Versprechen erinnern. Wir LINKE werden für Rentengerechtigkeit kämpfen. Darauf könnt Ihr Euch verlassen, liebe Genossinnen und Genossen.
Immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft sind arm – im Osten und im Westen. Eine wesentliche Ursache dafür ist die Einführung des Hartz-IV-Systems. Übrigens sah ich letztens – der eine oder andere hat das vielleicht auch gesehen – eine interessante Dokumentation über Peter Hartz im Fernsehen. Er zeigte sich dort enttäuscht über die Umsetzung seiner Reform. Nicht, was Ihr jetzt denkt. Er hat nämlich gesagt, er hätte vorgeschlagen, dass das Arbeitslosengeld II 511 Euro betragen solle. Wir als LINKE fordern seit langem einen Betrag von 500 Euro und werden dafür von den anderen Parteien häufig höhnisch belächelt. Doch dieses höhnische Lächeln wird ihnen vergehen, wenn es uns gelingt, immer mehr Menschen, die mit dieser Gesellschaft innerlich abgeschlossen haben, wieder für die Politik zurückzugewinnen. Wissenschaftler sprechen inzwischen schon von einer defekten Demokratie. Auch wir erleben das an vielen Stellen. Ich finde, es ist eine Tagesaufgabe, die Demokratie zurückzuerobern, denn wenn das nicht gelingt, regieren weiterhin die Banken. Damit wollen wir uns nicht abfinden, liebe Genossinnen und Genossen.
Armut ist ein Problem in Ost und West. Armut können wir in Bremen sehen und sogar im reichen Baden-Württemberg. Wir sollten niemals akzeptieren, dass Menschen in unserer Gesellschaft verarmen und ausgegrenzt werden. Ein wirksames Mittel gegen die Spaltung der Gesellschaft ist das, was das zentrale Ziel, das zentrale Mittel und die zentrale Botschaft unserer Partei ist, nämlich die Solidarität, die solidarische Gesellschaft. Wir müssen alle davon überzeugen, dass eine solidarische Gesellschaft für alle besser ist.
Mit der Gründung der Partei DIE LINKE haben wir alle unseren politischen Horizont enorm erweitert. Das ist auch manchmal anstrengend. Viele Gewerkschafter, Kriegsgegner, Umweltschützer, Künstlerinnen und Künstler, Menschen aus den verschiedensten sozialen Bewegungen sind jetzt in den Reihen der Partei DIE LINKE. Das ist aus meiner Sicht eine Bereicherung und kein Problem, wie der eine oder andere meint. Wir wollen Menschen aus möglichst vielen Bereichen unserer Gesellschaft für die Politik einer solidarischen Gesellschaft gewinnen. Natürlich müssen wir immer neu nachdenken: Haben wir die richtigen Mittel? Wir müssen unsere Politik neu justieren. Das ist doch selbstverständlich. Aristoteles schrieb einmal: &quot;Eine Stadt besteht aus unterschiedlichen Arten von Menschen. Ähnliche Menschen bringen keine Stadt zustande.&quot; Liebe Genossinnen und Genossen, das trifft auch auf unsere Partei zu. Ähnliche Menschen bringen auch keine Partei zustande. Seien wir doch froh darüber, dass wir so unterschiedlich sind, und versuchen wir nicht, uns einander ähnlich zu werden, sondern machen wir unsere Unterschiede und unsere unterschiedlichen Erfahrungen produktiv.
Wir haben inzwischen 16 starke Landesverbände – sicherlich unterschiedlich stark, aber 16 Landesverbände. In jedem Land gibt es besondere Erfahrungen. Darum habe ich auf unserer Tagung in Elgersburg vorgeschlagen, dass doch jeder Landesverband ein Referenzprojekt entwickeln sollte, in dem er zeigt: Das haben wir geschafft, so haben wir die Gesellschaft real verändert. Seht her! DIE LINKE kann etwas schaffen. Wir wurden doch nicht gewählt, um Regierungspolitik nur zu analysieren – so wichtig das ist – und zu beklagen, sondern wir wurden gewählt, um die Gesellschaft zu verändern, die Probleme der Menschen zu lösen, Lösungen anzubieten und dafür zu sorgen, dass das Leben besser wird. Manchmal hört man den Verweis, dass wir in den Parlamenten nicht die Mehrheiten haben oder dass man mit dem Koalitionspartner etwas nicht hinbekommen habe. Das ist für viele Menschen nicht befriedigend. Es macht sie auch wütend, denn sie haben keine Lust, auf die Lösung ihrer Probleme so lange zu warten, bis wir entweder Mehrheiten in den Parlamenten haben oder Koalitionspartner, die genau das machen, was wir sagen. Das ist – so glaube ich – noch ein Stück Weg. Darum möchte ich hier an dieser Stelle mit einigen wenigen Beispielen an erfolgreiche Projekte erinnern, die durch unsere Partei in den verschiedenen Bundesländern erreicht wurden. Ich erinnere daran, dass die Abschaffung der Studiengebühren in Hessen und in Nordrhein-Westfalen nur durch den Druck der LINKEN möglich war. Im Osten gibt es gar keine Studiengebühren. Dort, wo mit dem Gedanken gespielt wurde, welche einzuführen, sind heute sicherlich alle froh, dass sie es nicht getan haben. Also da, wo DIE LINKE stark ist, gibt es keine Studiengebühren. Das ist doch ein starkes Argument für unsere Partei, finde ich. DIE LINKE in Mecklenburg-Vorpommern hat aktuell eine Volksinitiative für einen Mindestlohn über 10 Euro gestartet. Auch das ist ein Referenzprojekt, das Schule machen sollte. In Berlin und Brandenburg hat DIE LINKE durchgesetzt, dass die Vergabe von kommunalen Aufträgen an Mindestlöhne geknüpft ist. Danach müssen sich jetzt die anderen Bundesländer richten, und auch der Bund steht in der Pflicht, bei öffentlichen Aufträgen nachzuziehen und Mindestlöhne umzusetzen.
Liebe Genossinnen und Genossen, viel wird über Politik- oder Politikerverdrossenheit gesprochen. Wir sollten den Menschen beweisen, dass wir nicht die Flinte ins Korn werfen, wenn wir ein Ziel nicht sofort erreichen, sondern dass wir gemeinsam alles tun, um unsere Forderungen durchzusetzen. Das ist der beste Weg gegen Politikverdrossenheit.
Ich hatte vor einiger Zeit die Idee, ein Buch zu veröffentlichen, das Porträts von 16 linken Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitikern aus den16 Bundesländern enthält. Wir haben diese Genossinnen und Genossen alle eingeladen. Sie sitzen hier vorne in der ersten Reihe. Ich darf sie recht herzlich begrüßen. Unsere Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker, Bürgermeister, Stadträte und Verordnete, das sind die, die jeden Tag mit den Menschen vor Ort sprechen, das sind die, die jeden Tag über konkrete Lösungsansätze diskutieren. Mir ist aufgefallen, als ich die Porträts gelesen habe, dass die Probleme in Ost und West bei vielen kommunalen Fragen sehr, sehr ähnlich sind. Ich glaube, wenn wir an konkreten Dingen gemeinsam arbeiten, dann werden wir auch gar nicht mehr über einen Ost-West-Konflikt reden müssen. Dann verliert er schlagartig an Bedeutung. Ich bedanke mich recht herzlich bei Kathrin Gerlof, die dieses Buch geschrieben hat, die liebevoll, aufmerksam unsere 16 Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker porträtiert hat. Vielen Dank, Kathrin.
Liebe Genossinnen und Genossen, gestern waren Tausende an den Gräbern von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht. Beide wurden heimtückisch ermordet. Die Mörder wurden nie zur Rechenschaft gezogen. Das ist jetzt bald 100 Jahre her. Doch noch immer werden in unserem Land Menschen ermordet, weil sie schwarze Haare und eine dunkle Hautfarbe haben, weil sie einen anderen Glauben haben oder weil sie Antifaschisten sind. Bei der Bekämpfung des Neofaschismus können wir uns leider nicht auf den Staat verlassen. Im Gegenteil. Der Geheimdienst – so muss man den Verfassungsschutz wirklich nennen – hat die Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund sogar noch mit Geld unterstützt. Das ist wirklich empörend! Ich sage ausdrücklich Geheimdienst, weil der Begriff Verfassungsschutz ein Begriff ist, der vernebelt, was diese Organisation tut. Denn vom Verfassungsschutz könnten wir erwarten, unsere Verfassung zu schützen und nicht dazu beizutragen, dass unsere Verfassung unterlaufen wird und solche Terrorzellen über Jahre in unserem Land ihr Unwesen treiben können. Ich finde es beschämend, dass noch niemand von den regierenden Politikern die Verantwortung übernommen hat. Das ist beschämend für eine Demokratie, und das muss sich ändern. Aber wirklich wird sich in unserer Gesellschaft nur etwas ändern, wenn viele Menschen gegen den braunen Terror auf die Straße gehen und die Zuständigen an ihre verfassungsmäßigen Aufgaben erinnern.
Am vergangenen Sonnabend haben in Magdeburg Tausende auf der Meile der Demokratie ihren Widerstand gegen Neonazis zum Ausdruck gebracht. Ich bedanke mich auch bei den Genossinnen und Genossen der Partei DIE LINKE in Magdeburg, die gemeinsam mit vielen Initiativen der Zivilgesellschaft gezeigt haben, dass Magdeburg eine freie Stadt, eine tolerante Stadt ist, die keine Nazis will. Darum bitte ich Euch auch alle: Kommt am 18. Februar nach Dresden und verhindert dort einen neuen Neonaziaufmarsch. Das sind wir auch den Opfern des Naziterrors schuldig. Wir fordern ein Verbot der verfassungsfeindlichen NPD. Aber wir wissen: Selbst wenn die NPD verboten sein wird, haben wir noch viel zu tun. Es ist gut, wenn wir in Dresden viele sind. Wir werden uns solidarisch mit allen erweisen, die von Polizei und Justiz verfolgt werden. Dadurch lassen wir uns nicht einschüchtern. Liebe Genossinnen und Genossen, sagt es weiter: Kommt am 18. Februar nach Dresden!
Wir wissen noch nicht, wie viele Wahlen wir in diesem Jahr haben werden. Klar, in Schleswig-Holstein, vielleicht im Saarland. Die saarländische CDU und die SPD glauben ja, dass sie im laufenden Galopp die Pferde wechseln können. Ich glaube, da täuschen sie sich. Und der Versuch, von der Opposition in die große Koalition zu kommen, ist offensichtlich nicht nur der Wunsch der saarländischen SPD. Auch auf der Bundesebene hofft Herr Steinbrück auf die zweite Chance für eine große Koalition. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die SPD in der Opposition links blinkt und dann versucht, rechts in Richtung Kanzleramt abzubiegen. Da ist es gut, dass wir auch 2013 im Bundestag wieder eine berechenbare linke Opposition haben. Wir müssen in dem Wahlkampf – ob er nun 2012 oder 2013 ist – deutlich sagen, was wir wollen, was unsere Botschaft, was unsere Position ist. Ich erinnere daran, dass es nicht immer einfach ist. Wir haben im Jahr 2002 eine bittere Erfahrung gemacht. Damals haben viele die Botschaft &quot;Stoiber verhindern&quot; als Aufforderung verstanden, die SPD zu wählen. Das Ergebnis war: Die Linke flog als Fraktion aus dem Bundestag, und Petra Pau und ich waren dann die einzigen Abgeordneten für die PDS im Deutschen Bundestag. Das, obwohl wir in dieser Zeit – Petra wird das bestätigen – beide nicht dümmer geworden sind und obwohl wir von der Solidarität vieler Genossinnen und Genossen getragen wurden, wollen wir nicht nochmal erleben. Nicht wegen uns, sondern weil dieses Land für eine solidarische Gesellschaft eine starke LINKE braucht.
Liebe Genossinnen und Genossen, Alexis Tsipras hat vor mir gesprochen. Ich möchte noch einmal an das Wort von Che Guevara erinnern: &quot;Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker&quot;. Die normalen, die einfachen Menschen können ihr Leben nur gestalten, wenn sie es solidarisch leben. Der Neoliberalismus hat sich in viele Herzen und Hirne eingefressen. Wir sollten sehr darauf achten, dass uns das nicht passiert, denn nur eine solidarische Gesellschaft hat Zukunft. Wir müssen diese Solidarität leben. Wir wollen sie leben. Wir können sie leben – in Europa, in Deutschland und in unserer Partei.
Vielen Dank!]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 15:02:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Gegen die Zerschlagung des Sozialstaatssystems in ganz Europa aufstehen</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/gegen-die-zerschlagung-des-sozialstaatssystems-in-ganz-europa-aufstehen/</link>
			<description>Klaus Ernst beim Politischen Jahresauftakt der Partei DIE LINKE und der Fraktion DIE LINKE im...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Genossinnen, liebe Genossen, sehr verehrte Damen und Herrn, auch von mir natürlich einen richtig schönen herzlichen Willkommensgruß.
Ich freue mich natürlich, dass dieser Tag, an dem wir heute unsere Veranstaltung begehen, mit dem Geburtstag von Gregor zusammenfällt. Gregor ist einer, der ganz besonders mit verdienstvoll für diese Partei gearbeitet hat, seit es sie gibt. Ich weiß, dass er das auch schon für die Vorgängerpartei gemacht hat, aber seit es DIE LINKE gibt, ganz besonders für diese Partei gearbeitet hat und mit verantwortlich für diesen Erfolg ist, den DIE LINKE in der Vergangenheit, auch bei den letzten Bundestagswahlen hatte. Ich hoffe, dass wir mit Gregor an diese Erfolge auch in der Zukunft wieder anknüpfen können. Deshalb auch von mir herzlichst alles Gute, Gregor.
Es gab Diskussionen darüber. Gregor hat erklärt, dass er wieder für den Bundestag kandidiert. Ich finde das sehr gut, dass er das macht. Ich freue mich, dass er das tut. Ich möchte etwas flapsig dazu sagen: Er verkörpert natürlich auch im Prinzip mit seiner Entscheidung ein Stückweit das Rentenkonzept der LINKEN. Wir sagen nämlich, liebe Genossinnen und Genossen: Keiner muss länger arbeiten als 65. Aber wenn er will, dann darf er auch. Darüber sind wir sehr froh.
Liebe Genossinnen und Genossen, ich wünsche uns für 2012 Gesundheit für unsere Familien, auch für uns selber. Ich wünsche uns allen glückliche Momente auch in unseren Familien. Auch das braucht man. Und ich wünsche uns, dass wir Erfolge erringen - persönlich, politisch. Und ich wünsche, dass es uns gelingt, auch in diesem Jahr dazu beizutragen, dass wir die Welt ein wenig sozialer und ein wenig gerechter gestalten können. Unser Motto ist heute ein Motto der Schriftstellerin Christa Wolf. Sie hat gesagt: Die Zukunft, das ist das gründlich Andere. Und wie keine andere Partei, liebe Genossinnen und Genossen, steht DIE LINKE für tatsächlich radikale Veränderungen im Interesse der Mehrheit unserer Bürgerinnen und Bürger in diesem Land. So verstehen wir dieses Motto, liebe Genossinnen und Genossen. Es ist die Hoffnung auf eine andere, eine bessere Zukunft, was die Arbeiterinnen- und Arbeiterbewegung seit mehr als 150 Jahren zusammenhält. Ich ergänze: Zur Zeit treibt die Menschen eher die Angst vor einer schlechten Zukunft um, die Angst um Arbeitsplätze, die Angst um die Zukunft ihrer Kinder, die Angst um die Frage, wie sieht es aus, wenn ich älter werde, gerate ich in Armut, die Angst auch um den Frieden in weiten Teilen unserer Welt. Deshalb bedeutet unsere Politik, dass es an uns ist, die Angst der Menschen auch in politische Aktivitäten umzuwandeln, um tatsächlich zu radikalen Veränderungen beizutragen. Das ist die Antwort der LINKEN, liebe Genossinnen und Genossen.
Und wenn wir über das gründlich Andere diskutieren, dann bezieht sich das auch ein wenig auf uns selber, denn ich glaube, wir müssen das Eine oder Andere gründlich anders machen. Deshalb bitte ich alle in unserer Partei darum, dass wir uns jetzt tatsächlich auf die Inhalte konzentrieren, um mit dieser unsäglichen Selbstbeschäftigung, auch im Rahmen der Personaldebatte, aufzuhören. Das macht keinen Sinn, und das bringt uns auch nicht weiter. Ich sage Euch aus eigener Erfahrung: Es ist durchaus möglich – ich mache das jetzt seit einigen Wochen –, zu einem Thema einfach nichts zu sagen. Das geht. Es geht wirklich.
Christa Wolf ist im letzten Jahr verstorben. Ihr Tod war ein großer Verlust für uns alle. Liebe Genossinnen und Genossen, und es ist eine Tradition der Arbeiterbewegung, unserer verstorbenen Mitkämpferinnen und Mitkämpfer zu gedenken. Stellvertretend für alle Verstorbenen nenne ich drei Namen: Uwe-Jens Heuer, Hannelore Sonntag, Horst Bethge. Ich bitte Euch um eine kleine Schweigeminute zum Gedenken an unsere Verstorbenen.
Ihr habt Euch zum Gedenken an unsere Verstorbenen von den Plätzen erhoben. Ich danke Euch.
Gestern vor 93 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet. Es erinnert uns daran, dass die Geschichte der Arbeiterbewegung voll von Menschen ist, die für die Sache der Freiheit, der Gleichheit und der Gerechtigkeit alles riskiert haben. Wir wissen heute, dass die Täter von damals Freichorsoldaten waren. Wir wissen, dass die Finanziers deutsche Unternehmer waren. Wir wissen auch nach Auskunft der Täter, Gustav Noske und Friedrich Ebert, sozialdemokratische Volksbeauftragte, das wussten. Das, liebe Genossinnen und Genossen, war ein unglaublicher Akt der Barbarei. Ich bin froh, dass wir auch gestern mit vielen ausländischen Gästen wieder diesen Gedenktag begehen konnten und immer daran erinnern: Der Kampf der Arbeiterbewegung ist auch ein Kampf, der nicht immer einfach ist und der mit eigenen Demütigungen, mit einem möglicherweise Verlust des Lebens verbunden ist. Umso mehr brauchen wir in den eigenen Reihen Solidarität, die wir auch nach außen leben müssen, liebe Genossinnen und Genossen.
Das politische Vermächtnis, das Rosa Luxemburg hinterlassen hat, heißt - ich zitiere: &quot;Freiheit ohne Gleichheit ist Ausbeutung. Gleichheit ohne Freiheit ist Unterdrückung. Keine Demokratie ohne Sozialismus. Kein Sozialismus ohne Demokratie&quot; In dieser Tradition von Rosa Luxemburg steht DIE LINKE, liebe Genossinnen und Genossen. Ich möchte ergänzen: Freiheit und Gleichheit haben eine gemeinsame Wurzel. Diese Wurzel ist die Solidarität. Um diese Solidarität geht es in dieser Rede noch öfter.
Liebe Genossinnen und Genossen, wie ist die Situation zu Beginn des Jahres 2012 in Europa? In Portugal greift der Staat in geltende Tarifverträge ein. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden gezwungen, zwei Stunden unbezahlte Mehrarbeit pro Woche zu leisten. Die Löhne und Renten im öffentlichen Dienst werden um 10 Prozent gekürzt. In Spanien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei 46 Prozent. 350.000 Zwangsvollstreckungen auf Immobilien in den letzten drei Jahren. 125.000 Familien haben ihr Heim verloren. Irland: Jeder fünfte Obdachlose gehr geregelter Arbeit nach. Das heißt, er verdient so wenig Geld, dass er sich keine eigene Wohnung mehr leisten kann. In Griechenland ist das Einstiegsgehalt einer Lehrerin inzwischen 600 Euro. Ein Liter Milch kostet 1,50 Euro. Die Apotheken geben nur noch gegen Bargeld Medikamente aus. In griechischen Schulen wird Essen an hungrige Kinder ausgegeben. Verzweifelte Eltern geben ihre Kinder weg. Liebe Genossinnen und Genossen, was wir zur Zeit in Europa erleben, ist nicht eine kleine Makulatur am Sozialsystem, das die eine oder andere Stellschraube verändert wird. Was wir zur Zeit in Europa erleben, ist der Versuch, dieses Sozialstaatssystem Europas zu zerschlagen. Dagegen muss die Linke in ganz Europa aufstehen, liebe Genossinnen und Genossen.
Merkel und ihre Nachplapperer sagen, die Ursachen sind hohe Staatsschulden. Wir alle hätten über unsere Verhältnisse gelebt - auch wir in der Bundesrepublik. Dann frage ich, wer in der Bundesrepublik über seine Verhältnisse gelebt hat. Waren es die Rentnerinnen und Rentner, die seit Jahren ihre Renten gekürzt bekommen? Waren es die abhängig Beschäftigten, die - wie wir wissen - permanent Lohnkürzungen verordnet bekommen haben? Waren es eventuell die Arbeitslosen? Haben Hartz-IV-Empfänger eine besondere Steigerung ihrer Bezüge in den letzten Jahren erfahren? Liebe Genossinnen und Genossen, die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger dieses Landes hat nicht über ihre Verhältnisse gelebt. Gegen und über ihre Verhältnisse haben die gelebt, die an der Arbeit Anderer verdienen. Die Spekulanten und Akteure an den Finanzmärkten sind verantwortlich für diese Krise. Nicht die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger in diesem Land.
Dann wollen wir uns über die Ursachen mal unterhalten: 2008 war diese Welt fast am Abgrund. Die Banken hatten sich verspekuliert und gingen zu den Staaten und wollten Geld. Die Staaten haben Geld gegeben. Sie hatten aber keines. Sie haben auch heute keines. Dann ist die Frage: Woher haben eigentlich die Staaten das Geld, das sie den Banken gegeben haben? Die Staaten leihen sich das Geld, das sie den Banken gegeben haben, bei den Banken. Dann stellt sich die Frage: Wo haben die Banken eigentlich das Geld her, das sie dann den Staaten wieder leihen? Sie holen sich dieses Geld zur Zeit zu einem Zinssatz von 1 Prozent bei der Europäischen Zentralbank. Vor Weihnachten wurde bekannt: 500 Milliarden Euro zusätzlich für die Banken aus den Mitteln der Europäischen Zentralbank zu 1 Prozent. Was machen die Banken jetzt mit dem Geld, das sie von der Europäischen Zentralbank bekommen? Sie sollen das Geld an die Staaten weitergeben, allerdings zu einem Zinssatz von 5, 6, 7 Prozent oder zweistellig, wie wir es in der Vergangenheit in der Euro-Zone schon erlebt haben. Liebe Genossinnen und Genossen, wenn Ihr einen Privatkredit wollt, Euern Zins zahlen müsst für Euren Überziehungskredit, dann seid Ihr mit mindestens 12 Prozent dabei. Liebe Genossinnen und Genossen, das ist doch absurd. Dieses System kann so nicht bleiben. Das muss geändert werden. Wir sind im Würgegriff der Banken. Daraus müssen wir uns befreien. Das ist die Aufgabe der LINKEN, klar und deutlich in dieser Frage Position zu beziehen. Diese Zinsdifferenz - 1 Prozent auf der einen Seite, 12 Prozent auf der anderen für private Kredite -, 1 Prozent bezahlen und gleichzeitig den Staaten das Geld zu höchsten Zinsen weiter zu verleihen, das ist letztendlich die Zinsdifferenz, die dazu führt, dass die Kinder inzwischen in Griechenland hungern und anderswo auch. Deshalb sagen wir: Der Kapitalismus hat nie seinen Frieden mit den Menschen gemacht. Deshalb dürfen auch wir nie unseren Frieden mit diesem Kapitalismus machen.
Das Jahr 2012, liebe Genossinnen und Genossen, wird ein Schicksalsjahr für das gemeinsame Europa. Inzwischen denken Europäer, wenn sie an Europa denken, immer öfter an Beamtenapparat, an Kürzung der Löhne, an Kürzung der Renten, an Kürzung der Sozialleistungen. 2012 wird sich entscheiden, ob das europäische Projekt Bestand hat oder nicht. Und ich sage bei aller Kritik an diesem Europa: Dieses Projekt hat dazu beigetragen, dass die Völker Europas vor allem ein wenig näher zusammengeführt wurden und das Kriege verhindert wurden und dass Nationalismus eingedämmt wurde. Vor hundert Jahren war der italienisch-türkische Krieg. Vor hundert Jahren hatten wir den ersten Balkan-Krieg. 75 Prozent des Reichshaushalts wurde damals für Rüstung ausgegeben. Wir hatten europaweite Streiks wegen explodierender Lebensmittelpreise. Damals gab es die berühmte Anweisung des Kaisers zum Streik der Ruhrbergarbeiter im März: Scharf schießen. Liebe Genossinnen und Genossen, wir müssen dafür eintreten, dass es kein Zurück zu einem Europa der Kriege und des Nationalismus gibt. Das ist auch unsere Aufgabe, liebe Genossinnen und Genossen. Wir wollen kein Europa, in dem Staaten von Despoten oder von Bankern regiert werden. Wir wollen keine Betriebe, in denen letztendlich die Unternehmer wieder alleine entscheiden, was in ihren Unternehmen passiert. Wir wollen kein Zurück in ein Europa, in dem die Staaten mehr Geld für Waffen als für Renten ausgeben. Und wir wollen kein Zurück in ein Europa, in dem die Bürgerinnen und Bürgern das Recht genommen wird, für besseres Leben zu kämpfen und zu wählen. Liebe Genossinnen und Genossen, was wir zurzeit in Europa erleben, ist nicht nur ein Abbau der Sozialpolitik, ein Abbau der Sozialleistungen, Kürzung der Löhne, Kürzung der Renten. Nein, es geht um ein Stück mehr: Wir haben die Situation, dass wir inzwischen in zwei Ländern Europas Ministerpräsidenten an der Regierung haben, die nie vom Volk gewählt wurden. Die haben nie kandidiert. Wir haben inzwischen die Situation, dass, wenn ein Ministerpräsident – der von Griechenland – bei diesen Sozialleistungen sagt, wir müssen das Volk fragen, ob es überhaupt mitmacht, einen Aufschrei in Europa, auch von Frau Merkel, erleben, dass man denkt, der hat ein Verbrechen angekündigt. Liebe Genossinnen und Genossen, wenn wir sehen, was da abgeht, wenn wir merken, dass Ministerpräsidenten gar nicht mehr kandidieren, aber Länder regieren, wenn wir dann aber sehen, dass diese Ministerpräsidenten direkt aus dem Bankensektor kommen, dann hat man den Eindruck, die wollen die Macht direkt übernehmen. Es geht um einen Abbau von Demokratie, um jahrelang erkämpfte demokratische Rechte, auch zu entscheiden, wer eigentlich regiert, direkt durch das Volk. Es wird in dem Moment absurd, wo letztendlich die Banken selbst die Macht übernehmen. Liebe Genossinnen und Genossen, wir müssen unser Sozialsystem verteidigen und die Demokratie in Europa. Das ist auch unsere Aufgabe als LINKE.
Die Alternative heißt, weniger Merkozy ist mehr Europa. Was will Merkel? Merkel will ein System des Sparens, ein System, in dem letztendlich die Bürgerinnen und Bürger dafür eintreten, dass die Zinsen der Banken bedient werden. Deshalb muss unsere Position sehr einfach sein: Wir wollen, dass jetzt Schluss mit der Koppelung der Staatsfinanzierung an den Finanzmärkten ist, dass wir die Finanzmärkte von der Finanzierung der Staaten loslösen. Wir brauchen eine Finanzierung der Staaten direkt durch die Europäische Zentralbank. Dieses 1 Prozent, liebe Genossinnen und Genossen, direkt an die Staaten weitergegeben, das sind Milliarden, die die Bürgerinnen und Bürger nicht aufbringen müssen durch Steuer, nicht aufbringen müssen durch Senkung der Sozialsysteme. Das ist eine ganz, ganz wichtige Forderung. Wir sagen, auch Schluss mit dem Zinswucher bei Staatsanleihen oder Dispo-Krediten. Wir sagen, Banken an die Kette legen und unter Kontrolle nehmen. Schluss mit dem Demokratieabbau unter dem Deckmantel Euro-Rettung. Wir sagen, Schluss mit europäischen Lohn und Sozialdumping. Liebe Genossinnen und Genossen, wir haben eine ganz einfache Formel. Die lautet: Wer Löhne, wer Renten, wer Sozialleistungen senkt, ist auch gegen ein geeintes Europa. Wenn wir dafür eintreten, dass wir vernünftige Lebensbedingungen in ganz Europa haben, wenn wir dafür eintreten, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht Europa als einen Akt empfinden, der ihnen an den Geldbeutel, an die Sozialleistungen, an die Zukunft geht, nur dann ist dieses Europa von Bestand. Wir sind die Europäer, liebe Genossinnen und Genossen, und nicht Merkel und auch nicht Sarkozy.
Liebe Genossinnen und Genossen, wir haben die richtigen Antworten auf die europäische Krise. Aber 2012 wird ein Schicksalsjahr für die europäische Linke. Für die europäische Linke ist noch viel Luft nach oben – um das vorsichtig zu formulieren. Die Linke ist in Europa zu schwach, um nur über die Parlamente eine Veränderung dieser Politik durchzusetzen. Deshalb sage ich: Die Linke in ganz Europa, auch wir in der Bundesrepublik – ja, es ist richtig und notwendig, dass wir unsere Positionen und Alternativen in den Parlamenten darstellen, aber vor allem muss dieser Kampf für ein vernünftiges demokratisches und soziales Europa auch auf der Straße stattfinden. Das ist auch die Aufgabe der LINKEN, diese Kämpfe zu organisieren und diese Kämpfe nach vorne zu treiben. Und wenn ich sage, Schicksalsjahr für die Linke, dann heißt das: In welcher Weise ist die Linke tatsächlich mobilisierungsfähig in Europa? In welcher Weise können wir dazu beitragen? Die Kernfrage dabei ist die Frage der Solidarität. Wir sind die einzigen in der Bundesrepublik Deutschland, die einzige Partei im Deutschen Bundestag, die Solidarität zur Leitschnur ihres Handelns macht. Da fährt Herr Gabriel nach Rom und hält dort eine Rede gegen Sozialabbau und stimmt in der nächsten Woche für den Euro-Rettungsschirm, der europaweit zu Sozialabbau und Rentenkürzungen führt. Sehr konsequent. Da haben wir einen Herrn Rösler, der große Reden über die Freiheit hält, findet es aber vollkommen in Ordnung, dass letztendlich Leute die Regierungen übernehmen, die überhaupt nicht gewählt sind. Herr Seehofer sagt, mit ihm sei eine Rentenkürzung in Deutschland nicht zu machen, nutzt aber alle Gelegenheiten, um zu erklären, dass man den griechischen Rentnern durchaus das letzte Hemd ausziehen kann. Herr Trittin kündigt für die Zeit nach der Bundestagswahl 2013 spürbare soziale Verbesserungen an und bekennt sich gleichzeitig zur europaweiten Einführung der Rente ab 67, die nichts anderes ist als eine brutale Rentenkürzung. Und Frau Merkel will im Wochentakt Europa retten und knickt bei der Finanztransaktionssteuer schon vor der 2-Prozent-FDP ein, die bald mehr Minister als Wähler hat, liebe Genossinnen und Genossen. Und ich sage: Wenn wir diesen Leuten das Schicksal Europas überlassen und das Schicksal Europas nicht in unsere eigenen Hände nehmen, dann kann man auch dem Würger von Boston um eine Halsmassage bitten. Das hat dann die selbe Konsequenz. Es geht um alles. Es kommt auf uns an. Wir müssen besser werden. Wir müssen uns als Linke europaweit noch besser abstimmen, und wir müssen uns europaweit auf Schwerpunkte einigen, die den Protest der Bürgerinnen und Bürger eine soziale Richtung geben. Deshalb freue ich mich, dass unter uns der Kollege Alexis Tsipras aus Griechenland ist, liebe Kolleginnen und Kollegen. Er ist Vorsitzender von SYNASPISMOS, unserer Partnerpartei in Griechenland. Er hat vorgeschlagen, gemeinsam mit dem Vorsitzenden der Europäischen Linken, Pierre Laurent, einen Sozialkonvent zu organisieren, in dem wir gemeinsam unseren Widerstand bündeln. Wir sind im Gespräch, da sind wir mit dem Vorsitzenden der Europäischen Linkspartei einig, mit den europäischen Gewerkschaften, eingedenk der Tatsachen, dass wir alleine diesen Kampf nicht gewinnen können. Wir können ihn nur im Bündnis mit Anderen gewinnen. Aber es kann unsere Aufgabe sein, dieses Bündnis gemeinsam mit Anderen zu organisieren. Deshalb recht herzlich Willkommen bei uns, Alexis. Alexis wird auch hinterher noch zu uns sprechen. Es gibt eine ganz einfache Formel, liebe Genossinnen und Genossen, auf die sich die Linke in Europa verständigen kann. Sie ist wirklich sehr einfach. Wir sagen in ganz Europa Nein zu Lohnkürzungen. Wir sagen in ganz Europa Nein zu Rentenkürzungen. Wir sagen in ganz Europa Nein zu Sozialabbau. Das ist eine einfache Formel. Aber damit bedeutet es in der Konsequenz, dass jede Bürgerin, jeder Bürger in Europa weiß, wenn man die Linke wählt, egal in welchem Land, ob in Frankreich, in Griechenland, in Spanien oder in Deutschland: Die Linke ist Garant, dass dieser Sozialstaat erhalten wird. Auf das müssen wir uns in ganz Europa verständigen können. Das sind die roten Linien, die wir in Europa brauchen. Ich sage das nicht mit Blick auf mögliche Koalitionen. Wir brauchen weniger eine Diskussion über Koalitionen mit Parteien. Wir brauchen wieder eine Diskussion um Koalitionen mit den Bürgerinnen und Bürgern in unserem Land. Das ist notwendig, liebe Genossinnen und Genossen.
Lasst mich noch ein paar Bemerkungen zur Situation in Deutschland machen: Jedes Parlamentsmandat, das wir erringen, egal wo, natürlich auch in Deutschland, muss eine Stimme gegen Lohnraub, eine Stimme gegen Rentenkürzung und eine Stimme gegen Sozialabbau sein. Das ist das, was jetzt von uns erwartet wird. So müssen wir uns positionieren. In der Bundesrepublik wird natürlich mehr von uns erwartet. Wir sind zurzeit im Auge des Sturms. Es ist eine trügerische Ruhe. Deutschland ist keine Insel. Die Politik des Lohn- und Sozialdumpings, die wir in der Bundesrepublik Deutschland aufgrund unserer Schwäche nicht verhindern konnten, ist mit Ursache der Probleme Europas. Wenn ein Land in einer Währungsunion dauerhaft mehr verkauft als es den Nachbarn abkauft, dann sind die anderen irgendwann pleite. Das müsste man auch mit Volksschule Sauerland begreifen, liebe Genossinnen und Genossen. Deutschland hat eine Politik gemacht, in deren Folge die Löhne und Sozialleistungen drastisch gesunken sind, verbunden mit dem Namen Gerhard Schröder und seiner Agenda 2010. Alle, die glauben, dass Demokraten schon wieder sozialdemokratisch sind – liebe Genossen, guckt Euch an, was da los ist –, die streiten zurzeit mit Merkel um die Frage, wer die Agenda 2010 erfunden hat. Sie sind der Auffassung, dass es eine richtige Politik war. Sie haben sich nicht von dieser Politik distanziert, und das bis heute. Ich sage deshalb: Wer Sozialdemokraten wählt, wer Sozialdemokraten befürwortet, der diese Politik unterstützt, der bereitet die nächste Agenda 2013 vor. Die brauchen wir nicht, liebe Genossinnen und Genossen. Wir haben ein Entwicklungsmodell in Deutschland, das auf Kosten der europäischen Partner ging. Dieses Modell kommt jetzt unweigerlich an sein Ende. Die Politik von Merkel ist kaputtschrumpfend und sorgt dafür, dass die ökonomische Entwicklung in ganz Europa abgewürgt wird. Was wir brauchen ist eine Aufbruchsstimmung. Was wir brauchen ist Mehrbeschäftigung. Was wir brauchen das sind bessere Arbeitsplätze, um eine bessere Politik für Europa zu machen. Für Deutschland bedeutet das: Es gibt nur eine Lösung. Die Lösung für Deutschland heißt, wir brauchen in Deutschland 2012 eine Offensive für höhere Löhne und für bessere Sozialleistungen und für höhere Renten. Das kann unser Beitrag für ein gemeinsames Europa sein. Warum? Weil wir dafür sorgen müssen, dass wir nicht nur, wenn wir schon jahrelang Exportweltmeister sind, auch Importweltmeister werden, dass die Anderen die Waren bei uns absetzen können. Dann können sie auch ihre Schulden abbauen. Wenn sie immer sparen müssen, wie Merkel das will, ist das Ergebnis, dass die Wirtschaft in ganz Europa ruiniert wird. Die haben sie doch nicht mehr alle, liebe Genossinnen und Genossen. Das merkt doch jeder, dass das nicht aufgeht. Die Alternativen zu dem, was ich gesagt habe, auch die Alternativen zu Lohnbremsen, diese aus dem Arbeitsrecht rauszunehmen, die Kürzungsfaktoren aus der Rentenformel rauszunehmen, die Mindestrente von 900 Euro einzuführen, den Hartz-Regelsatz auf 500 Euro anzuheben, sind im Ergebnis, dass wir ein verlorenes Jahrzehnt für Deutschland und für diesen Kontinent bekommen: Stagnation, Depression, Arbeitslosigkeit, Krise der Demokratie. Das ist nicht DIE LINKE, die das prophezeit. Das sind Ökonomen, die inzwischen merken, dass der Weg, der von Merkel gegangen wird, in die Sackgasse führt.
Liebe Genossinnen und Genossen, das Jahr 2012 wird auch eine Bewehrung für DIE LINKE, eine Bewährungsprobe für uns selber. Ich glaube, es gibt keinen Zweifel daran, dass wir eigentlich gebraucht werden, dass unsere Positionen die richtigen sind. Schaut Euch in der politischen Landschaft um. Wer grün wählt, muss länger arbeiten. Wer SPD wählt, bekommt wieder einen Kandidaten für die nächste Agenda, egal welcher. Wer Merkel wählt, verliert Europa und möglicherweise auch sein Geld. Wer FDP wählt, hat wahrscheinlich eh schon den Verstand verloren oder ist ein Zocker. Liebe Genossinnen und Genossen, nur eine starke LINKE macht Deutschland tatsächlich sozialer und gerechter. Das ist kein Wahlslogan, liebe Genossinnen und Genossen, sondern ist leider die Realität. Leider gelingt es uns aber auch nicht, mit diesen Botschaften zurzeit in der Öffentlichkeit durchzudringen. Deshalb nochmals mein Apell: Lasst uns nicht über Personen, sondern lasst uns über Inhalte reden. Sonst werden wir nur immer über Personen wahrgenommen. Das muss aufhören, liebe Genossinnen und Genossen.
DIE LINKE wird im Jahr 2012 fünf Jahre alt. In diesem fünften Jahr unseres Bestehens schlägt für uns eine Stunde der Bewährung. Wenn wir nicht Nein zu Lohnraub, Rentenkürzungen und Sozialabbau sagen, dann tut es außer uns keine Partei. Wenn wir nicht Ja zu einer Lohn- und Sozialoffensive sagen, dann tut es außer uns keine Partei. Wenn wir nicht gegen Kriegseinsätze im Ausland kämpfen, dann tut es außer uns keine Partei. Das ist der Sinn der LINKEN. Das ist unser Gebrauchswert: Inhalte, klare Positionen. Wir müssen DIE LINKE - und da haben wir ja Erfahrungen auch aus einer unserer Vorgängerparteien - zu einer echten Kümmererpartei machen, zu einer Partei, die sich immer und konsequent um die Belange der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, der Rentnerinnen und Rentner, der Erwerbslosen, der kleinen Mittelständler, der Kinder, der Auszubildenden und Studierenden kümmert. Wenn wir neue Themen brauchen, dann schauen wir uns deren Lage an. Der Facharbeiter fragt sich, was er für einen Kündigungsschutz hat. Ein Aufstocker fragt sich, ob es einen Mindestlohn gibt. Ein Rentner fragt sich, ob er seine Waren, die er für seinen täglichen Bedarf braucht, künftig noch bezahlen kann. Ein Erwerbsloser fragt sich, wer dafür ist, dass es eine armutsfeste Grundsicherung für alle gibt. Wenn ein Student sich fragt, wer dafür ist, dass er keine Wucherzinsen zahlen muss, wenn er das Konto überzieht, dann muss es immer eine Antwort auf diese Fragen geben. Die Antwort auf diese Fragen: DIE LINKE beantwortet diese Fragen zum Wohle und im Interesse derer, für die wir Politik machen. Das ist der Punkt. Wenn wir das tun, dann ist mir um die Zukunft nicht bange. Wir sind nicht eine Partei, liebe Genossinnen und Genossen, die an die Koalitionen von morgen denkt. Wir sind die Partei, die heute die Kämpfe genau um diese Dinge führen muss.
Und zum Schluss, liebe Genossinnen und Genossen, lasst mich noch ein paar Worte über Solidarität verlieren: Unsere Aufgabe ist es nachwievor, die anderen Parteien in dieser Republik nach links zu rücken, die Achse der Politik nach links zu verschieben. Dafür brauchen wir ein klares inhaltliches Profil. Das haben wir nicht zuletzt durch unser Programm hinbekommen. Wir brauchen aber auch Glaubwürdigkeit. Die werden wir gewinnen, wenn wir konsequent unseren Weg gehen. Dazu brauchen wir aber auch Geschlossenheit, und zwar nicht die Art Geschlossenheit, die die Friedhofsruhe der Post-Schröder-Müntefering-SPD ist. Nein. Wir brauchen eine Geschlossenheit, die im Genossen und in der Genossin immer einen Mitstreiter und eine Mitstreiterin und nicht unbedingt um eine Konkurrentin oder einen Konkurrenten handelt, den man aus dem Weg räumen muss. Auch das ist Solidarität. Wir brauchen eine Geschlossenheit, die auf dem Grundsatz beruht: Wenn einer oder eine von uns Linken angegriffen wird, dann sind alle gemeint, nicht nur der Angegriffene. Dann heißt das, dass wir alle gefordert sind, gegen Miteinander einzustehen, um diesen Angriff abzuwehren. An dem Punkt, liebe Genossinnen und Genossen, haben wir noch zumindest ein wenig Entwicklungspotential. Und ich sage: Das gilt auch, wenn sich die Presse Einzelne von uns herausgreift. Das gilt, wenn aus dritter oder vierter Hand im Internet über das berichtet wird, was angeblich von unseren Genossen öffentlich gesagt wurde. Das gilt auch, wenn die Medien Genossinnen und Genossen fortgesetzt das Wort im Mund herumdrehen, um sie in eine politische Schmuddelecke zu stellen. Ich spreche von der Solidarität unter uns Linken. Ich spreche von Solidarität als Voraussetzung dafür, dass wir unsere politischen Ziele erreichen. Ich sage ganz offen: Jede gewählte Führung, auch die zurzeit im Amt befindliche, braucht Eure Solidarität, die Solidarität der Basis, die Solidarität der Funktionärinnen und Funktionäre, die Solidarität der Mandatsträgerinnen und Mandatsträger. Wenn wir als Partei die letzten fünf Jahre durchgehalten haben – das gilt im Übrigen auch für mich persönlich –, dann haben wir das deshalb, weil wir auch eine große Zahl von Solidarität erhalten haben, Solidarität in großer Zahl in großen und wichtigen Positionen. Deshalb, liebe Genossinnen und Genossen: Eine Partei ist nur dann erfolgreich, wenn sie nicht schlecht über sich spricht, wenn sie zusammenhält. Das ist die Aufgabe der Zukunft. Sonst brauchen wir gar nicht mit unserem Programm anfangen, liebe Genossinnen und Genossen.
Zum Schluss aus aktuellem Anlass noch ein paar Worte zu diesem Mitgliederentscheid, der ja in der letzten Zeit auch sehr deutlich diskutiert wurde: Die notwendige solidaritäre Basis mit der Führung war übrigens auch die Idee, die mich dazu getrieben hat, zu überlegen, ob es nicht sinnvoll ist, die Auswahl der Vorsitzenden auch unter Einbeziehung der Mitglieder durchzuführen. Das war die Grundidee, die Solidarität ein Stückweit zu organisieren. Wer auf Stärke angewiesen ist, braucht eine breite Legitimierung. Jetzt müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass dieser Weg aus Rechtsgründen nicht möglich ist, so jedenfalls die Mehrheit im Vorstand. Das ist eine Situation, die für alle Beteiligten schwierig war und ist. Ich möchte insbesondere denjenigen, die mit einem fundierten Antrag den Versuch gemacht haben, den Mitgliederentscheid auf den Weg zu bringen, für ihr Engagement danken und für ihre Besonnenheit, mit der sie nach gemeinsamen und tragfähigen Lösungen gesucht haben. Mein ausdrücklicher Dank. Erfurt, liebe Genossinnen und Genossen, hat gezeigt, dass unsere Partei tatsächlich eine innere Stärke hat. Das wird sich meines Erachtens auch in Göttingen zeigen. Das ist auch die Erfahrung, die mich sicher macht, dass wir im Juni in Göttingen in großem Einvernehmen eine plurale und kooperative Führung wählen werden, eine Führung, die gut zusammenarbeiten wird, eine Führung, die die verschiedenen Traditionen der Partei in Ost und West abbildet - das ist meines Erachtens auch Voraussetzung dafür, dass diese Partei funktioniert - und eine Führung, in der alle maßgeblichen Kräfte vertreten sind, eine Führung, die Kurs auf die kommenden Wahlen nehmen kann. Ich halte nachwievor daran fest, dass wir diesen Weg der breiten Einbeziehung der Parteibasis weiter diskutieren müssen. Ich werde heute noch in der Sitzung mit unseren Landesvorsitzenden eine Reihe von Vorschlägen unterbreiten, wie wir auch ohne Mitgliederentscheid eine stärkere Einbindung der Basis vor dem Parteitag organisieren können. Und ich bürge dafür, dass wir im Parteivorstand prüfen werden, welche Möglichkeiten es nach unserer Satzung gibt, wo wir möglicherweise auch die Satzung verändern müssen, dass wir zu mehr Einbeziehung der Mitglieder bei Personalentscheidungen kommen können. Ich bin mir sicher, dass wir am Ende dieser Debatte eine stärkere LINKE haben können als vorher. Das allerdings liegt an uns selber. Ich rufe unseren Gegnern zu: Macht Euch keine Hoffnungen. Wir sind da. Wir bleiben da. Ihr kriegt uns auch nicht klein, liebe Genossinnen und Genossen.
Vor uns liegen große Herausforderungen und große Kämpfe, sicher auch die eine oder andere Niederlage. Aber lasst uns, wenn wir verzagt sind, wenn wir an uns zweifeln, wenn wir uns streiten, wenn wir uns für die eine oder andere Alternative auf unserem Weg entscheiden müssen, dann lasst uns dem gerecht werden, was der große Romain Rolland einmal schrieb. Ich möchte ihn zitieren. Er sagte: &quot;Lebe, wen du leben musst. Kämpfe, wenn du kämpfen musst. Leide, wenn du leiden musst. Sterbe, wenn du sterben musst. Doch sei, was du sein sollst. Ein Mensch.&quot; Wir lassen uns unsere Menschlichkeit trotz aller Härte der Kämpfe nicht nehmen. Lasst uns als Humanisten und Sozialisten dieser Maxime gerecht werden. Dann ist mir auch 2012 um uns, um DIE LINKE nicht bange. Das ist schon mal ganz schön viel.
Ich danke Euch!]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 14:51:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Politischer Jahresauftakt 2012</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/politischer-jahresauftakt-2012/</link>
			<description>Die Vorsitzenden der Partei DIE LINKE und der Vorsitzende der Bundestagsfraktion DIE LINKE., Gesine...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Alle Reden als Videos auf <link http://www.youtube.com/playlist?list=PL414CC36F7AA393E8&feature=view_all _blank external "Externer Link">Youtube (Playlist)</link>]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 16 Jan 2012 09:51:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>Gutachten</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/gutachten/</link>
			<description>zur Frage der rechtlichen Möglichkeiten eines Mitgliederentscheides über die Besetzung der Position...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>Gutachtenauftrag</b><br /> Zu diesem Gutachten hat mich der Geschäftsführende Parteivorstand der Partei DIE LINKE  beauftragt. Es soll klären, ob bei bestehender Satzungslage eine - gegebenenfalls nur konsultative – Heranziehung der Mitglieder der Partei DIE LINKE zur Bestimmung der Parteivorsitzenden möglich ist.
<b>Hinweis</b><br /> Dieses Gutachten wurde nach bestem Wissen und Gewissen erarbeitet. Es setzt sich mit Rechtsfragen der innerparteilichen Willensbildung auseinander, die bislang weder in der Wissenschaft noch in der gerichtlichen Praxis größere Beachtung gefunden haben. Es kann daher keine Gewähr dafür übernommen werden, dass in einer gegebenenfalls geführten gerichtlichen Auseinandersetzung die Gerichte sich den hier vertretenden Positionen anschließen werden.
<b>Download</b><br /> Das gesamte Gutachten als <media 13502 _blank download>PDF-Datei (165 kB)</media>]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 05 Jan 2012 09:15:00 +0100</pubDate>
			
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			<title>V-Leute helfen mehr der NPD als dem Verfassungsschutz</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/v-leute-helfen-mehr-der-npd-als-dem-verfassungsschutz/</link>
			<description>Statement der Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Gesine Lötzsch, auf der Pressekonferenz im...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Einen schönen guten Tag, meine Damen und Herren, ich möchte mich zu sechs Punkten äußern: erstens zur aktuellen Diskussion um das NPD-Verbot und zu den Positionen der LINKEN dazu, zweitens zur Klima-Konferenz in Durban, drittens zur Rentenanfrage und der Diskussion im Parlament, viertens zu den Ergebnissen des EU-Gipfels, fünftens zum Rücktritt von Justiz- und Verbraucherschutzsenator Michael Braun in Berlin und sechstens zu der Tagung Fraktionsvorsitzenden und Landesvorsitzenden der LINKEN in Elgersburg in Thüringen.
Zum ersten Thema: Der Parteivorstand, die Landesvorsitzenden und Fraktionsvorsitzenden aus allen Ländern haben am vergangenen Wochenende die Elgersburger Erklärung verabschiedet. Darin haben wir uns noch einmal ganz klar zu den Aktivitäten gegen Rechtsextremismus geäußert. Wir haben unsere Positionen zum Verbot der NPD erneuert. Wenn Medienberichten zufolge mindestens 130 Spitzel des Verfassungsschutzes auf allen Ebenen der NPD im Einsatz waren und mehr als 10 Informanten in Führungsgremien, dann ist es kaum vorstellbar, dass beim Verfassungsschutz keine Informationen angekommen sind. Das zeigt wieder einmal, dass die V-Leute in den Gremien der NPD allen rechtsextremistischen Bestrebungen bisher mehr geholfen haben als dem Verfassungsschutz und der öffentlichen Sicherheit. Wir haben als LINKE in dieser Erklärung unsere Positionen bekräftigt, dass die V-Leute abzuschalten sind. Es ist für mich ziemlich unverständlich, dass auf dem Innenministertreffen versucht wurde, alles auf die lange Bank zu schieben und zu erklären, man brauche mindestens drei Jahre, um einen Verbotsantrag vorzubereiten. Das halte ich für völlig absurd. Es hätte eigentlich die Zeit seit dem letzten Verbotsantrag genutzt werden müssen, um einen entsprechenden Antrag vorzubereiten. Wir haben uns in unserer Elgersburger Erklärung dafür ausgesprochen, dass wir uns jeder Kriminalisierung von friedlichen Protesten gegen Nazi-Aufmärsche entgegenstellen werden. Wir fordern auch, alle Verfahren gegen Nazi-Gegner einzustellen. Wir werden uns im Jahr 2012 wieder mit vielen Mitgliedern und Sympathisanten unserer Partei an den Protesten gegen den Neonazi-Aufmarsch in Dresden beteiligen. Wir finden es völlig inakzeptabel, dass gegen den Jugendpfarrer Lothar König nun Anklage erhoben wurde. Wir haben gefordert, dass das zuständige Gericht dieser Anklage zurückweisen muss. Wir brauchen auf der Bundesebene einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Wir fordern die SPD auf, gemeinsam mit uns und den Grünen, die sich ja schon zu einem derartigen Ausschuss bekannt haben, die erforderlichen Stimmen zusammenzusammeln, um im Bundestag einen Untersuchungsausschuss ins Leben rufen zu können.
Zum zweiten Punkt, zur Klima-Konferenz in Durban: Die Ergebnisse, die dort erzielt wurden, sind der Situation überhaupt nicht angemessen. Die Verlängerung des Kyoto-Protokolls, das ja im nächsten Jahr ausläuft, ist lediglich in Aussicht gestellt worden. Das ist viel zu wenig. Ich finde, dass die Bundesrepublik Deutschland eine große Chance hat. Unter den großen Industrieländern könnte die Bundesrepublik beweisen, dass sie eine Vorreiterin für die Energieversorgung auf regenerativer Basis ist. Um diese Vorbildwirkung auch übernehmen zu können, müssen wir hierzulande das Tempo erhöhen. Dazu gehört natürlich auch, dass man es Menschen erleichtert, auf Tarife mit erneuerbaren Energien umzusteigen. Ich möchte an dieser Stelle noch eine Forderung, die wir als LINKE schon häufiger in die öffentliche Debatte gebracht haben, wiederholen: Wir brauchen Sozialtarife, dass auch Menschen, die wenig Geld in der Tasche habe, entsprechende Energien auch bezahlen können.
Zur dritten Frage: Am Donnerstag wird der Bundestag über eine große Anfrage der Fraktion DIE LINKE, die auf Initiative von Matthias Birkwald, dem rentenpolitischen Sprecher, angestoßen wurde, diskutieren. Wir haben die entsprechenden Antworten der Bundesregierung vorliegen. Eine ganz entscheidende und für mich sehr deprimierende Tatsache ist, dass seit 2001 die Lebenserwartung von Geringverdienern gesunken ist. Die Lebenserwartung von Geringverdienern – insbesondere im Osten der Republik – ist gesunken. Das sagt sehr viel über die soziale Situation und dem Zustand in unserem Land aus. Hier ist dringendes Handeln angesagt. Das zentrale Thema der Rentendebatte wird natürlich sein: Wie ist die Frage der Rente erst am 67 zu bewerten? Denn das Gesetz würde ab 2012 in krafttreten. Die Vollzeitbeschäftigung der 64-Jährigen liegt bei weiterhin unter 10 Prozent. Das heißt, unsere Position, dass die Rente erst ab 67 eine Rentensenkung ist, wurde von der Bundesregierung selbst in ihrer Antwort bestätigt. Wir werden am Donnerstag die Anfrage mit einem Antrag verbinden, nämlich die sofortige Aussetzung der Rente erst ab 67.
Zum vierten Punkt, der EU-Gipfel: Mein Kollege, Klaus Ernst, der eigentlich turnusmäßig mit der Pressekonferenz heute dran gewesen wäre, ist in Brüssel. Er trifft sich mit den Vorsitzenden der anderen europäischen Linksparteien, um dort ein gemeinsames Programm der Europäischen Linken zur Bewältigung der europäischen Wirtschafts- und Finanzkrise zu beraten. Kernpunkte dieser Forderungen, die zur Stunde diskutiert und beschlossen werden, werden die Entkopplung der Staatsfinanzen von den Finanzmärkten, eine Forderung nach einer aktiven Rolle der Europäischen Zentralbank bei der Bekämpfung der Spekulationen sein. Der koordinierte Ankauf von Staatsanleihen sollte eine zentrale Aufgabe der EZB sein. Wir wollen selbstverständlich, dass der private Bankensektor unter öffentlicher Verantwortung und Kontrolle kommt. Was in Brüssel am vergangenen Freitag von Merkel und Sarkozy beschlossen worden ist, ist quasi eine Veränderung der Lissaboner Verträge unter Umgehung des Einstimmigkeitsprinzips. Ich bin der festen Überzeugung, dass es EU-Staaten bzw. Vertreter aus EU-Staaten geben wird, die dagegen Klage erheben werden. Klagen sind also vorprogrammiert. Aber viel wichtiger erscheint mir die Tatsache, dass kein wirkliches Problem gelöst ist. Die Idee, die Bundeskanzlerin Merkel versucht, mit aller Brutalität durchzusetzen, ist der Export der Agenda 2010, d.h. Kürzungsprogramme, die die Länder in die Rezession führen werden. Viele Politiker beeilen sich nun, große Kritik am Verhalten der Briten zu äußern. Diese Kritik ist zum Teil berechtigt. Sie ist aus meiner Sicht dahingehend berechtigt, dass Cameron es abgelehnt hat, die Finanzmärkte zu regulieren. Aber man kann sein Verhalten auch verstehen, denn in Großbritannien gab es in den vergangenen Jahren heftige Kürzungspakete. Die britische Bevölkerung hat darauf mit massivem Widerstand reagiert. Dem britischen Premierminister David Cameron war klar, dass nicht weiterhin massive Kürzungsmaßnahmen durchzusetzen sind. Ich glaube auch, dass die Krise nicht mit Kürzungen bekämpft werden kann. Wir haben eine Verteilungskrise. Wir haben in der Euro-Zone über 27 Billionen verwaltetes Vermögen. Wir brauchen endlich europäische Solidarität, und zwar auch die Solidarität der Geldbesitzer mit Europa.
Fünftens, zum Rücktritt von Michael Braun, Justiz- und Verbraucherschutzsenator in Berlin für wenige Tage: Der eine oder andere erinnert sich, dass in Berlin 2001 die große Koalition abgewählt wurde und dann nach Koalitionsverhandlungen zwischen der damaligen PDS und der SPD ein Senat gewählt wurde, der dann auch eine zweite Legislaturperiode bestritten hat. Die Gründe für die Abwahl der CDU waren ein Banken- und Immobiliensumpf. Die Koalition aus SPD und PDS – bzw. später DIE LINKE – hat 10 Jahre lang versucht, diesen Sumpf trockenzulegen. Jetzt zeigt sich, dass er aber noch sehr feucht und nicht trockengelegt ist. Die CDU fängt dort wieder an, wo sie 2001 aufhören musste. Der Rücktritt von Herrn Braun ist folgerichtig gewesen. Der Rücktritt sagt sehr viel über den Zustand der CDU in Berlin aus. Der SPD in Berlin kann man nur sagen, dass sie offensichtlich sehr blauäugig in diese Koalition gegangen ist, denn Michael Braun war einer der alten Vertrauten von Klaus-Rüder Landowsky. Ich habe als Berliner Abgeordnete und auch langjährige Abgeordnete im Berliner Abgeordnetenhaus all diese Prozesse immer sehr genau verfolgt, und natürlich bin ich auch heute noch sehr daran interessiert, wie es dort weitergeht.
Zum sechsten Punkt, die Diskussion und Ergebnisse in Elgersburg in Thüringen: Elgersburg ist ein traditioneller Versammlungsort der LINKEN zum Jahresende. Getroffen haben sich in verschiedenen Beratungen der Geschäftsführende Parteivorstand gemeinsam mit den Vorsitzenden der Landesverbände bzw. Landessprechern und die Fraktionsvorsitzenden und Geschäftsführer der Bundestagsfraktion und der Landtagsfraktionen. Wir haben auf das vergangene Jahr zurückgeblickt und Positionen diskutiert, die Fraktionsvorsitzenden natürlich auch sehr konkret ihre parlamentarische Arbeit. Ich habe bei den verschiedenen Beratungen den Schwerpunkt meiner Wünsche und Vorstellungen darauf gelegt, dass für mich im nächsten Jahr im Mittelpunkt steht, wie wir unser Programm umsetzen wollen. Wir haben in Erfurt mit großer Zustimmung ein Parteiprogramm beschlossen. Der eine oder andere ist manchmal dem Irrtum aufgesessen, dass er sagt, Ok, wir haben das Programm beschlossen, und wir legen es mal in die Schublade. Das sehe ich nicht so. Wir haben in unserem Programm sehr viele konkrete Ansatzpunkte auch für politisches Handeln und politische Umsetzung. Ich habe vorgeschlagen, dass wir aus jedem Landesverband auf dem Parteitag in Göttingen ein Referenzprojekt vorstellen, wie das Parteiprogramm umgesetzt wird. Da kann es Initiativen geben – ich denke z.B. an Hamburg, ohne das den Genossen vor Ort vorschreiben zu wollen, die besonders aktiv in der Frage der Kontrolle von Rüstungsexporten im Hamburger Raum sind. Dort gibt es sehr viele Rüstungsbetriebe. Es kann ein Projekt aus dem Gesundheitswesen sein, z.B. die Wiedereinführung der Gemeindeschwestern. Auch dazu gibt es ja Ansätze. Oder andere Projekte, wie eine Initiative, die gerade in Mecklenburg-Vorpommern läuft, nämlich ein Volksentscheid zum Erhalt von Theatern und Orchestern.
Wir haben zum anderen ein Buch über die Kommunalpolitiker unter dem Titel &quot;Die Kommunalen&quot; vorgestellt. Es ist im Hamburger VSA-Verlag erschienen. In diesem Buch werden 16 Kommunalpolitiker der LINKEN aus allen 16 Bundesländern portraitiert, die für DIE LINKE konkret vor Ort arbeiten. Ich bin der Überzeugung, dass die Kommunalpolitiker das Rückgrat der Partei sind, und gute Kommunalpolitik kann durch keine noch so gute Talkshow ersetzt werden. Die Verankerung der Partei in den Kommunen ist für uns eine Überlebensfrage. Darum lege ich auch großen Wert darauf, dass wir dafür sorgen, dass an möglichst vielen Stellen nicht nur die Kommunalpolitiker, die schon im Amt sind, unterstützt werden, sondern dass dort, wo es auch um Wahlen geht, um Mandate, z.B. um Kandidaturen zu Bürgermeisterämtern, DIE LINKE auch Kandidaten aufstellt und diese unterstützt und dass man auch das Kleine bei der ganz großen Diskussion nicht vergisst. Zum dritten gab es Diskussionen um die Frage, wie man sich zu dem Vorschlag eines Mitgliederentscheides oder einer Mitgliederbefragung zur Vorbereitung des nächsten Parteitages in Bezug auf die Parteivorsitzenden stellen solle. Dieser Vorschlag ist ja in Hannover bei der vergangenen Kreisvorsitzendenkonferenz von Klaus Ernst unterbreitet worden. Wir haben in unserem Parteiprogramm niedergeschrieben, dass wir mehr Demokratie wollen. Ich glaube, ein Mitgliederentscheid ist ein urdemokratisches Mittel, und niemand sollte und braucht vor so einem Mitgliederentscheid Angst zu haben. Nun gab es in Elgersburg dazu einen Meinungsaustausch. Es gab Argumente dafür und Argumente dagegen. Letztendlich ist das aber nicht in der Hand des Parteivorstandes oder einer Gruppe von Landesvorsitzenden oder Fraktionsvorsitzenden. Wenn es genügend Antragsteller gibt, die einen Mitgliederentscheid wollen, die einen entsprechenden Antrag dann auch einreichen, in dem die Entscheidungsfragen auch formuliert sind, dann wird es selbstverständlich diesen Mitgliederentscheid geben. Natürlich kann man dazu seine Positionen äußern, ob es gut oder weniger gut ist, praktisch oder weniger praktisch. Aber ich glaube, wenn wir das in unserem Programm und in unserer Satzung so festgelegt haben, dann werden wir auch im Falle der Einreichung eines solchen Antrages gut damit umgehen können.]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>NPD-Verbot</category>
			<category>Rechtsterrorismus</category>
			<category>Euro-Krise</category>
			<category>Kommunales</category>
			<category>Nicht Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 12 Dec 2011 09:42:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>10 Fragen und 10 Antworten</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/10-fragen-und-10-antworten/</link>
			<description>Ein Strategiepapier von Gesine Lötzsch für die &quot;Elgersburger Runde&quot; von Geschäftsführendem...</description>
			<content:encoded><![CDATA[<b>1. Warum wird ein Mensch Mitglied der Partei DIE LINKE?</b>
Fünf Millionen Menschen haben uns bei der Bundestagswahl 2009 gewählt. Um uns zu wählen, muss man nicht Mitglied unserer Partei sein. Warum reicht es vielen Menschen nicht, uns nur zu wählen? Warum wollen sie auch Mitglied unserer Partei sein? Es gibt zwei entscheidende Gründe: Erstens: Sie wollen die Gesellschaft, in der sie leben, zusammen mit Gleichgesinnten verändern. Zweitens: Sie möchten in dieser sich atomisierenden Gesellschaft irgendwo dazu gehören. Sie brauchen eine politische Heimat. Sie brauchen Lebenssinn. Sie brauchen gelebte Solidarität. Wenn Mitglieder das Gefühl haben, dass ihre Partei die Gesellschaft nicht verändert und ihre Partei keine politische Heimat ist, dann ziehen sie sich aus der aktiven Arbeit zurück oder verlassen sogar die Partei. Eine Partei muss nicht nur ein lernendes, sondern auch ein handelndes System sein. Unsere Mitglieder wollen die Gesellschaft schon jetzt verändern und nicht auf die absolute Mehrheit der LINKEN in den Parlamenten warten. Der Verweis auf die Mehrheitsverhältnisse in den Parlamenten, die fast immer zur Ablehnung unserer Anträge führen, oder auf schwierige Koalitionspartner, die reformunwillig sind, ist für Mitglieder oft demotivierend. Sie wollen sich mit abgelehnten Anträgen und abgelehnten Konzepten nicht abfinden. Jedes Mitglied unserer Partei muss das Gefühl haben, gebraucht zu werden und eigenständig im Sinne unseres Programms handeln zu können.
<b>2. Was kann eine linke Bäckermeisterin oder ein linker Klempner in unserer Partei machen?</b>
Angenommen ein Mensch möchte Mitglied unserer Partei werden, ohne Marx, Engels, Gramsci, Negri und Zizek gelesen zu haben. Was können wir diesem Menschen bieten? Eine Partei muss über Strategien, Theorien und Taktiken diskutieren, doch wenn die Partei auch darüber hinaus Identität stiften will, dann muss ein Mitglied in einer Partei auch einfach nur als politischer Mensch leben können. Wenn unsere Partei eine Oase der Solidarität in einer neoliberalen Wüste wird, dann brauchen wir keine Mitgliederkampagnen, dann kommen die Menschen aus eigenem Antrieb zu uns, um die Gesellschaft wieder solidarischer zu machen. Dazu muss eine Genossin oder ein Genosse in keinem Parlament sitzen. Solidarität kann jedes Mitglied an jedem Ort leben. Solidarität ist die stärkste Waffe gegen den grassierenden Neoliberalismus, gegen die Verwüstung unserer Gesellschaft.
<b>3. Nehmen wir uns selbst ernst genug?</b>
Wir haben in Erfurt mit 96,9 Prozent unser Programm beschlossen. Die Delegierten haben mit großer Intensität, Ruhe und Weisheit über sehr komplexe Fragen sehr verantwortungsvoll entschieden. Wenn wir jetzt unser Programm wirklich ernst nehmen, dann müssen wir uns selbst verändern. Wir fordern in unserem Programm mehr Demokratie. Die Menschen werden sehr genau hinschauen, ob wir selbst diesen Anspruch leben. Unsere Mitglieder werden zu Recht erwarten, dass sie in Entscheidungen der Partei stärker einbezogen werden. Wir dürfen die Probleme in unserer Partei nicht nur auf schlechte Kommunikation, die sicherlich verbesserungswürdig ist, reduzieren. Wenn die Mitglieder Beschlüsse der Partei nicht mittragen, dann kann es auch daran liegen, dass sie diese Beschlüsse nicht als ihre empfinden. Deshalb müssen wir unsere Mitglieder wieder ernster nehmen. Der Parteiapparat ist für die Mitglieder da und nicht umgedreht.
<b>4. Wie wollen wir die Eigentumsfrage beantworten?</b>
Ein zentraler Punkt in unserem Programm ist die Eigentumsfrage. Ist das eine Frage, deren Lösung wir der nächsten Generation überlassen wollen, oder wollen wir diese Frage schon heute beantworten? Wir müssen sie heute beantworten. Die aktuelle Krise, die gern von Neoliberalen als Staatsschuldenkrise bezeichnet wird, ist eine Verteilungs- und Eigentumskrise. Die herrschenden Eigentumsverhältnisse führen zu einer ungerechten Verteilung des Reichtums in Deutschland, in Europa und in der ganzen Welt. Immer häufiger stoßen Menschen in ihrem Alltag auf die Eigentumsfrage. Warum ist der Strom so teuer? Warum steigen die Mieten in den großen Städten so stark an? Warum wird so viel Geld für den Krieg in Afghanistan ausgegeben und nicht für die Sanierung von Schulen und Universitäten? Nun werden wir nicht morgen die Stromkonzerne enteignen, eigene Wohnungen bauen und Kriege und den Export von Rüstungsgütern verbieten können. Aber wir können über solidarische Eigentumsformen nachdenken. Wir können Genossenschaften gründen, in denen die Genossen über ihre Miete selbst entscheiden. Dazu müssen wir aber unser Selbstverständnis ändern. Ein Mandat in einer Genossenschaft kann für unsere Partei genauso wichtig sein wie ein Mandat im Bundestag. Wir müssen unsere außerparlamentarische Arbeit wieder stärken und ihr größere Wertschätzung entgegenbringen. Sie ist nicht eine Ergänzung der parlamentarischen Arbeit, sondern eine wesentliche Voraussetzung für die Umsetzung unseres Programms.
<b>5. Wie können wir gemeinsam den sozial-ökologischen Umbau organisieren?</b>
Die Landesverbände sind wahre Schatzkammern. Dort gibt es einen Schatz an Erfahrungen, den wir für die Umsetzung des Programms unbedingt heben müssen. Ich schlage vor, dass jeder Landesverband ein Referenzprojekt zur Umsetzung des Parteiprogramms entwickelt. Es könnte Referenzprojekte für Mindestlohn, gegen die Privatisierung von Krankenhäusern, Wohnungen, Theatern und kommunalen Betrieben geben. Es könnte Referenzprojekte im Kampf gegen Neofaschismus geben oder für europäische Partnerschaften beim Umweltschutz, Energienetzen oder der politischen Bildung. Da sind den Ideen keine Grenzen gesetzt. Ich stelle mir einen Bundesparteitag vor, wo 16 funktionierende Referenzprojekte von 16 selbstbewussten Landesverbänden vorgestellt werden. Dann können wir beispielhaft zeigen, dass wir die Gesellschaft verändert haben ohne einen Tag im Kanzleramt regiert zu haben. Das würde vielen Menschen Mut machen, diese Projekte zu übernehmen und selbst eigene Ideen auszuprobieren.
<b>6. Wie wollen wir Solidarität leben?</b>
Che Guevaras Satz &quot;Solidarität ist die Zärtlichkeit der Völker&quot; kommt mir in den Sinn, wenn ich an die aktuelle Europa-Krise denke. DIE LINKE in Deutschland ist die stärkste linke Partei in Europa. Linke aus ganz Europa schauen auf Deutschland und sind entsetzt. Nach dem Willen der Kanzlerin soll Europa deutscher werden. Mich fragen unsere Freunde in Europa: Was tut ihr dagegen? Tun wir zu wenig? Ja, wir tun etwas, aber nicht genug. Wir verfassen Papiere, starten Kampagnen, führen Konferenzen durch, aber wir fragen zu selten, welche Folgen diese Papiere, diese Kampagnen und diese Konferenzen haben. Wir müssen unsere eigenen Beschlüsse ernster nehmen. Eine Solidaritätserklärung ist schnell geschrieben. Doch folgt der Erklärung dann auch gelebte Solidarität? Wie können wir den Menschen in Griechenland, Portugal, Irland und Italien helfen, die unter dem Kürzungs-Diktat der deutschen Kanzlerin leiden? Wir müssen über Che Guevaras Satz neu nachdenken, wenn wir ein solidarisches Europa wollen.
<b>7. Warum steigt die Zustimmung zu unserer Partei in der Krise nicht?</b>
Wir sind der festen Überzeugung, dass unsere Vorschläge zur Bewältigung der Krise richtig sind. Trotzdem legen wir in Umfragen nicht zu. Die Krise brummt! Die Herrschenden haben die Chancen der Krise genutzt, um Europa neoliberal umzubauen. Die Agenda 2010 wird exportiert, egal ob es die anderen europäischen Völker wollen oder nicht. Eine solche reaktionäre Revolution der europäischen Verhältnisse wäre ohne Krise undenkbar gewesen. Die Krise wird zur Sternstunde der Marktradikalen, das ist ein Treppenwitz der Geschichte. Warum gibt es dagegen in Deutschland kaum Widerstand? Es wird immer zur Entschuldigung gesagt, dass die Menschen in der Krise den Regierenden vertrauen und keine linken Experimente wollen. Genau da liegt unser Problem: Die Regierenden starten ein hoch riskantes Experiment nach dem anderen. Der Umbau der Sozialsysteme ist ein unglaubliches Experiment mit sehr ungewissem Ausgang. Der Euro-Rettungsschirm ist ein Zwei-Billionen-Experiment, bei dem selbst die größten Experten nicht sagen können, wie es ausgeht. DIE LINKE will diese riskanten Experimente beenden! Die angeblich so altmodische Rentenversicherung hat sich als robuster und renditestärker erwiesen als die Riester-Rente. Wir sind die, die funktionierende solidarische Systeme vor der Zerschlagung retten wollen. Solidarische Systeme sind nicht nur gerechter, sondern auch sicherer als neoliberale Experimente. DIE LINKE ist die Partei, die die Sicherungssysteme vor Marktradikalen schützt, diese Botschaft müssen wir aussenden. Wenn davon gesprochen wird, dass jede Partei eine eigene Erzählung braucht, dann können wir sie für die LINKE in einem Satz zusammenfassen: Eine solidarische Gesellschaft ist für alle besser! Diese Erzählung hat nicht erst heute begonnen, sie wurde schon weit vor der Kreuzigung Jesu Christi erzählt und gelebt.
<b>8. Wie organisieren wir den Widerstand gegen die Marktradikalen?</b>
Ich hatte auf dem Bundesparteitag in Erfurt in meiner Rede Stéphane Hessel und sein Buch &quot;Empört Euch!&quot; zitiert. Wer das Buch genau liest, weiß, dass es Stéphane Hessel nicht in erster Linie um Empörung ging. Er verwies auf den erfolgreichen Kampf der Résistance gegen den Hitler-Faschismus. Wir müssen uns heute fragen, warum war dieser Widerstand in Frankreich, in der Sowjetunion, in Italien oder in Griechenland gegen den Faschismus so stark. Dafür gibt es sicherlich sehr viele unterschiedliche Gründe. Ein wichtiger und häufig unterschätzter Grund war, dass an diesem Widerstand fast alle sozialen Schichten beteiligt waren. Der Résistance-Kämpfer Hessel fordert uns heute zum Widerstand auf, um das demokratische und soziale Europa vor den Marktradikalen zu retten. Wir müssen die Einsicht befördern, dass die gegenwärtige Politik für die übergroße Mehrheit der Menschen schwerwiegende Nachteile bringt und es eine Bürgerpflicht ist, sich gegen diese unsoziale und undemokratische Politik zur Wehr zu setzen.
<b>9. Was können wir 2012 erreichen?</b>
Die ganze Partei wird den Wahlkampf in Schleswig-Holstein ideenreich unterstützen. Dabei geht es wie immer um Landes- und Bundespolitik. DIE LINKE muss wieder in den Kieler Landtag! Auf dem Bundesparteitag im Juni werden wir über die Umsetzung des Parteiprogramms diskutieren, die Bundestagswahl strategisch vorbereiten und einen neuen Parteivorstand wählen. Einige Genossinnen und Genossen haben die Sorge, dass Personaldiskussionen in den nächsten Monaten, die inhaltliche Arbeit überlagern könnten. Diese Sorge ist dann berechtigt, wenn wir weiter darüber fabulieren, wer mit wem kann und wer mit wem nicht kann. Doch eine Partei ist keine Therapiegruppe. Ich erwarte, dass Personaldiskussionen ganz eng mit Ideen zur Umsetzung des Programms verbunden werden. Der Parteitag muss letztendlich entscheiden, welche Genossinnen und Genossen dazu am besten in der Lage sind.
<b>10. Wie können wir unsere handwerklichen Fähigkeiten verbessern?</b>
Ich weiß nicht, wie viele Wochenenden ich schon auf Strategiekonferenzen verbracht habe. Es war immer sehr interessant. Doch häufig stelle ich fest, dass uns als Partei handwerkliche Fähigkeiten fehlen, manchmal sogar die einfachsten. Wir haben z.B. in den letzten Tagen viele Abstimmungsunterlagen zum Programm zurückbekommen, weil die Adressen nicht mehr stimmten. Wir können nicht den demokratischen Sozialismus einführen, wenn wir nicht die richtigen Adressen haben. Zu oft sind in der Geschichte großartige Ideen an handwerklichen Fehlern gescheitert. Wir brauchen eine regelmäßige &quot;Werkzeug-Konferenz&quot;, wo wir uns über gutes altes Partei-Handwerk und die Einführung modernster elektronischer Tools verständigen können. Das ist nicht nur eine Aufgabe von Geschäftsführern, sondern eine Aufgabe der ganzen Partei.]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 13:00:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>NPD-Verbot dringend erforderlich</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/npd-verbot-dringend-erforderlich/</link>
			<description>Pressestatement von Gesine Lötzsch zu den Ermittlungen im Fall der terroristischen Vereinigung...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Guten Tag meine Damen und Herren, ich habe die Pressekonferenz aufmerksam verfolgt. Die Selbsttötung von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos liegt jetzt fast einen Monat zurück. Die Ergebnisse der Ermittlungen sind in Anbetracht des massiven Einsatzes von über 400 Ermittlern und 10 Staatsanwälten enttäuschend.
Ich gehe davon aus, dass das Unterstützernetzwerk sehr viel größer ist als bisher angenommen. Bisher wurden nur drei Unterstützter in Untersuchungshaft genommen. Der ehemalige NPD-Funktionär Ralf Wohlleben wurde erst nach zwei Wochen festgenommen, obwohl man sehr schnell wußte, dass er zum NSU-Umfeld gehört.Eine Wohungsdurchsuchung erfolgte viel zu spät. Auf der Pressekonferenz wurde mitgeteilt, dass die Mitglieder der NSU mindestens in drei verschiedenen Wohnungen in Zwickau gewohnt haben und 46 Autoanmietungen vorgenommen haben. Dafür benötigt man ein größeres Netzwerk. Ich habe den Eindruck, dass der Knoten in diesemNetzwerk die NPD ist.
Der Wunsch nach Hinweisen aus der Bevölkerung ist sinnvoll. Allerdings muss sich das BKA fragen lassen, warum bisher nur 250 Hinweise aus der Bevölkerung kamen? Welchen besonderen Schutz kann das BKA den Menschen garantieren, die Hinweise geben. Dazu wurde keine Aussage gemacht.
Es ist deutlich geworden, dass NPD-Funktionäre den NSU unterstützt haben. Ich frage mich, warum es noch keine flächendeckenden Hausdurchsuchungen in den NPD-Zentralen geben hat?
Die Ermittlungen zeigen, dass ein NPD-Verbot dringend erforderlich ist. Die NPD unterstützt offensichtlich Gewalttaten. Die Unterstützung der NSU ist dafür nur ein Beleg.
Unsere Schlussfolgerungen lauten: Wir brauchen eine öffentliche Begleitung der Ermittlung und einen Untersuchungsausschuss. Ich hoffe, dass die SPD und die Grünen diesen Untersuchungsausschuss unterstützen. Die Extremismus-Klausel muss von Ministerin Schröder sofort zurückgenommen werden. Wir fordern, alle V-Leute abzuschalten. Dazu ist ein Antrag unserer Fraktion geplant. Wir müssen die Zivilgesellschaft stärken und von der Bundesregierung unabhängigmachen. Wir unterstützen den Vorschlag der SPD eine Bundesstiftung gegen Rechtsextremismus zu gründen. Dieser ist allerdings seit sieben Jahren auf dem Tisch und sollte endlich umgesetzt werden.]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Antifaschismus</category>
			<category>Gegen Rechts</category>
			<category>NPD-Verbot</category>
			<category>Rechtsterrorismus</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 01 Dec 2011 11:27:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Damit dieser Kapitalismus nicht so bleibt, wie er ist</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/damit-dieser-kapitalismus-nicht-so-bleibt-wie-er-ist/</link>
			<description>Rede von Gesine Lötzsch auf dem Landesparteitag der Berliner LINKEN</description>
			<content:encoded><![CDATA[Liebe Genossinnen und Genossen, verehrte Gäste, zunächst möchte ich an Klaus Lederer anknüpfen und ebenfalls all denjenigen danken, die sich in den vergangenen Jahren in den Wahlkämpfen engagiert haben, die Zeitungen verteilt, Plakate gehängt, mit den Bürgerinnen und Bürgern diskutiert haben, sich auch manche Beschimpfung haben gefallen lassen müssen. Und ich möchte denen Dank sagen, die mit dem Mandat der LINKEN in den Bezirksverordnetenversammlungen, in  Bezirksämtern, im Abgeordnetenhaus und im Senat gesessen haben. Herzlichen Dank für eure Arbeit!
Viele waren über das Wahlergebnis hier in Berlin enttäuscht, traurig, die einen oder anderen auch wütend, und viele stellten sich die Sinnfrage. Hat das überhaupt noch einen Sinn, wie soll es jetzt weitergehen? Aber ich glaube, die meisten Mitglieder der Partei sind davon überzeugt, dass man ja nicht nur wegen Wahlen und wegen Wahlergebnissen Mitglied in einer Partei ist – obwohl Wahlergebnisse natürlich großes Gewicht haben, weil sie Ausdruck für die Zustimmung einer Partei in der Bevölkerung sind. Aber man ist doch Mitglied in einer Partei, weil man die Gesellschaft verändern will, weil man Ziele hat, weil man Ideen hat und weil man möchte, dass diese Gesellschaft, dieser Kapitalismus nicht so bleibt, wie er ist.
Wir haben vor vier Wochen auf dem Erfurter Parteitag unser Programm beschlossen, und wir hatten diesen Parteitag unter das Motto gestellt &quot;Freiheit.Würde.Solidarität&quot;. Das sind nämlich die Grundprinzipien einer Gesellschaft, die wir anstreben, für die wir kämpfen, die wir heute schon beginnen und die wir in der Zukunft gestalten wollen. Diese Grundprinzipien – Freiheit, Würde, Solidarität – werden in dieser Gesellschaft ständig verletzt, und das wird die Partei DIE LINKE nicht hinnehmen, liebe Genossinnen und Genossen.
Wir leben in einem Land, in dem 12,6 Millionen Menschen armutsgefährdet sind. Und natürlich stellen wir uns die Frage: Warum geben nicht alle diese Menschen bei Wahlen ihre Stimme der Partei DIE LINKE? Das ist eine berechtigte Frage, mit der wir uns auseinandersetzen müssen. Aber wir wissen auch, dass viele Menschen von Parteien überhaupt nichts mehr erwarten, sich von der Demokratie und von dem parlamentarischen System abgewandt haben. Und wenn sie von diesem System nichts mehr erwarten, erwarten sie auch nichts mehr von der Partei DIE LINKE. Darum ist es unsere Aufgabe, in die Gesellschaft zu gehen, diese Menschen anzusprechen, sie zu ermuntern und ihnen Mut zu machen, gemeinsam mit uns die Gesellschaft zu verändern. Ich hoffe, dann finden wir auch wieder mehr Wählerzustimmung.
Liebe Genossinnen und Genossen, Klaus Lederer hat ja ausführlich zur Lage in Berlin, zu den stadtpolitischen Problemen gesprochen. Viele werden sicherlich erwarten, dass wir über die Berliner Probleme hinaus nach Griechenland, nach Portugal, nach Spanien und auf andere Länder schauen, die unter der Finanzkrise leiden und mit Regierungen, die sie unter die Knute nehmen, zu kämpfen haben. Darum bin ich auch stolz, dass es uns gelungen ist, auf unserem Erfurter Parteitag ein klares Zeichen zu setzen, indem wir unseren griechischen Genossen Alexis Tsirpas eingeladen haben. Er hat uns erzählt, wie die Situation in Griechenland ist und dass man in Griechenland sehr viel Wert darauf legt, auch zu erfahren, wie die deutsche Linke zu diesen Problemen steht, und dass sie unsere Solidarität zu schätzen wissen. Wir als LINKE sind solidarisch mit den Gewerkschaften in Portugal, die am vergangenen Donnerstag in einem landesweiten Generalstreik gekämpft haben, wir sind solidarisch mit unseren spanischen Freunden, die gegen den weiteren drastischen Sozialabbau kämpfen. Berlin ist ja Sitz der Bundesregierung. Hier denkt sich die Kanzlerin immer neue Kürzungsorgien aus, und gegen diese Politik brauchen wir auch jede Berlinerin und jeden Berliner. Auch Frau Merkel soll sehen, dass diese Stadt, unsere Stadt, solidarisch ist mit den Menschen in Athen, in Lissabon, in Madrid, in Rom und dass sie die Politik der Bundesregierung ablehnt.
Nun wissen wir, dass Frau Merkel mit ihren Freunden vielen Ländern Kürzungspakete aufdrückt, unter denen die Bevölkerungen dieser Länder zu leiden haben. Wir sehen, dass der Kürzungszwang Griechenland ins Chaos geführt hat. Und dass, als ein Ministerpräsident erklärt hat, er würde seinem Volk ein Referendum vorlegen wollen, in der Europäischen Union eine Empörung herrschte, als würde er nicht auf Demokratie setzen, sondern sie abschaffen wollen. Ich finde, diese Art der Politik können wir nicht hinnehmen, liebe Genossinnen und Genossen.
Die Regierungen kommen und gehen in diesen Ländern, aber die falsche Politik wird unter dem Druck der Bundesregierung stur fortgesetzt. Die Menschen dort verzweifeln an der Demokratie, weil sie sehen, dass die neuen Regierungen die alte Politik noch brutaler fortführen. Und damit wird auch dem Rechtsextremismus in Europa Tür und Tor geöffnet. Das dürfen wir nicht zulassen!
Wir haben heute Morgen der Menschen gedacht, die in den vergangenen zehn Jahren von Neofaschisten getötet worden sind. Wir haben im Bundestag gemeinsam eine Resolution aller Parteien, aller Fraktionen verabschiedet, in der Entsetzen zum Ausdruck gebracht wurde, Trauer, Scham, und in der auch steht, dass wir uns dem Rechtsextremismus entschieden entgegenstellen wollen. Aber ich glaube, wir müssen alle sehr genau hinschauen, wie es mit dieser viel beschworenen Gemeinsamkeit der Demokraten bestellt ist. Wie weit gilt sie wirklich? In der Debatte im Bundestag galt sie etwa fünfzehn Minuten, nämlich bis zu dem Zeitpunkt als der Vorsitzende der sozialdemokratischen Fraktion darauf hinwies, dass die Extremismusklausel, die ja all diejenigen unterschreiben sollen, die Gelder aus Bundesprogrammen in Anspruch nehmen möchten, Menschen, die sich gegen rechts engagieren wollen, unter Generalverdacht stellt. Und dass so getan würde, als gäbe es in diesem Land Rechts- und Linksextremismus und als sei beides gleichwertig.  Und als der Kollege von der SPD sagte, er kenne keine linksextremistischen Banden, die durch das Land ziehen und Menschen ermorden, da gab es Gejohle und Geschrei von den Bänken der CDU und der FDP, und mit der Gemeinsamkeit der Demokraten war es vorbei.
Aber es ist doch in der Tat so, liebe Genossinnen und Genossen, wir kennen aus den vergangenen zwanzig Jahren keine linksextremistischen Morde in diesem Land. Man muss hier klar unterscheiden, wir dürfen uns keine Gleichsetzung aufdrängen lassen. Wir haben es mit Rechtsextremismus zu tun, und genau so klar muss man das auch benennen. Und wo ist die Gemeinsamkeit der Demokraten, wenn der sächsische Landtag mit den Stimmen von CDU, FDP und der verfassungsfeindlichen NPD beschließt, die Immunität unseres Genossen André Hahn, dem Fraktionsvorsitzenden der LINKEN, aufzuheben, weil dieser sich in Dresden gegen eine rechtsextremistische, eine neofaschistische Demonstration zur Wehr gesetzt hat? Ist das etwa die Gemeinsamkeit der Demokraten? Ich glaube, diese Dinge müssen wir ganz klar benennen, liebe Genossinnen und Genossen.
Ich habe auch die Einschätzung gewonnen, dass Bundesinnenminister Friedrich völlig ungeeignet für sein Amt ist. Als er noch nicht Innenminister war, war er Vorsitzender der bayerischen Landesgruppe aus dem Spektrum der CSU. Und er war derjenige, der als es darum ging, wie ist die Situation der Staatsfinanzen in Griechenland, via BILD-Zeitung verkünden ließ: Dann sollen doch die Griechen ihre Inseln verkaufen.
Ich denke, dieser Geist ist noch immer in seinem Kopf, diesen Geist sät er in allen Institutionen, in denen er verantwortlich ist. Ich denke, er ist für sein Amt denkbar ungeeignet.
Und wenn jetzt alle erklären, man müsse diesen größten Verfassungsschutz- und Justizskandal in der Geschichte der Bundesrepublik aufklären, so frage ich euch: Was sind dafür die tauglichen Mittel? Wir haben gestern erfahren, dass der Bundesinnenminister der Auffassung ist, eine Kommission – bestehend aus ehemaligen Chefs des Verfassungsschutzes - solle jetzt die Aufklärung durchführen. Damit macht man den Bock zum Gärtner. Wir brauchen unabhängige, externe Aufklärer, und vor allen Dingen müssen wir ganz deutlich sagen, dass wir als Gesellschaft klar erkannt haben, dass sowohl die NPD als auch viele rechtsextremistische Organisationen über die Jahre nur überlebt haben und finanziert wurden, weil sie über V-Leute erhebliche Geldsummen bekommen haben. Dieser Skandal muss endlich ein Ende haben! Genauso wie die systematische Verharmlosung von rechtsextremistischen Verbrechen in unserem Land. Petra Pau und andere Kollegen aus der Bundestagsfraktion fragen seit vielen Jahren regelmäßig nach, aber auch in den Ländern haben Abgeordnete immer wieder Rechenschaft darüber verlangt, welche rechtsextremistischen Verbrechen und Straftaten es gibt. Die Daten, die wir von der Bundesregierung und von Landesregierungen erhalten haben, die sind wesentlich niedriger als das, was die Zivilgesellschaft, was unabhängige Beobachtungsstellen wissen, und ich glaube, diese Schieflage ist gewollt, das ist kein Versehen, das ist keine Kommunikationspanne. Dahinter steckt ein System, und es gibt noch sehr viel braunen Ungeist in unserem Land – viel mehr als bei den wenigen, die als abschreckende Beispiele jetzt immer in Fernsehsendungen gezeigt werden. Nicht jeder mit rechtsextremistischem Gedankengut hat einen kahlgeschorenen Kopf oder trägt entsprechende Kleidung. Das geht viel tiefer in die Gesellschaft, und wir müssen uns dem entgegenstellen, das ist eine der wichtigsten Herausforderungen für die Partei DIE LINKE, liebe Genossinnen und Genossen.
Noch einige Worte zur Finanzkrise. Wir alle bekommen jeden Tag neue Informationen durch die Zeitungen, welches Land in Schwierigkeiten geraten ist und was sich die Ratingagenturen herausnehmen, die ganze Volkswirtschaften einfach nur durch das Heben oder  Senken des Daumens in den Ruin stürzen. Und vieles, was eigentlich an Fakten auf dem Tisch liegt, wird überhaupt nicht beachtet und diskutiert. Es ist unsere Aufgabe als LINKE, darauf aufmerksam zu machen, wie ungleich das Vermögen in diesem Land und in Europa verteilt ist. Wir haben in unserem Parteiprogramm die Eigentumsfrage mit der Gerechtigkeitsfrage, mit der Demokratiefrage eng verbunden. Wir können das auch mit Zahlen untermauern. Stellt euch nur mal vor: Das verwaltete Vermögen in der Eurozone im Jahr 2010 betrug 27,1 Billionen Euro. Für den Rettungsschirm, der jetzt aufgespannt werden soll, sollen maximal zwei Billionen Euro benötigt werden. Wir müssen uns das mal vorstellen, es ist ein ganz einfaches Rechenexperiment: Diese zwei Billionen Euro wären gerade mal sieben Prozent des angesammelten Vermögens. Man muss es den Vermögenden ja gar nicht wegnehmen. Wir können doch dafür sorgen, dass es eine Anleihe gibt, dass sie das Geld dem Eurorettungsschirm zur Verfügung stellen. Und selbst wenn der unwahrscheinliche Fall einträte, dass der Rettungsschirm alles aufsaugt, hätten diese Leute, die so reich sind, gerade einmal sieben Prozent ihres Vermögens verloren. Das halte ich wirklich für vertretbar und zumutbar, liebe Genossinnen und Genossen.
Wir haben ja nun in verschiedenen Gremien und Versammlungen darüber gesprochen, wir werben natürlich dafür, dass ihr unser Programm mit eurer Zustimmung verseht. Aber Zustimmung zum Programm verändert ja die Gesellschaft noch nicht. Trotzdem will ich sagen, dass ich sehr stolz darauf bin, dass es uns auf dem Erfurter Parteitag gelungen ist, gemeinsam mit einer Zustimmung von fast 97 Prozent der Delegierten ein Programm zu verabschieden, an dem ungeheuer viele Genossinnen und Genossen mitgearbeitet haben und zu dem es 1.193 Änderungsanträge gab. Das verdeckt übrigens ein wenig, wie viel von der Arbeit der Redaktionskommission, der Programmkommission, der vielen verschiedenen Gremien bereits in den Text mit aufgenommen und übernommen worden ist.
Nun kann man sagen: War ja völlig klar, dass das so kommen würde. Aber ich will euch daran erinnern, als im März 2010 die damaligen Vorsitzenden der Partei DIE LINKE,  Lothar Bisky und Oskar Lafontaine, das Programm vorstellten, erklärten viele: Das reißt die Partei auseinander, das wird sowieso nie etwas, das wird nicht klappen. Und noch am Tag vor dem Parteitag wurde in einem Politikmagazin geschrieben: 1.393 Anträge sind 1.393 Gründe, um sich zu zanken. Nichts davon ist geschehen, nur die mediale Reaktion war nach der Abstimmung auf dem Parteitag gleich eine andere. Da hieß es plötzlich: SED-Ergebnisse, war ja klar, dass das so kommt. Ich finde, die entscheidende Frage ist jetzt für uns, wie wir unser Programm umsetzen. Was können wir selber tun, um die Dinge, denen wir unsere Zustimmung gegeben haben, auch ins Leben zu verhelfen? Dazu gehört Demokratie, dazu gehört Transparenz. Wir haben uns in dem Programm dazu bekannt, dass wir eine andere Art – Klaus sprach schon davon -, eine neue Art der Politik machen wollen, eine Politik der Beteiligung, eine Politik der Transparenz und der Offenheit. Das müssen wir natürlich als Partei als erste vorleben, sonst glaubt uns das keiner in der Gesellschaft, liebe Genossinnen und Genossen.
Und wir müssen einige Dinge im wahren Leben selbst ausprobieren. Häufig wird gesagt, die Eigentumsfrage sei die zentrale Frage in unserem Programm, und das ist auch richtig so. Und wenn ich mir vorstelle, der Delegierte oder das Parteimitglied setzt sich zu Hause hin und sagt, ja, wie stelle ich denn jetzt die Eigentumsfrage, dann sollte man sich das ganz praktisch überlegen. Und mein praktisches Beispiel für das nächste Jahr ist folgendes: Das Jahr 2012 ist das UNO-Jahr der Genossenschaften. Hier bei uns in Berlin gibt es viele Genossenschaften. Es gibt unzählige Wohnungsgenossenschaften. Wäre es nicht gut, wenn wir über den Neubau von Wohnungen und über Mieten in dieser Stadt auch mit den Genossenschaften sprechen könnten? Wissen wir eigentlich, welche unserer Genossinnen und Genossen in Vertreterversammlungen sitzen? Sollten wir nicht einmal gemeinsam eine Initiative auf den Weg bringen, alle Mitglieder der LINKEN in Berlin zusammenzuführen, die in Genossenschaften tätig sind. Ich glaube, wir könnten damit als Partei einen aktiven Beitrag zur Entwicklung der Genossenschaften in unserer Stadt leisten. Das wäre für mich ein wirklich lohnendes Ziel.
Liebe Genossinnen und Genossen, wir haben – auch Klaus hat das angesprochen – häufig die Frage zu beantworten: Wie stehen wir eigentlich zu den anderen Parteien? Ich glaube, die entscheidende Frage ist erst einmal: Was wollen wir selber, was ist unser Ziel, was ist unser Programm, was sind unsere Ideen – um dann zu schauen, an welcher Stelle wir mit den anderen zusammenarbeiten können. Es gibt ja Ideen und Vorschläge, wie man das machen kann, es gibt auch gute Erfahrungen. Aber ich glaube, dass die These &quot;Wir gegen alle&quot;, die häufig kritisch oder auch unkritisch formuliert wird, einfach nicht stimmt. Wir sind nicht die Partei, die gegen alle anderen steht. Ganz im Gegenteil. Wir versuchen ständig – ob im Bundestag oder in den Landesverbänden –, mit den anderen Parteien zusammenzuarbeiten. Ein aktuelles Beispiel: Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung und der Friedrich-Ebert-Stiftung hat ergeben, dass die Berechnung der Regelsätze für Hartz IV verfassungswidrig ist. Unser Fraktionsvorsitzender im Bundestag, Gregor Gysi, hat daraufhin den anderen Oppositionsparteien, also Grünen und SPD, angeboten: Lasst uns doch gemeinsam zum Bundesverfassungsgericht ziehen, um auf Grundlage der Erkenntnisse aus dieser Studie Verbesserungen für die Menschen, die Hartz IV beziehen, zu erreichen. Beide Parteien haben das abgelehnt. Ich finde das schade, aber man sollte noch einen zweiten Versuch wagen. Wir könnten ähnliche Beispiele aufführen, ich glaube, wir haben häufig eine sehr ausgestreckte Hand, die ausgeschlagen wird aus den verschiedensten Gründen. Unser Vorgehen ist nicht ein Vorgehen der Abgrenzung oder der Feindschaft. Unser Vorgehen muss immer ein Vorgehen von Ideen sein, von Erkennbarkeit, damit die Menschen auch wissen, wofür wir stehen, wofür DIE LINKE steht, was wir erreichen wollen.
Wir, glaube ich, können unser Programm nur durchsetzen, wenn wir selbstbewusster werden. Wir müssen uns in der Öffentlichkeit viel selbstbewusster zu unserem Programm und zu unseren Ideen bekennen. Und wir dürfen uns auch nicht vor jedem Rauschen im Blätterwald wegducken, denn Ängstlichkeit steht unserer Partei einfach nicht gut zu Gesicht.
Wir haben gute Gründe, liebe Genossinnen und Genossen, optimistisch in die Zukunft zu schauen, wenn wir es schaffen, den Menschen in unserem Land auch die Überzeugung nahezubringen, dass wir realistische Ideen haben, um ihren Alltag deutlich verbessern zu können. Denn wir haben eine Vision, wir haben eine Idee – Freiheit, Würde, Solidarität –, das ist das, was wir umsetzen wollen, heute und in Zukunft, und das war auch die Botschaft des Erfurter Parteitages.
Jetzt gilt es natürlich, den Blick nach vorn zu richten und unser Programm umzusetzen. Das war auch der gemeinsame Wille auf unserem Parteitag, und da hat es mich schon – das sage ich jetzt in einer persönlichen Anmerkung – geärgert, dass nach dem Parteitag der eine oder andere meinte, sofort wieder den Medien diktieren zu müssen, den nächste Parteitang der LINKEN vorzuziehen. Darum habe ich auch in aller Klarheit gesagt - damit meine Genossinnen und Genossen wissen, woran sie bei mir sind -, dass ich mich einer Kandidatur wieder stelle. Dann kann die Partei entscheiden, dann wird das nicht Minigruppen oder in Hinterzimmern  ausgekungelt. Ich finde, wir müssen unser Programm ernst nehmen. Wenn wir sagen: Transparenz, Demokratie – dann betrifft das natürlich auch unsere Partei.
Unsere Aufgabe ist jetzt erst einmal, unser Programm allen Mitgliedern und in der Gesellschaft bekanntzumachen. Aber ganz kurzfristig: Ihr habt alle per Post den Mitgliederentscheid erhalten, ich hoffe, ihr habt das Programm schon studiert, euch entschieden, mit JA zu stimmen, den Brief eingetütet, den Brief abgeschickt, damit wir dann am 19. Dezember auch ein gutes Ergebnis verkünden, beruhigt gemeinsam in die Weihnachtsferien gehen und uns alle mit erhobenem Haupt bei der Ehrung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wiedersehen können.
Vielen Dank!]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Sat, 26 Nov 2011 15:36:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Schwarz-Gelb zerstört den Sozialstaat und die Demokratie</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/schwarz-gelb-zerstoert-den-sozialstaat-und-die-demokratie/</link>
			<description>Rede von Klaus Ernst in der Haushaltsdebatte des Deutschen Bundestages</description>
			<content:encoded><![CDATA[Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Frau Bundeskanzlerin, ich möchte als Erstes aus aktuellem Anlass auf Ihre Aussagen zum Rechtsterrorismus in unserem Land eingehen. Sie haben hier richtigerweise die Gemeinsamkeit der Demokraten angesprochen. Das freut mich. Es ist uns gestern gelungen, hier eine gemeinsame Erklärung zu verabschieden.
Allerdings, Frau Merkel, muss sich diese Haltung in Ihrer Partei noch herumsprechen.
<i>(Beifall bei Abgeordneten der LINKEN)</i>
Vor einigen Wochen ist in Sachsen aber mit Zustimmung Ihrer Fraktion und mit Zustimmung der NPD die Immunität des Fraktionsvorsitzenden der Linken aufgehoben worden, weil er sich gegen die braune Brut in Deutschland zur Wehr gesetzt hat, auch mit seiner Anwesenheit bei Demonstrationen. Das ist alles andere als die von ihnen angesprochene Gemeinsamkeit der Demokraten.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Was wir jetzt brauchen, Frau Merkel und liebe Kolleginnen und Kollegen der CDU, der CSU und der FDP, ist, dass wir die Menschen in unserem Land deutlich stärken, die sich auch außerhalb der Parlamente gegen Neofaschismus wehren oft begibt man sich in Gefahr, wenn man das tut , und dass wir ein Signal geben, dass das gesamte Parlament, alle Parteien, alle Fraktionen, alle Abgeordneten in Deutschland, die Demokraten sind, diese Menschen in unserem Land unterstützen.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Solange wir da unterscheiden und solange wir da eine Politik machen, wie sie Ihre Regierung betreibt, indem Sie die Menschen, die Unterstützung bräuchten, unter Generalverdacht stellen, wenn es um die Frage geht, ob sie Geld und Unterstützung des Staates bekommen, wenn sie sich bei Projekten oder Ähnlichem engagieren, so lange ist es mit der Solidarität und mit der Zusammenarbeit aller Demokraten noch nicht weit her. Deshalb sage ich: Ändern Sie an dieser Stelle Ihre Politik! Sorgen Sie dafür, dass wir den Geist der Entschließung, die wir gestern hier verabschiedet haben, tatsächlich umsetzen und dass wir alle gemeinsam in diese Richtung gehen! Nur dann hat das Sinn; sonst lassen wir die Menschen alleine, die sich gegen Neofaschismus wehren.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Einen zweiten Punkt muss ich ansprechen, weil ich Ihnen das so nicht durchgehen lassen kann, Frau Merkel: die Steuersenkungen. Ja, wir sind mit Ihnen der Auffassung - auch wenn Sie das nicht sonderlich zu interessieren scheint -, dass es notwendig ist, Steuergerechtigkeit in unserem Lande wiederherzustellen. Ein Punkt dabei ist, dass wir mit Blick auf die Steuerprogression durch den sogenannten Mittelstandsbauch im Steuertarif eine vernünftige Regelung finden müssen. Wir sind auch der Auffassung, dass es notwendig ist, den Spitzensteuersatz neu zu regeln. Aber wir unterscheiden uns hier deutlich von Ihnen, weil wir meinen, dass man, wenn man solche Vorschläge in der jetzigen Haushaltslage der Bundesrepublik Deutschland einbringt, auch erklären muss, wo man das Geld dafür hernehmen will. Diese Erklärung bleiben Sie schuldig. Sie machen Geschenke, ohne sie gegenzufinanzieren. Wenn wir solche Vorschläge machen würden, wäre was los in diesem Haus. Aber Sie glauben, Sie könnten sich das leisten. Das ist nicht akzeptabel.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Frau Merkel, Sie haben wenig darüber gesprochen, wie es den Menschen in unserem Lande wirklich geht. Wie geht es zum Beispiel den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in diesem Land? Sie haben gesagt, künftig würden die Reallöhne steigen. Zum zweiten Mal in der Geschichte der Republik mussten trotz eines Aufschwungs, den Sie - insbesondere die Kolleginnen und Kollegen von der FDP - so gerne loben, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer seit 2008 einen Reallohnverlust von 1,5 Prozent hinnehmen. Sie haben nach diesem Aufschwung weniger in der Tasche als vorher. Das ist Ausdruck des Zustands unseres Landes. Wir haben insbesondere Einkommensverluste im Niedriglohnsektor zu verzeichnen. Jeder fünfte Vollzeitbeschäftigte in unserem Lande arbeitet für weniger als 1 800 Euro brutto. Jeder dritte Arbeitnehmer verdient so wenig, dass er im Alter mit einer Rente unterhalb der Grundsicherung rechnen muss. Seit 2005 hat Deutschland rund 60 Milliarden Euro ausgegeben, um die Einkommen wegen der Dumpinglöhne wenigstens auf Sozialhilfeniveau aufzustocken, weil es keinen Mindestlohn gibt. Frau Merkel, mit dem, was Sie auf Ihrem Parteitag abgezogen haben, als Sie so getan haben, als würden Sie einen allgemein verbindlichen Mindestlohn einführen, führen Sie die Leute hinter die Fichte. In Wirklichkeit verweigern Sie die Einführung eines allgemein verbindlichen Mindestlohns in Deutschland - vor und nach Ihrem Parteitag. Das ist die Wahrheit, und das werden wir den Menschen auch sagen.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Michael Sommer, der Vorsitzende des DGB, hat recht, wenn er sagt, Arbeit in diesem Land sei inzwischen so billig wie Dreck geworden, und diese Regierung trägt die Verantwortung dafür. Kommen wir zu den Rentnerinnen und Rentnern. Sie tun so, als würde sich die Lage der Rentnerinnen und Rentner verbessern, weil sie im nächsten Jahr eine saftige Rentenerhöhung bekommen. Die Realität ist: Die Rentenerhöhung 2012 wird nur knapp die erwartete Inflation ausgleichen. Das heißt, die Lage der Rentnerinnen und Rentner wird sich nicht verbessern. Die Bestandsrenten sind seit Ende 2008 real um 1 Prozent gesunken, seit der Jahrtausendwende nach Auskunft der Bundesregierung um 7 Prozent. Das heißt, die Lage der Rentnerinnen und Rentner in unserem Land verschlechtert sich ebenso wie die Lage der abhängig Beschäftigten. Jetzt können wir uns noch darüber unterhalten, ob vielleicht die Arbeitslosen besonders von dem Aufschwung profitieren; denn Sie brüsten sich ja damit, dass wir zusätzliche Beschäftigung in unserem Land haben. Ja, die haben wir, und darüber freuen wir uns auch. Wir freuen uns aber nicht darüber, welcher Art diese zusätzliche Beschäftigung ist. Jede dritte offene Stelle, die bei den Arbeitsagenturen gemeldet ist, ist inzwischen nur noch ein Leiharbeitsjob. In Deutschland haben wir einen Aufschwung bei der prekären Beschäftigung zu verzeichnen: Minijobs, Leiharbeit, befristete Jobs, Teilzeitarbeit. Das ist die Realität der Menschen in unserem Land. Jeder zweiter Arbeitnehmer unter 24 Jahren hat nur noch einen befristeten Arbeitsvertrag. Über solche Zustände am Arbeitsmarkt kann man sich offensichtlich nur freuen, wenn man ein Parteibuch der CDU oder der FDP hat. Die Menschen freuen sich darüber nicht; sie wollen vernünftige Arbeitsplätze und gute Arbeit. Dies verhindern Sie mit Ihrer Deregulierungspolitik am Arbeitsmarkt.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Außerdem möchte ich mit Blick auf das Leistungsniveau darauf hinweisen, dass natürlich auch die Erhöhung des Arbeitslosengeldes II die Inflation der letzten Jahre nicht ausgleicht und damit auch die Arbeitslosengeld-II-Bezieher weniger haben als vorher.
Wo, bitte schön, ist dann Ihr Aufschwung, Frau Merkel? Wo, bitte schön, geht es allen Menschen besser? Das versprechen Sie doch so gerne.
In diesem Zusammenhang möchte ich auf die Lohnquote eingehen, also den Anteil der Löhne und Gehälter am Volkseinkommen. Die Lohnquote hat sich von 2000 bis 2010 von 72 auf 66 Prozent verringert. Das bedeutet: Hätten wir noch die alte Verteilungsrelation, hätten im Jahr 2010 die Arbeitnehmer in der Summe 112 Milliarden Euro mehr gehabt. Sie haben mit Ihrer Politik des Lohndumpings dazu beigetragen, dass die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer massive Einbußen bei ihrem Lohneinkommen hinnehmen mussten. Frau Merkel, Sie haben einen großen Teil Ihrer Rede der Finanzkrise gewidmet. Das möchte ich auch machen. Diese Haushaltsdebatte steht unter dem Eindruck der schwersten Finanzkrise, die Europa seit dem Ende des Krieges erlebt hat. Was offensichtlich zu Ihnen noch nicht durchgedrungen ist das sagen Ihnen auch alle anderen , ist die Tatsache, dass wir offensichtlich am Rande einer neuen schweren Rezession stehen.
Wer sich anschaut, wie diese Regierung in der Krise agiert, der muss unweigerlich den Eindruck bekommen, dass die Regierung weder vernünftige Analysen noch eine vernünftige Strategie hat. Frau Bundeskanzlerin, es stimmt ja möglicherweise, dass Sie immer dasselbe sagen. Aber das bezieht sich immer nur auf einen bestimmten Zeitraum. Denn jedes halbe Jahr erzählen Sie hier im Bundestag das Gegenteil von dem, was Sie ein halbes Jahr zuvor gesagt haben.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Das gilt insbesondere bei der Bewältigung der Finanzkrise. In der letzten Legislaturperiode haben Sie noch jede Regulierung der Finanzmärkte abgelehnt. Inzwischen fordern Sie selber eine Regulierung der Finanzmärkte. Anfang 2010 haben Sie noch jede Hilfe für Griechenland abgelehnt. Inzwischen haben wir ein Vielfaches unseres Steueraufkommens dafür verpfändet.
Heute sperren Sie sich als einzige Regierung gegen Euro-Bonds und eine Direktfinanzierung der Euro-Staaten durch die EZB. Ich prophezeie Ihnen, Frau Merkel: Diese Position werden Sie kein halbes Jahr mehr durchhalten. Wenn Sie sie jedoch durchhielten, würden Sie den Bestand der gemeinsamen europäischen Währung gefährden. Hätten Sie die Forderungen der Linken schon früher aufgegriffen, dann wären wir nicht in der jetzigen Situation.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Jetzt wäre bei Ihnen endlich einmal etwas Einsicht nötig. Sie müssen erkennen, dass die Maßnahmen, die Ihre Regierung den anderen Staaten, insbesondere Griechenland, aufoktroyiert, gescheitert sind, und damit auch Ihre Politik.
Sie wollten mit Ihrer Politik auch mit Ihrer Auflagenpolitik die Schulden Griechenlands verringern. Das hat im Ergebnis dazu geführt, dass die Schulden Griechenlands neuester Stand von gestern einen Rekordstand von 360 Milliarden Euro erreicht haben; das sind 165,3 Prozent des Bruttoinlandprodukts. Frau Merkel, die Politik, die Sie Europa verordnen, ist gescheitert. Der Schuldenstand steigt, und das wissen Sie selber ganz genau.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Im Kern ist diese Krise eine Krise der entfesselten Finanzmärkte. Wo liegen die Ursachen für diese Problematik? Um sich das klarzumachen, muss man einen Blick auf das werfen, was zwischen 2000 und 2010 in Deutschland passiert ist. Die Reallöhne sind um 4,5 Prozent nach Berechnungen der OECD gesunken. Deutschland war damit das einzige Industrieland mit sinkenden Löhnen.
Gleichzeitig hat Deutschland im selben Zeitraum 1,5 Billionen Euro an Auslandsüberschüssen aufgebaut. Mit anderen Worten: Die deutsche Wirtschaft hat für 1,5 Billionen Euro mehr exportiert als importiert. Fazit: Ja, die Deutschen sind Exportweltmeister. Darüber können wir uns freuen.
Leider aber sind wir Exportweltmeister, weil wir auch Weltmeister im Lohndumping sind. Das ist eine der Ursachen für die Verwerfungen in Europa. Der Zusammenhang ist sehr einfach: Die deutsche Wirtschaft hat sich mit sinkenden Löhnen Wettbewerbsvorteile auf Kosten der europäischen Nachbarn verschafft.
An dieser Stelle möchte ich Herrn Trittin zitieren.
<i>(Zuruf von der CDU/CSU)</i>
Bei seiner Rede haben Sie damals auch genölt. Er hat recht. Er hat nämlich gesagt: Die Defizite der einen sind die Überschüsse der anderen.
Wer wissen will, was das im Einzelnen bedeutet, der sollte einmal nach Griechenland fahren. Ich habe das in der letzten Woche gemacht. Dort konnte ich erleben, dass man im griechischen Supermarkt inzwischen Milch, Joghurt und Wurst aus Deutschland einkaufen kann. Wir haben die Situation, dass Deutschland seine Lebensmittelexporte nach Griechenland seit 2000 fast verdoppelt hat. Es ist unglaublich.
Ob Sie es hören wollen oder nicht, meine Damen und Herren: Diese Krise hat ihren Ausgangspunkt auch in Deutschland. Sie wird auch das Gesicht dieses Landes verändern. Das deutsche Entwicklungsmodell - Wachstum auf Kosten der eigenen Arbeitnehmer und der benachbarten Volkswirtschaften - ist an sein Ende gekommen. Vor diesem Ende stehen wir jetzt.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Das haben alle in Europa begriffen, aber Ihre Regierung nicht. Nichts spricht mehr Bände als das, was die Vertreter dieser Regierung selbst zu diesem Thema zum Besten geben. Ich zitiere hier stellvertretend den Wirtschaftsminister, Herrn Rösler. Er sagte in der letzten Woche der Süddeutschen Zeitung - ich habe es fast nicht geglaubt:
&quot;Ich bin bei Wirtschaftsministertreffen immer der einzige, der Exportüberschüsse gut findet.&quot;
<i>(Heiterkeit bei Abgeordneten der LINKEN)</i>
Da kann ich nur sagen: sehr schlau. Er merkt gar nicht, dass wir mit den Exportüberschüssen, die wir in Deutschland produzieren, die Probleme der anderen verursachen. Man denkt bei solchen Aussagen unwillkürlich an den Geisterfahrer auf der Autobahn, der im Radio hört: &quot;Ihnen kommt ein Fahrzeug entgegen.&quot; Der Geisterfahrer sagt: &quot;Was heißt denn hier 'ein Fahrzeug'? Hunderte!&quot; Genau so ist die Situation in der Bundesregierung.
<i>(Beifall bei der LINKEN - Jörg van Essen (FDP): Oh, was für ein Unsinn!)</i>
Die zweite Ursache für die Probleme, die wir an den Finanzmärkten zu konstatieren haben, liegt im Verhältnis der Staaten und ihrer Finanzierung. Wie ist der Zusammenhang? 2008 und 2009 mussten alle Staaten mit viel Geld das Bankensystem retten. Allein in Deutschland stieg der Schuldenstand um 265 Milliarden Euro, wohlgemerkt ohne Rettungsschirm. Die Staaten retteten die Banken mit Geld, aber sie hatten das Geld nicht. Die Staaten borgten sich das Geld bei den Banken, die sie vorher gerettet haben. Jetzt sind wir in der Situation, dass sich die Banken das Geld zu 1,25 Prozent Zinsen bei der Europäischen Zentralbank leihen und es zu Wucherzinsen - in Portugal aktuell 20 Prozent für kurzfristige Laufzeiten - an die Staaten zurückleihen. Wie bescheuert sind wir eigentlich, dass wir uns das antun?
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Was für ein absurdes System! Wir lassen uns mit Wucherzinsen über den Tisch ziehen.
Die Strategie bei der Krisenbekämpfung scheitert jeden Tag aufs Neue. Sie wollen erzwingen, dass die Griechen, die Portugiesen, die Spanier, die Franzosen - ja, irgendwann auch die Deutschen - die Wucherzinsen der Banken zahlen, und zwar nicht die Millionäre oder die Unternehmen oder die Gutverdiener, sondern die einfachen Leute: die Arbeitnehmer mit ihren Löhnen, die Rentner mit ihren Renten, die Arbeitslosen mit dem Arbeitslosengeld, die Kranken mit Einschnitten im Gesundheitssystem, die Kinder mit dem vernachlässigten öffentlichen Bildungssystem.
Die Folgen dieser Politik sind sehr dramatisch. Wer in diesen Tagen Athen besucht, der erlebt eine Stadt im Fieber: Die Rentner müssen mit gekürzten Renten die durch Steuererhöhungen drastisch gestiegenen Preise für Güter des täglichen Bedarfs bezahlen. Die nominalen Renten im öffentlichen Sektor sanken bis jetzt um 10 Prozent. Die Arbeitslosen werden in Angst und Schrecken versetzt, weil sie nach einem Jahr Arbeitslosigkeit sogar ihre Krankenversicherung verlieren. Kleine Selbstständige werden in den Ruin getrieben. Man sieht leere Läden und keine Leute mehr in den Lokalen. Hunderttausenden droht die Abschaltung des Stroms, weil sie die neue Sondersteuer nicht zahlen können. Die Jugendarbeitslosigkeit hat sich auf 43,5 Prozent erhöht. 200 000 kleine Gewerbebetriebe sind pleite. Frau Merkel, wenn Sie sich einmal mit der wirklichen Lage in Griechenland vertraut machen würden, dann würden Sie nicht die Frage stellen, ob die griechischen Senioren zu früh in Rente gehen, sondern würden fragen, ob die griechischen Eltern in diesem Winter noch ihre Kinder ernähren können; das ist die Frage, die sich den Griechinnen und Griechen stellt.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Sie haben von einem Vertrauensverlust in Europa gesprochen. Ja, Frau Merkel, das stimmt: Die Bürgerinnen und Bürger vertrauen Europa nicht mehr, weil sie Europa als Bedrohung empfinden: als Bedrohung für die Einkommen, die Renten und die Sozialstandards. Deshalb sage ich Ihnen: Lassen Sie diese Politik sein. Wenn wir Europa und den Euro wieder auf die Füße stellen wollen, dann müssen wir über Konjunkturmaßnahmen reden, die dazu führen, dass die Menschen in Europa Arbeit kriegen, und nicht darüber, wie wir den Sozialstaat zerschlagen.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Letztendlich merken wir, dass es um zwei Dinge geht. Zum einen geht es um die Frage der Zerschlagung der Sozialsysteme. Diese Politik wird aber gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt. Frau Merkel, ich frage mich schon, welches Demokratieverständnis Sie haben, wenn Sie und andere Regierungschefs in Europa offensichtlich aufs Heftigste protestieren, wenn in Griechenland die Frage einer Volksabstimmung ins Spiel gebracht wird, bei der die Menschen selber darüber entscheiden sollen, ob sie sich die Sozialleistungen kürzen. Wäre es nicht sinnvoll, zu sagen: Demokratie heißt auch, dass die Macht vom Volk ausgeht? Das bedeutet auch, dass das Volk selbst entscheiden darf, in welche Zukunft es gehen will.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Genau das wird verhindert. Welches Demokratiemodell steht uns in Europa bevor, wenn in Griechenland und Italien - das geschieht inzwischen auf Druck der Europäischen Union - Regierungschefs regieren, die nie kandidiert haben? Sie haben sich nie einer Wahl der Bürgerinnen und Bürger gestellt. Welches Demokratiemodell steht uns bevor, wenn man in diesen Ländern inzwischen offensichtlich die Regierungsgeschäfte den Bankern überlässt und selbst nicht mehr fragt, ob der eine oder andere auch die politische Qualifikation für das Amt hat, das er ausüben soll? Das, was wir hier erleben, ist eine Kapitulation der Demokratie vor den Banken, und Sie befürworten diese, Frau Merkel.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Mit dieser Politik sind wir dabei, das Demokratie- und Sozialstaatsmodell in Europa zu zerstören. Ihre Haltung dazu, Frau Merkel, ist deutlich geworden. Sie haben Anfang September gesagt, man müsse vor allen Dingen dem Wunsch der Märkte nachkommen, den Europarettungsschirm marktkonform auszugestalten. Wer bestimmt eigentlich die Richtlinien der Politik? Manchmal habe ich den Eindruck, dass Sie bei diesen Fragen Ihre Redezeit vielleicht direkt Herrn Ackermann übertragen sollten. Dann wüssten wir wenigstens, wo genau wir dran sind.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Ihr Leitbild und das Ihrer Regierung ist eine Demokratie, die sich im Zweifelsfall dem Willen der Märkte unterordnet. Ihre Doktrin heißt nichts anders, als die Interessen der Banker vor die Interessen der Bürger zu stellen. Sie haben mit Ihrer Politik der Erpressung das europäische Projekt entleert und die EU zum Inkassobüro der privaten Banken gemacht. Diese Politik wird sich rächen.
Wir schlagen drei Punkte vor, um die Dinge wieder in die richtige Richtung zu lenken. Erstens. Wir wollen eine Entkopplung der Staatsfinanzierung von den Finanzmärkten. Den Unsinn, den ich vorhin dargestellt habe, wollen wir beenden. Dazu schlagen wir vor, dass wir eine Bank für öffentliche Anleihen gründen, die sich direkt bei der EZB verschuldet und dann das Geld, das sie von der EZB bekommen hat, zu tragbaren Zinsen unter vernünftigen Auflagen an andere Staaten weiterverleiht. Eine vernünftige Auflage wäre für Griechenland eben nicht das Senken des Sozialniveaus, sondern für Griechenland wäre es vernünftig, den Rüstungshaushalt herunterzufahren und die großen Vermögen zu besteuern. Das wäre ein anderer Weg, den die Griechen gehen könnten.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Zweitens. Wir schlagen vor, das Bankensystem künftig öffentlich-rechtlich zu organisieren. Es gibt gegenwärtig nur die Alternative: Entweder übernimmt der Staat die Banken, oder die Banken übernehmen den Staat. So weit sind wir. Die Zukunft in der Bundesrepublik Deutschland gehört nicht dem &quot;Modell Deutsche Bank&quot;, sondern sie gehört eher dem &quot;Modell Sparkasse&quot;.
Drittens. Wir schlagen einen neuen europäischen Stabilitätspakt vor. Ein Staat kann seine Wettbewerbsfähigkeit steigern, ein gemeinsames Europa muss aber nach anderen Regeln funktionieren. Wir müssen dafür sorgen, dass es in ganz Europa - so, wie es das Stabilitätsgesetz in Deutschland vorschreibt - ausgeglichene Handelsbilanzen gibt.
Sie haben eine gemeinsame Steuerpolitik und eine gemeinsame Wirtschaftspolitik angesprochen. Dem müsste eine gemeinsame Lohnpolitik folgen. Es kommt vor allen Dingen darauf an, dass wir uns in Deutschland auf gemeinsame Mindeststandards verständigen. Wir brauchen Mindestlöhne, Mindeststeuern und Mindeststandards für die soziale Absicherung. Weiter brauchen wir eine Vereinbarung, dass Europa nicht ein Europa der Wirtschaft und der Banken, sondern ein Europa der Bürger wird.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Wenn wir das nicht schaffen, dann wird dieses Europa - und zuerst der Euro - auseinanderbröseln.
Ich möchte zum Schluss einen Vorschlag machen, der sehr einfach umzusetzen wäre. Wir wissen, dass die griechischen Millionäre ihr Geld ins Ausland - offensichtlich auch in die Bundesrepublik Deutschland - tragen. Ich schlage vor, dass wir alle Konten von Griechen, auf denen sich über 1 Million Euro befinden, erst einmal einfrieren und mit der griechischen Regierung klären, ob dieses Geld durch Steuerhinterziehung angehäuft werden konnte. Wenn dem so ist, dann führen wir das Geld der griechischen Staatskasse zu. Das reduziert das griechische Defizit.
<i>(Beifall bei der LINKEN)</i>
Ein Politikwechsel ist dringend notwendig, sowohl in Deutschland als auch in Europa. Er ist vor allen Dingen deshalb notwendig, weil Sie mit Ihrer Politik den Sozialstaat in Europa zerstören und die Demokratie abbauen. Das führt nicht zu Wohlstand, sondern zu einer Entwicklung nach Rechts in ganz Europa. Das wollen wir verhindern.
Ich danke Ihnen für das Zuhören.
<i>(Anhaltender Beifall bei der LINKEN Volker Kauder (CDU/CSU): Na, dann mal los! Verhindert mal! Jürgen Trittin (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Jetzt kommt der nächste &quot;freie Radikale&quot;!)</i>]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Euro-Krise</category>
			<category>Schutzschirm</category>
			<category>Nicht Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 23 Nov 2011 09:06:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Rechtsterroristen scheitern an uns gemeinsam </title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/rechtsterroristen-scheitern-an-uns-gemeinsam/</link>
			<description>Gregor Gysi in der Debatte des Deutschen Bundestages über die Mordserie der Neonazi-Bande und die...</description>
			<content:encoded><![CDATA[]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Antifaschismus</category>
			<category>Gegen Rechts</category>
			<category>NPD-Verbot</category>
			<category>Rechtsterrorismus</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 22 Nov 2011 09:05:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Zeichen der Solidarität</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/zeichen-der-solidaritaet/</link>
			<description>Gesine Lötzsch traf mit Anwohnern und Gewerbetreibenden der Kölner Keupstraße zusammen und befaßte...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Ein ausländerfeindlicher und rechtsterroristischer Hintergrund könne mit Gewissheit ausgeschlossen werden. Das waren die einhelligen Reaktionen der Sicherheitsbehörden, von der Kölner Staatsanwaltschaft bis zum damaligen Innenminister Schily, auf den verheerenden Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße am 9. Juni 2004. 22 Menschen erlitten seinerzeit zum Teil schwerste Verletzungen. Gesines seit langem geplanter Besuch der Keupstraße am gestrigen Mittwoch fand aufgrund der Erkenntnisse vom Wochenende vor einem völlig veränderten Hintergrund statt. Die Terroristen der Nazi-Untergrundorganisation NSU, die vielleicht jahrelang gedeckt, zumindest aber vom Verfassungsschutz unerkannt blieben, bekannten sich auf einer DVD unter anderem auch zu diesem Anschlag aus dem Jahr 2004.
Gesine sprach in der Keupstraße mit vielen Anwohnern und Gewerbetreibenden, insbesondere jedoch mit dem Inhaber des Friseursalons, vor dem die mit 10 cm langen Nägeln präparierte Bombe explodierte. Herr Yildirim wurde glücklicherweise nur leicht verletzt. Hinzu kam jedoch ein Sachschaden in beträchtlicher Höhe. Da er seine Versicherung kurz zuvor kündigte, um in eine andere zu wechseln, musste er den Schaden selbst tragen. Gesine empfahl ihm wie allen Betroffenen, eine Opferentschädigung beim zuständigen Bundesamt  für Justiz zu beantragen. Da  nun der rechtsextremistische Hintergrund der Tat belegt werden könne, sollten die Anträge auch bewilligt werden.
Nach dem Besuch der Keupstraße diskutierte Gesine in der Uni Köln zum Thema &quot;Bildung in der gespaltenen Gesellschaft&quot; mit dem renommierten Sozialwissenschaftler Prof. Christoph Butterwegge. Auf Einladung des SDS sprach Gesine vor etwa 150 Studierenden über eine Gesellschaft, in der immer Geld für die Rettung von  Banken, aber nicht für Bildungseinrichtungen bereitgestellt wird. Der Anlass dieser Diskussion war der heutige bundesweite Bildungsstreik. Gesine beteiligte sich gemeinsam mit unserem Bundestagsabgeordneten Matthias Birkwald an der Demonstration in Köln.]]></content:encoded>
			<category>Antifaschismus</category>
			<category>Bildungspolitik</category>
			<category>Gegen Rechts</category>
			<category>Rechtsterrorismus</category>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Thu, 17 Nov 2011 03:14:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Merkel ist die gefährlichste Frau Europas</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/merkel-ist-die-gefaehrlichste-frau-europas/</link>
			<description>Um sich direkt über die Auswirkungen der Sparauflagen auf die griechische Bevölkerung zu...</description>
			<content:encoded><![CDATA[In seiner Rede auf einer öffentlichen Veranstaltung gemeinsam mit Alexis Tsipras, Vorsitzender Synaspismos, im Athener Vorort Kesariani betonte Klaus Ernst die falsche Politik von IWF und Europäischer Union, die in Griechenland zu einem Absturz der Wirtschaftsleistung und zu einem Einbruch der Binnennachfrage geführt hat. Privatisierungen, Renten- und Lohnkürzungen, eine weitere Deregulierung des Arbeitsmarktes und Sozialkürzungen schaden der griechischen Bevölkerung und langfristig auch allen anderen Beschäftigten in Europa. Bundeskanzlerin Merkel, die im Duo mit dem französischen Präsidenten Sarkozy, die europäische Krisenpolitik dominiert, nannte Ernst die gefährlichste Frau Europas.<br /><br />Aber auch auf den historischen Hintergrund des Veranstaltungsortes ging Klaus Ernst ein. In Kesariani richtete die deutsche faschistische Besatzungsmacht 1942 eine Hinrichtungsstätte zur Ermordung von griechischen Widerstandskämpfern ein. Fast täglich fanden Erschießungen, zu denen die Häftlinge meist vom KZ Chaidari durch Athen transportiert wurden, statt. Insgesamt 600 Menschen, darunter auch acht jugendliche Widerstandskämpfer und 200 Kommunisten, fanden in Kesariani ihren Tod. Ernst gedachte diesem dunklen Kapitel in der deutsch-griechischen Geschichte und forderte dazu auf, rechten und faschistischen Umtrieben immer und überall entschlossen entgegen zu treten.]]></content:encoded>
			<category>Griechenland2010</category>
			<category>Euro-Krise</category>
			<category>International</category>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Wed, 16 Nov 2011 13:50:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Klaus Ernst zu Besuch beim Linksblock in Portugal</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/klaus-ernst-zu-besuch-beim-linksblock-in-portugal/</link>
			<description>Anlässlich der verheerenden Auswirkungen der Eurokrise in den Ländern Europas startete Klaus Ernst...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Am Nachmittag traf sich der Parteivorsitzende der LINKEN mit Francisco Louçã (Parteivorsitzender des Linksblocks Portugal) und Luis Fazenda (Fraktionsvorsitzender) im Hauptsitz des Bloco Esquerda in Lissabon. Im Gespräch standen der Austausch über die aktuelle Situation und die Einschätzungen zur Eurokrise im Mittelpunkt.<br /><br />Große Einigkeit konstatierten die Vertreter der beiden Parteien bei ihren Forderungen, die Staatsfinanzen von den Märkten zu entkoppeln und den europäischen Dumpingwettbewerb über die Lohnkosten zu beenden. Gegen die Diktatur von Ratingagenturen und Finanzmärkten bieten mehr gemeinsame Aktionen der Europäischen Linken eine Perspektive, so dass Klaus Ernst für eine bessere Koordinierung der europäischer Ebene aktiv werden will. <br /><br />Luis Fazenda, Fraktionschef des portugiesischen Linksblocks, resümierte das Gespräch mit den Worten: &quot;Der Geist von Erfurt muss die gesamte europäische Linke ergreifen, der Geist der Einheit.&quot;]]></content:encoded>
			<category>Euro-Krise</category>
			<category>International</category>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Nicht Startseite</category>
			
			
			<pubDate>Tue, 15 Nov 2011 10:19:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
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			<title>Der größte Verfassungsschutzskandal der Geschichte der BRD</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/der-groesste-verfassungsschutzskandal-der-geschichte-der-brd/</link>
			<description>Statement der Vorsitzenden der Partei DIE LINKE, Gesine Lötzsch, auf der Pressekonferenz im...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Guten Tag, meine Damen und Herren, ich werde mich zu vier Punkten äußern: erstens zu den braunen Terrornetzwerken in Deutschland, zweitens zur Mindestlohndebatte in der CDU, drittens zum Thema Euro-Krise und den Occupy-Aktionen in Frankfurt am 18. November 2011 und viertens zu den Landesparteitagen unserer Partei in Schleswig-Holstein und im Saarland.
Zum ersten Punkt, zu den brauen Terrornetzwerken in Deutschland: Nach alledem, was wir jetzt erfahren haben, deutet sich hier der größte Verfassungsschutz- und Justizskandal der Nachkriegsgeschichte in Deutschland an. Die Bundesregierung gibt sich nun überrascht von der Brutalität des neofaschistischen Netzwerkes. Aber wenn wir zurückschauen, können wir konstatieren, dass die rechtsextreme Gefahr über Jahre in Deutschland systematisch verharmlost wurde. DIE LINKE ist sowohl im Bundestag als auch in vielen Landtagen engagiert, wenn es darum geht, aufzuklären, anzusprechen, Fragen zu stellen. Wir müssen feststellen, dass die Zahl von rechtsextremen Gewalttaten und Morden von der Bundesregierung systematisch kleingerechnet wurde. Unabhängige Organisationen haben wesentlich höhere Zahlen herausgefunden. Ein Beispiel: Die Bundesregierung gibt 47 Tötungsdelikte mit rechtsextremistischem Hintergrund seit Anfang der 1990er an. Recherchen von Journalisten ergaben jedoch 140 Opfer rechter Gewalt. DIE LINKE hat mehrfach bei der Bundesregierung nachgefragt, wie es zu dieser Differenz kommt.
Jetzt werden wieder viele Stimmen laut, die ein Verbot der NPD fordern. Ich möchte an die Geschichte des NPD-Verbots erinnern: Das Verbot scheiterte, weil in die Strukturen der NPD V-Leute eingeschleust wurden und dort auch an entscheidenden Stellen gewirkt haben. Rechtsextreme Strukturen wurden nach diesem gescheiterten Verbotsverfahren deutlich gestärkt. Seit dem Jahr 2004 kann die NPD größere Wahlerfolge verzeichnen. Es ist ja nicht von der Hand zu weisen, dass die Tatsache, dass die NPD nicht verboten wurde, in Teilen der Bevölkerung zu der Auffassung führen kann, die NPD ist eine Partei, die vielleicht doch rechtmäßig ist und auf dem Boden des Grundgesetzes steht.  Ich fordere von allen Innenministern in Bund und Ländern, sofort die V-Leute aus den Strukturen der NPD abzuziehen. Wenn wir das, was wir jetzt über diese Untergrundorganisationen wissen, betrachten, drängt sich der Eindruck auf, dass vieles, was neofaschistische Kräfte an Verbrechen in diesem Land treiben, nur dadurch möglich ist, dass sie vom Verfassungsschutz zumindest gedeckt wurden. Die Frage stellt sich, ob nicht allein durch das Agieren des Verfassungsschutzes viele dieser Strukturen überhaupt am Leben erhalten werden. Das ist etwas, was ich absolut für inakzeptabel halte. Der Verfassungsschutz – das sei auch am Rande bemerkt – verschleudert in dieser Neonaziszene unsere Steuergelder. Schon vor Jahren haben Kollegen aus meiner Partei darauf hingewiesen, dass mit Steuergeldern die Neonaziszene mit finanziert wird. Man kann einschätzen, dass die V-Leute in der Neonaziszene die beste Lebensversicherung sowohl für die NPD als auch für die Neonaziszene sind. Der Verfassungsschutz wird zur Gefahr für die Verfassung, wenn die Aktivitäten des Verfassungsschutzes in die völlig falsche Richtung gehen. Auf dem Parteitag der NPD, am vergangenen Wochenende in Neuruppin, ist Holger Apfel als neuer Vorsitzender gewählt worden. Es setzt auf eine enge Zusammenarbeit mit der Kameradschaftsszene, also auf das Spektrum, von dem jetzt der Terror ausgeht. Unsere Thüringer Landtagsabgeordneten beschäftigen sich seit Jahren u.a. mit dem sogenannten &quot;Nationalsozialistischen Untergrund&quot;. Verschiedene Mitglieder der Fraktion DIE LINKE in Thüringen wurden auch von Neonazis in relevanter Weise bedroht, so dass sie zeitweise auch unter Polizeischutz stehen mussten. DIE LINKE fordert, alle V-Leute aus der NPD und den freien Netzwerken abzuziehen. Wir fordern das Verbot der NPD. Ich will auch ganz deutlich sagen, dass die Aufklärung keine Sache der Geheimdienste sein kann. Nicht nur das parlamentarische Kontrollgremium, das in dieser Woche tagen wird, sondern die Öffentlichkeit muss der Ort der Aufklärung sein. Wir haben in der vergangenen Woche in der sogenannten Bereinigungssitzung den Bundeshaushalt 2012 im Haushaltsausschuss vorbereitet. Das Ergebnis ist, und ich will Sie darauf hinweisen, dass mit der Stimmenmehrheit der Regierungskoalition die Gelder zur Unterstützung von Projekten und Programmen gegen Rechtsextremismus gekürzt worden sind – von der ohnehin schon geringen Summe von 29 Millionen auf 27 Millionen. Das sind zwei Millionen weniger. Es ist äußerst schwierig, Fördergelder für diese Projekte gegen Rechtsextremismus zu bekommen. Sie haben wahrscheinlich gelesen, dass Vereine seit diesem Jahr eine Verpflichtungserklärung- die sogenannte Extremismusklausel - abgeben sollen, die die Beantragung der Fördergelder zusätzlich erschwert. Das ist ein Skandal.
DIE LINKE fordert außerdem eine unabhängige Beratungsstelle Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus. Es kann nicht sein, dass wir uns in der Beobachtung von Strukturen der NPD auf die Einschätzung des Verfassungsschutzes verlassen sollen. Wir glauben auch, dass die Themen Rechtsextremismus und Demokratiefeindlichkeit in der Ausbildung von Pädagoginnen und Pädagogen verankert werden müssen, um auch in der Schule, in der Jugendarbeit besser in diesem Bereich arbeiten zu können. Wir fordern eine konsequente Verfolgung Rechtsextremer und Wiederholungstäter. Ich will auch einmal darauf hinweisen, wie absurd doch die Situation ist: Antifaschisten wie der Fraktionsvorsitzender der LINKEN in Sachsen, André Hahn, der Thüringer Fraktionsvorsitzende Bodo Ramelow und auch unsere Kollegen aus dem hessischen Landtag, Janine Wissler und Willi van Ooyen, mit der Aufhebung der Immunität entweder bedroht werden oder deren Immunität schon aufgehoben wurde. Menschen, die sich Nazis entgegenstellen, werden verfolgt, und die Nazis konnten und können in unserem Land agieren. Das ist eine Schande für die Bundesrepublik Deutschland. Ich bin der Auffassung, das muss sich sehr schnell ändern. Ich selber werde am Mittwoch dieser Woche Köln besuchen. Ich werde zusammen mit Stadträten der LINKEN die Keupstraße besuchen. Dort wurde im Juni 2004 ein Bombenanschlag verübt, bei dem 22 Menschen schwer verletzt wurden und eine junge Frau ihr ungeborenes Kind verlor. Ich will mit meinem Besuch daran erinnern, wie diese Anschläge politisch bewertet wurden. Es war immer von Einzeltätern die Rede. Es war immer davon die Rede, dass es vielleicht um interne Streitigkeiten in bestimmten Gruppen unserer Gesellschaft gehen könnte, und es wurde ganz schnell immer ein politischer, ein rechtsextremer Hintergrund ausgeschlossen. Damit muss jetzt Schluss sein.
Zweitens zur Mindestlohndebatte in der CDU: Die CDU führt in dieser Woche ihren Parteitag durch. Im Vorfeld dieses Parteitages  wurde in der vergangenen Woche im Bundestag die Frage des Mindestlohnes diskutiert. Sie wissen, dass DIE LINKE seit 2005 die Forderung nach einem flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn erhebt und das auch immer wieder in den Bundestag einbringt. Nun hat die CDU sich ein großes Täuschungsmanöver geleistet. Es wurde über Mindestlöhne gesprochen. Es wurde über Leistung, die sich lohnen soll, gesprochen. Von Frau Merkel stammt der Satz: &quot;Sozial ist, was Arbeit schafft.&quot; Alles das kann man getrost auf den Müllhaufen dessen, was an leeren Versprechungen gegeben wurde, werfen. Niedriglöhne – wir haben im Augenblick in Deutschland einen Niedriglohnsektor mit 7 Millionen Menschen - sind nicht sozial. Das, was die CDU vor dem Parteitag veröffentlicht hat, ist kein Mindestlohn. Tarifliche Dumpinglöhne werden nicht verhindert. Die CDU will zulassen, dass die Menschen, die jetzt schon zum Amt gehen müssen, um aufzustocken, später, wenn sie im Rentenalter sind, wieder gezwungen werden, Sozialhilfe zu beantragen. Wir als LINKE sind der Auffassung, wir brauchen endlich einen flächendeckenden gesetzlichen Mindestlohn. Wir sind die Mindestlohnpartei in Deutschland, und wir werden solange für den Mindestlohn kämpfen, bis er auch beschlossen ist. Parteitagsreden sind das eine. Beschlüsse des Bundestages und die Umsetzung dieser Beschlüsse sind das andere. Uns geht es um Beschlüsse und die Umsetzung.
Zum dritten Punkt: Wir werden am kommenden Freitag, den 18.11., eine Konferenz in Frankfurt zum Thema:&quot;Vorschläge der LINKEN aus der Euro-Krise durchführen&quot;. Wir gehen davon aus, dass die Protestbewegung gegen die Krise einen langen Atem braucht. Wir als LINKE unterstützen die Bewegung der Empörten. Am Freitag laden wir um 18.00 Uhr auf den Opernplatz in Frankfurt zu einer großen Kundgebung ein, um unsere Wege aus der Finanzkrise zu beschreiben. Wir wollen Menschen mitreißen und auffordern, gegen die Allmacht der Banken zu kämpfen.
Vierter und letzter Punkt: Wir hatten in Schleswig-Holstein und im Saarland Landesparteitage mit wichtigen Ergebnissen. In Schleswig-Holstein hat die Landespartei mit 90 Prozent der Delegiertenstimmen ihr Wahlprogramm für die Landtagswahl am 06. Mai 2012 beschlossen. Im Mittelpunkt dieses Programmes stehen soziale Themen. Es geht um Armutsbekämpfung, es geht darum, dass die sozialen Leistungen, die es in Schleswig-Holstein gibt, erhalten bzw. wieder eingeführt werden, wie das Blindengeld, die Finanzierung von Frauenhäusern und die Finanzierung von Arbeiten im sozialen Bereich. Wir wollen in Schleswig-Holstein ein Sozialticket von 15 Euro für Schüler, Senioren und Hartz-IV-Betroffenen sowie Niedrigverdiener erreichen. Ebenso wichtig  sind uns das Bildungsthema: &quot;Schule für alle&quot;, beitragsfreie Kita und die Finanzierung der Kommunen.
Im Saarland hat die Saar-LINKE den Landesvorstand neu gewählt. Wiedergewählt als Vorsitzender wurde Rolf Linsler, der zum zweiten Mail antrat und sein Ergebnis im Vergleich zur ersten Wahl deutlich verbessert hat. 80,1 Prozent der Delegierten stimmten für ihn. Das sind 15 Prozent mehr als bei der Wahl vor zwei Jahren.
Wir haben uns gerade im Geschäftsführenden Parteivorstand mit den aktuellen Themen befasst, insbesondere mit dem Thema Rechtsextremismus. Wir haben uns darauf verständigt, dass sowohl die Bundestagsfraktion, die Landtagsfraktionen als auch die Vorstände der Partei sehr eng zu diesem Thema zusammenarbeiten werden und müssen. Letzter Satz dazu: Sie haben es sicher aus den Medien bereits erfahren, an eine Geschäftsstelle der LINKEN in Sachsen-Anhalt wurde ein Bekennervideo bzw. DVD dieser Nazi-Terrorzelle geschickt. Ich gehe davon aus, dass man diese DVD nicht an DIE LINKE geschickt hat, damit DIE LINKE die Medien informiert, sondern das war eine klare Kampfansage an unsere Partei. Es ist also eine ständige Aufgabe der LINKEN, sich selber gegen rechtsextreme Bedrohungen zu wehren und in der Gesellschaft gegen Rechtsextreme aufzutreten.
Vielen Dank!]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Pressekonferenz</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 14 Nov 2011 13:26:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Lohnuntergrenze? Tricks und Täuschungen der CDU</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/lohnuntergrenze-tricks-und-taeuschungen-der-cdu/</link>
			<description>&quot;Das ist doch richtig prima: Die CDU will scheinbar einen Mindestlohn, auch wenn er verschämt...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Dass die Positionsverschiebung bei der CDU jetzt kommt, liegt an der spätestens 2013 anstehenden Bundestagswahl. Da macht es sich gut, am sozialen Profil zu arbeiten. Der BDA-Präsident Dieter Hundt beklagt, dass die CDU wohl der Meinung der Bevölkerung nachgegeben habe.
Jedoch weigert sich die CDU, einen festen Euro-Betrag für die &quot;Lohnuntergrenze&quot; gesetzlich festzulegen. Sie will, dass die Tarifvertragsparteien diese ausmachen, allerdings nur für Branchen und Wirtschaftsbereiche, in denen es keine Tarifverträge gibt. Diese &quot;Lohnuntergrenze&quot; soll dann gesetzlich für allgemeinverbindlich erklärt werden.
So etwas kann sich nur jemand ausdenken, der von der Tarifwirklichkeit keine Ahnung hat oder die Öffentlichkeit bewusst täuschen will.
Mit der Agenda 2010, die SPD und Grüne 2003 beschlossen haben, wurde der Tarifautonomie ein weiterer Schlag versetzt. Wenn immer mehr Menschen befristet arbeiten und um die Verlängerung zittern, wenn immer mehr nur noch Leiharbeit haben, wenn vor allem immer mehr Frauen in Minijobs nur noch eine zerstückelte Arbeitswelt erleben, dann ist gewerkschaftliche Durchsetzungsmacht massiv eingeschränkt. Hinzu kommt die allgegenwärtige Angst vor dem Absturz in Hartz IV, die wie eine disziplinierende Peitsche über den Köpfen kreist. So konnten die Gewerkschaften in vielen Tarifbereichen nur noch miserable Abschlüsse erzielen. Häufig waren neue Tarifverträge überhaupt nicht mehr möglich. Vor 20 Jahren haben noch 70 Prozent der Beschäftigten unter dem Schutz eines Tarifvertrages gearbeitet, heute sind es nur noch rund 50 Prozent.
Die immer wieder gerade auch von konservativen Politikern gepriesene Tarifautonomie ist in weiten Teilen zerstört worden. Mit dem Fortfall des Zumutbarkeitsschutzes, der bis zur Einführung von Hartz IV faktisch eine &quot;Lohnuntergrenze&quot; darstellte, war der freie Fall der Löhne vorprogrammiert. Dies war der letzte Anlass für ver.di als Notwehrmaßnahme auf den allgemeingültigen, gesetzlichen Mindestlohn zu setzen.
Wenn die CDU jetzt Krokodilstränen ob des Schicksals der Hunger- und Niedriglöhner vergießt, sich gleichzeitig weigert den Mindestlohn festzulegen, dann ist dies triefender Zynismus. Den schwarzen Peter den Tarifvertragsparteien zuzuschieben, ist so, als würde man einem Menschen die Beine brechen und dann von ihm verlangen, hundert Meter zu laufen. Als beispielhafte Orientierung wird in der CDU auf die Mindestlohnsätze bei Leihbeschäftigen in Höhe von 7,79 Euro im Westen und 6,89 Euro im Osten verweisen. Einmal abgesehen davon, dass diese Sätze viel zu niedrig sind und die Ost-West-Diskriminierung grotesk ist – wie sollte der DGB mit dem BDA als Verhandlungspartner selbst solche &quot;Lohnuntergrenzen&quot; durchsetzen? Ohne jeglichen Druck aus den Betrieben?
Zum gesetzlichen Mindestlohn, betrage er 8,50 Euro wie vom DGB oder zehn Euro wie von der Linken gefordert, gehört zwingend die Festlegung durch den Gesetzgeber. Wer das verweigert, will keine &quot;Lohnuntergrenze&quot;, die die Lebenslage der Menschen verbessert, geschweige denn den Mindestlohn.]]></content:encoded>
			<category>Mindestlohn Countdown2011</category>
			<category>Mindestlohnkampagne</category>
			<category>Nachrichten</category>
			
			
			<pubDate>Mon, 07 Nov 2011 09:08:00 +0100</pubDate>
			
		</item>
		
		<item>
			<title>Öffentliche Haushalte von Kapitalmarktabhängigkeit befreien!</title>
			<link>http://www.die-linke.de/nc/dielinke/nachrichten/detail/artikel/oeffentliche-haushalte-von-kapitalmarktabhaengigkeit-befreien/</link>
			<description>Die Fraktionsvorsitzendenkonferenz der LINKEN hat auf ihrer Zusammenkunft in Düsseldorf folgende...</description>
			<content:encoded><![CDATA[Die Erweiterung des Europäischen Rettungsschirms markiert nicht den Anfang vom Ende der Krise, sondern den Einstieg in eine neue Phase der Krise. Denn die Zustimmung der Mehrheit des deutschen Bundestages zur erweiterten EFSF bedeutet, dass auch die deutschen Steuerzahler/-innen unmittelbar in die Zahlungspflicht für den Ausfall von Staatsanleihen einzutreten haben. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hat damit eine Garantieerklärung für die großen Vermögen und eine Verlängerung der Lizenz des Casinokapitalismus erteilt.
SPD und Grüne, die immer wieder behaupten, die richtigen Lehren aus der Finanzkrise zu ziehen, haben dem zugestimmt. Damit haben sie klar gemacht, dass sie einer Politik des Abwälzens der Krisenlasten auf die Bevölkerung Deutschlands und der anderen EU-Staaten keine ernsthafte Alternative entgegensetzen. Die Entzauberung der Neuauflage von Rot-Grün hat mit der Zustimmung von Steinmeier und Trittin auch zu dieser Erweiterung des Euro-Rettungsschirms begonnen.
Die Fraktionsvorsitzendenkonferenz bekräftigt die Forderung der LINKEN, den Bankensektor öffentlich-rechtlich und transparent zu gestalten und unter demokratischer Kontrolle streng zu regulieren. Denn die öffentlichen Haushalte müssen sofort von der Abhängigkeit der großen privaten Banken befreit werden. Dazu müssen vor allem die angeschlagenen Staaten die Möglichkeit bekommen, über eine öffentliche Bank zinsgünstige Kredite aufzunehmen. Gleichzeitig ist der Schuldenstand durch eine Beteiligung der Banken und privaten Gläubiger sowie durch eine europaweite Vermögensabgabe für Millionäre drastisch zu senken.
Die Finanzkrise ist eine Krise des Kapitalismus. Sie ist keine Staatsschuldenkrise. Die Einführung der Schuldenbremse nach deutschem Vorbild in anderen europäischen Staaten ist völlig kontraproduktiv und zwingt gerade die angeschlagenen Länder zu weiteren krisenverschärfenden Einsparungen. Die Vorsitzenden der Fraktionen der LINKEN gehen davon aus, dass auch die Entwicklung der Länderhaushalte zunehmend in Widerspruch zu den Vorgaben der Schuldenbremse geraten wird. Deshalb muss die Einnahmebasis der Länder und Kommunen nachhaltig gestärkt werden. Dazu gehört nicht nur die Wiedereinführung der Vermögenssteuer, sondern auch eine stärkere Kostenbeteiligung des Bundes an den Bildungsausgaben der Länder sowie an den Sozialausgaben der Kommunen.
Die Fraktionsvorsitzendenkonferenz bedauert in diesem Zusammenhang ausdrücklich, dass die griechische Regierung das geplante Referendum über das neue EU-Finanzpaket abgesagt hat. Dass eine Befragung der Bevölkerung, die die erneuten, mit dem Paket verbundenen massiven sozialen Einschnitte tragen muss, als nicht opportun erachtet wird, belegt erneut den gravierenden Mangel an Demokratie nicht nur während der gegenwärtigen Wirtschafts- und Finanzordnung.]]></content:encoded>
			<category>Nachrichten</category>
			<category>Euro-Krise</category>
			
			
			<pubDate>Fri, 04 Nov 2011 09:13:00 +0100</pubDate>
			
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